Rur liebt die Vielfalt, Bruderschwester – die Cover des DSA-”Mittelalters”

Kommen wir zum zweiten Teil unserer DSA-Cover-Schau. Es geht diesmal um die Titelbilder aus dem von uns Fanpro-Zeit genannten Abschnitt, quasi dem DSA-„Mittelalter“, nach der „Antike“ bei Droemer Knaur und Schmidt Spiele.

Nach der vorläufigen Pleite von Schmidt Spiele 1997 kam die Lizenz für Das Schwarze Auge in diesem Jahr sozusagen nach Hause. Fanpro, die Firma der drei DSA-Gründungsväter Werner Fuchs, Hans Joachim Alpers und Ulrich Kiesow, übernahm die Rechte, was ein Höchstmaß an Kontinuität bedeutete. Schon vorher hatte Fanpro – bzw. die kreativen Köpfe hinter diesem Namen – die Inhalte für das Spiel erstellt.

Schmidt Spiele- und Fanpro-Version der DSA3-Kreaturen Box – nach neuer EG-Richtlinie musste den Tieren mehr Platz zugestanden werden (1998).

Blieb inhaltlich also erstmal alles beim Alten, brachte der Wechsel aber ein neues Cover-Layout mit sich: den „Fanpro-Marmor“. Schon mit dem Start von DSA3 hatten die Boxen, Abenteuer und Spielhilfen ein modernes Aussehen erhalten, das durch den sehr prominenten Granit-Rand geprägt war. Dieser wurde nun etwas zurecht gestutzt und dem Titelbild mehr Platz eingeräumt. Zusätzlich wechselte die Textur von rauem Granit zu poliertem Marmor. Bei den Bänden selbst beschränkte sich der „Rahmen“ fortan auf einen Balken am linken Rand, der das Layout bis heute bestimmt.

Die Titel wurden zunächst, wie gehabt, oberhalb des Bildes platziert. Anschließend kamen sie auf das Bild selbst, das damit noch mehr Platz nach oben bekam. Erstmals kam für die Schriftzüge auch nicht immer wieder der gleiche „normale“ Schriftsatz zum Einsatz. Die Titel wurden in verschiedenen speziellen Titel-Schriftarten präsentiert, die mit 3D-Textur-Effekten noch deutlich aufgepeppt wurden. Auch die Neuauflagen wurden mit dem neuen Design ausgestattet, so dass, vor allem für Sammler interessant, von einigen Produkten verschiedene Design-Varianten existieren (von manchen auch noch weitere, z.B. ohne Granit/Granit/Marmor bei Das Orkland). Bei Angeboten auf entsprechenden einschlägigen Plattformen wird deshalb auch häufig von der „Schmidt Spiele-Ausgabe“ oder der „Fanpro-Ausgabe“ gesprochen.

Die ersten neuen Produkte in diesem Stil stammen aus den Jahren 1997 und 1998. Sie trugen gleichzeitig die letzten Cover von Ugurcan Yüce und Ertugrul Edirne für DSA-Abenteuer und -Spielhilfen (mit einer Ausnahme). Beide Künstler haben wir schon im ersten Teil unserer Schau ausführlich vorgestellt und wollen deswegen hier nicht mehr näher auf sie eingehen.

Nach den beiden „Altmeistern“ übernahmen nun Andere die Aufgabe, das Gesicht Aventuriens durch Gestaltung der DSA-Titelbilder zu prägen. Es stellte sich dabei eine ziemliche Vielfalt ein, was sowohl Personen als auch Stile betrifft. Insgesamt kommen wir auf 29 Künstlerinnen und Künstler, die von 1997 bis 2007 für Fanpro 121 Cover anfertigten (mit den Einschränkungen bei der Auswahl, die wir schon im ersten Teil nannten, aber inklusive Yüce und Edirne). Das sind deutlich mehr Künstler als die neun, die in den 13 Jahren vorher bei Schmidt Spiele mit 127 fast die gleiche Anzahl an Titelbildern erstellten.

