Herr der Legionen

Adversus necessitatem ne dii quidem resistunt.
(„Gegen die Notwendigkeit können nicht einmal die Götter etwas ausrichten.“)

Bosparanes eunt domus.
(„Menschen, genannt Bosparanes, gehen das Haus“)
—  Nairb Foefil, ein alhanischer Widerstandskämpfer

Mal abgesehen von sanitären Einrichtungen, der Medizin, dem Schulwesen, Wein, der öffentlichen Ordnung, der Bewässerung, Straßen, der Wasseraufbereitung und der allgemeinen Krankenkasse, was, frage ich euch, haben die Bosparaner je für uns getan?
— gehört während eines konspirativen Treffens garethischer Rebellen

Exordium

Natürlich war ich nach der Sache mit den Krustentieren ein wenig voreingenommen. Im Nachhinein ist vermutlich nur noch schwer zu erklären, wieso ausgerechnet diese zum Running-Gag auf der letzten Ratcon wurden, einen besseren Appetithappen für Herr der Legionen als Judith Vogts Lesung der Orgienszene hätte es aber kaum geben können. Siebeneinhalb Monate und 400 Seiten später habe ich den ersten Band des Dunkle Zeiten-Zweiteilers jetzt verschlungen und frage mich, ob der Roman halten konnte, was die Ratcon-Performance versprach.

Bewertet die Spielhilfe im Forum von dsa4.deDie Antwort ist einfach: Ja. Judith Vogt hat den Herrn der Legionen locker in meine persönliche TOP 10 Liste der DSA-Romane hineingeschrieben. Und falls jetzt eine lustige Bruderschwester des Weges kommt, den Schnabel weit aufreißt und kräht „Ja, aber hat denn der Josch überhaupt mehr als zehn DSA-Romane gelesen?“, so erwidere ich: „Klug und weise ist es, den Schnabel nicht zu weit aufzureißen, denn ja, ich habe deutlich mehr als nur zehn Exemplare dieser wenig bewunderten und viel gescholtenen Gattung gelesen. Auch wenn ich mir angesichts von Sternstunden wie Raidris erotischen Eskapaden in Graf Conchobair bläst zum Zapfenstreich – das große Ferdoker Lanzengeömmel an manchen Tagen gleich mehrfach wünsche, es wäre nicht so.“

Wie dem auch sei, ich sollte langsam dazu übergehen, meiner bisherigen Lobhudelei etwas mehr Substanz zu verleihen. Denn, wie schon der legendäre bosparanische Korsar Enternix zu sagen wusste: Glücklich, wem es gelingt, den Dingen auf den Grund zu sehen!

Ein kurzer Überblick

Kommen wir also zum Wesentlichen und beginnen wir dem Schwersten. Wie kann ich dem geneigten Leser diesmal etwas über den Inhalt des Romans sagen, ohne zugleich das Lesevergnügen zu verderben? Vibarts Dschinniestreich möchte ich an dieser Stelle nur ungern wieder aufwärmen, deshalb versuche ich es mit einem klassischen Dreischritt aus den Dunklen Zeiten der DSA-Historie, nicht, ohne zuvor aber noch den Soundtrack von Ralf Kurtsiefer anzuwerfen, um für die passende musikalische Untermalung zu sorgen.

Cognitio Generalis

Im Roman geht es um….

  • eine Familienintrige in Bosparan, die komplizierter ist, als es zunächst den Anschein hat.
  • eine Intrige in der V. Bosparanischen Legion (der Shinxiria), die ebenfalls komplizierter ist, als es zunächst den Anschein hat.
  • die Erlebnisse einer jungen Sklavin Puella, die mit besonderen Fähigkeiten gesegnet ist, das Interesse einer Vielzahl von Personen auf sich zieht und so ein Teil von Ereignissen wird, die leicht das Ende Bosparans bedeuten könnten. Und auch hier ist natürlich alles deutlich komplizierter, als es zunächst den Anschein hat.

Cognitio Accuratus

Warnung: Leichte Spoilergefahr (zum Aufdecken markieren)!

