Interview mit Beilunker Reiter Sperber

Über Sperber

Sperbers Avatare bei Ulisses, DSA4, Tanelorn und Vinsalt

Nandurion: Hallo Sperber! Beginnen wir mit einigen Fragen zum Leben außerhalb von DSA. Wie heißt du und wer ist Sperber im echten Leben?

Sperber: Mein Name ist Jörg, ich bin junge 32 Jahre und stamme aus der Pfalz.

Nandurion: Welchen Hobbys frönst du noch, wenn du dich nicht gerade in Foren herumtreibst?

Sperber: Ich bin begeisterter Brett- und Gesellschaftsspieler und lese bis mein Bücherregal zusammenbricht. Zudem versuche ich, wann immer ich die Zeit finde, Theater, Oper und klassische Konzerte zu besuchen. Ansonsten verbringe ich viel Zeit mit dem Lesen von Mangas und dem Sammeln und Ansehen von Animes.

Nandurion: Hast du andere Aktivitäten oder Projekte im Internet laufen? (Links)

Sperber: Nein, derzeit nicht. Es ist etwas in Planung, aber die Realisierung ist noch weit entfernt.

Nandurion: Deine Signatur (mit Banner) im Ulisses Forum – „Es gibt nichts Ehrenhafteres für einen Samurai, als für seinen Herrn zu sterben.“ – verrät dass du Fan des Rollenspiels Legends of the Five Rings bist. Was fasziniert dich so an dem Rollenspiel, insbesondere im Vergleich zu DSA?

Sperber: Ich mag es insbesondere, wenn unsere westliche Moral und Ethik mit denen jener Samurai-Epoche kollidieren. Das zwingt mich als Spieler zum Umdenken und führt zu völlig anderen Ereignissen und Erlebnissen während des Rollenspiels. Zudem war ich schon immer von den Samurai und ihrer Welt fasziniert, so dass ein Rollenspiel über das Thema für mich ein völlig natürlicher Schritt war.

Ein Vergleich mit DSA lässt sich meiner Meinung nach nur sehr schwer anstellen. Die Unterschiede sind einfach zu groß und zu vielfältig, als wolle man Call of Cthulhu mit Shadowrun vergleichen. Wenn ich einen Vergleich ziehen müsste, was mich bei L5R fasziniert und was ich bei DSA so nicht finde, dann würde ich das Cineastische im System hervorheben.

Nandurion: Spielst du außerdem noch andere Rollenspiele (außer DSA natürlich)?

Sperber: Zu den Spielen, die ich gerne regelmäßig am Spieltisch sehe, gehören unter anderem: Buffy  The Vampire Slayer, Serenity, Savage Worlds  – Necessary Evil, All flesh must be eaten und natürlich Legend of the Five Rings.

Darüber hinaus greife ich auch gerne mal zu allen möglichen Sets der World of Darkness, Shadowrun, Cthulhu, Hollow Earth Expedition, Warhammer (Fantasy und 40k). Im Grunde gibt es nur wenig Rollenspiele, die ich nicht spielen würde oder zumindest nicht ausprobieren möchte.

Nandurion: Kommen wir nun zu deiner DSA-Vergangenheit. Seit wann spielst du schon DSA und wie hat alles angefangen?

Sperber: Meine erste DSA-Runde hatte ich im zarten Alter von 12 Jahren, also vor 20 Jahren (Jubiläum!). Ich erinnere mich noch, dass mein erster Charakter ein Zwergenkrieger war, der sich ganz klassisch mit dem Elfen der Gruppe angelegt hat. Es hat mich auch ziemlich überrascht als meine erfahrenen Mitspieler mich mit direkter Rede, also aus Sicht ihres Charakters, angesprochen haben. Das war mir bis dato unbekannt.

Denn angefangen hat alles mit der roten D&D-Basisbox, die ich 2 Jahre zuvor in unserer Stadtbücherei entdeckt und ausgeliehen habe.  Mit zwei Schulfreuden (zu der Zeit noch Grundschule) haben wir dann am Wochenende unsere ersten Charaktere erwürfelt (ich hatte einen Kleriker), ein Dungeon gezeichnet und die vielen Würfeltabellen im Buch benutzt, um die Räume des Dungeons mit den unterschiedlichsten Monstern und Schätzen zu füllen. Durch den Einfluss von HeroQuest bestanden die ersten erlebten Abenteuer also aus reinem Dungeoncrawling. In der sechsten Klasse wurde ich dann von einem neuen Schulfreund zu oben erwähnter DSA-Runde eingeladen. Ein halbes Jahr später haben wir dann unsere eigene Gruppe gegründet und DSA wurde ein fester Bestandteil unseres Lebens mit ein bis zwei Spielsitzungen die Woche.

