Interview mit Tom Finn

Der Name Tom Finn dürfte jedem von euch ein Begriff sein, denn seit Grenzenlose Macht bis zu seinem Ausscheiden aus der Redaktion war Tom für zahlreiche DSA-Projekte in und um Aventurien verantwortlich. In unserem ausführlichen  Interview, das wir – passend zu Toms Knecht-Ruprecht-Schocker Weißer Schrecken (dazu später mehr) – am Nikolaustag veröffentlichen, wirft Tom sowohl einen Blick in die Vergangenheit als auch in die Zukunft und plaudert mit uns über seinen Weg zu DSA, seinen Abschied von Aventurien, seine zukünftigen Projekte innerhalb und außerhalb des DSA-Universums und darüber, was ihn sonst zurzeit so auf Trab hält. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und einen ebenso angenehmen wie schreckfreien 06. Dezember.

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Warnung: Das folgende Interview enthält delikate Informationen zum ERDE-Metaplot De Ovis Paschalibus, der sich um die wahren Ursprünge des Osterfests, die Illuminaten und mindestens eine weitere sinistre Verschwörergruppe dreht, die so garantiert nicht im Orga-Band zu finden sein wird. Weiterlesen auf eigene Gefahr!

Nandurion: Auch wenn Du es vermutlich schon 100 Mal erzählt hast: Wie bist zu zum Rollenspiel und insbesondere zu DSA gekommen?

Tom Finn: 1984 durch eine schlichte Werbeanzeige für DSA in der Zeitschrift „Mädchen“, die meine Schwester damals las (und ich damit natürlich auch :)). Bereits 1985 nahm ich dann am sog. „Abenteuer-Austauschkreis-Twisteringen“ teil, bei dem man 10 Kopien eines selbstgeschriebenen DSA-Abenteuers an den Organisator schicken musste, um 10 Kopien anderer DSA-Abenteuer zurückzuerhalten. In Zeiten von nur vier offiziellen Abenteuerpublikationen pro Jahr (und ohne Internet) eine echte Innovation. Das war übrigens auch das Jahr, in dem ich gemeinsam mit Hanke Henning damit begann, unser damaliges Rollenspiel-Fanzine „Die Schriftrolle“ zu planen und dann herauszugeben. Fortan war ich in der Szene aktiv. Ab 1991/92 arbeitete ich dann als Redakteur bei der ZauberZeit und schrieb Abenteuer für H.P. Lovecrafts Cthulhu sowie Plüsch, Power & Plunder. Dennoch dauerte es noch bis ungefähr 1995, bis ich professionell für DSA zu schreiben begann.
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Tom Finn und Das Schwarze Auge

Nandurion: Erinnerst Du Dich noch, was Dein erster Charakter war, den Du gespielt hast?

Tom Finn: Leider nicht. Ich übernahm aber irgendwann den Elfen eines Freundes, der mit Rollenspiel nicht wirklich etwas anzufangen musste. Vorrangig war ich aber immer als Spielleiter aktiv.

Nandurion: Was spielst Du zurzeit an Rollenspiel(en)?

Tom Finn: Derzeit leite ich eine große Südmeerkampagne für DSA. Wir spielen aber grundsätzlich alles querbeet. Neben DSA schlägt mein Herz vor allem für Cthulhu. Ein System, für das ich ebenfalls einige offizielle Abenteuer verfasst habe.

Nandurion: Bist Du eher als Spielleiter oder als Spieler aktiv?

Tom Finn: Eher als Spielleiter.

Nandurion: Was, würdest Du sagen, war bisher Dein schönes DSA-Erlebnis am Spieltisch?

Tom Finn: Oje, das ist unmöglich zu beantworten. Rollenspiele ganz allgemein üben wegen vieler solcher Erlebnisse eine derartige Faszination auf mich aus, dass ich das „Geschichten erzählen“ schließlich zu meinem Beruf gemacht habe.

Nandurion: Gibt es ein DSA-Abenteuer, das Du als Dein Lieblingsabenteuer bezeichnen würdest?

