Aventurischer Bote #164

AventurischerBote164_coverEinleitung

Ganz im Zeichen Rondras versprach der Aprilbote zu stehen, so dass sich die Nanduriaten Josch, Curima und Vibarts Voice mit Löwenmut in den jüngsten Disput warfen, gelegentlich mit Störfeuer Rückendeckung von Sedef versehen. Das allerdings am neuesten Boten nicht alles nur durch mächtiges Donnergrollen geprägt ist, sondern auch durchaus aprilig Wechselhaftes zu entdecken ist (hier mal ein eher dröger Nieselregen, dort mal ein kitschiger Wolkendurchbruch, dann wieder ein schneller Schauer aus heiterem Himmel), das ergibt der jüngste Disput. Wir empfehlen allen Beteiligten, wie immer, sich warm anzuziehen, einen Schirm parat zu halten und vor allem sich auf den einen oder anderen Scherz gefasst zu machen. Viel Vergnügen! 

Cover

Vibarts Voice: Zum ersten Mal sehe ich eines der neuen Beta-Abenteuer-Cover in groß und im Druck vor mir, und ich muss sagen, es gefällt mir gut. Die Illustration ist detailliert, hat einen gewissen Realismus (abgesehen davon, dass ich nicht im Leinenhemdchen durch den Dschungel tigern würde) und zeichnet sich durch stimmungsvolle Farben und Lichteinfall aus. Klassische Abenteuerkost, erinnert etwas an die Cover von Das Dschungelgrab oder In den Fängen des Dämons, aber ohne unmodern zu wirken. Jedoch: Mit so einer kleinen Machete in der Hand würde ich heutzutage nicht mehr in eine Schädelhöhle marschieren. Und was signalisiert mir der Linkshänder da mit der Geste der rechten Hand? Ist das ein Signal an seine hinter dem Felsen wartende Truppe aus Elite-Waldelfen: „Ich brauche zwei Späher mit Giftpfeilen auf der linken und rechten Palme?“ Ist das die Hruruzat-Geste des Doppelkranichs, die Spezialattacke direkt gegen die Augenhöhlen eines angreifenden Knochenkriegers? Heißt das einfach nur „Mist, Fallgruben mit angespitzten Pflöcken geben 2W6 Sturzschaden?“ Man weiß es nicht, ich bin aber durchaus gespannt.

Curima: Ich frag mich ja die ganze Zeit: Ist das jetzt eigentlich der Söldner-Archetyp auf dem Cover, der seine halbe Ausrüstung und all seine Gefährten verbaselt hat? Oder sieht der Cover-Abenteurer ihm nur ähnlich? Anyhoo – das Bild gefällt mir jedenfalls.

Josch: Schöne Referenzen an einige Klassiker-Cover. Meine ersten Assoziationen waren der Quell des Todes und die Schwarze Sichel, auch wenn die etwas anders aussehen.

Vorwort

Vibarts Voice: Neben der Verbalisierung des Inhalts wird zumindest milde auf den Aprilscherz hingewiesen. Ist vielleicht sicherer so, wie das jüngste Travianecken auf Nandurion ergab.

Josch: Wenn’s nach mir ginge, würden Hinweise auf Aprilscherze jeder Art bei Prügelstrafe verboten.

Vibarts Voice: Au! Sag mal, spinnst du!?

Josch: April, April.

Spielhilfe: Raubritter Gerwulf von Schwarzengrund und seine Bande

Vibarts Voice: Ich liebe Raubritter, weil sie das verbreitete Bild vom ritterlichen Ideal brechen und den fiesen und sehr weltlichen, manchmal tragischen Ritter, Symbol einer untergehenden Weltordnung, in die ansonsten heile Ritterwelt des Rollenspiels einführen. Schade, dass es dieser Ritter nicht tut. Der gute Gerwulf wirkt auf mich, als hätte man Joseph von Eichendorff und Helene Fischer gezwungen, sich gemeinsam nach ihrem Bild des Mittelalters einen hübschen Literaturritter auszudenken. Denn der Herr von Schwarzengrund ist gar nicht verarmt, so dass er sich an den frechen Bürgerlichen auf der Reichsstraße vergreifen muss, nein, er ist eigentlich ein guter und auch gut aussehender Ritter, der aber durch eine böse Intrige aus der Burg seines Lehensherren geworfen wurde. Ach so, ein Lehen hatte er gar nicht, also ist es strengenommen nur die Burg seines Herrn, was aber auch nicht mehr stimmt, weil der jetzt tot ist. Und jetzt sitzt Gerwulf mit seinen guten Mannen und Frauen im geheimen Tal und arbeitet an seiner Rache. Es sind auch böse Mannen und Frauen dabei, aber die werden nicht beschrieben.

Kein übler Kerl: Raubritter Gerwulf (von Janina Robben)

Kein übler Kerl: Raubritter Gerwulf (von Janina Robben)

Wir wollen nicht unfair sein, Gerwurlfs ambivalente Rolle, seine Agenda und seine Umgebung sind sicherlich für ein Intermezzo gut. Insgesamt ist der Raubritter für meinen Geschmack aber zu kitschig ausgefallen. Was mich aber vor allem stört, ist, dass die Hintergründe des bösen Intriganten Burghold der Fantasie des Meisters überlassen werden. Einerseits sind weiße Flecken schön, andererseits hätte aber eine erfolgreiche Ursupation durch eine Bauernrevolte im feudalen Andergast eine etwas tiefergehende Erklärung benötigt, als „könnte auch ein Geweihter des Namenlosen sein.“ Insgesamt wirkt die Geschichte dadurch konstruiert und hinterlässt bei mir einen süßlichen Nachgeschmack.