Am Anfang traten zunächst vor allem drei Künstler das schwere Erbe an, das durch Yüce und Edirne so lange geprägte Fandom mit neuen Covern zu versorgen: Thomas Thiemeyer, Tom Thiel und Swen Papenbrock. Und auch wenn es uns Spielern damals noch nicht bewusst war, so steuerten wir damals bereits auf das nächste Karmakorthäon unseres geliebten Rollenspiels zu: Die Zeit von DSA3 war fast abgelaufen, DSA4 wartete nicht mehr weit entfernt in den Startlöchern. Aber der Reihe nach.

Breitgefächert schon bei DSA3: Die Cover von Maler und Autor Thomas Thiemeyer (1998 – 2005)

Der Herr der Landschaften – Thomas Thiemeyer (1998 – 2005)

Grüße von der anderen Seite – eine Ansichtskarte aus Aventurien (1999).

Thomas Thiemeyer ist zwar von Haus aus Illustrator, hat sich aber per breitgefächerter Bildung auch zum erfolgreichen Autoren gemausert. Das Schreiben scheint dabei inzwischen sein eigentliches Standbein geworden zu sein, wie der Zusatz Buchautor unter seinem Namen auf der Homepage andeutet. Doch die Tatsache, dass er, wie auch Klaus Holitzka, mehrfach für seine Illustrationen den Kurd-Laßwitz-Preis gewinnen konnte, zeigt die hohe Qualität seiner Werke. Der Kurd-Laßwitz-Preis wird im Übrigen für Werke der Science Fiction vergeben, was Werke zum Schwarzen Auge in der Regel nicht mit einschließt (Borbarads Fluch einmal ausgenommen).

Hauptsächlich bebilderte Thiemeyer Spielhilfen, sowohl zu DSA3- wie auch zu DSA4-Zeiten. Zu seinen ersten Werken gehörten die Cover der Boxen Rauhes Land im Hohen Norden und Die Welt des Schwarzen Auges. Letzteres wurde sogar für den englischen DSA4-Weltbeschreibungsband World of Aventuria wiederverwendet. Ähnliches geschah mit seinem Bild für den DSA3-Ergänzungsband Tempel, Türme und Tavernen, das auch die DSA4-Neuauflage des Bandes, die Spielhilfe Ritterburgen & Spelunken, ziert. Das ebenfalls darin aufgegangene Armorium Ardariticum war auch von ihm bebildert. Nach dem Start von DSA4 zierten seine Werke die Geographia Aventurica und vier der fünf ersten Regionalbände. Daneben erhielten auch ein DSA3- und zwei Myranor-Abenteuer Cover von ihm, ebenso wie einige Romane.

Typisch tulamidische Gelassenheit: was den gemeinen Mittelreicher vermutlich um den Verstand bringen würde, lässt den Karawanenführer nur müde lächeln (2005).

Schaut man sich die Landschaften an, die die meisten seiner Cover uns zeigen, so wirken die gewählten Bildausschnitte in der Regel deutlich größer als die szenenhaften Ausschnitte, die uns Yüce und Edirne vorher zeigten. Wir erhalten einen ganz neuen Zugang zu den Gegenden, der nicht mehr mit demselben Fokus auf Action arbeitet, sondern die Welt eher in postkartenhaften Ausschnitten präsentiert.

Die Darstellungen sind dabei nicht unbelebt, aber sie zeigen die anwesenden Personen meist bei eher ruhigen und alltäglichen Handlungen. Selbst die Karawane auf Land der Ersten Sonne galoppiert angesichts eines riesigen Elementarwesens nicht panisch über die Brücke. Oft wird die Szene für den Betrachter geöffnet, beispielsweise indem man den dargestellten Personen über die Schulter schaut, so als ob man zu ihrer Gruppe gehören würde und selbst als nächster die Szene betreten kann.

Thiemeyer wählt keine fotorealistische Darstellung. Seine Hintergründe wirken mit den sanften Farbtönen, die er für die Darstellung wählte, eher träumerisch. Auch bei den Schatten und Glanzpunkten sehen wir keine harten Übergänge oder sehr dunkle bzw. schwarze Bereiche, was aber nicht heißt, dass er gänzlich auf dramatische Lichteffekte verzichtet. Das augenfälligstes Beispiel ist wohl das Bild von Die Welt des Schwarzen Auges, auf dem die Sonne zwischen den Wolken hervorlugt und dabei in Streifen auf die Landschaft fällt und die Schwingen des Drachen von hinten beleuchtet.