Tom Finn: Von den Kollegenabenteuern schätze ich das jüngere „Klar zum Entern“ sehr! Bei den alten Abenteuern schwelge ich noch immer in angenehmen Erinnerungen an die „Verschwörung von Gareth“ sowie an das feine „Göttin der Amazonen“. Von meinen eigenen Abenteuern und Kampagnen mag ich immer noch alle, wobei ich besonders glücklich über „Schreie in der Nacht“ bin. Dabei handelt es sich um ein Stadtabenteuer, das ich für die damalige Garethbox geschrieben hatte und bei dem ich explizit versucht habe, vorzuführen, welche Möglichkeiten eine Stadt fürs Fantasy-Rollenspiel bietet.

Nandurion: Hast Du eine Lieblingsregion, einen Lieblings-NSC oder ein Lieblingsthema in Aventurien bzw. auf Dere)?

Tom Finn: Nein. Dere bietet einfach eine zu große Bühne für spannende Geschichten aller Art. Hinzu kommt, dass ich meine Aufgabe als einstiger Redakteur immer so verstanden hatte, jene Themen aufzugreifen, die benötigt wurden und die nicht bloß meinem Partikularinteresse zuzuschreiben sind bzw. waren. Mein persönlicher Anreiz beim Schreiben bestand immer darin, mir möglichst die kniffligen Sachen im aventurisch/derischen Geschehen herauszupicken und diese abenteuerlich mit Leben zu erfüllen. Sei es die geheimnisvolle Elfenstadt Simyala, die Hadmar Wieser damals frecherweise mitten im Reichsforst platziert hatte, sei es die legendäre Überfahrt ins Güldenland, die ich mit Anton Weste designt hatte oder sei es das mit Spannungen erwartete neue Donnersturmrennen, das mit hohen Spielererwartungen schier überfrachtet war.

Nandurion: Du schreibst auch für andere Rollenspiele und bewegst Dich in anderen fiktiven Welten: Was lässt Dich dennoch nach Dere zurückkehren? Und was lässt Dich eher wieder flüchten?

Tom Finn: DSA ist immerhin das Spiel, das mich überhaupt erst zum Rollenspiel und damit auch zum Schreiben gebracht hat. Insofern besteht da schon ein starker emotionaler Bezug. Hinzu kommt, dass in einer Fantasywelt wie DSA ganz andere Storylines möglich sind, als in anderen Settings. Zur Flucht hat mich bei DSA nie etwas getrieben, im Gegenteil. Allerdings stellt sich die Frage inzwischen ja auch nicht mehr. Als einstiger Redakteur hatte ich bis zu unserem, nun ja, nennen wir es mal ungeschminkt Rauswurf im März diesen Jahres, noch einige tolle Ideen, die jetzt leider unerzählt bleiben werden. So wollten Tigger und ich nach dem Donnersturmrennen noch ein fetziges Abenteuer um den Aikar Brazoragh schreiben. Und noch im März diesen Jahres hatte ich Mario Truant eine coole neue Elfenkampagne im Stile von Phileasson und Simyala für 2012/13 angeboten, die ich mit einigen meiner damaligen Redaktionskollegen schreiben wollte. Mario wollte die Kampagne aber nicht – und wie wir kurz darauf erfahren mussten, war ihm die alte Redaktion eh ein Dorn im Auge. Sehr schade, aber das ist natürlich sein gutes Recht als Verlagsleiter.

Nandurion: Ist die Frage erlaubt, warum Ulisses sich für so eine drastische Kehrtwende entschlossen hat? Viele Fans sind wirklich geschockt über euer Ausscheiden aus der Redaktion.

Tom Finn: Ich kann dir die Frage leider nicht beantworten, ehrlich. Ich schätze, keiner der Kollegen kann das. Wir wurden weder vor noch nach der knappen Mitteilung über die Redaktionsauflösung über die Gründe dieser Entscheidung in Kenntnis gesetzt, was – zumindest für mich – nach 16 Jahren Redaktionsarbeit schon etwas enttäuschend war. Die alte Alveraniarsmannschaft wurde dann ja ebenfalls aufgelöst. Ebenso sind die einstigen Hauptzeichner nicht mehr an Bord. Ulisses wollte mit dieser Zäsur offenbar alle alten Zöpfe abschneiden, um neue Wege zu beschreiten, was für einen Verlag prinzipiell ja auch legitim ist. Zwischenmenschlich hätte ich mir natürlich ein anderes Vorgehen gewünscht, allzumal gute Autoren ja nicht unbedingt auf den Bäumen wachsen. Aber darüber habe ich nicht zu befinden und vielleicht kehren die neuen Besen ja tatsächlich besser 🙂 .