Nandurion: Plaudere etwas aus dem Nähkästchen: Welche Heldentypen spielst du besonders gerne? Hast du Vorlieben für bestimmte Regionen Aventuriens? Interessierst du dich auch für Myranor, Uthuria, Tharun oder Rakshazar? Wie würdest du deinen favorisierten Spielstil und dein Lieblingsgenre beschreiben?

Sperber: Ich bevorzuge Charaktere mit eigener Persönlichkeit und deutlichem Wiedererkennungswert. Daher ist der Typus des Helden relativ egal. Was passt wird genommen und so findet man in meinem Ordner vom Stammeskrieger über Druiden zum Magier und Geweihten ziemlich alles. Was ich nicht so gerne spiele sind die Fluffprofessionen wie den Zuckerbäcker. DSA ist für mich ein Heldenrollenspiel und daher spiele ich lieber klassische Heldenprofessionen.

Myranor interessiert mich inzwischen mehr als früher, nachdem ich nun zweimal als Spieler reinschnuppern konnte. Wege nach Myranor steht auf meiner Wunschliste. Uthuria wird auf jeden Fall einen Platz in meinem Regal finden, bei Tharun bin ich eher zurückhaltend; die alte Schwertmeisterbox hat mich nie gepackt und fasziniert. Die Neuauflage erhält auf jeden Fall eine Chance, aber sicher ist noch nichts. Rakshazar gefällt mir sehr gut und ich würde dort gerne mal spielen, doch leider hat sich bisher keine Möglichkeit dafür gefunden.

Ein richtiges Lieblingsgenre habe ich eigentlich nicht, denn mein favorisierter Spielstil lässt sich problemlos in allen Genres unterbringen. Ich bin in erster Linie Theaterrollenspieler. Ich mag es einfach in eine von mir erdachte Persönlichkeit zu schlüpfen und diese auszuspielen. Dabei mache ich keine halben Sachen und stecke auch nicht zurück, wenn es nachteilig wäre. Der Charakter wird rigoros ausgespielt mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben.

Nandurion: Erzähle uns doch über das was du am Rollenspielsystem DSA besonders zu schätzten weißt. Warum spielst du vorrangig DSA? (Tust du doch, oder?)

Sperber: Ganz ehrlich, es ist sicher ein Grund, dass ich vorrangig DSA spiele, da man für DSA sehr einfach Spieler findet.

Aber natürlich gibt es noch mehr als die reine Zahl an Spielern, was mich für so lange bei DSA gehalten hat. Allem voran natürlich die Spielwelt (Aventurien). Je besser mein Kopfkino funktioniert, desto mehr schätze ich eine Spielwelt und DSA mit seiner ausgearbeiteten Geschichte und dicht beschriebenen Welt unterstützt dies.  Aventurien ist daher so etwas wie ein zweites Zuhause im Rollenspiel geworden: ein Ort an dem ich mich auskenne, wo ich mich wohlfühle. Ob das Abenteuer nun in Thorwal oder Khunchom stattfindet, ich kenne die Orte gut genug, um mich als Spieler dort zurecht zu finden.

Zudem bin ich ebenfalls ein großer Freund von lebendiger Geschichte zum Miterleben. Ich mag und bevorzuge sogar die sog. Metaplotabenteuer und DSA hat schon immer und wird auch hoffentlich weiterhin solche Abenteuer für mich und meine Gruppen bereit stellen.

Nandurion: Aber DSA hat auch seine Nachteile: Was magst du nicht so gerne an Regelsystem und Spielwelt? Was würdest du gerne anders haben? Was sollte sich da deiner Meinung nach in Zukunft ändern?

Sperber: Was mag ich nicht an der Spielwelt? Al’Anfa sollte mal gewinnen!

Lass mich zuerst mal differenzieren, zwischen dem was ich als persönliche Vorliebe gerne in DSA sehen würde und dem was ich für unabdingbar notwendig erachte.