Curima: Wow, ich muss sagen, dieser Aprilscherz ist wirklich gut gelungen. Schon die Hintergrundgeschichte: Da brennt ein Hochstapler einen Praiostempel nieder, schiebt es dem lokalen Adligen in die Schuhe und wird Edler anstelle des Edlen. Was interessiert es schon die Praioskirche, wenn man einen ihrer zahlreichen Tempel in Andergast niederbrennt? Und selbst wenn ein Geweihter sich kümmern würde, Wahrheitsfindung ist ja nun gar kein praiosgefälliges Metier. Und in einem so großen Land mit so lockerem Feudalsystem fällt es gar nicht auf, wenn da auf einmal ein unbekannter Hochstapler auf dem Edlengut sitzt. Weiter geht es mit den wirklich herrlichen Spielwerten von Ritter Gerwulf: Anführer einer Räuberbande ohne einen TaW in Überzeugen und mit ganzen 4 Punkten Überreden und 5 Punkten Menschenkenntnis. Kein Wunder, dass das schon so lange gutgeht mit ihm und seiner Bande. Dann hat man natürlich als Ritter, der auf der Burg des inzwischen toten Adligen von dessen Personal ausgebildet wurde, 600 Dukaten Schulden – logisch.

Weiter geht es mit den Begleitern des Ritters. Hier setzt man weniger auf Hintergrundfails, sondern mehr auf die originelle Anspielung des flügelhelmspezialisierten Schmiedes sowie die Versicherung, dass sich auch einige „echte Halunken“ in Gerwulfs Gefolge befinden, die aber, um den Leser zu schonen, nicht näher beschrieben werden. Die Zusammenarbeit der Gruppe dürfte jedenfalls unglaublich getaktet ablaufen, da doch schließlich jeder der typischen Räuber Zeitgefühl besitzt. Abgerundet wird das Ganze von einigen erstaunlich brauchbaren Abenteuervorschlägen sowie ein bisschen Wischiwaschi zum großen Antagonisten. Wow. Echt gut gemacht, fast hätte ich gedacht, die Spielhilfe sei ernst gemeint. (Und falls das hier doch kein Aprilscherz sein sollte: In einem offiziellen DSA-Magazin erwarte ich, dass die Geschichte auch nach Aventurien passt und nicht an W6 Stellen dem Hintergrund mehr oder weniger deutlich widerspricht.)

Josch: Eigentlich eine gute Idee mit vielen Anregungen, die man durchaus aufnehmen kann. Aber bei der Hintergrundgeschichte knarzt es deutlich im Eichengebälk. Alles in allem daher nur 4 von 9 Steineichen.

Spielhilfe: Ihre Helden bei der Zwölfgöttertjoste

Vibarts Voice: Wappenrollen, Weinengpässe, Wolfsstahlschwerter – die Vorstellung der Zwölfgöttertjoste beginnt zunächst einmal mit Szenariovorschlägen, die ja üblicherweise am Ende einer Settingbeschreibung stehen. Eventuell ist das auch der bessere Ort. Die vorgeschlagenen Miniplots wirken auf mich etwas wenig abwechslungsreich, drei mal soll man Verbrecherbanden unterschiedlicher Couleur unschädlich machen, beim vierten Szenario geht es um (vermeintliche) Hochstapelei. Na gut. Ansonsten gibt die Spielhilfe vor allem ein hochkarätiges Teilnehmerfeld (ohne Werte bzw. Verweise zu den Werten) vor, das die Tjoste zu einem veritablen NSC-Sightseeing machen kann bzw. kämpferischen Charakteren denkwürdige Gegner gibt. Darüber hinaus erfahre ich über die Zwölfgöttertjoste … nichts. Niente. Kein Ablaufplan der Wettbewerbe, keine Zusammenfassung, was außerhalb der eigentlichen Kämpfe passiert, im gesellschaftlichen oder religiösen Bereich. Gut, man kann sich das teilweise aus dem Ingame-Artikel einigermaßen herauspuzzeln, aber wenn der Botenartikel hilfreicher ist als die eigentliche Spielhilfe, dann stellt das die Umsetzung schon irgendwie in Frage. Von einem Lageplan des Turniergeländes wage ich bei DSA ja inzwischen nicht mal mehr zu träumen. Was folgt ist ein Aufruf zu einem Kurzgeschichtenwettbewerb im Umfeld der Göttertjoste.
Nichts gegen Wettbewerbe – im Gegenteil, sie sind mit die schönste Einbindung der Community im Rollenspiel überhaupt. Und dass alle Beiträge zum kostenlosen Download freigegeben werden, ist toll. Aber eventuell hat man sich mit dem Plan, die Tjoste in einer Boten-Spielhilfe zu beschreiben, etwas übernommen. Damit ich das Ereignis wirklich praktisch in ein Abenteuer einbauen oder gar umwandeln kann, fehlt mir zuviel Substanz, wirklich hilfreich finde ich die Spielhilfe damit nicht. Schade.

Respekteinflößend: Rondrianerin auf der Tjoste (von Anja Di Paolo)

Respekteinflößend: Rondrianerin auf der Tjoste (von Anja Di Paolo)

P.S.: Ich mag die Zeichnung der Rondrianerin, die endlich mal kein Coco-Chanell-Modell im Kettenhemd ist, sondern jemand, von dem man lieber nicht auf die Nase gehauen werden will.

Curima: Das Bild ist wirklich gut. Die Spielhilfe … ja, nun. Die Szenariovorschläge sind in der Tat ganz gut und geben konkrete Vorschläge, was die Helden so erleben könnten. Es hätte hier vielleicht noch etwas drin sein können, was speziell auf Krieger und/oder Rondrageweihte zugeschnitten ist. Danach wird es leider sehr unkonkret. Eigentlich hätten die angegebenen Turnierteilnehmer schon Werte gebraucht – so ein Turnier bietet sich dann doch an, um auch mal Kämpfe gegen einen von ihnen auszuwürfeln. Auch ein kurzer tabellarischer Ablauf des Turniers wäre schön gewesen. Ich komm dann nachher nochmal drauf zurück, auf welcher Seite des Boten man das hätte unterbringen können. Den neuen Kurzgeschichtenwettbewerb finde ich hingegen super. Auch, dass alle Geschichten zum Download angeboten werden, ist klasse. Daumen hoch!