Im Mittelpunkt der Intrige steht die Patrizierin Sahina von den Venetern, die versucht, im Haifischbecken Bosparans den Kopf über Wasser zu halten, dabei einen geheimen Plan verfolgt und sich hierbei auch noch ihrer misstrauischen Familie erwehren muss. Die V. Legion Shinxiria hingegen droht im garethischen Hinterland ‚geparkt‘ zu werden, da der Shinxir-Kult in Bosparan in Ungnade gefallen ist. Man versucht, die Rückkehr der Legion gegen den Willen der bosparanischen Autoritäten voranzutreiben, wobei insbesondere Legions-Magier Venetus Maior von den Venetern (Sahinas Sohn) eine tragende Rolle spielt. Die magiebegabte Sklavin Puella wird zunächst von einem Magier käuflich erworben, der sie bei unappetitlichen Experimenten zu seiner Gehilfen ausbildet und später für geheime Missionen einsetzt. Wir erleben Puellas weiteren Werdegang, der sie auch in das Haus der Veneter führt. 

Cognitio Secretus

Warnung: Mittlere bis schwere Spoilergefahr (zum Aufdecken markieren) !

Sahina von den Venetern ist eine geheime alhanische Zauberpriesterin, die in ihrer Doppelrolle versucht, als (vermeintliche)  bosparanische  Patrizierin an Einfluss zu gewinnen, und zugleich nach einer Nachfolgerin  Ausschau hält. Ihr eigentliche Bestimmung muss sie selbst vor ihrer Familie geheim halten und zugleich der Versuchung widerstehen, ganz in der Rolle der machthungrigen Patrizierin aufzugehen.

In der Shinxiria findet ein Umsturz statt, der von einem fragilen Bündnis zwischen Venetus Maior, dem kor-affinen Magier, und Clodicea Crabroda, einer Shinxirpriesterin alter Schule, betrieben wird. Wie fest das Bündnis ist und welche weiteren Ziele die Akteure verfolgen, wird offen gelassen. Nach einigen Querelen im Hinterland macht sich die fünfte auf den Rückweg nach Bosparan.

Von Marbo berührt, wird Puella zunächst dafür sorgen, dass den unheiligen Experimenten ihres Besitzers ein Ende bereitet wird, bevor sie auf Umwegen als Sklavin im Hause der Veneter landet und dort von Sahina als mögliche Nachfolgerin erkannt wird. Zu diesem Zeitpunkt holen die Schatten der Vergangenheit sie ein.

Einige Leckerbissen

Der Roman ist, insbesondere im Vergleich mit vielen anderen DSA-Romanen, ein echtes Lesevergnügen. Besonders gut gelungen ist allem voran die…

Atmosphärische Gestaltung

Kreuzt man Rome mit ordentlich Fantasy und gibt dem Ganzen noch einen echt aventurischen Anstrich, dann hat man in etwa eine Vorstellung davon, welches Flair die erzählte Geschichte vermittelt. Die für die Dunklen Zeiten charakteristischen Elemente kommen nicht zu kurz und bilden die Kulisse, vor der sich das eigentliche Romangeschehen entfaltet.

Während man sich in Bosparan weiterhin in Dekadenz übt und im Bewusstsein der eigenen Überlegenheit sonnt, regieren in den Provinzen Verfall und Anarchie und begünstigen im Barbaricum, das sich durch einen wilden Mix der Kulturen, Sprachen, Rassen und Religionen auszeichnet, die Herausbildung der späteren mittelreichischen Kultur. Zugleich fehlt ein fester Kanon akzeptierter Götter. Die alten Insektenkulte fallen in Ungnade, Anhänger verschiedener Kriegsgottheiten kämpfen um Einfluss, und bei den Todesgöttern kann der aufgeschlossene Gläubige während der Dunklen Zeiten aus einem besonders reichhaltigen Angebot wählen. Die Grenzen zwischen göttlichen und daimonischen Wesen sind zudem entweder fließend oder werden zumindest von den Anhängern verschiedener Kultur nicht mehr als solche wahrgenommen. Dieser kosmische und historische Hintergrund ist aber nicht nur schmückendes Beiwerk der Haupthandlung, sondern mit dieser an mehreren Stellen geschickt verflochten, so dass das erzählte Geschehen um eine mystische Dimension erweitert wird.

Sprachliche Gestaltung

Auch wenn die Krustentierorgie etwas anderes nahelegt: Der Roman hat zwar eine ganze Reihe lustiger Momente, gehört aber eher zur düsteren Sorte und hat auch zahlreiche derbere Szenen (Kampfszenen, Orgien) im Angebot. Positiv fällt besonders auf, dass die sprachliche Gestaltung dabei nie plakativ ist, die Autorin sich keiner der zu befürchtenden Klischeeformulierungen bedient und auch sonstigen Fallstricken wie inhaltsleeren Übertreibungen, überflüssigen Füllwörtern und schiefen Metaphern zielsicher ausweicht. Judith Vogt kann auch dreckig, derb und düster schreiben, ohne dabei das Gespür für sauber gesetzte Worte zu verlieren, und die Neigung zum ausschmückenden Erzählen, die zur Ich-Erzählerin in Im Schatten der Esse für meinen Geschmack noch nicht so recht passen wollte, kommt hier diesmal voll zur Geltung.