Nandurion: Borbarad, Jahr des Feuers, Donnersturm: Wenn in Aventurien so richtig die Fetzen flogen, warst Du eigentlich immer mit dabei. Was überzeugt Dich rückblickend an diesen Abenteuern und Kampagnen immer noch,  und wo, würdest Du sagen, lief es nicht so gut?

Tom Finn: *Lach* Von dem, was ich verzapft habe, war ich immer überzeugt, sonst hätte ich es nicht geschrieben – und über die Arbeit der einstigen Kollegen lasse ich mich nicht öffentlich aus. Ich habe im Übrigen auch manche Abenteuer geschrieben, bei denen nicht ständig die kosmischen Fetzen flogen. So freue ich mich, dass „Über den Greifenpass“ noch immer von vielen DSA’lern als ideales Einstiegsabenteuer bezeichnet wird. Denn genau das war damals mein Ansatz – incl. einiger darin enthaltener Tipps zur Metaebene des Rollenspiels, die in einem Regelwerk ja oft zu kurz kommen. Wenn es bei bestimmten Abenteuern gegebenenfalls mal nicht so rund lief, dann war das wohl eher bei den großen Kampagnen der Fall, an denen in der Regel mehrere Autoren gleichzeitig mit tendentiell anderen Visionen der entsprechenden Geschichte arbeiteten. Man denke nur an die Borbarad-Kampagne damals und die überarbeitete Version von heute. Aber auch das sah ich immer locker, da DSA nie meine Privatwelt war und bestimmte Geschichten eben so oder so geschrieben werden können. Es gibt eh keine Abenteuer, die der Spielleiter nicht an die individuellen Spielerbedürfnisse hin anpassen muss.

Nandurion: In eine ähnliche Kerbe schlägt auch folgende Frage: Was hältst Du für Deinen bisher wichtigsten Beitrag zu DSA? Und was würdest Du rückwirkend betrachtet lieber streichen?

Tom Finn: Streichen? Gar nichts. Der wichtigste Beitrag? Vermutlich dürfte das wohl meine Mitarbeit an „Rausch der Ewigkeit“, dem Abschlussband der Borbarad-Kampagne, gewesen sein. Hätten Hadmar und ich dieses Abenteuer in den Sand gesetzt, würden uns die Fans vermutlich bis heute mit Briefbomben traktieren 🙂 .

Nandurion: Der Myranor Kurzgeschichten-Band: Erscheint der noch? Und kannst Du uns sagen, worum es in Deinem Beitrag gehen wird?

Tom Finn: Yep, der Band erscheint im ersten Halbjahr 2012, wird von niemand Geringerem als Bernhard Hennen herausgegeben und enthält eine ganze Reihe an Kurzgeschichten, von denen meine mit gut 100 Seiten Länge vermutlich die längste sein dürfte. Angesiedelt sind all die Stories in der myranischen (Frei-)Stadt Daranel. In meiner Geschichte müssen eine Amauni und ein menschlicher „Anwalt“ aus bestimmten Gründen versuchen, einen Nerristu vom Vorwurf des Mordes an einem Optimaten reinzuwaschen. Klar, dass die beiden dabei auf einige alte Stadtgeheimnisse aufmerksam werden. Wir Autoren haben uns übrigens sehr darum bemüht, die Geschichten miteinander zu verzahnen. Und ganz klar, die Anthologie soll exemplarisch zeigen, wie Myranor so funktioniert :).

Nandurion: Stichwort „Orgien in den Thermen“. Können wir Dir dazu ein paar Hinweise entlocken, denn ein Aventurien-Abenteuer erscheint ja offenbar doch noch von Dir.

Tom Finn: Dabei handelt es sich um ein Abenteuer aus der Feder von Anton Weste und mir, an dem Anton derzeit noch letzte Hand anlegt. Schauplatz ist tatsächlich eine Orgie während der Namenlosen Tage, die auf dem Gelände der Kaiser Bardo-Therme in Gareth stattfindet. Ich kann dazu aus Gründen der Handlung nicht mehr verraten, außer der Zusicherung, dass es sich bei diesem Abenteuer ganz sicher um eines der ungewöhnlichsten DSA-Abenteuer ever handeln dürfte.