Josch: Spielern die Zwölfgöttertjoste schmackhaft machen, obwohl es nichts zu gewinnen gibt? Hier wurde es mit redlicher Mühe versucht, aber der Versuch kann nicht gelingen. Daher 5 von 9 hoffnungslosen Unterfangen.

Aventurien-LARP: Sewerische Geschichten II

Vibarts Voice: Als einziger larpender Nanduriat hat mich ja die Ankündigung von Content aus der breiten DSA-LARP-Szene in den Boten erwartungsfroh gestimmt. Und da die LARP-Szene so langsam in ihr letztes, goldenes Lebensalter einzutreten scheint, wird es auch mal Zeit, dass der Bote auf den Zug zum Ende der Fahrt hin noch aufspringt. Bleibt zu hoffen, dass der neue Gestaltungsspielraum der Larper nicht an Verufenheit den schnell ausgebuhten Briefspielern Konkurrenz macht. Wer Metaplot macht, geht einen steinigen Weg. Auch wenn es nur der des Bornlandes ist, wo ja große Entwicklungen „schlummern“, aber in den letzten Jahren nicht viel los war. Leider ließt sich der Conbericht aber so zäh wie ein handelsüblicher Adeltstanztee-Artikel im Ingame-Teil, und macht somit wohl eher weniger Lust für nicht LARP-affine DSAler, einmal in das Hobby hineinzuschnuppern. Außerdem werden hier nur Adelscharaktere gebauchpinselt, das übliche Problem eines Diplomatie-Cons, wo für andere Charaktere nicht viel geboten wird. Oder gab’s doch auch Abenteuer für Abenteurer? Das Foto mit der Goblinschamanin (?) von Seite 10 im Gespräch mit einfachem Volk lässt das zumindest vermuten, der Artikel dönst leider nur weiter träge über blaublütiges Hin und Her. Letzten Endes: Leute, Larpen kann man auch, wenn man nicht Freifrau Frickelgund von Fieselschweifen (älteres Haus) darstellen will, sondern jemand … Cooles. Es ist aber ein teures und zeitaufwändiges Hobby und man trifft verdammt viele Pappnasen.

Auch schön finde ich den Plan, einzelne Charaktere samt Gewandung (Wichtig. Wichtig! WICHTIG!) aus der DSA-LARP-Szene vorzustellen, allerdingsist die bunte Glitzklamotte samt Gaslaterne des fröhlichen Illusionisten jetzt nicht direkt mein Gewandungsgeschmack. Muss es ja auch nicht. Ich hoffe ja sehr, dass wir in den nächsten Ausgaben schicke Rondrianer oder horasische Hochstapler zu sehen bekommen, ohne Baumwollwappenlappen oder Dosenblechrüstungen. Ich kann der Botenredaktion übrigens die Orkszene mit DSA-Hintergrund empfehlen, die geben sich teilweise echt Mühe. Fazit: Schöne neue Rubrik – von der Idee her. Könnte beim nächsten Mal bessere Werbung für das Hobby machen.

Curima: Der Spielbericht aus Sewerien scheint mir auch eher von Teilnehmern für Teilnehmer geschrieben zu sein, ich verstehe da eher so Bahnhof und sehr spannend klingt das alles nicht. Der interviewte LARPer klingt sympathisch und sein Charakterkonzept mag ich auch. Allerdings – vielleicht liegt es nur am Foto? – wirkt gerade die Weste, die er trägt, doch irgendwie so arg glänzig. Ich glaube, man hätte da einfach ein stimmigeres Foto (etwas Hintergrund wäre auch schön gewesen) machen können oder sollen.

Josch: Fünf Gründe, warum ich kein LARP mache. 1. Es überfordert meine Phantasie, über die offenkundigen Brüch zwischen Anspruch und Realität hinwegzusehen. 2.-5.: Der gnadenlose „Wer hat die bessere Gewandung und Ausrüstung“-Battle. Nix für mein zartes Gemüt. Respekt für den, der den Mut aufbringt, sich auch noch in einem Magazin den Löwen zum Frass vorwerfen zu lassen. Dafür 7 von 9 Nandusverdienstkreuze für Zivilcourage. P.S. Für’s nächste Mal wünsche ich mir die Darstellung eines Shruuf.

Spielhilfe: Peraines Gaben, Teil 4

Vibarts Voice: Hurra, die Einbeere hält Einzug! Ich behaupte vollmundig, dass diese kleine Waldfrucht mit zu den beliebtesten Pflanzen der Spielerschaft schlecht hin gehört. Und ich lerne tatsächlich noch Neues: In meinem visuellen Bildspeicher war das Beerchen immer rot, aber auf der wie immer gelungenen Herbarium-Zeichnung glänzt sie im blaubeerigsten Blau. Irrtum ausgemerzt. Wissenschaftlicher Name: „Fibraquarta.“ Der Fluff ist einmal wieder sehr nett, auch wenn sich Magistra Riza als ziemlich oberlehrerhafte Kaltschnauze entpuppt. Der Szenariovorschlag ist naturgemäß äußerst skizzenhaft, bietet aber diesmal ein echtes Abenteuer um das zarte Pflänzchen. Insgesamt finde ich, dass die Serie von mal zu mal gewinnt.