Handlung und Personen

Die Handlung zu bewerten, ist nach der Hälfte eines Zweiteilers natürlich nur begrenzt sinnvoll, jedoch können wir auch hier schon einige Pluspunkte vermerken. Die Ereignisse brauchen für mein Empfinden nicht lange, um Fahrt aufzunehmen, das Geschehen entwickelt sich nachvollziehbar, und es kommt umso mehr Spannung auf, je mehr über die Hintergründe der beteiligten Personen enthüllt wird.

Die Figuren agieren, handeln und fühlen glaubwürdig – auch wenn man eine Weile braucht, um dies zu erkennen, da ihre tieferen Motive und Ziele im Laufe der Geschichte nur schrittweise offen gelegt werden. Manche zunächst rätselhafte Handlung und Entscheidung ergibt aus späterer Perspektive betrachtet daher bedeutend mehr Sinn. Gerade die Hauptfiguren wirken zunächst auch etwas klischeehaft, dieser Eindruck wird im Laufe der Geschichte aber geschickt durchbrochen.

Erst gegen Ende des ersten Bandes bekommt man als Leser ein Gespür dafür, wie die begonnenen Handlungsstränge miteinander verwoben werden. Genau hier bricht der Roman jedoch an der spannendsten Stelle ab, und wir hängen auf gleich dreifache Weise an der Felswand. Etwas überspitzt formuliert: Das Geschehen endet, als es gerade anfängt, so rischtisch geil zu werden. Als ich den Roman kurz nach Erscheinen fertiggelesen hatte, hatte ich für einen Moment darüber nachgedacht, in der für unsere Peergroup charakteristischen Weise vernehmlich meinen Unmut zu äußern, mich dann aber, friedliche Bruderschwester, die ich bin, für den Weg der inneren Einkehr und Besinnung entschieden.

Da die Herrin des Schwarms auch recht zeitig erschienen ist und wir nicht erst 4-16 weitere Bände voller Füllmaterial und hahnebüchenen Wendungen ertragen müssen, bis die Story an ihr Ende kommt, beschließe ich, dass die Aufteilung der Handlung in zwei Bände kein Grund ist, dem Herrn der Legionen einen Punkt abzuziehen, auch wenn die Zweiteilung unter dem Aspekt der Leserfreundlichkeit nicht ganz ideal ist. Wo wir nun aber schon mal beim Meckern sind, suchen wir doch gleich auch noch die anderen Haare in der Suppe, nachdem wir zuvor aber noch schnell den hilfreichen Anhang mit Glossar und Dramatis Personae und die schöne, kleine Karte der Kernregion des Bosparanischen Reiches von Melanie Maier gelobt haben.

Leicht bittere Beigeschmäcker

Für mein Empfinden braucht es etwas zu lange, bis es einem gelingt, Sympathie für eine der Figuren aufzubauen und sich mit einer der die Geschichte tragenden Personen zu identifizieren. Patrizierin Sahina erweckt recht lange eher den Eindruck von Mutter Beimers böser Zwillingsschwester, bis die Lesersympathien schlagartig in die andere Richtung gelenkt werden. Als Identifikationsfigur wird einem bis dahin die junge, arg gebeutelte, Sklavin Puella angeboten. Diese bringt zwar eigentlich alle Voraussetzungen hierfür mit, ist für meinen Geschmack als Trägerin der Handlung streckenweise aber zu passiv und zudem etwas überladen mit interessanten Eigenschaften. Ich konnte daher erst nach  einer Weile wirklich mit manchen der Figuren mitfiebern und hatte bis dahin eher distanziert zur Kenntnis genommen, was sich so mit ihnen ereignet.

Auch wenn Perspektivwechsel insgesamt nicht inflationär eingesetzt werden, wird es beim Lesen streckenweise manchmal doch ein wenig ‚wuselig‘, zumal manche der Wechsel etwas sprunghaft wirken. Wirklich gestört wird der Lesefluss hierdurch aber eigentlich an keiner Stelle.