Nandurion: Auf der Dreieich-Con hast Du den Tharun-Workshop geleitet: Was macht für Dich den Reiz dieses DSA-Settings aus?

Tom Finn: Da die beiden Hauptverantwortlichen um die Hohlwelt Tharun, also Stefan Kueppers und Arne Gniech (u.a. Autor von ‚Verrat auf Arras de Mott’, DER Vorlage für mein Abenteuer „Grenzenlose Macht“), nicht auf dem DreieichCon erscheinen konnten, habe ich die beiden dort vertreten. Grund ist, dass ich Anfang der 90iger gute drei Jahre selbst begeistert Schwertmeister gespielt hab. Zumindest solange, bis meine damaligen Mitspieler sich zwecks Ausbildung und Studium in alle Welt verstreuten. Arne, der – man glaubt es kaum – bis heute (!) Schwertmeister spielt, hat damals schon manche meiner Kampagnenideen aufgegriffen und weiter ausgesponnen. Manches davon ist auch in das heutige Konzept um die im Innern Deres liegende Hohlwelt Tharun mit eingeflossen. Stefan hingegen war – wie ich selbst übrigens auch – immer darum bemüht, einzelne Elemente aus Schwertmeister auch in den Jahren nach Einstellung von „DSA Professional“ innerhalb Deres weiter am Leben zu erhalten. Man sehe sich bloß Myranor oder die Beschreibung der Zyklopeninseln in Aventuriens Westen an. Hinzu kommt, dass das Konzept der beiden einfach großartig ist. Ehrlich: Ich habe das Konzeptpapier jetzt bereits dreimal gelesen und jedes Mal löst es bei mir Begeisterungsstürme aus. Vor allem in kosmologischer Hinsicht haben die beiden Fantastisches geleistet. Jeder, der an Dere und der Kontinente umspannenden Götterwelt von DSA interessiert ist, wird mir schon bald beipflichten.

Nandurion: Myranor, Tharun, Uthuria, Riesland: Wo im DSA -Universum wird sich der Autor Tom Finn in Zukunft tummeln?

Tom Finn: Ganz sicher in Myranor und vielleicht auch bei Tharun. Warten wir es ab.
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Fragen zu weiteren Projekten und zur Tätigkeit als Romanautor

Nandurion: Du hast ja inzwischen auch einige Erfahrung mit dem Schreiben von Drehbüchern, Theaterstücken und Romanen gewonnen: Wo liegt Deiner Ansicht nach der zentrale Unterschied zum Schreiben von Rollenspiel-Abenteuern?

Tom Finn: Im Gegensatz zu Drehbüchern, Romanen, Theaterstücken oder Hörspielen entwirft man bei Rollenspielen vor allem die Bühne des Geschehens, vor der die Helden agieren müssen. Bei allen anderen Erzählformen geht man an die entsprechende Geschichte eher aus der Perspektive der Protagonisten heran, die beim Rollenspiel aber in den Händen der Spieler liegen.

Nandurion: Tom Finn schreibt an einem neuen Roman: Wie müssen wir uns das vorstellen? Welchen zündenden Funken braucht es? Entwickelst Du zuerst Figuren und dann den Plot, oder steht eine interessante Ausgangssituation am Anfang?

Tom Finn: Es bedarf am Anfang immer mehrerer guter Ideen, denn eine gute Geschichte lebt nicht nur von einem Einfall! Dann spinne ich diese Ideen oftmals über Wochen hinweg dramaturgisch aus. Da sich diese Ideen manchmal aus der erdachten Welt, manchmal aus einer bestimmten Figur und manchmal aus anderen Umständen entwickeln, kann ich nicht von einer festen Herangehensweise sprechen. Jede Geschichte erfordert ein anderes Vorgehen. In jedem Fall aber gehöre ich zu den Autoren, vor deren innerem Auge sich die komplette Geschichte inklusive ihres Endes bereits wie ein Film abspulen muss, bevor ich auch nur das erste Wort schreibe.

Nandurion: Was brauchst Du zum Arbeiten unbedingt auf deinem Schreibtisch oder in unmittelbarer Nähe?

Tom Finn: Tee, Kaffee, Zigaretten. Und natürlich meinen Computer 🙂 .

Nandurion: Angesichts des nahenden Nikolaus-Festes: Wie ist Dir eigentlich die Idee zu „Weißer Schrecken“ gekommen? Willst Du uns die Weihnachtszeit vermiesen 🙂 ?