Ich würde gerne in DSA zukünftig sehen, dass die fortschreitenden Geschichtsschreibung aufgelockert wird. Ich bin ein großer Verfechter des Stilmittels Zeitsprung, d.h. zwischen zwei Großereignissen liegen auch immer wieder Jahre der Ruhe und des Friedens oder zumindest eine Art Waffenstillstand und diese Phase wird einfach übersprungen. Sie dient dazu, dass sich die Landstriche und Königreiche von den Ereignissen erholen und die Verluste des Krieges gegen bspw. Borbarad nicht durch gespawnte Soldaten für das Jahr des Feuers ersetzt werden, sondern dass genug Zeit ingame vergangen ist, dass man das Schließen der Lücken in den Truppen durch das Aufwachsen einer neuer Generation begründen kann.

Wir hatten vor einiger Zeit im Ulisses-Forum eine große Diskussion über das Thema und ich weiß, dass die Meinungen hierzu mehr als nur gespalten sind. Daher ist dies nur eine persönliche Präferenz, die ich gerne sehen würde, aber nicht zwingend sein muss.

Anders sieht es aus, wenn ich mich an den Bereich Regelsystem setze. Obwohl ich im Großen und Ganzen zufrieden mit der aktuellen Edition bin, sind mir die mehr als nur offensichtlichen Schwächen nicht verborgen geblieben. Ich bin der festen Überzeugung, es ist notwendig, dass DSA in seiner Regelstruktur überarbeitet wird, vor allem mit dem Blick auf seine Einsteigerfreundlichkeit. Zunächst einmal sollte DSA weg von der Tatsache, dass es fünf Grundregelwerke benötigt, um spielbar zu sein. Man braucht Wege der Helden, um sich einen eigenen Charakter zu erstellen, Wege des Schwertes, um die grundlegenden Fähigkeiten dieses Charakters (Talente) vernünftig nutzen zu können, will man Zauberei in seinem Spiel, etwas was ich in einem Fantasy-Setting wie Aventurien für notwendig erachte, egal ob als Spieler oder Spielleiter, kommt man an Wege der Zauberei nicht vorbei und im gleichen Atemzug ist Wege der Zauberei nutzlos, wenn man nicht auch den Liber Cantiones kauft und man schließt dies mit Wege der Götter ab, welches ich als einziges der aufgezählten Regelwerke als optional einstufen würde.

Für mich ist das viel zu viel und dabei haben wir das Arsenal und die Wege der Alchimie noch nicht einmal mit aufgeführt. Die Grundidee hinter DSA4.0 bestand für mich darin ein Baukastensystem anzubieten, aber ich denke, dass man auch mit der Überarbeitung auf DSA4.1 dieses Ziel nicht wirklich erreicht hat. Es wird dringend ein richtiges Basisregelwerk benötigt, dass mir alles mitliefert, was ich zum DSA-Spielen benötige. Regeln für Charaktererschaffung, ein Talentsystem, eine Liste an Zaubern und Liturgien, damit ich auch da schon Magier und Geweihte spielen kann, ein paar grundlegende Kampffertigkeiten, usw. Also im wahrsten Sinne des Wortes eine Basis für rein optionale Ergänzungsbänder. Wer mehr als nur die standardisierte Magie des Grundregelwerkes in seiner Gruppe nutzen möchte, kann sich dann den Erweiterungsband Magie kaufen, aber eine Notwendigkeit für das Erleben eines Kaufabenteuers ist er im Gegensatz zu Heute nicht mehr. Wer neben Wuchtschlag und Finte mehr Auswahl im Kampf haben möchte, holt sich den Zusatzband für Kämpfer und da dort nicht mehr die Regeln zum Talenteinsatz stehen – man findet sie dort wo sie hingehören – im Basisregelwerk – ist auch dieses Werk rein optional.

DSA mit einem einzigen Buch spielbar machen, das wäre etwas was ich dringend im Regelwerk geändert sehen möchte. Obwohl ich ungern Vergleiche mit dem Inhalt „aber die haben es auch geschafft“ anstelle, komm ich hier eigentlich nicht drum herum. Viele andere Rollenspiele zeigen wie man das bewerkstelligen kann. Daher sollte es auch für DSA möglich sein.

Nandurion: Warst du schon als Autor von Fanpublikationen tätig oder wirkst du an Fanprojekten mit?