Zugegeben – das sind beides keine echten Aufreger, aber auf irgendetwas muss man schließlich tadelnd mit dem Finger zeigen, wenn die eigene Gassenglaubwürdigkeit als Rezensent nicht vollkommen zum Bruderlosen gehen soll. Der Pflicht sollte hiermit Genüge getan sein, und wir können zur Abrechnung kommen.

Conclusio

Was also bleibt? Zunächst einmal die freudige Erkenntnis, dass Herr der Legionen, zusammen mit Tod auf dem Mhanadi, gerade den Nachweis erbringt, dass man aus der ollen Gattung DSA-Roman doch einiges herausholen kann, wenn man sich darum bemüht, nicht nur die Geschichte der eigenen Heldengruppe nachzuerzählen oder generische Fantasygeschichten halbherzig zu aventurisieren. DSA-Romane zu lesen ist, machen wir uns nichts vor, ja sonst ein eher verschämtes Vergnügen. Man ahnt, dass man sich damit in die Nähe einer Welt begibt, in der Bastei Lübbe, Marie Luise Fischer und Horst der Barbar-Groschenhefte regieren. Angesichts so mancher Jugend- und Alterssünden, die da in den letzten kapp 140 Bänden und bis in die jüngere Vergangenheit begangen worden sind, ist es sicherlich noch zu früh, um eine Trendwende auszurufen. Das schwache Licht der Hoffnung brennt aber weiterhin, solange in unregelmäßigen Abständen auch solche Romane erscheinen und niemand den Sphärenschinder persönlich vorbeischickt, es auszupusten.

Alle Wege führen nach Bosparan, sagt man. Wer sich für die besten Exemplare dessen interessiert, was zurzeit an DSA-Romanen zu haben ist, wird früher oder später um den Herrn der Legionen nicht herum kommen.   Hoffen wir, dass auch der zweite Teil hält, was der erste verspricht. Bislang ist das auf jeden Fall ganz großes Ludere Expulsim. Eine endgültige Gesamtwertung beider Bände gibt es hier in nicht allzu ferner Zeit, bis dahin können wir euch aber schon einmal eine erste Hochrechnung anbieten:

Lediglich ein Einhorn haben wir auf unserer Zeitreise in die Dunklen Zeiten bislang verloren, das als Bademeister und Kammerjäger in den bosparanischen Thermen angeheuert hat. Der verbliebene Schwarm steht stramm in Formation und deklamiert: Oh Shinxir, der Du der Herr der Legionen von Rezensenten bist. Du bist wir, die wir acht sind.

Mit freundlicher Unterstützung in Form eines Rezensionsexemplars von der Ulisses-Spiele GmbH und dem F-Shop.

Dieser Beitrag wurde unter 8 Einhörner, Aventurien, Rezension, Roman abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Kommentare zu Herr der Legionen

  1. Ich muss mir den Roman unbedingt kaufen!
    Vielen Dank für deine Rezi <3

  2. Lykas sagt:

    Ich habe es gestern durchgelesen und muss sagen, das es bei mir nicht nur unter die besten 10 DSA-Romane kommt sondern unter die besten Drei.

  3. Belfionn sagt:

    Schöne Rezension! Ich habe mich bisher überhaupt nicht für das Buch interessiert, weil ich auch die dunklen Zeiten nicht kenne. Aber das macht doch sehr neugierig!

    „Die für die Dunklen Zeiten charakteristischen Elemente kommen nicht zu kurz und bilden die Kulisse, vor der sich das eigentliche Romangeschehen entfaltet.“
    Wie gut kann man den Roman den ohne jegliche Kenntnis der dunklen Zeiten lesen? Kann man sie durch den Roman kennen lernen, oder sollte man sie kennen um Setting und Atmosphäre zu verstehen?

  4. Josch sagt:

    Bruderschwester Belfionn,

    Ich würde sagen: der Roman steht vollkommen für sich selbst, und man braucht keinerlei Vorkenntnisse über die Dunklen Zeiten, sondern kann umgekehrt das Flair des DZ-Settings hierüber gut ein wenig kennen lernen. Für Details zum Setting würde ich aber die Box konsultieren.

  5. Belfionn sagt:

    Danke! Das klingt interessant.

  6. Hans sagt:

    Also mir hat der Roman nicht derart gut gefallen. Die Story war über weite Strecken nicht wirklich spannend, fand ich. Es zog sich wie Kaugummi und hat nicht wirklich gefesselt. Die sprachliche Gestaltung war jetzt auch nicht soo überragend…Wüßte man nicht, dass es noch um Klassen schlechter ginge, wäre das hier auch kein überdurchschnittlicher Roman.

