Passierschlag: Das Praios-Vademecum

Praios Vademecum CoverIntegritas

Was hatte ich mich gefreut! – endlich die Versehrtheit und Wunderheilung des Büchleins im eigenen Heimlabor nachstellen und in Folge dessen zum einzig wahren Glauben konvertieren. Und dann das. Mein Exemplar ist eingeschweiß und unversehrt. Also viel Lärm um nix.

Erster Eindruck

Nützlicher Aufbau, sehr übersichtlich. Macht an keiner Stelle den Eindruck eines reinen Gesangsbuchs (hier habe man übrigens laut Autor bewusst christliche Kirchenlieder gemieden, um keine religiösen Gefühle zu verletzen; Anm. v. Feyamius) und vermeidet überwiegend den zu befürchtenden Geweihtenkidj. Die Ingame-Texte eignen sich, um bspw. schnell einen Überblick über Heilige, das Gefolge des Praios und Strömungen der Kirche zu bekommen, der so auch Spielercharakteren zur Verfügung steht. Praktisch ist das natürlich vor allem für Spieler der Quanionsqueste.

Auffällig gut

Für mich wie immer die Innen-Illustrationen von Tristan Denecke sowie der aufgeklärt ausgephexte Kniff, mit dem Stefan Unteregger das Vademecum sowohl für die Zeit während der Quanionsqueste als auch für die Zeit danach nutzbar macht. Es handelt sich beim Vademecum in der Ingame-Betrachtung nämlich um die Ausgabe von 1028 BF, die im Anhang um das Nachwort der 2. Ausgabe aus der Zeit nach Ende der Quanionsqueste ergänzt wird. Dort finden sich dann Richtigstellungen, Ergänzungen und sogar ein offizielles Fehlereingeständnis der Kirche.

Gut gefallen haben mir auch die Hinweise zum Spielen eines Praiosgeweihten: Der Wahrheit verpflichtet zu sein, heißt, die eigene Fehlbarkeit anzuerkennen und sich in Demut zu üben. Endlich Schluss mit dem Unfug, man müsse als Wahrheitsliebender dogmatisch sein. Die 13 (höhö) Seiten zum Spielen eines Geweihten  finde ich erstaunlich nützlich – da waren die Vademecums nicht immer ganz die erste Sahne. Natürlich wird hier der Praiosgeweihte nicht vollkommen neu erfunden, aber es zeigt sich, dass jenseits von kryptopfaschisten Vulgärkatholiken und hexenhetzenden Geiferinquisitoren deutlich mehr aus dieser Klasse herauszuholen ist. Gerade für die Quanionsqueste ist das natürlich schön.

Von altem Frevel und neuer Ketzerei

Viel Bosparano, wenn auch mit Übersetzung. Auf mich wirkt die Kirche des Praios damit immer noch ein Lumen zu christlich angehaucht, aber das ist natürlich nichts, was man dem Vademecum anlasten kann. Dennoch sorgt die Lektüre an einigen Stellen bei mir dafür, dass ich das Phantomzwicken des schlechtsitzenden Konfirmationsanzugs spüre.

Die Schrift ist, vademecumstypisch, ein wenig zu klein, um für Leute jenseits der 30 ohne Weiteres gut lesbar zu sein. Was die Vakatseiten angeht, so glaube ich immer noch nicht, dass die wirklich irgendwer nutzt (… aber man braucht doch ein zwölftes Kapitel!; Anm. v. Feyamius). Thema Korrektorat: Nach zahlreichen Stichproben und Querlesen habe ich genau einen Fehler auf S. 121 gefunden (Khom ohne Zeltdach ^).

Wie man es von S. Unteregger gewohnt ist, ist der Text stilsicher und stimmungsvoll geschrieben. Neue Liturgien gibt es keine, dafür aber einen Hinweis darauf, dass verloren geglaubte Liturgien während der Quanionsqueste wiederentdeckt werden können.

Worte der Wahrheit

Bislang spricht alles dafür, dass das Praiosvademecum ein mehr als würdiges Mitglied der Vademecum-Reihe ist. Ich kenne viele, die diese Reihe eher als Chichi ansehen und hier mit ihrem Sammelwahn an die Grenzen geführt werden. Für Spieler der Quanionsqueste dürfte der Band aber eine hilfreiche und stimmungsvolle Ergänzung sein, und die konsequente Ausrichtung auf die Anwendung im Rahmen dieser Kampagne scheint mir der größte Pluspunkt zu sein. Und es sieht im Regal neben den anderen natürlich toll aus.

— es schlug für euch um sich: Josch

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6 Kommentare zu Passierschlag: Das Praios-Vademecum

  1. Xeledon sagt:

    Super Einblick in ein Buch, das eh noch auf meiner „Kaufen!“-Liste steht. Aber im Grunde geht das ja schon fast als vollwertige Rezension durch. Plant ihr, eine solche noch nachzuschieben?

    • Josch sagt:

      Auf jeden Fall! Rezensionen haben bei uns immer eine klare Punktwertung und sollen mehr als nur einen ersten Eindruck vermitteln, der sich beim Querlesen einstellt – das macht der Passierschlag, der weder Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, noch alle wirklich wichtigen Punkte zu besprechen versucht. Insofern ist das hier keine Rezension, in eine solche hätte ich zumindest auch noch deutlich mehr Unfug und überflüssige Links eingebaut, um den Informationswert zu schmälern 🙂

  2. Varana sagt:

    „kryptopfaschisten Vulgärkatholiken und hexenhetzenden Geiferinquisitoren“
    Traumhaft!

  3. Josch sagt:

    Hinweis am Rande: Ein Satz war total vermurkst und wurde korrigiert. Dank an alle, die da bislang so wohlmeinend drüber hinweg gelesen oder in Gedanken verbessert haben 🙂

  4. Salaza sagt:

    Ups… Was war es denn? Klang bestimmt so, als ob du es so und nicht anders gewollt hättest 😛

  5. Josch sagt:

    Nix Wildes – in dem Satz über das Konfirmationstrauma fehlte nur ein Wort und es war „dass“ und „das“ verwechselt. Ihr traut mir ja wirklich einiges an semantischen Untiefen zu 😀 Wir sind hier doch nicht beim „Ingebald Bachermann“ -Bardenwettstreit!

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