Josch: In der Tat, Collega, man sollte meinen, gerade aus so was Ausgelutschtem wie der ollen Einbeere ließe sich gar nix mehr rausholen – aber falsch gedacht, denn hier wird guter Saft gekeltert. Natürlich Hartwursterei, bis die Heide rauscht, aber was soll’s. 7 von 9 Hustinettenbeeren.

Spielhilfe: Dottore Fernando Unaldez

Was für ein Blick! Dottore mit Chillischote (von Volker Konrad)

Was für ein Blick! Dottore mit Chillischote (von Volker Konrad)

Vibarts Voice: Die seltsamen Wesen des Südens sind beackert, nun folgen also südliche Meisterpersonen, die sowohl in Uthuria wie auch im aventurischen Süden angesiedelt sein könnten. Insgesamt freut mich das, denn den aventurischen Dschungel mochte ich schon immer als Setting. Dann schauen wir mal, ob der gute Dottore den Nymphen und Schraten der Vergangenheit das Wasser reichen kann. Immerhin wird er ja schon als „buntschillerndste Person“ angekündigt, und tatsächlich hat sein (gelungenes) Portrait eine befremdliche Ähnlichkeit mit Schiller, gepaart mit einem Blick, bei dem man irgendwie die Lust verliert, mit dem Forschungreisenden eine Karavellenkoje zu teilen. Aber der Mann mit der Chillischote am Revers scheint mir eine stimmige Figur zu sein, hinreichend konturiert, um ihn spannend zu machen, ausreichend plausibel, um nicht überdreht zu wirken. Und seine Zitate haben mich zum Schmunzeln gebracht. Sehr hübsch der Mechanismus, aber regeltechnisch wohl nicht ganz konform: Fernandos Pechmagnet wandert auf seine Untergebenen, so lange er den jüngsten Glücksbringer trägt. Ich mag die Idee … Und endlich mal ein Gelehrter, der mit Pflanzenkunde 19 auch mal ein gewisses Brett darstellt. Insgesamt ein guter Einstieg in die Serie, mio Dottore caro! (Kann jemand besser Italienisch als ich?)

Curima: Ich fürchte, damit kann ich nicht dienen. Den Dottore finde ich aber auch sehr gelungen. Gut, ein paar der Talentwerte (Selbstbeherrschung, Wildnisleben) könnten bei einem Forscher ein bisschen höher sein, aber das ist nicht so wirklich schlimm. Der auf andere Personen überspringende Nachteil Pechmagnet ist natürlich regeltechnisch ganz großer Mumpitz, die Idee ist aber so charmant, dass mich das nicht wirklich stört.

Szenario: Von Grangor ins Güldenland

Vibarts Voice: Woho, Reise zum Horizont auf zwei Seiten. Ambitionierter Artikel. Dem geschuldet gibt es natürlich auch keine Schiffskarte, keine Überseeroute und auch nur eine völlig ereignislose Hinreise. Und das einzige Ereignis bringt die Shivone dann auch direkt nach (tädä) … Myrunhall. Im Grunde also eine große Rahjafliegenfalle, um aventurische Charaktere in die Einsteigerregion zu locken. Legitime Taktik, will ich meinen. Das Szenario ist dann aber auch ohne die entsprechende Spielhilfe schwer verständlich, zumindest in den Details der ansonsten simplen Handlung (Was zum Braggu unterschiedet die Cyrilla-Garde von der Chrysir-Garde?) Und warum die Myrunhaller Hafengarnisionen mit „keinerlei Zugang“ bauen, bleibt mir auch ein Rätsel. Hält vielleicht streunende Katzenwesen draußen. Auch unschön finde ich, dass die Helden, ganz egal, wie sie sich in der (natürlich kartenlosen) Hafengarnision verhalten, auf alle Fälle bei der Befreiung des Zwölfgötter-Geweihten erwischt werden sollen. Insgesamt hinterlässt also das Szenario bei mir zu viel unwilliges Stirnrunzeln, um mich dazu zu bringen, einige Helden und Heldinnen mal nach Myrunhall zu entführen.

Curima: Endlich mal wieder was mit Myranor-Bezug im Boten! Eigentlich toll. Nur irgendwie wirkt das Ding ziemlich uninspiriert. Hier wurde die Idee einer neuen Güldenlandreise mit ein wenig Werbung für den Myrunhallband zusammengesteckt, was auf zwei Seiten einfach nicht funktioniert. Heraus kommt eine Überfahrt, die entweder langweilig ist oder vom SL selbst gestaltet werden muss, sowie ein sehr austauschbares Szenario in Myrunhall, das genauso gut in Aventurien stattfinden könnte. Besser wäre entweder ein für myranische SCs ausgelegtes Szenario in Myrunhall gewesen, das auf die Besonderheiten der Region eingeht – oder aber eine in Stichpunkten skizzierte neue Güldenlandfahrt (auch wenn ich trotzdem skeptisch wäre, wie man das auf zwei Seiten quetschen soll). Also: Mehr Myranor im Boten – Daumen hoch; für dieses Szenario aber eher Daumen runter.

Josch: Was soll man denn auf knapp zwei Seiten eurer Ansicht nach alles machen? Ich finde die Schwerpunktsetzung jetzt auch nicht ideal, und insgesamt ist mir das etwas gewollt auf den Myrunhall-Band hingeschrieben, aber die Idee ist lobenswert und manches davon ließe sich durchaus als (klar: äußerst skizzenhafter) Ausgangspunkt für eine eigene Überfahrt verwenden. Besser wäre hier m.E. aber ein Zweiteiler gewesen, und der Gehalt an nutzbaren Infos hätte bei effizienterer Platznutzung auch höher sein können. Daher immerhin: 3 von 9 Notizbüchern.

Produktvorschau: April, April!