  7. Arduinna sagt:

    *gg* Sehr gut. Ich war schon kurz davor, die Bodenhaftung zu verlieren.
    Lieber Josch, danke für deine Rezension, und allen anderen: Danke für eure Kommentare. 🙂

  8. Josch sagt:

    @Hans: Kommt halt immer drauf an, was Dein Vergleichsmaßstab ist. Neun Punkte auf meiner Nandurion-Skala bedeuten das Beste, was man unter real existierenden Bedingungen in der Sparte DSA-Roman erwarten kann. Dasselbe gilt bspw. für Stil und Sprachverwendung – wenn mein Vergleichsmaßstab hier Wolf Haas oder Martin Suter wären, würde ich sicher zu anderen Ergebnissen kommen als hier. Von einem DSA-Roman erhoffe ich mir, dass er mir kurzweilige Unterhaltung verschafft, Aventurien- bzw. Dere-Flair vermittelt und evtl. sogar die eine oder andere Anregung fürs Spiel bereit hält, ohne dabei die deutsche Sprache zu misshandeln. Jeder Roman, der das schafft, kommt in die oberen Punktzahlen. Wenn’s dann noch das gewisse Extra oben drauf gibt, sind auch mal 9 Punkte drin.
    Was die Story angeht, würde ich zustimmen, dass so richtig Spannung erst nach einer Weile aufkommt, aber das hat in meinem Fall nicht dazu geführt, dass ich die Erzählung bis dahin langweilig fand, da für meinen Geschmack die schrittweise Vorstellung der einzelnen Figuren schon recht interessant war und viele der Szenen atmosphärisch wirkungsvoll konzipiert wurden.
    Das sind aber wohl Aspekte, die man schwer objektiv messen kann, deshalb sind mehrere Meinungen hierzu ja auch immer nützlich. Du hast nicht zufällig Lust, uns mit einer Zweitrezension zu beglücken?

  9. Hans sagt:

    Vielen Dank für das Angebot – aber ich weiß nicht, was ich dazu zu sagen hätte, ohne dass es als Herumnörgeln rüberkommen würde. Du hast ja die einzelnen Punkte sehr ausführlich und objektiv dargestellt – man muss ja daraus nicht dieselben Schlussfolgerungen ziehen. Dieses Pseudo-Intrigenspiel in der Welt der Patrizier fand ich zum Beispiel sowas von nervtötend, erzwungen und langweilig. Das löst sich ja zwar mehr oder weniger auf, aber der Weg dahin ist schon langatmig. Hält man sich dagegen das Intrigenspiel bei Daniela Knor in der Hjaldinger-Saga vor Augen, dann fällt einem doch gleich ein großer Unterschied auf. Da ist von Anfang an Pfeffer dahinter, und nicht erst am Ende.
    Ich könnte noch ein oder zwei Dinge dieser Art aufzählen, aber daraus wird ja keine Rezension und wird dem Buch auch nicht gerecht. Ich kann ja auch die Punkte, die Du aufzählst nachvollziehen, sehe sie aber halt stellenweise anders.

  10. Sindajin sagt:

    Mein Eindruck gleicht dem von Hans. Die aventurische Atmosphäre stimmte zwar, und der Erzählstil gefiel mir grundsätzlich auch, so dass das ganze schon recht angenehm zu lesen war. Die Handlung konnte mich jedoch zu keiner Zeit fesseln. Das hat sicher damit zu tun, dass zwei der drei Protagonistinnen keine richtige Agenda haben, sondern als niedrig gestellte und wenig gebildete Personen nur versuchen irgendwie klar zu kommen und nicht so richtig mitbekommen, was um sie herum passiert. Venetus maior oder Cabroda als Hauptpersonen hätten insofern mehr Potential geboten. Die dritte Hauptperson hat zunächst über die Hälfte des Buches mit der Einladung des Horas ein Ziel, das den Leser eher kalt lässt. Als sich dann das richtige Ziel offenbart, fehlt es an einer Perspektive, wie es erreicht werden kann. Das alles ist zwar erkennbar ein Konzept, nach dem die Geheimnisse der Geschichte möglichst lange geheim bleiben sollen. Für mich geht das jedoch nicht auf, sondern verhindert eher das Aufkommen von Spannung.

    Ich hoffe jetzt mal, dass die Geschichte im zweiten Band, den ich nun anschließend lesen werde, an Fahrt aufnimmt, und der erste Teil sich dann als zu lang geratene Exposition einfügt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.