Die dargestellten Personen sind im Vergleich zu dem, was wir bei Thiemeyers Vorgängern gesehen haben, kleiner und stehen nicht so sehr im Zentrum des Geschehens. Sie befinden sich eher an den Seiten und geben so dem Betrachter den Weg in die Welt frei. Mitunter blicken sie ihn sogar direkt an oder weisen ihm den Weg, wie die blonde Thorwalerin auf dem Cover von Unter dem Westwind. Das wird zusätzlich durch die gewählte Perspektive unterstützt. Bei Tempel, Türme & Tavernen beispielsweise kann man als Betrachter das Gefühl bekommen, sich selbst durch die Gasse zu bewegen, während man bei Ewig ist nur Satinav auf dem Balkon steht und den Spielen im Garten bei gepflegter Konversation mit einem Wein in der Hand zusieht. Thiemeyer verstellt uns optisch nie den Weg in die Welt bzw. ins Abenteuer, viel mehr wirken seine „Postkarten“ wie eine Aufforderung einzutreten.

Das Fandom ermittelt – was ist hier passiert?

Pirat oder alafanischer Seesöldner? Für manche ist es das gleiche (2004).

Was die Motivwahl angeht, so gab es allerdings teilweise Verwunderung über seine Werke. Manche Spieler stießen auf Elemente, die scheinbar aus anderen Bildern einfach kopiert zu sein schienen. Vergleicht man beispielsweise das Cover von In den Dschungeln Meridianas mit dem Bild Pirates Word von Craig Mullins, so kann man eine sehr starke Ähnlichkeit einer Person definitiv nicht leugnen. Gleiches gilt für zwei diskutierende Tulamiden auf dem Cover von Raschtuls Atem. Man finde sie auch auf dem Bild Der Teppichhändler von Jean-Leon Gérôme wieder.

Kopiert Thiemeyer seine Bilder also nur am Computer zusammen? Ein solcher Vorwurf ist heute schnell bei der Hand, aber hier ist er völlig fehl am Platze. Er malt seine Werke tatsächlich selbst auf Leinwand. Wie bekommt er dabei die einzelnen Elemente so getreulich kopiert? Hier hilft ein Blick in das Videoblog des Künstlers, in dem er seine Technik erläutert. Kurz gesagt: Er projiziert Elemente auf die Leinwand und kann so gut Umrisse und Strukturen übertragen. Malen muss er dabei aber immer noch selbst. Was allerdings Ralf Zacherl, alias Käpt’n Cook, als alanfanischer Boroni auf einem Schiff zu suchen hat? Vermutlich neue Rezepte mit Schwarzem Lotos finden. 😉

Zur Kreuzigung? Bitte linkes Bild, jeder nur ein Kreuz (2003).

Ein letztes kleines Skandälchen soll aber dennoch nicht verschwiegen werden. Käufer der Erstauflage der Geographia Aventurica stellten auf dem dargestellten Sakralbau verwerflicherweise etwas ganz und gar unaventurisches fest: Ein Kreuz zierte das Dach des Motivs, dem als Vorlage wohl eine Kirche diente. Nachdem dies zur damaligen Zeit zu einiger Coverschelte führte (die Älteren unter uns werden sich noch erinnern) verschwand mit der zweiten Auflage das Signum vom Dach und die Gemüter konnten sich wieder beruhigen.

Kommisar Thiel, übernehmen sie: Die Cover von Tom Thiel (1999 – 2006).

Der Mann fürs Besondere – Tom Thiel (1999 – 2006)

Im Jahr 1999 stieß Tom Thiel zu den DSA-Coverkünstlern. Und er legte gleich los wie Lolgramoth selbst (oder vielleicht doch eher im Agrimoth’schen Schaffenswahn?): Gleich 10 Cover aus diesem Jahr stammen von ihm. Insgesamt kommt er in unserer Zählung auf 19 Titelbilder und belegt damit Platz 3 auf unserer Liste der Künstler mit den meisten Covern.