Vibarts Voice: Gut, gut, auch ich finde ja auch, dass es kein guter Stil ist, bei jedem Aprilscherz, den man durchschaut hat, das gleich in die Welt herauszurufen, nur um damit allen zu zeigen, was für ein Schlauköpfchen ich bin. Allerdings ist der diesjährige Boten-Hoax so offensichtlich, dass man damit wohl keinen betrunkenen Goblin hereinlegen könnte. Offensichtlich ja, aber auch lustig? Jau, wenn man auf Schenkelklopfer-Humor steht … Ich gebe zu, dass sich die Dialektversionen bekannter Werke hübsch lesen, mit Kennerblick jedoch stelle ich fest, dass das Schwäbisch nicht ganz astrein transkribiert ist. Die alles entscheidende Frage bleibt jedoch: Ist nun Namenlose Nacht am Ende auch nur ein von langer Hand geplanter Aprilscherz? Der wäre dann wirklich saugeil eingefädelt worden.

Curima: Hoppala – DAS hier ist der Aprilscherz, nicht der Raubritter? Na sieh einer an. Der Hoax war jetzt irgendwie eher so … nicht mein Fall. Da waren die Ideen der letzten Jahre, wie z. B. der mit Werten versehene Kettenbikini, um einiges besser. Die Mundart-Abenteuer und die kulinarische Verballhornung kürzlich erschienener Publikationen ist da irgendwie nicht so der Brüller. Eine ganze Beispielseite von irgendeinem Kauderwelsch, das ich nicht richtig verstehen kann … schnarch. Nach drei Zeilen weitergeblättert. Und wie Vibart sagt: Wenn es auf den ersten Blick „APRILSCHERZ!!!111heinz“ schreit, ist es nicht so richtig toll.

Josch: Meiner Ansicht nach sollten Aprilscherze schwer zu durchschauen sein und doppelt weh tun: Erst beim Sichdrüberaufregen, dann beim Sichertapptfühlen. Deshalb wird der 37er Bote auf ewig einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Ich vermute aber, dass, wenn ich mein Geld mit einem Produkt verdienen würde, dessen Zielgruppe zu einem nicht unerheblichen Teil als eher leicht erregbar bekannt ist, ich auch vorsichtig werden und etwas machen würde, das harmlos und auf den ersten Blick als Gag zu erkennen ist. Insbesondere, da der Bote nicht in jedem Fall am 01. April zugestellt und gelesen wird. Von daher: 5 von 9 Quadj-Komödien-Club-Monatskarten.

Kurzgeschichte: Ehrgeiz – Ehre – Ewigkeit

Bote 164 Sumpffrantze Nadine Schäkel

Kräftiges Kerlchen: Eine gesetzte Sumpffrantze (von Nadine Schäkel)

Vibarts Voice: Eine klassische DSA-Dreier-Alliteration leitet die Ereignisse in den Rotaugensümpfen ein, die Illustration der Sumpfrantze in der Mitte wirkt ein wenig … hamsterhaft. Ansonsten bietet die Geschichte ein veritables, durchaus abenteuertaugliches Scheusal und eine tragische Geschichte. Ich mochte sie, verrate aber nix weiter von der Handlung. Nur dies – meine Lieblingsstelle: „Liebe ist etwas für Träumer oder Almadaner…„.

Curima: Die Idee der Geschichte gefällt mir. Kleines Gemecker auf hohem Niveau: Ich fand, dass sie in den einzelnen Handlungssträngen ein wenig zu sehr in der Chronologie der Ereignisse herumspringt. Der lange Rückblick im ersten Abschnitt nimmt erstmal die Spannung raus, zumal er am Anfang recht verwirrend in vier Sätzen durch vier verschiedene Tempora springt. Trotzdem insgesamt eine gute Geschichte mit einem düsteren Ende.

Josch: Wie wir inzwischen aus eigener Erfahrung wissen, ist eine annehmbare Kurzgeschichte auf gerade mal vier Seiten zu schreiben, eine ziemliche Herausforderung. Nach dem ganzen Schweiß, den wir selbst dabei vergossen haben, bin ich, was Kritik angeht, inzwischen deutlich milder gestimmt, und sage daher: Gut gemacht, auch wenn es natürlich immer was zu bekritteln gibt (siehe oben). Insgesamt 6 von 9 Kritikerpreisen des Deutschen Nerdhandels.

DSA 5: Bald ist es soweit!

Vibarts Voice: Ja, das Warten auf’s Christkind Beta-Regelwerk hat bald ein Ende. Dieses Mal gibt es News zu den auf der RPC erhältlichen Beta-Publikationen und weiteren ikonischen Charakteren. Ich persönlich finde 14,95 € für ein etwa 300 Seiten starkes Beta-Regelwerk ein sehr angemessenes Angebot. Auch die Idee, in drei Abenteuern jeweils unterschiedliche Regelaspekte zu testen, wirkt planvoll. Die angerissenen Handlungen der Test-Abenteuer sind jetzt nicht unbedingt kreativ oder revolutionär, lassen aber solide DSA-Abenteuerkost erwarten. Solide AbenteuRer-Kost sind die weiteren vorgestellten ikonischen Charaktere, nur, dass die Hexe Rovena natürlich rothaarig sein muss, und eine weiße Strähne hat und eine Katze, ist vielleicht ein wenig arg in Klischees gebadet. Hingegen finde ich Bruder Hilbert, den Don Camillo von Auen, eine erfrischende Figur, und endlich mal einen männlichen, heldentauglichen Perainegeweihten. Und dann ist da … die Collage, die offensichtlich alle Redax-Mitglieder in DIN A0 auf dem heimischen Klo hängen haben, weil sie die soooo lieben. Ist es ein Zufall, dass sich „Collage“ auf „Rage“ reimt?
Abgesehen von der Rage wundert es mich ein wenig, dass die gesamte Splitterdämmerung mit 9 fetten Abenteuern noch vor DSA5 abgeschlossen sein soll. Aber gut, Ulisses, dann mal ran. Und die Regelkuriositäten aus DSA4 werden eine meiner neuen Lieblingsrubriken. Ich bin mir sicher, da gibt’s noch so einige unpublizierte Zuschauerentdeckungen.

