Heldenbrevier der Streitenden Königreiche

Heldenbrevier-der-Streitenden-Königreiche-CoverNeben den schlichten Reiseführern gibt es in unserer irdischen Geschichte auch eine lange Tradition von Reiseberichten und Reisetagebüchern. Mit der neuen Edition haben sie auch nach Aventurien Einzug gehalten, so dass wir nun auf Wunsch nicht nur mit Hilfe der eher reiseführerartigen Regionalbände die verschiedenen Länder Aventuriens besuchen können, sondern in eine Region zusätzlich oder auch stattdessen über das entsprechende Heldenbrevier eintauchen können. Diesmal wollen wir uns dabei dem Heldenbrevier der Streitenden Königreiche widmen.

Aufmachung

Die noch recht neue Reihe dieser Reiseberichte kommt im handlichen Format der Vademeci daher, hat aber deren bunte Gewandung abgelegt und sich für seine Wanderung durch Aventurien einen braunen Reisemantel übergeworfen. Während der Reise durch die Streitenden Königreiche wird die Heldenbrevier-Wappen eines Südweisers in seiner Mitte von Eichel und Salzarele geziert und zwischen den zwei Buchdeckeln finden wir insgesamt 160 Seiten. Die enthaltenen Bilder gefallen mir insgesamt ziemlich gut und besonders die Seitenzier entlockt mir am Ende das ein oder andere Grinsen, stehen sich dort doch der Hirschkönig links unten und der Auerochsenkönig rechts unten gegenüber und findet man in der linken oberen Ecke doch nostrischen Langbogen und andergaster Schwert verborgen eingearbeitet.

Inhalt

Die Reiseberichte kommen als sich abwechselnde Tagebuch-Einträge verfasst von zwei Jungrittern kurz nach ihrer Ritterweihe. Da hätten wir einmal die nostrische Ritterin Brealetha von Hyttenhau aus dem Seenland, die recht bodenständig daherkommt, und auf der anderen Seite den standesbewussteren andergast’schen Ritter Stanislaus von Tatzenhain aus den Waldlanden. Beide werden nun im Frühjahr 1040 BF aus verschiedenen Gründen auf einen Botengang geschickt, der sie durch verschiedene Regionen der Streitenden Königreiche führt, zu diversen Begegnungen und nach Abschluss der Aufgabe auch noch zu einer daran anschließenden Reise führt.

Heldenbrevier 57 (by Fabian Schempp)

Schnell noch eine Erinnerungsmalerei für die Einhörner daheim (Bild von Fabian Schempp)

Geographische Beschreibungen der durchwanderten Regionen werden dabei meist nur angerissen, vielmehr kommen in diesem Bericht die Dinge zum Tragen, auf die im Regionalband zu Nostria und Andergast eher ein kurzer Blick gewährt wurde und die teilweise sowieso besser über eine Ingame-Quelle vermittelt werden kann. Die landeseigenen Spracheinfärbungen, die Vorurteile gegen den ‚Feind‘ jenseits der Grenze, die Traditionsverbundenheit – teilweise unterschiedlich, aber dann teilweise auch wieder sehr ähnlich, der Blick auf die Hexen bzw. Sumen und ganz viele Erinnerungen an die Sagen und die Geschichte des durchreisten Landstrichs. Am Ende bleibt der Blick von zwei durchreisenden, zugegebenermaßen adligen, Rittern aus den Streitenden Landen auf die Bewohner und ihre Eigenheiten und die Traditionen und Legenden des Landes.

Interessant wird es auch noch einmal gegen Ende, als die beiden Protagonisten aufeinander treffen und nach einer Weile auch mehr oder minder freiwillig miteinander gemeinsam weiterreisen, führt dies doch zur Selbstreflexion und dem Überdenken einiger praktisch mit der Muttermilch aufgesogenen Vorurteile dem Landesfeind gegenüber, zumindest was das aktuell mitreisende Individuum angeht.