Sperber: Weder noch.

Nandurion: Hast du schon oder gedenkst du in Zukunft an offiziellen Publikationen für DSA mitzuwirken?

Sperber: Nein, ich habe noch nicht an offiziellen Publikationen gearbeitet.

Ich weiß nicht, ob meine Fähigkeiten dafür ausreichend sind. Daher würde ich lieber erst an einem der Autorenwettbewerbe mitmachen wollen, um diese zu testen. Sollte sich herausstellen, dass ich gut genug bin, dann ja, dann würde ich an offiziellem Material mitwirken wollen.

Nandurion: Auf einer Skala von 1-10, wie nerdig bist du?

Sperber: Schwierige Frage, da der Typus Nerd so viele Bereiche abdeckt. Als Star Trek-Fan, aber kein Trekkie, der jede Episode aller Serien incl. Filme mehr als nur einmal gesehen hat, wäre der Nerdfaktor wohl ein höherer Wert. Star Wars dagegen mag ich, aber der Nerdfaktor hält sich begrenzt. Ich habe Magic – The Gathering gespielt und lese Mangas, besitze aber keine Videospielkonsole, spiele lieber Wirtschafts- und Aufbausimulationen am PC. Und so weiter…

Ich sage daher einfach mal, ich stufe mich selbst auf eine mittlere 6 und überlasse anderen das Feld dies zu beurteilen und einzuordnen.

Nandurion: Wie viele Stunden verbringst du täglich oder wöchentlich in DSA-Foren (und Blogs)? In welchen Foren verbringst du am meisten Zeit? Was ist dein „Lieblings-“ oder „Stamm“-Forum?

Sperber: Schwierig eine Gesamtzahl zu nennen. Wann immer ich am PC sitze, ist mein Browser mit allen Blogs und Foren in denen ich aktiv bin oder mitlese geöffnet und und ich prüfe mindestens einmal pro halbe Stunde auf neue Nachrichten und Aktualisierungen. Meine Aktivitäten sind also ein durchgehender Hintergrundprozess während ich parallel irgendwas anderes mache.

Alles in allem dürften es aber 2 Stunden täglich sein, die ich aktiv in Foren und Blogs verbringe.

Mein Lieblings- und Stammforum sind ein und das selbe: Das Treffen der Unersättlichen, aka das ehemalige Forentreffen-Forum des Ulisses-Forums. Eine kleine, sehr gemütliche und freundliche Forengemeinschaft, die ich mehr als nur zu schätzen gelernt habe und mich vor einem Treffen mit einer Vorfreude erfüllt, wie ein kleines Kind an Weihnachten.

Nandurion: Woher kommt der Name und das Bild für deinen Forenavatar in deinem Lieblings/Stammforum?

Sperber: Mein Nick ‚Sperber‘ kommt vom Hauptcharakter aus David Eddings‘ Romansaga Elenium und Tamuli. Der Thron im Diamant war der erste Roman, der mich von Seite 1 an gefesselt hat, bei dem ich keine zehn Seiten oder das erste Kapitel benötigt habe, bis mich die Geschichte gepackt hatte.

Die Frage nach dem Avatar ist schon wieder schwieriger zu beantworten, da ich keinen festgelegten Avatar benutze. In meinem Stammforum, benutze ich ein Bild aus einem meiner Lieblings-Animes (Bleach), im Ulisses-Forum und in DSA4 habe ich L5R-Avatare, bei Vinsalt ein Fantasybild mit mir unbekannter Herkunft, bei Tanelorn einen Charakter aus einem PC-Spiel. Ich benutze eigentlich immer das, was mir gerade gefällt und wechsle den Avatar, wie ich Lust und Laune habe.

Nandurion: Kommst du zur SPIEL nach Essen oder zur Dreieich-Con? Auf welchen Cons kann man dich meist antreffen?

Sperber: Wie ich oben in den Hobbys bereits angegeben habe, bin ich riesiger Fan von Brett- und Gesellschaftsspielen. Ein Besuch der SPIEL in Essen ist daher Pflicht und ich freue mich wie ein Honigkuchenpferd, dass ich dieses Jahr wieder die Zeit finde. Ich werde von Donnerstag bis Samstag auf der Messe sein, wohl aber anonym als einfacher Messebesucher und daher ohne Beilunker-T-Shirt.