Der Mike Myers des Aventurischen Boten: Wiedergänger-Collage zu DSA 5

Der Mike Myers des Aventurischen Boten: Wiedergänger-Collage zu DSA 5

Curima: Und wer bis hierhin durchgehalten hat: Ja, die Seite mit der DSA5-Collage war natürlich die, auf der man noch den Turnierablauf der Zwölfgöttertjoste hätte unterbringen können. Aber gut. Da ist sie wieder, die schöne bunte Bildersammlung. Aber diesmal gibts immerhin noch vier andere spannende Bilder, nämlich die Cover des Betaregelwerks und der drei Beta-Abenteuer. Diese waren neulich auch schon im Ulisses-Blog erschienen. Mir gefällt vor allem das Cover zu Die Gunst des Fuchses, und ich als alte Intrigen-Diebes-Geheimnis-Liebhaberin freue mich auch unglaublich auf das besagte Abenteuer. Doch auch die anderen Bilder sind nett, lediglich der Ignifaxius auf dem Bornland-Cover gefällt mir wegen der Schleifenform eher nicht. Aber vielleicht wird ja der schleifenförmige Feuerstrahl eine neue Zaubervariante nach DSA5. Man wird sehen.

Die vier vorgestellten ikonischen Charaktere gefallen mir, auch die Zeichnungen sind ganz hübsch geworden (auch wenn man diesmal nicht die Konzeptzeichnungen, sondern nur das Endergebnis zu sehen bekommt). Genausogut gefällt mir der Ausblick auf die Splitterdämmerung. Dass diese noch unter DSA4 abgeschlossen wird, ist super. Ich möchte hier auch mal die angekündigten Titel der einzelnen Bände loben: Die klingen alle total gut und schon richtig episch. Ich freu mich sehr auf die Kampagne.

Weniger Lob gibts für die DSA4-Kuriositäten, da sie leider großteils an der Sache vorbeigehen. Wenn ein Held sich mit Pflanzen auskennt, kann er also 6 Dukaten mit Gulmondtee verdienen. Jetzt mal aufgemerkt: Wenn ein Held auch nur halbwegs Ahnung von Alchimie hat, kann er für ein Goldstück die notwendigen Zutaten für einen Heiltrank kaufen bzw. Teile davon selbst sammeln, dann braucht er noch nen Topf und ne Woche Zeit – und macht mit einer guten Probe aus dem einen Goldstück ungefähr 50-70. Und wenn der Held hohe Werte auf Schmieden oder Feinmechanik hat, dann macht er für wenig Geld aus Rohmaterialien ein Schwert oder eine Taschenuhr und verkauft den Kram für teuer Geld. Was genau ist daran kurios? Und gerne nochmal für alle, die den Meuchelangriff ernsthaft zu schwach finden: Der Punkt am Meucheln ist nicht der erlittene Schaden. Der Punkt am Meucheln sind die 3 Wunden, die das Opfer an der entsprechenden Zone bekommt. Meucheln umgeht die Rüstung, das Opfer erhält also den vollen dreifachen Waffenschaden (WdS 86) und eine automatische Wunde. Bei einer gelugenen Anatomie-Probie macht die Waffe immer maximalen Schaden, also selbst ein normaler Dolch verursacht 21 TP. Damit ist auch ein Opfer mit KO 18 bei 3 Wunden und somit kampfunfähig. Und mit drei Brust- oder Bauchwunden (2W6 Zusatzschaden, hurra) ist das Opfer nicht nur kampunfähig, sondern vermutlich ziemlich tot. Der Meuchler kann sich dabei die Zone mit geringem Aufschlag aussuchen, und seine AT ist um 5-8 Punkte erleichert. So – und was genau ist am Meucheln jetzt kurios, und wieso zum Ork soll das nach DSA5 (noch) besser werden? Kuriositäten gibt es bei DSA4 wirklich einige – diese Beispiele gehören aber nicht dazu.

Anmerkung von Sedef: Um noch etwas Öl ins Feuer zu gießen: Ein guter Meuchler mit Meucheldolch nach Arsenal hat schon W+3 (also 27) und kann auch noch 8 Punkte Schaden aus der Ansage gewinnen. Mit 35 TP hat dann selbst ein Zyklop drei Wunden – und perfekt geschmiedete Schwerter von Meuchel-Zwergen sollten selbst Drachen einen unruhigen Schlaf bereiten. Ineffektiv ist anders. Klein Alrik kann zwar ohne Übung nicht jeden Finsterling mit dem Küchenmesser meucheln – sollte er aber auch nicht.

Würde nie auch nur ans Meucheln denken: Bruder Hilpert (von Nadine Schäkel)

Würde nie auch nur ans Meucheln denken: Bruder Hilpert (von Nadine Schäkel)

Josch: Ich bin entsetzt! Sollten verschiedene DSA-Mythen, denen sich sogar die Redaktion gebeugt hat, etwa einer Überprüfung nicht standhalten? Wo soll das noch alles enden! Nicht auszudenken, was das für manche Forenthreads bedeuten würde. Ansonsten: Bald ist DSA5 draußen, dann werden wir endlich Zeugen des kollektiven Nerdinfarkts.