Das alliierte Böse errichtet sein Banner… Doch ist da nicht ein Zacken zuviel des Bösen? (1999)

Schaut man sich an, wofür er gemalt hat, dann findet man darunter einige wirklich besondere Werke. Mit Borbarads Erben die letzte DSA3-Regionalbox, mit Rausch der Ewigkeit das Finale der Borbarad-Kampagne, mit Tal der Finsternis das Abenteuer, das immer noch die goldene Himbeere bei der Abenteuerbewertung des DSA4-Forums innehat. Dazu kommt noch Reise zum Horizont, das Jubiläumsabenteuer Nr. 100, welches gleichzeitig den Start des Myranor-Settings einläutete, sowie schließlich mit  Im Bann des Eichenkönigs das allererste DSA4-Abenteuer.

Thiel besticht in unseren Augen vor allem durch seine Personendarstellung. Dabei variiert er die dargestellten Emotionen, hat ruhigere und aufgeregtere Bilder und zeigt außerdem vergleichsweise natürlich geformte Menschen, meist ohne pointierte Merkmale. Hat Thiemeyer uns eher herrliche, impressionistisch anmutende Landschaftsgemälde beschert, so könnten Thiels Cover einer qualitativ hochwertigen Graphic Novel entsprungen sein. Man schaue sich dazu auch die Bilder 9 und 10 in seiner Galerie bei der Ideenschmiede Paul & Paul an.

Das sexiest Cover der DSA-Geschichte: Die Rahjageweihte Sulva, bekleidet! (1999)

Neben den Personen ist seine Darstellung von aventurischer Symbolik ein weiterer starker Punkt. Eines seiner bekanntesten Cover dürfte das Titelbild der Box Borbarads Erben sein. Stellvertretend für alle Dämonenknechte errichten eine Schwarze Amazone, ein Heshthot, ein schwarzer Söldner und ein Untoter das Banner mit Dämonenkrone über den Leichen der Gefallenen. Das Bild bedient sich dabei bei dem amerikanischen Symbol des siegreichen Kampfes gegen die Japaner im 2. Weltkrieg, der Errichtung des Star-Sprangled Banner auf der eroberten japanischen Insel Iwo Jima am 23. Februar 1945 und fügt dieser modernen Ikone so eine weitere, düstere Facette hinzu.

Aber wie ein maraskanischer Philosoph schon sagte: Die Schönheit ist nichts ohne den Makel! Schaut man sich das Bild genau an, so gibt es demnach auch etwas zu bekritteln: Betrachtet man die Fahne, so ist die Verteilung der Spitzen der Dämonenkrone nicht wirklich passend. Bei der Anordnung müsste ein 8. Zacken im verdeckten Teil unten rechts sein, was dann einer zu viel ist. Mit einem solchen Fehler befindet man sich allerdings in guter Gesellschaft.

Das Bild zum Mitleiden – eine absolut starke Darstellung des Schmerzes und der Wut und das bei einem Golgariten (2004).

Jenseits solch kleinlicher Betrachtung offenbaren sich dem Spieler aber auch weitere Besonderheiten in Thiels sehr schönen Bildern: Der Wall des Todes und ein Troll bei Rausch der Ewigkeit, eine Amazone, eine Magierin und eine Rondra-Geweihte bei Tal der Finsternis, eine Nivesin mit Kind bei Winternacht, eine Druidin und eine Ifirn-Geweihte bei Sumus Blut, eine horasische Karacke (die eigentlich eine Schivone sein müsste) bei Reise zum Horizont und schließlich auf dem sexiest DSA-Cover ever, die leichtbekleidete Rahja-Geweihte Sulva, die mit dem titelgebenden Levthansband an den Tiefhusener Tempelbalkon gebunden ist.

Auch das Cover von Pfade des Lichts zeigt eine originär aventurische Szene: Eine Gruppe von drei Golgariten mit Rabenschnäbeln und einer Toten. Die Szene soll die Verzweiflung Lucardus von Kémets über den Tod seiner Frau Madalena zeigen. Wut und Schmerz sind hier in unseren Augen absolut großartig im Gesicht des Reiters dargestellt. Man spürt förmlich, wie sein Herz in diesem eingefangenen Moment bricht. Neben ihm sieht man noch seinen besten Freund Roderik von Streitzig-Gareth, der die tote Madalena hält.