Die Dreieich-Con steht fest in meinem Terminkalender, vor allem, da ich Alex Spohr schon letztes Jahr versprochen hatte mal vorbeizuschauen. Ich weiß noch nicht, ob meine Zeit für beide Tage reicht, aber zumindest am Samstag werde ich mir die Zeit nehmen und sei es auch nur für ein paar Stunden.

In den letzten Jahren war ich dagegen sehr faul was Conbesuche betraf. Ich möchte dies wieder ändern. Wenn ich es einrichten kann, werde ich bei den dieses Jahr zum ersten mal stattfindenden Karlsruher Rollenspieltagen vorbei schauen.

Für das Jahr 2012 ist außer RatCon noch nichts geplant. Eventuell verschlägt es mich noch nach Kaiserslautern zur KaRoTa.

Nandurion: So, jetzt geht’s ans Eingemachte, nämlich um unsere Fragen rund um die Beilunker Reiter. Zuerst einmal die wichtigste Frage: Was hat dich dazu bewogen dich für den Job zu bewerben?

Um es ganz direkt zu sagen: Mich stört der Abgrund zwischen Verlag und Fangemeinde. Ich hatte und habe den Eindruck, dass sich beide Seiten mehr und mehr voneinander entfernen und dass es mehr ein Gegeneinander als ein Miteinander ist.  Dabei ist es für mich erst einmal irrelevant, wem man dafür die Schuld zuweisen will und ich bin auch nicht Beilunker Reiter geworden, um mit dem Finger zu zeigen.

Ich bin der Überzeugung, dass es nur dann ein erfolgreiches und zufriedenstellendes Produkt Das Schwarze Auge geben kann, wenn beide Seiten wieder mehr miteinander interagieren, miteinander sprechen und aufeinander zugehen.  Die Institution der Beilunker Reiter scheint mir dabei ein probates Mittel zu sein, dies zu erreichen oder zumindest die Gespräche wieder in die richtigen Bahnen zu lenken, ein Fundament zu errichten, auf dem man zukünftig aufbauen kann.

Ich möchte einfach nur meinen Teil dazu beitragen, dass es auch in zehn Jahren noch ein DSA gibt, mit dem der Großteil der Kunden zufrieden ist und gleichzeitig meinen eigenen Spaß an DSA im Internet erhöhen, denn gelinde gesagt: was in den vergangenen Monaten und Jahren im Netz zu lesen war, ist alles andere als spaßfördernd gewesen.  Meine Bewerbung um den Posten als Beilunker Reiter war also auch mit einer guten Portion Egoismus befleckt; ich bin aber der Überzeugung, dass der gute Zweck dies aufwiegen kann.

Nandurion: Wie siehst du deine Rolle als Beilunker? Was sind deine Aufgaben, für was möchtest du dich einsetzen, was ist dir wichtig?

Sperber: Ich kann mich hier nur wiederholen: Ich sehe meine Aufgabe darin die Kommunikation zwischen Verlag und Fangemeinde zu verbessern.

Es mag sich für den ein oder anderen unfair anhören, aber ich habe gesehen, dass man als Beilunker Reiter beim Verlag schneller ein offenes Ohr findet, als wenn man sich nur in einem der zahlreichen Foren zu Wort meldet und sein Anliegen dort niederschreibt. Bei Ulisses findet man festangestellte Mitarbeiter, die einfach nicht die Zeit aufbringen können in all diesen Foren unterwegs zu sein und sich überall der Kritik und der Fragen anzunehmen, denn ganz nebenbei müssen sie auch noch DSA, Pathfinder und Co. produzieren. Der Beilunker Reiter kann genau in diese Bresche springen. Wir sind sozusagen am Puls der Zeit und können uns aktuellen Brandherden, wie den jüngst eingerichteten Pdf-Shop, annehmen aber auch langfristige Themen gehen nicht unbemerkt an uns vorbei.

Der Verlag erhält damit einen Überblick, was gerade im Blickpunkt der Community ist und kann darauf reagieren. Der Fan und Käufer erhält im Gegenzug Feedback, das er ansonsten vielleicht nie oder nur stark verzögert bekommen hätte.

Dadurch, dass Clemens und Co. sich nur noch auf die Nachrichten und Anfragen von sechs Personen konzentrieren müssen (abseits des der immer noch bestehenden Feedback-Emailadresse), fällt es ihm und dem Verlag auch viel einfacher direkt und zeitnah zu antworten.