Bruder Hilbert hat es mir angetan, so was wird definitiv mein Charakter in der ersten Testspielrunde – allein schon, weil er mich an meinen eigenen Praioten erinnert. Aber so ganz beisammen scheint der gute Herr nicht zu sein – nicht nur lässt er in einem Szenario im Norden Aventuriens nach dem nur auf Maraskan vorkommenden Xordai suchen, auch seine Kutte scheint ein Fall von zoologischer Verwirrung zu sein, da sie mir eher eine Ente als einen Storch zu zeigen scheint. Egal, immerhin weiß ich jetzt schon, was ich auf jeden Fall bei der Darstellung des Charakters umsetzen werde. Dafür 6 von 9 DSA5-Collagenkunstdrucke.

Vibarts Voice: Da schau her, es geht also doch, wenn man die Regeln beachtet, liebe Redax. Mir ist es aber definitiv zu kompliziert und zu langwierig, jemand auf diese Weise zu ermorden … Könnte man nicht einfach sagen „sechsfacher Waffenschaden“ und alles wäre gut?

Meisterinformationen & Chronologie

Vibarts Voice: Mit zweieinhalb Seiten gibt es wieder dicke Hintergrund und Orientierung. Um manches Ding wird aber nach wie vor zu viel Geheimniskrämerei getrieben. Weder erfahre ich, wieso Rondra so auf die Pauke haut, noch, was da Helme hinter dem Dämoneneisernen Vorhang wirklich treibt. Vielleicht will man da die Spannung der versammelten Meisterschaft auf den Metaplot ins Unermessliche steigern. Ich bekomme aber manchmal den Eindruck nicht los, dass man das bei Drucklegung des Boten noch selber nicht so genau wusste.

Josch: All Teaser, no pleaser? Fast, etwas Butter bei die Salzarelen gibt es schon, aber nicht genug, um diese Metapher zu retten. Daher 5 von 9 Erfüllungen der Informationspflicht.

Ingame-Teil

Vibarts Voice: Zunächst korrigiere ich mich: Aus dem Artikel zur Zwölfgöttertjoste lässt sich kein halbwegs vollständiger Ablauf der zwölf Tage rekonstruieren. Ansonsten scheint Rondra etwas im Schilde zu führen. Die aktuelle Rohaja-Klatsch-Glosse fand ich diesmal stark unelegant, eventuell liegt das aber auch daran, dass ich finde, das Vorletzte, was nach Aventurien gehört, sind Jungesellenabschiede á la Reperbahn. Das Letzte auf dieser Liste sind übrigens getunte Nissans, nur um mal den Stellenwert zu verdeutlichen. Lust auf den Metaplot machen aber diverse Andeutungen auf TNBH (The Next Big Haffax). Ansonsten behält man das neue Konzept der besseren Durchmischung mit Themen bei, Langeweile kommt auch diesmal nur streifenweise auf. Engasal hätte jetzt echt nicht sein müssen. Insgesamt ist mit dem Tod des Hochgeschwisterpaar und der Entrückung der Swaffnirgeweihten grad einiges los, aber das Bild einer dicken stattlichen Thorwalerin, die mit hochgereckter Axt auf einem Wal in den Sonnenuntergang reitet … Gacker, Pruust. Meine ganze Liebe haben einmal wieder die Kleinanzeigen.

Josch: Bruderschwester Vibart bringt es auf den Punkt – aber nicht immer auf den richtigen. Natürlich sind Junggesellenabschiede keine aventurische Institution, die in den MI gegebene Erklärung (eine Botenredakteurin war unzufrieden mit den Antworten des Markgrafen im ebenfalls im Boten veröffentlichen Gespräch und hat den Artikel, „als Retourkutsche für das Interview am Schriftsetzer vorbeigeschmuggelt“) lässt mich jedoch vermuten, dass es sich beim Artikel nicht zwingend um einen wahrheitsgetreuen Tatsachenbericht handelt. Darauf wette ich zumindest mein Jahreslos der Südgarethischen Dukatenhagellotterie.

Ansonsten schön: „Steht das Mittelreich vor der Entscheidung?“ Aktuelle Meinungen zur Lage im Politkommentarstil eurer Lieblingszeitung. Für’s nächste Mal wünsche ich mir einen Auftritt von Alrik Altzoll-Arivor, dem ehemaligen Korknaben und novadiphoben Berufsgrantler („Haffax ist immerhin noch ein Führer mit Eiern in der Hose, oder was immer da im drölften Kreis der Verdammnis noch zwischen den Knien schlackert“). Auch schön: Uthuria-Expedition der Horasier aufgebrochen. Sehr gut, Hauptsache nicht noch mehr Al’Anfaner im Süden. Noch schöner: „Nordlandbank bringt Ariakonskrone zurück“. Besagte Krone ist hier zwar 88, wichtig ist aber, dass besagtes Kreditinstitut damit der Brabacischen Vereinigten Occidental-Compagnie genau den Schub geben könnte, der notwendig ist, damit wir das einzig ernstzunehmende Südreich bald endlich auch auf dem neuen Kontinent begrüßen dürfen.

Doppelt schön: „Diskus, Tod und gute Ratschläge“: Zajida und Zadisab sind gegangen (In der Tat, sie sind nicht mehr da!). Nur echt mit 16 guten Ratschlägen. Und jedes Maraskan im Boten ist eh gutes Maraskan. Schön bekloppt: Garf I. lädt kaiserliches Paar nach Engasal ein. Noch schöner bekloppt: Die Kleinanzeigen – diesmal zwischen dadaistischem Manifest („Echte Greifenfurter Rübenreiben! Weil jeder eine Rübenreibe braucht.“) und Texten zum Verneigen („Seid gewarnt!
 Der Wohnturm ist kein harmloses Einrichtungsblatt! Er hat nur ein Ziel: euch zum maraskanischen Glauben zu bekehren und euch alle in Ketzer zu verwandeln! Kauft ihn nicht!“).

