Phileasson Saga – Elfenkrieg

Zwei Männer. Zwei Autoren.
Eine gemeinsame Saga über 12 Bände.
Zwei Recken. Die beiden größten Seefahrer ihrer Zeit.
Eine epische Wettfahrt um den Titel König der Meere.
Zwei Ottajaskos. Ein Sieger.

Unterwegs im Auftrag der Götter führt die Wettfahrt zweier Thorwaler an den Rand der Welt und darüber hinaus. Sie trotzen unvorstellbaren Gefahren und bereisen Orte, die kein Mensch vor Ihnen je gesehen hat.

Mit dem achten Teil der Phileasson-Saga beginnt das Autoren-Duo Hennen und Corvus ein ganz neues Kapitel in der Saga um Asleif Phileasson genannt Foggwulf und Beorn Asgrimmson, den man den Blender nennt. Nachdem die Thorwaler im äußersten Norden den Himmelsturm erkundet und im Osten hochelfisches Vermächtnis entdeckt haben, startet nun über drei Bände ein Handlungsbogen, der die thorwalschen Recken in eine Welt hinter den Nebeln führt. Während Beorn dank der Hilfe einer Göttin direkt auf den Inseln im Nebel landet, geht der Entdecker Phileasson einen Umweg. Zwei Bände lang werden die Ottajaskos also buchstäblich in anderen Welten unterwegs sein. Erst im dritten Teil, dem zehnten Band der Saga, wird es auch Phileasson gelingen die Nebelinseln zu erreichen.

Die langen Wege

In dieser Phase der Saga beschreiten die Autoren in mehrerlei Hinsicht neue Wege. Bislang mussten die Ottajaskos überwiegend die gleichen Aufgaben meistern. Auch wenn sie dabei nicht immer die gleichen Wege nahmen, begegneten sie einander doch immer wieder, mussten sich mit den gleichen Herausforderungen plagen und miteinander um die gleichen Ziele konkurrieren. Handlungsfäden, wie der von mir so gehasste Zidaine-Plot, lebten auch davon, dass die Ottajaskos immer wieder Kontakt hatten. In Band Acht und Neun werden wir es nun mit völlig voneinander getrennten Handlungen zu tun haben. Das erfordert in Teilen neue Wege, aber auch Möglichkeiten, zur Gestaltung von Atmosphäre, Tempo und auch dem gesamten Setting. Interessant ist auch, dass Beorns Saga sich über drei Romane als fortlaufende Handlung auf den Inseln im Nebel und den Zwistigkeiten der dortigen Gesellschaft präsentiert. Im Gegensatz dazu gibt es bei Phileasson zwei Romane, in denen die ehemaligen Bettler aus Fasar eine wichtige Rolle einnehmen, bevor auch der größte Entdecker der Thorwaler seine Mannschaft in das Reich hinter den Nebeln führt.

Diese Trennung nutzen die Autoren hier für zwei recht unterschiedliche Geschichten. Dennoch sollte man nicht den Fehler machen zu glauben, dass wir es hier mit zwei unabhängigen Romane zu tun haben. Immer wieder schaffen die Autoren Parallelen zwischen den Handlungssträngen und nutzen die unterschiedlichen Settings beispielsweise um das Tempo zu variieren. An manchen Stellen war zu lesen oder zu hören, der Phileasson-Strang sein langweilig und bedeutungslos. Bei Beorn ginge es dagegen episch und aufregend zu. Meines Erachtens werden solche Aussagen dem Werk in keine Weise gerecht. Zum einen muss man, wie bereits erwähnt, das Gesamtwerk betrachten. Die Abstimmung der beiden Autoren um einen guten Fluss für den gemeinsamen Roman hinzubekommen ist in meinen Augen bemerkenswert. Auch die inhaltlichen Kontraste bieten enormen Reiz. Während Phileasson die Bettler begleitet und immer wieder um das Leben seiner Schutzbefohlenen kämpfen muss, steht Beorn mit seiner Mannschaft völlig allein. Gewiss geht es in Tie‘Shianna rasanter zur Sache. Doch das lebende Bild des Untergangs der legendären erzenen Stadt ist eine Todesfalle, in der es alles zu verlieren, aber nichts zu gewinnen gibt. In Aventurien ziehen die Recken aus um ein neues Dorf zu gründen. Auf den Inseln der Elfen gilt es allein dem Alptraum vom Untergang einer Stadt zu entkommen.

Inhalt und Dramatik

In Elfenkrieg nutzen die Autoren den Prolog diesmal um die Vorgeschichte von Vascal und Leomara zu erzählen. Die beiden Figuren begleiten die Ottajasko schon seit dem ersten Band und ihre Geheimnisse wurden bereits mehrfach angedeutet. In kurzen Sequenzen, die sich über viele Jahre hinwegziehen, erfahren wir nun das Schicksal Vascals zehnten Fingers, decken das Geheimnis von Leomaras Herkunft auf und lernen jene verrückte Mutter kennen, die zuließ, dass man ihrem Kind ein Loch in den Kopf bohrte. Da hier 30 Jahre überbrückt werden, sind die Szenen teilweise nur in sehr kurzen Ausschnitten beschrieben. Das reicht aus, um die zentralen Elemente zu skizzieren, mag den einen oder anderen Leser jedoch etwas irritieren.

