Die Türme von Taladur IV: Tanz der Türme

Tanz der Türme ist der vierte Teil der Türme von Taladur-Reihe, geschrieben von Eevie Demirtel. Wie schon bei den Vorgängern teilt sich der Inhalt in zwei Geschichten: Erstens wird die hindernisreiche Liebesbeziehung von Boromeo und Jazemina fortgeschrieben. Die zweite Geschichte dreht sich um Ramon, der den Mörder seiner Mutter in der Stadt sucht.

F wie Fehde

Jazemina überredet den Garde-Capitan Erresto, ihr dabei zu helfen, ihren verschollenen Geliebten zu finden. Sie finden Boromeo in einer Zwergenstadt, und es gelingt ihnen die Flucht. Doch statt dass die Liebenden nun Taladur den Rücken kehren und durchbrennen, treiben Boromeo Rachegelüste zurück in die Stadt. Es muss wohl kaum erwähnt werden, dass daraufhin der Streit der Familias Amazetti und Ernathesa eskaliert.

Endlich kommt mal etwas Bewegung in die Geschichte. Jazemina emanzipiert sich von Teil zu Teil immer mehr und schafft es, Erresto davon zu überzeugen, nach Boromeo zu suchen. Eine solche Initiative hätte ich mir von Anfang an für den Hauptcharakter gewünscht. Aber schön zu lesen, dass sie eine gewisse Entwicklung durchmacht. Seltsam ist Jazeminas neue Fähigkeit, sich in ihre begleitende Fledermaus Maldonado hineinzuversetzen und seine Sinne zu adaptieren.  Warum kann Jazemina das? Magisch sind beide nicht, das wird eigens erwähnt. Weitere Hinweise dazu gibt es aber auch nicht, sodass eine Erklärung vielleicht im letzten Band wartet.

Boromeo hat sich ebenfalls entwickelt. Er ist durch die Gefangenschaft nicht zerbrochen, er wurde eher stärker und vor allem gefühlskälter, was ihm, wie ich finde, sehr gut steht. Schließlich bricht er eine Vendetta gegen Jazeminas Familie vom Zaun, obwohl ihm klar sein muss, dass es für seine Geliebte ebenfalls gefährlich werden kann. Letztlich könnte seine eigene Familie der Liebelei mit Jazemina ebenso im Wege stehen. Jedenfalls strebt er die Konfrontation trotzdem an. (Was auch gut ist: Wenn nun die beiden einfach durchbrennen würden, wie es Jazemina schon geplant hatte, dann wäre das Buch wohl sehr kurz geworden.)

Die Fehde wird wie ein kleiner Bürgerkrieg dargestellt und zieht weitere Kreise quer durch die Familias. Hier, zum Ende des Romans, werden Konflikte angesprochen, die bisher keine Erwähnung fanden, sondern nur aus den vorherigen Teilen bekannt sind. Das macht es für Neueinsteiger natürlich schwierig. Doch gerade diese Verstrickungen, die Machtkämpfe, die nun deutlicher zu Tage treten, machen es auch spannend. Am spannendsten jedoch ist das Finale, der Kampf um den Turm, den ich mir sehr gut auch als spektakuläre Filmsequenz vorstellen konnte.

Immer Ärger mit Urrito

Ramon, ein Zahori, sucht den Mörder seiner Mutter. Er freundet sich schnell mit Urrito an. Kurze Zeit später findet er den Gesuchten namens Alonzo und versucht, ihn zu ermorden. Leider wird er von Urrito zufällig gestört, der sich als Alonzos Sohn herausstellt. Doch anstatt sich anschließend zu bekämpfen, schmieden sie gemeinsam Ränke, um Alonzo zu schaden, und kommen dabei auf einen etwas unalmadanischen Plan.

Ramon ist ein junger Hitzkopf, der mich an den ein oder anderen Helden erinnert, den ich schon gespielt habe. Wahrscheinlich ist er mir deshalb so sympathisch. Er hat zwar ab und zu Gewissensbisse, doch wenn es darauf ankommt, dann handelt er entschlossen. Zudem ist er auch schlauer, als es nach außen hin erscheinen mag. Urrito ist eher das Gegenteil. Ein depressives Weichei, ein Muttersöhnchen, das nichts richtig durchziehen kann, nicht einmal einen Selbstmordversuch. Er leidet vor allem unter dem Machthunger des Vaters. Da sich aber Gegensätze anziehen, kommen sich Urrito und Ramon näher. Wie nah sie sich tatsächlich kommen, wird im Buch allerdings nur angedeutet. Jedenfalls machen die beiden gemeinsame Sache mit Nuerta, die ebenfalls ein Hühnchen mit Alonzo zu rupfen hat. Wie man sieht, ist Alonzo nicht der Beliebteste in der Stadt. Er ist das schleimige Ekelpaket, das sich nimmt, was es will (meist junge Menschen zum … Proben). Für mich ist Alonzo trotzdem meine liebste Figur, da er tatsächlich auch eine gute Seite hat und er daher facettenreicher ist, als man zuerst glauben mag. Doch diese Vielschichtigkeit findet sich auch bei den beiden jungen Charakteren.

Das Dilemma, in dem sich alle befinden, wurde intelligent und spannend gelöst. Ich war mir lange unsicher, ob es gut oder schlecht enden wird. Der Ausgang hätte mir in beiden Varianten sehr gut gefallen.

Fazit

Der vierte Teil hat mir von Anfang an Spaß gemacht, auch wenn er vermutlich schon davon profitiert, dass ich die Figuren schätzen gelernt habe und die Geschichte um Taladur immer besser zu werden scheint. Auf jeden Fall empfehle ich, die Vorgänger zu lesen, ansonsten braucht man vermutlich zu lange, um sich in die verschiedenen Plots zu finden.

Die bekannten Figuren entwickeln sich weiter, gerade Boromeo, der auf einen Rachefeldzug aus ist, hat mir dabei gefallen (1. Einhorn). Die wenigen neu eingeführten Personen sind vielschichtig, besonders Alonzo sticht dabei hervor (2. Einhorn). Es ergibt sich um ihn eine abgeschlossene Geschichte mit schönem Finale (3. Einhorn). Die Konflikte werden spannend (4. Einhorn) und clever (5. Einhorn) aufgelöst, und letzten Endes gibt es ein großes Scharmützel (6. Einhorn) mit einer toten Hauptfigur (7. Einhorn).

Also alles in allem also ein gutes Buch, das sich zu lesen lohnt. Vor allem, wenn man schon die ersten drei Teile hinter sich hat.

Ganze 7 Einhörner haben sich damit versammelt, um den vierten Teil zu ehren und dem Finale entgegenzufiebern.

Mit freundlicher Unterstützung in Form eines Rezensionsexemplars von der Ulisses-Spiele GmbH und dem F-Shop.

Über tzzzpfff

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