Tom Finn: Ha, hier kann ich es ja verraten. Die Idee entstand vor etwa sieben Jahren durch die Notwendigkeit, für die Hamburger Horror- und Dark Fantasy-Rollenspielveranstaltung „Die Nacht“ ein Horrorabenteuer um den Nikolaus schreiben zu müssen. Der Nikolaus  war damals das Leitthema des Cons, der traditionell auch der einzige Con ist, auf dem ich öffentlich als Spielleiter in Erscheinung trete. Die Handlung meines Mystery-Thrillers „Weißer Schrecken“ diente also ursprünglich als Grundlage für ein Cthulhu-Abenteuer. Allerdings wurde mir schon während der Recherche klar, was für einen wundervollen Romanstoff die Thematik um den Knecht Ruprecht abgeben würde. Wer weiß schon, dass sich hinter der Figur ein keltischer Kinderfresser verbirgt? Später bereinigte ich den Stoff um alle allzu pulpigen Cthulhu-Elemente und ersetzte diese durch „wahre“ Legenden und historische Details, was den Stoff noch einmal sehr viel dichter und beklemmender machte. Wer sich also auf gepflegte Weise vorweihnachtlich gruseln möchte, ist gern eingeladen, dem „Weißen Schrecken“ persönlich entgegenzutreten 🙂 [Anmerkung:  Tom war so nett, ein signiertes Exemplar des Romans für unser Winterrätsel Gewinnspiel zu spenden, das noch bis zum 13.12.2011 läuft. An dieser Stelle noch einmal vielen herzlichen Dank dafür!]

Nandurion: Wird es ein Sequel geben? Wie wäre es etwa zu Ostern mit „Hoppelnder Hass“?

Tom Finn: Mist, woher weißt du davon? Nur wenige, sehr wenige, wissen, dass die Ostereier der Legende gemäß auf die berühmten Eier der Pandora zurückgehen, die um 1700 erst von den Illuminaten auf den Osterinseln wiederentdeckt und dann an ihre Nachfolger, die Nanduriaten, vermacht wurden. Und die, man stelle sich das vor, haben sie einem blasphemischen Ritual gemäß über 15 Minuten gekocht , mit arkanen Zeichen bemalt und dann in alle Welt verstreut! Die bunte Farbe ist reine Täuschung, die über das lächerliche Hasenkostüm dieser Nanduriaten hinwegtäuschen sollte. Die Geschichte wimmelt seitdem von wahnsinnigen Frühaufstehern, die mit ihren harten Frühstückseiern auf harmlose Langschläfer losgehen und diese grausam erschlagen. Ich bin mir sicher, aus dem Stoff lässt sich ein Bestseller entwickeln. Leider wollen die Verlage meiner kühnen Vision nicht so recht folgen… – insofern wird es also kein Sequel geben 🙂 .

Nandurion: Woran arbeitest Du gerade aktuell?

Tom Finn: Du meinst abgesehen von „Hoppelnder Hass“? 🙂 An dem für Herbst 2012 vorgesehenen Prequel zu meiner Ravensburger Fantasy-Trilogie „Die Chroniken der Nebelkriege“. Der Roman trägt den Arbeitstitel „Der silberne Traum“ und spielt exakt ein Jahr vor dem Roman „Das unendliche Licht“. Es wird also ein Wiedersehen mit vielen lieb gewonnenen Figuren aus den Chroniken geben. Davon abgesehen arbeite ich gleichzeitig an einem weiteren Romanprojekt, das anschließend folgen soll und das – wenn alles klappt – aus verschiedenen Gründen ziemlich cool wird.

Nandurion: Was für eine Art von Buch/Roman/Literaturprojekt würdest Du gerne einmal realisieren? Gibt es so etwas wie ein Traum-Projekt, das Du gerne verwirklichen würdest?

Tom Finn: Klar, da gibt es noch immer einige Sachen. Aber bislang durfte ich vieles davon schon verwirklichen. Und alle zwei Monate kommt eine neue Idee hinzu.

Nandurion: Werden auch Deine zukünftigen Romane Elemente der Phantastik enthalten, oder planst Du auch Werke, die vollkommen frei davon sind?