Inhaltlich teilt sich der Hauptteil nun in die beiden Stränge um Beorn und Phileasson auf. Der Blender findet sich unverhofft in einer bewohnten Elfenstadt wieder, die jedoch von einem schreckerregenden Heer belagert wird. Der Maßstab ist hier wahrhaft heroisch und die Ottajasko muss trotz vorbildlicher Tapferkeit herbe Verluste einstecken. Es dauert den ganzen Band hindurch, bis Beorn einen tollkühnen Plan entwickelt und einen Weg findet das lebende Bild der belagerten Stadt zu verlassen. Die Realität gewordenen Träume der lebenden Bilder laufen zwar in einer Endlosschleife ab, sie lassen sich jedoch von den aventurischen Recken beeinflussen. Eine Besonderheit ist dabei das sogenannte Flackern. Sobald es zu einem solchen Flackern kommt, gibt es mitten in der Geschichte eine Art Reset und die Geschichte kehrt zu dem Pfad zurück, den sie ohne die Einmischung der Recken genommen hätte. Tragischerweise bedeutet das für die Ottajasko auch, dass sich niemand mehr an sie erinnert. Alle Heldentaten sind vergessen und die Rosenohren müssen den misstrauischen Elfen jedes Mal wieder erklären, dass sie keine Spione der barbarischen Rosenohren vor den Toren sind.

Während Beorn versucht das Labyrinth des Todes zu knacken, bestreitet Phileasson eine Begleiten und Beschützen Mission. Der Zug der Bettler durchquert Almada und Vascal hat einigen Ärger mit seiner Schwester, die ihm keineswegs vergeben hat, dass er mit ihrer Tochter das Weite gesucht hat. Auch die Bettler sind nicht gerne gesehen und auf der weiteren Reise warten auch noch andere Gefahren auf die Karawane. Diesen ruhigeren Teil nutzen die Autoren auch für ein wenig Exposition und Hintergrund. Die übernatürliche Natur der Aufgaben wird bestätigt, als die Ottajasko auf einige Thorwaler trifft. Auch die Nachricht vom Tod der Hetfrau Garhelt dürfte später noch von Bedeutung sein. Als der Zug schließlich das Ziel erreicht und die Siedler endlich sesshaft werden, wird der Drachenführer bald schon unruhig. Wann wird die Aufgabe abgeschlossen sein und wie sieht die nächste Aufgabe aus? Nachdem man einige Konflikte mit den Nachbarn beigelegt hat, und Phileasson schon der nächsten Aufgabe entgegenfiebert, endet die Geschichte mit einem Cliffhanger. Die Zeit der blutigen Schwerter ist angebrochen, so lautet der erste Satz der neuen Prophezeiung. Die Ottajasko muss sich im nächsten Band den Echsengöttern stellen und dort wird auch Phileasson seinen Anspruch auf den Titel König der Meere wieder mit dem Schwert in der Hand verteidigen müssen.

Figuren und Konflikte

Parallelen zwischen den Handlungssträngen schaffen die Autoren auf der Metaebene. Beorns Truppe trifft in der belagerten Stadt auf zwei „echte“ Personen, einen Elfen und einen Minotauren. Beide werden schnell zu Verbündeten ohne jedoch wirklich Teil der Ottajasko zu sein. Der Elf hilft Beorn und den Lesern auch dabei sich schneller in dieser doch sehr merkwürdigen Welt zurecht zu finden. Auch Phileassons Ottajasko schließt sich ein Thorwaler an, der jedoch keinen Eid auf den Drachenführer schwört. Und während Eilif in Tie Shianna immer lauter die Stimme der Unzufriedenen führt, kämpft Mirandola Ernathesa immer mehr mit den Stimmen, die sie aus der Wüste mitgebracht hat. Dieses Spiel aus Parallelen und Kontrasten verbindet die beiden Handlungsstränge und liefert ebenfalls eine Verzahnung, die aus den beiden Geschichten einen gemeinsamen Roman macht. Die Konflikte innerhalb der Gruppen werden teilweise auch über diesen Band hinaus von Bedeutung sein. Interessant ist immer, wie die beiden Drachenführer damit umgehen. Auch hier mag es die eine oder andere Überraschung geben.

Fazit

Elfenkrieg ist der Auftakt eines dreiteiligen Handlungsbogens der auf den Inseln im Nebel seinen Abschluss finden wird. Bemerkenswert ist es, wie es den Autoren gelingt die getrennten Handlungen auf der Metaebene dennoch miteinander zu verbinden und die ungewohnte vollständige Trennung der Gruppen für sich zu nutzen. Auch wenn das Tempo in diesem Band mehr bei Beorn liegt, ist der Strang um den „Kartentuscher“ keineswegs langweilig. Die Figuren und ihre Dynamik werden weiterentwickelt und auch der Hintergrund erhält einige Klärungen. Der Roman spielt mit den Kontrasten und Parallelen zwischen den beiden Handlungssträngen liefert ein sehr unterhaltsames Ergebnis ab.

Referenzen

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