Genau dies, möchte ich gerne so weiterführen und ausbauen. Ich möchte in den Foren lesen, was den Usern am Herzen liegt und dies dem Verlag mitteilen. Und ich möchte den Usern das Gefühl geben gehört zu werden und kein kleines Stimmchen im Wald zu sein, das einsam und verlassen nur seinem eigenen Echo lauscht.

Der Beilunker Reiter ist für mich nicht nur ein simpler Botenreiter, obwohl die Bezeichnung dies so vermuten lässt, und er ist mehr als ein Werbeträger für Ulisses. Er ist ein Bindeglied zwischen Verlag und Kundschaft, dass es so ansonsten nicht geben würde. Zumindest hoffe ich, dass der Reiter diese Stellung einst einnehmen wird und werde mein Möglichstes tun, dies zu realisieren.

Nandurion: Wie gedenkst du deine Rollen als Beilunker Reiter, Forennutzer und Moderator im Ulisses Forum zu trennen? Ist das überhaupt nötig?

Sperber: Im Ulisses-Forum ist es meiner Meinung nach nicht notwendig. Zunächst sollte man erst einmal betrachten, wo ich als Moderator unterwegs bin. Da ist zum einen der Bereich für Legend of the Five Rings, das bekanntlich vom Uhrwerk Verlag produziert und vertrieben wird. Mein zweiter Aufgabenbereich als Moderator findet sich ganz unten auf der Seite im Bereich Community. Ich würde einen vermuteten Konflikt zwischen den beiden Tätigkeiten akzeptieren, wenn ich in irgendeiner Weise für den DSA-Bereich zuständig wäre. Da dem aber nicht so ist, kann ich auch keinen Konflikt erkennen.

Es kam aber schon in der Vergangenheit zu Missverständnissen und ich bin mir sicher, dass es auch in Zukunft ab und an dazu kommen wird. Dafür habe ich durchaus Verständnis und ich werde daher nicht müde meine Situation zu erklären.

Auch als Forennutzer sehe ich keine größeren Probleme. Ich bin zwar erst seit zwei Jahren im Ulisses-Forum aktiv, aber ich denke, dass man mich dort inzwischen gut genug kennt und zumindest die Stammuser unterscheiden können und werden, ob ich als Reiter oder als Sperber unterwegs bin.

Nandurion: Wie gehst du mit Infos um, die du von Ulisses erfährst. Markierst du die entsprechend mit einem „Clemens hat mir gesagt…“?

Sperber: Nein, denn das wäre auch gegenüber Clemens äußerst unfair. In vielen Punkten und Fragen, die er mit uns bespricht oder uns beantwortet ist Clemens auch „nur“ ein Bindeglied. Er geht quasi ins Büro nebenan und hakt nach, bevor er sich bei uns meldet.  „Clemens hat mir gesagt…“ würde ihm nur den Schwarzen Peter für Aussagen zustecken, die er selbst so nicht gemacht sondern nur weitergeleitet hat.

Von mir wird es ein simples und neutrales „Ich habe Antwort vom Verlag bekommen. Es sieht folgendermaßen aus…“ geben.

Nandurion: Als Beilunker Reiter weißt du manchmal mehr als du sagen darfst. Brennt es dir da manchmal unter den Nägeln, wenn du dir in einer Foren-Diskussion das Tippen verkneifen musst?

Sperber: Ja, insbesondere wenn ich der Meinung bin, dass die Veröffentlichung dieser Interna meinem gesetzten Ziel, den Graben zwischen Community und Verlag zu füllen, dienlich sein wird. Auf der anderen Seite setzt auch der Verlag eine große Menge Vertrauen in uns, indem er uns Reitern diese Interna mitteilt und ich möchte dieses Vertrauen nicht missbrauchen, denn das wäre ein Schuss ins eigene Knie. So ein Vertrauensbruch führt unweigerlich zu meiner ‚Amtsenthebung‘, ich könnte nicht weiter an einer Verbesserung der Kommunikation arbeiten und der Verlag sieht sich vlt. gezwungen seine Linie zu ändern und meinen Kollegen und Nachfolgern keine weiteren Interna mitzuteilen.