Achtung! Dieses Pferd frisst auch kleine Kinder. (2001)

Das Cover von Im Bann des Eichenkönigs zeigt ein weiteres häufiges Thiel-Motiv: ein Pferd. Auf 8 von 19 seiner Cover-Bilder sind solche Vierbeiner zu sehen. Das ist bei einem Fantasysetting per se noch nicht wirklich bemerkenswert, weil sie einfach dazu gehören, genau wie Schwerter und Rüstungen, aber die Bandbreite der Darstellung ist dann doch schon beträchtlich. Stoisch oder erschöpft wartend, aggressiv angreifend oder panisch aufsteigend – alles ist vorhanden.

Es gibt dabei vieles, was man bei Pferdedarstellungen falsch machen kann. Was aktiven oder ehemaligen Reitern zum Beispiel sofort ins Auge springt, sind merkwürdiges Zaum- oder Sattelzeug, etwas verschobene Anatomie (besonders beliebt: der zu kurze Hals) und komische Beine. Tom Thiel bietet uns hier leider für fast alles ein Beispiel. Worüber man bei ihm kein böses Wort verlieren kann, sind Sättel und Zaumzeug, also keine freischwebenden Gebissstücke oder ähnliches, dafür müssen wir bis in den nächsten Teil unserer Reihe warten. Ganz anders sieht es da allerdings bei den Innenillustrationen aus.

Schöne Pose, aber leider bei den Details gepatzt. Oder gegen einen FORTIFEX gesprungen.

Stattdessen finden wir aber zwei Kurzhalspferde. Eins davon kann man auf dem Cover von Schwingen aus Schnee bewundern, das andere ist der bereits gezeigte, steigende Rappe von Lucardus von Kémet auf Pfade des Lichts. Der Rappe zeigt auch gleich eine weitere Problemzone: die Hufe, die eher so aussehen, als habe man sie in Pferdeboxhandschuhe verfrachtet. Dazu kommt der etwas dämliche Gesichtsausdruck des Tieres – wobei man fairerweise sagen muss, dass ein Pferdegesicht in einer heftigen Bewegung wahrscheinlich doch mal so aussehen kann, man muss es aber nicht so zeigen.

Einen weiteren anatomischen Sonderling hat übrigens Vincent Dutrait beigesteuert, auf den wir fast am Ende des Artikel noch einmal eingehen werden.

Dann haben wir noch zwei Exemplare einer besonders bösartigen Spezies Pferd. Das eine befindet sich auf dem Cover von Mutterliebe. Die Kennzeichen für wahrscheinlich namenlose Besessenheit: golden leuchtende Augen, rauchende Nüstern, merkwürdige Beine und zu guter Letzt asfalothscher Aderwuchs im Gesicht und über dem linken Bein.

Triefauge, unförmige Sichelbeine und Adern in der Größe von Ringelnattern – da ist doch was faul im Staate Andergast!

Das zweite, noch viel unheimlichere Tier, ist der kränkliche Schimmel von Im Bann des Eichenkönigs. Dieser schaut aus seinen verquollenen Augen so verschlagen drein und hat so dicke Adern unter der Haut, dass dies keinen natürlichen Ursprung haben kann. Wahlweise hat dieses Pferd entweder die Umstellung auf DSA4 nicht vertragen, ist ein nostrischer Zossen mit schlimmer Eichenallergie oder hat einen Dämon im Leib. Anders können wir uns sein garstiges Aussehen wirklich nicht erklären.

Wirklich gut gelungen sind dagegen der Schimmel von Das Königreich Almada und Tal der Finsternis. An beiden gibt es überhaupt nichts auszusetzen… bis vielleicht auf die Hufe… aber lassen wir das.

Armalion, Orks und Schwarze Lande: Die Cover von Swen Papenbrock (1999 – 2002).