Alles in allem: Ein stimmungsvoller und überdurchschnittlich guter Innenteil, der neben den genannten Schlaglichtern noch viel Solides enthält und eigentlich ohne echten Ausreißer nach unten auskommt (auch wenn der zentrale Artikel „Der Mond der Donnergöttin“ zu aktuellen Ereignissen rund um die Herrin von Sturm und Gezänk sich zäher als notwendig liest). Richtig unschön finde ich eigentlich nur, dass ich „Das Ende einer Ära – Oberste Geweihte Swafnirs entrückt “ bis zur Lektüre von Vibarts „Mopsendroenning auf Wal gen Sonnenuntergang“-Kommentar für einen ziemlich gelungenen Stimmungstext hielt. Jetzt muss ich mir die Erinnerung erst mal mit drei Flaschen Offenbarung der Zwillinge auspusten. Und ihr könnt in der Zwischenzeit schon mal, genau, abschalten. Seid auch nächstes Mal wieder mit dabei, wenn es heißt: Onkel Joschfried und Opa Vibart erzählen einen vom Tralloper.

Fazit

Aventurischer Bote Botendisput EuleJosch: Hochs und Tiefs. Die Hochs diesmal fast alle im Ingame-Teil, das gibt es auch nicht alle Tage. Dennoch: Der Bote ist das Tollste, was man für 3,90 Euro bei DSA kriegen kann. (Da Vibart meint, ich würde das eh immer schreiben, will ich ihn auch diesmal nicht enttäuschen.) Auch wenn das hier sicher nicht mein Lieblingsexemplar 2014 wird. Insgesamt: 5 von 9 Gesamteindrücken.

Vibart: Josch, wenn jetzt auch noch du mich enttäuscht hättest … Wahr ist aber, dass ich Lob und Tadel gerne mit der etwas breiteren Kelle verteile, denn ein Gräuel war mir stets das Mittelmaß. Somit bleibt mir nur, nachdem ich den letzten Boten gen Alveran gelobt habe (zu Recht), das Fazit: Das ist einer der schwächsten Boten der letzten Zeit gewesen. Wenn die Vierblättrige Einbeere der Höhepunkt der aktuellen Ausgabe ist, dann sagt das schon viel aus. Der Ingame-Teil war aber wieder einmal gelungen. Better luck next time!

Curima: Wie immer bezieht sich mein Fazit nur auf den Outgame-Teil, da ich die Meisterinfos und den Ingame-Teil nicht lese. Nach dem letzten Boten, der mir ziemlich gut gefallen hat, ist dieser hier eher unterdurchschnittlich geraten. Schade ist dabei, dass manche Artikel (Tjoste, Raubritter, Güldenland) auch richtig gut hätten werden können, es aber leider nicht sind. Ich schließ mich Vibart an und hoffe auf die nächste Ausgabe.

Über Vibarts Voice

1986 entwickelte Michael Gorbachow den Begriff "Glasnost" und die Raumfähre Challenger explodierte beim Start. Im selben Jahr wurde DSA Teil meines Lebens, und obwohl die UdSSR und das Space-Shuttle-Programm längst Geschichte sind, ist DSA noch immer zentraler Aspekt meiner Existenz. Ich spiele und meistere regelmäßig. Seit Mai 2012 bin ich darüber hinaus hier bei Nandurion tätig.
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4 Kommentare zu Aventurischer Bote #164

  1. Salaza sagt:

    Mit etwas Verspätung: Es kann nun auch kommentiert werden!

  2. Siebenstreich sagt:

    Also, der Mundart-Teil hat mir echt gut gefallen (auch wenn er nicht zu 100% richtig übersetzt sein sollte): „Einische dabbische Kinners versuchen es uffzumische.“

    🙂

    Und auch beim Fazit zur Kurzgeschichte kann ich mich euch anschließen; der Text hat mich überzeugen können. Von sowas gerne mehr.
    an Josch: du sagst: „Gut gemacht“ und „milder gestimmt“, aber dann nur 6 von 9 Punkten? Das hab ich irgendwie nicht ganz nachvollziehen können.

  3. Sindajin sagt:

    Schöner Disput! Auch wenn ich für früheres Erscheinen des Disputs bin, kann ich mich diesmal noch erinnern, den Boten ähnlich wahrgenommen zu haben.

  4. endijian sagt:

    Den Mundartteil fand ich ganz gut, was aber im Wesentlichen daran liegt, dass mal zwei Jahre (eher unfreiwillig) in Frankfurt/Main gewohnt habe…

    Die DSA4.1-Kuriositäten fand ich auch eher… kurios.
    Bisher wurde der „Zauberspeicher“-Stab, der mittels „Respondami“ sein Opfer KO schlä,gt noch nicht angesprochen. Das war meine Lieblingskuriosität. Ich meine, in einem System mit der Komplxität von DSA findet man immer solche Loopholes, wenn man danach sucht. Die DSA5-Redaktion sollte mMn lieber Passagen aus den „Wegen des Meisters“ ins neue Regelwerk übernehmen, um solche Probleme anzugehen. Aber das Stichwort „Gruppenvertrag“ wurde ja schon andernorts genannt.

    Zur LARPer-Vorstellung: Ich glaube, die Serie mit einem harmlos-sympathischen Magier mit harmlos-simpler Gewandung (ruhig mit Glitzer) beginnen zu lassen, ist ein guter Ansatz. Immerhin vermittelt man den klischeehaften „Ich bin 18, hochbegabt und arrogant und meine Eltern kaufen mir alles – jetzt kniet nieder vor Rondra’s Großinquisitor Thrall und seht zu, wie er mit seinem bierkastengroßen Schaumstoffkriegshammer die Dämonen des Chaos zurück ins Warp treibt!“ auf diese Weise, dass DSA-LARP nicht unbedingt ihre Baustelle ist…

    Öh, und bevor ich es vergesse: Danke für den gelungenen Disput!

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