Wenn ich also abwäge, dass dem Jucken nachzugeben im Endeffekt dazu führen würde, dass der Graben weiter wächst, als ich ihn mit Plauderei hätte schließen können, dann ist das Verkneifen ein geringer Preis.

Nandurion: Wie gehst du mit dem Vorwurf um, dass deine persönliche Meinung durch dein Amt als Beilunker Reiter beeinflusst wird. Ist da was dran?

Sperber: Zu Beginn habe ich vehement bestritten, dass es dazu kommen wird. Bereits nach so kurzer Zeit im Amt muss ich eingestehen, dass ich mich geirrt habe. Natürlich hat die Position als Beilunker Reiter meine persönliche Meinung beeinflusst.

Das hängt eng damit zusammen, dass ich jene gerade angesprochenen Interna mitgeteilt bekomme. Wenn man mehr Informationen hat, dann eröffnen sich natürlich auch mehr mögliche Meinungen und in einigen Bereichen hat dies auch dazu geführt, dass ich mir eine neue Meinung gebildet haben.

Nandurion: Es kam in der Community die Befürchtung auf, dass die Beilunker die „Überbringer schlechter Nachrichten“ für Ulisses spielen müssen. Dürft ihr auch gute Nachrichten überbringen?

Sperber: Ich würde sagen, dass weder das eine noch das andere tatsächlich zutrifft. Ulisses wird auch weiterhin dafür sorgen, dass sie selbst die guten wie schlechten Nachrichten überbringen. Genau dafür wurde doch der Blog eingerichtet und zu guter Letzt wollen wir Reiter ja auch nicht der Nachrichtenagentur Nandurion Konkurrenz machen.

Vielmehr steht es zu befürchten, dass wir Reiter in Zukunft die erste Adresse des Shitstorms sein werden, wenn Ulisses mal wieder eine schlechte Nachricht verkündet hat. Aber das war jedem Reiter bekannt, als er sich um den Posten beworben hat, ist also keine große Überraschung, wenn es mal so kommen wird.

Wobei ich aber auch nicht vergessen möchte zu erwähnen, dass es in Einzelfällen dazu kommen kann, dass wir Reiter doch noch Glücksboten sein können.  Dies betrifft dann wohl aber eher kleinere Anfragen einzelner User und nicht die großen Themen.

Nandurion: Es gibt in der Community sowohl „Dauernörgler“ als auch „Jubelperser“. Wie gehst du mit solchen extremen Forenschreibern um?

Sperber: Da muss ich zunächst sagen, dass ich den Eindruck habe der „Jubelperser“ ist am Rande des Aussterbens. Kann sein, dass ich die entsprechenden Forennutzer übersehe bzw. die „Dauernörgler“ einfach lauter sind, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und so dem „Jubelperser“ keinen Spielraum mehr lassen, aber da mir schon seit längerem kein Exemplar dieser Gattung mehr begegnet ist, fällt mir auch schwer zu beschreiben, wie ich mit ihm umgehen würde.

Bei den „Dauernörglern“ versuche ich zu unterscheiden zwischen der Gruppe, die aus Gewohnheit oder einfach nur aus Spaß am Forentrollleben meckert und jenen, denen noch an DSA gelegen ist und mit ihren ständig negativen Meldungen dazu beitragen wollen, dass Fehler im System erkannt und ausgebessert werden, mit dem endgültigen Ziel ein Schwarzes Auge auf dem Spieltisch liegen zu haben, mit dem auch sie wieder Spaß haben können.

Das ist mit Sicherheit kein Unternehmen, dass ich auf die leichte Schulter nehme, aber genau das ist meine Aufgabe. Dies ist das Feedback, das Ulisses sich wünscht, das ich dem Verlag mitteilen muss, damit man in der nächsten oder übernächsten Redaktionskonferenz darüber reden und diskutieren kann.

Das direkte Gespräch mit einem „Dauernörgler“ ist natürlich immer sehr anstrengend, denn man hat schnell das Gefühl gegen eine Wand zu reden – zumindest sind solche Gespräche meist gleich wenig produktiv.  Daher liegt es an mir, das notwendige Maß an Geduld und Verständnis aufzubringen und mich dahingehend zu trainieren dieses Maß stetig zu erhöhen, damit ich bestmöglich versuchen kann dem „Dauernörgler“ zu zuhören und im Gegenzug zu antworten. Nur dann habe ich eine reelle Chance ihn im Ansatz zu erreichen.