Fazit

Braucht man dieses Büchlein? Nicht wirklich oder kommt darauf an. Nämlich extrem stark auf die eigenen Präferenzen. Wer in einer Spielhilfe nach einem konkreten Nutzen für den Spieltisch sucht, sollte wahrscheinlich eher die Finger davon lassen. Wer gerne auch einfach mal so über Romane oder Spielhilfen in das Geschehen und Gefühl einer Region hineintaucht und dies dann eventuell oder auch nicht für die Ausgestaltung seines Spiels bzw. seiner Charaktere nutzt, kann mit diesem Büchlein nicht viel falsch machen. Es bietet halt eher wenig praktischen Nutzen sondern vor allem extrem viel regionstypisches Flair. An euch zu entscheiden, ob ihr damit etwas anfangen könnt.

Mir hat das Heldenbrevier jedenfalls ein paar extrem vergnügliche Stunden beschert und entsprechend finde diesmal wirklich nichts zu meckern. Ganze 9 von 9 Einhörnern reisen darum begeistert von den Tiefenrössern im Seenland bis zu den Himmelsrössern nach Teshkal und sitzen im Anschluß am nächtlichen Lagerfeuer, erzählen sich wilde Reisegeschichten, grillen Hornbrot und planen bereits eifrig ihre nächste Fahrt. Denn nach der Reise ist bekanntlich vor der Reise…

Weitere Rezensionen im Datenlimbus

Mit freundlicher Unterstützung in Form eines Rezensionsexemplars von der Ulisses-Spiele GmbH und dem F-Shop.

Über Derya Eulenhexe

Derya wird auch über den Namen Milena gerufen und durchstreift seit dem Herbst 2010 Aventurien. Dabei war der nanduriatische Bote bisher ihr ständiger Begleiter und seit Anfang 2016 ist sie nun ebenfalls als Schreiberin dabei.
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2 Kommentare zu Heldenbrevier der Streitenden Königreiche

  1. Siebenstreich sagt:

    Ich hab mir das Heldenbrevier (elektronische Version) aufgrund der überragenden 9 von 9 Punkte-Bewertung geholt. Nach dem Lesen kam ich aber zu einem etwas kritischeren Ergebnis:

    Ich habe die Spielhilfe zu den Streitenden Königreichen nicht (und auch nicht das Landkartenset, den Soundtrack oder den Flammenwerfer – die Kinder lieben dieses Zeug), wobei insbesondere die Karten sicher sehr hilfreich gewesen wären, denn so konnte man dem Weg der Protagonisten nicht wirklich folgen. Im Buch ist zwar die Region abgebildet, aber nur Nostria wird näher erläutert, womit gefühlt 50% der Texte ohne graphische Unterstützung auskommen müssen.

    Wobei, zur Visualisierung der Geschehnisse gab es noch ein paar Bilder, die aber eher bessere Skizzen sind und auch nicht wirklich weiterhelfen – ich weiß, wie ein alter Turm aussieht…

    In den Berichten selbst kommen so viele Sagen, Legenden, Geistergeschichten, historische Begebenheiten undundund vor, dass ich das Gefühl hatte, die Hälfte der Erzählung sei aus anderen Erzählungenen zusammengesetzt. Dabei dürfen natürlich auch Anspielungen auf Abenteuer (Deichgabel!) und Personen (Murgol) nicht fehlen. Die Reiseberichte selbst stellten die Region gut dar, insbesondere das (zu) große Traditionsbewusstsein der Andergaster (kurzer subjektiver Kommentar: pro Andergast!). Gegen Ende klingen ein paar philosophische Ideen an, die jedoch leider nicht weiterverfolgt wurden. Schade, denn damit hätte man den eher seichten Geschichten deutlich mehr Tiefgang geben können.

    Und wie immer mein größtes Sorgenkind: die Rechtschreibung…

    Ich hätte dem Heldenbrevier daher eher sechs Punkte gegeben. 🙂

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