Tom Finn: Ich bin leidenschaftlicher Phantastik-Autor, insofern wird man von mir vorrangig Romane dieses Genres erwarten dürfen. Das schließt aber nicht aus, dass ich mich ggf. nicht auch mal einem anderen Genre wie dem Krimi oder dem Thriller zuwenden werde. Ich schließe da gar nichts aus.

Nandurion: Was macht eigentlich Plüsch, Power und Plunder?

Tom Finn: Gute Frage. Frag mal bei Games-In in München nach, ich glaube bei denen liegen die Rechte 🙂 .

Nandurion: Aktuell ist dieses Jahr Dein Justifiers Roman „Mind Control“ erschienen: Worum geht es in diesem Roman? Wie würdest Du das Justifiers-Setting Skeptikern wie mir schmackhaft machen, die aufgrund ihres Halbwissen zunächst an Schweine im Weltall denken?

Tom Finn: Justifiers ist eine alte SF-Rollenspielwelt, die von meinem bekannten Kollegen Markus Heitz gekauft, neu aufgebohrt und mit seinem Roman „Collectors“ jüngst auf sehr spannende Weise wiederbelebt wurde. Markus hat dann einige Autoren, darunter auch mich, gefragt, ob wir nicht Lust hätten, die Welt von Justifiers weiter mit Leben zu erfüllen. Klar hatte ich Lust! Ich meine, wer aus unserer Autorengeneration ist denn nicht durch SF-Serien wie Enterprise, Star Wars oder Mondbasis Alpha 1 in seinem heutigen Schaffen beeinflusst worden? Die Handlung aus „Mind Control“ lehnt sich daher eng an den Haupthandlungsstrang in Collectors an und kreist um Nikolaj Poljakow, seines Zeichens Direktor des „Interstellar größten Xeno-Spektakulariums“ – also einem Alien-Zoo – der unvermutet in eine kosmische Intrige verwickelt wird. Und wie kann ich dir Justifiers nun schmackhaft machen? Vielleicht durch das Versprechen, dass ich es im Roman so richtig krachen lasse! 🙂

Nandurion: Wo können wir Dich in nächster Zeit eimal live und in Farbe erleben?

Tom Finn: Die Termine in diesem Jahr sind durch, daher einfach mal meine Webseite www.thomas-finn.de im Auge behalten. Feste Größen für Rollenspieler sind aber stets der NordCon in Hamburg sowie der DreieichCon nahe Frankfurt. [Anmerkung: auch Toms Facebook-Seite ist immer einen Klick wert.]
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Entweder … oder?

Abschließend, wie immer, ein paar hemmungslos zugespitzte „Entweder… oder“-Entscheidungsfragen:

Nandurion: Borbarad oder Pardona?

Tom Finn: Pardona.

Nandurion: Fremdiji oder Bruderschwester?

Tom Finn: Bruderschwester

Nandurion: Rohaja oder Haffax?

Tom Finn: Rohaja

Nandurion: Auch wenn ich die Antwort ahne: Feenkönigin oder Aikar Brazoragh?

Tom Finn: Aikar Brazoragh
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Tom, vielen Dank für das ausführliche und unterhaltsame Interview!

— Das Interview führte Josch

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3 Kommentare zu Interview mit Tom Finn

  1. Gumbald sagt:

    Schade, dass der Mann nicht mehr so viele DSA Abenteuer schreibt.
    „Über den Greifenpass“ ist eines meiner absoluten Favoritenabenteuer, da passt einfach alles.
    Und natürlich „Rückkehr zum schwarzen Keiler“ nicht zu vergessen.
    Schöne stimmige kleine Plots ohne „Weltrettungs-Szenario“ oder „nur spielbar zwischen Herbst 1033BF und Sommer 1034BF“ Historie aber trotzdem spannend.
    Von solchen Abenteuern könnte es ruhig mehr geben.

  2. Glühwürmchen sagt:

    Vielen Dank für dieses tolle Interview 🙂
    Herr Finn ist echt ein sympathischer Kerl, echt Schade was „der Verlag“ mit ihm gemacht hat.

  3. ulix sagt:

    Es mutet schon absurd an, von wieviel Know-How sich ein Neuling Truant ohne vernünftige Kommunikation getrennt hat.

    Ein zutiefst unsymphatischer Mensch.

    Naja man merkt ja die generelle Verflachung und Qualitätsabnahme der Produkte. Ich sag nur Atlas.

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