Nandurion: Ulisses hat in den letzten Monaten viel Gegenwind aus der Community bekommen. Zu recht? Bist du der Meinung, das Ulisses dadurch zum Umdenken im Umgang mit den Fans bewegt wurde?

Sperber: Ob zu Recht oder zu Unrecht kann ich so ad hoc nicht beantworten. Mit Sicherheit gab es einige Situationen in denen man sich zumindest ungeschickt verhalten hat, wo manches hätte besser laufen können. Dann wiederum gab es aber auch einige Momente, in denen ich überrascht, wenn nicht sogar entsetzt davon war, was die Community bzw. einzelne Personen von Ulisses alles fordern und verlangen. Dies sind aber durch die Reihe Einzelfälle, die man auch als solche betrachten sollte und man daher nicht alles über einen Kamm schert.

Doch unabhängig davon, ob der Gegenwind im Einzelfall nun berechtigt war oder nicht, hat er auf jeden Fall dazu beigetragen, dass Ulisses angefangen hat Änderungen durchzuführen. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit vor dem Blog, als Nachrichten aus dem Haus Ulisses Mangelware waren, man sich als Kunde alle Informationen von Alveran geholt hat. Inzwischen vergeht keine Woche ohne mindestens einen neuen Blogeintrag zu DSA und all den anderen Produkten. Und ja, ich führe das auf den Umstand zurück, dass überall und wiederholt der Ruf der Community nach besserer Berichterstattung ertönte.

Nandurion: Am häufigsten wurde wohl die Kommunikation von Ulisses mit den Fans kritisiert. Siehst du hier eine Besserung? Wie können die Beilunker zu einer besseren Kommunikation beitragen?

Sperber: Die Kommunikation ist noch nicht ideal, aber deutlich besser als früher. Und ja, genau da können wir Beilunker Reiter helfen. Unser oberstes Gebot muss sein „Zuhören!“. Unser zweites Gebot „Neutralität!“. Ich weiß, viele sprechen uns ab, dass wir die Neutralität wahren können, aber so meine ich das auch nicht. Was ich sagen möchte: Wir Beilunker Reiter müssen unsere eigenen Ideen und Vorstellungen, unserer eigenen Wünsche was DSA einst liefern soll hinten anstellen und Meinungen und Kritiken nicht ignorieren oder abschmettern, nur weil sie uns nicht schmecken. Die Fans wollen Halbling-Assasinen? Der Beilunker Reiter muss diesen Wunsch gegenüber Ulisses äußern und ggf. vertreten, egal  was der Sperber davon hält (nicht viel).

So wie der Verlag das Vertrauen in mich setzt keine Interna nach Außen zu tragen, so wird mir auch von der Community vertraut, dass ich meine Position nicht ausnutze und DSA mit falschem oder gar keinem Feedback in die Richtung manipuliere, wie sie mir am besten gefällt.

Wenn wir Beilunker Reiter uns an dieses Credo halten, dann können wir sicherlich einiges dazu beitragen die Kommunikation zwischen Verlag und Community weiter zu verbessern.

Nandurion: Zu deinen Aufgaben als Beilunker Reiter gehört auch, zwischen dem Verlag und den Fans zu vermitteln. Könntest du versuchen einen Wunsch der Fans an Ulisses zu formulieren. Und das Ganze auch umgekehrt: Was wünscht sich Ulisses von den Fans?

Sperber: Die Fans an Ulisses: Wir wünschen uns, dass ihr uns zuhört und darauf eingeht, welche Wünsche wir für unser DSA haben. DSA lebt und fällt mit den Fans und daher sollte es auch in eurem Interesse sein,  unsere Kritiken in den Schaffungsprozess zukünftiger Produkte einfließen zu lassen.

Ulisses an die Fans: Bitte fallt nicht immer gleich mit der Tür ins Haus! Wir werden stets unser Bestes geben, doch sind wir auch nur Menschen und können einfach nicht jeden zu jeder Zeit zufrieden stellen.

Nandurion: Sperber, wir danken dir für das Interview!

Das Interview führte Thamor.

Über Thamor

Ich spiele seit 1992 begeistert DSA, meist in der Rolle des Meisters. 2008 gründete ich das DereGlobus-Projekt. Bei Nandurion betreue ich die Twitter-Kurzmeldungen. http://about.me/Thamor
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