Von Orks und Menschen – Swen Papenbrock (1999 – 2002)

Leser, bringe dich in Sicherheit, die Orks stürmen gleich aus dem Cover. (1999)

Kommen wir zum Dritten im Bunde: Swen Papenbrock. Auch dieser fing 1999 mit dem Erstellen von Titelbildern für DSA an und auch er machte den Wechsel zu DSA4 mit. Vom Stil her passen seine Cover und die von Tom Thiel gut zusammen. Vielleicht führte diese Ähnlichkeit dazu, dass bei Namenlose Dämmerung fälschlicherweise der Kollege als Künstler aufgeführt wurde.

Neben den Covern für Abenteuer und Spielhilfen des P&P-Spiels malte Papenbrock auch für das damals neue Miniaturen-Spiel des Schwarzen Auges: Armalion. Die Regelerweiterung Zauberey & Göttermacht erhielt so ein sehr dynamisches Cover, das zentral einen Magier im Gandalf Style zu Pferd im Kampf gegen Orks zeigt. Das Cover zeigt im Hintergrund sogar einen Flügelhelm-Krieger. Der Setting-Band Der Orkensturm zeigte weitere aggressive Schwarzpelze. Sie scheinen dabei fast aus dem Cover heraus anzugreifen, eine wirklich gelungene Darstellung. Im Gegensatz dazu präsentiert Das vergessene Volk die Orks auch einmal von der eher ruhigen Seite.

Travia zu Hilf‘ – eine Maus! Oder sind es doch namenlose Ratten? (2000)

Der Kampf ist hingegen auch auf anderen von Papenbrocks Covern das zentrale Thema. Da ist beispielsweise das sehr schöne Bild zu Der Preis der Macht, das eine gelungene Darstellung eines Wasserdrachens enthält. Oder die gedungenen Angreifer, die auf Die unsichtbaren Herrscher gerade den Raum stürmen. Hier kann man übrigens auch sehen, dass unsere Welt in den letzten Jahren gewachsen sein muss. Der dargestellte Globus zeigt Aventurien vom Nordpol bis vermutlich fast zum Südpol. Heute liegt der Kontinent ja komplett auf der Nordhalbkugel, was für einen wachsenden Globus spricht. Vielleicht ist daher die Größe Uthurias neu zu bewerten mit dem Hinweis: Dere ist noch ein junger Planet in der Wachstumsphase!

Doch zurück zum Kampf: Auch das Titelbild von Namenlose Dämmerung, dem Auftakt der Simyala-Kampagne, zeigt eine solche Szene. Eine Travia-Geweihte kämpft um ihr Leben und das nur mit einem Knüppel bewaffnet auf einem Kutschenwrack. Doch wer greift sie überhaupt an? Die Skelette am Wagen scheinen eher Opfer und nicht Täter zu sein, der Schemen im Hintergrund ist zu weit weg und die beiden Ratten vorne sind ja nur zu zweit. Doch Moment: Schaut man genau hin, so erkennt man auf einmal immer mehr Ratten vor der Kutsche und zusammen mit dem Titel des Bandes wird auf einmal einiges klar. Ein schönes Cover, auf dem man genau hinsehen muss.

Eine Alptraumstadt mit alptraumhafter Architektur – willkommen in Dystopia (2002).

Auch das Titelbild von Kreise der Verdammnis ist ein schönes Beispiel für solche sichtbaren, aber nicht offensichtlichen Details. Zunächst sieht man nur die wahnsinnige Architektur einer Stadt, die wohl Yol-Ghurmak, die Stadt der 1000 Augen darstellen soll. Dann erst sieht man Kuttenträger auf einer Brücke. Kultisten? Heshthotim? Über ihnen ist ein Drache zu sehen und dann, wenn man sich immer weiter ins Bild hinein schaut, sieht man weitere düstere Geschöpfe lauern – oder sind es nur Statuen?

Auf der Homepage von Swen Papenbrock ist übrigens auch die Entwurfskizze des Covers zu sehen. Dort findet man auch weitere seiner Bilder zu DSA, wenn auch in vergleichsweise geringer Auflösung.

Auch die Vorgängeranthologie zu den Schwarzen Landen, Schwarze Splitter, trägt ein Papenbrock-Cover. Hier hat man eine schöne farbige Darstellung von Dexter Nemrod bei einer Besprechung mit einer Einsatztruppe aus (vermutlich) Phex-Geweihtem, Elfen-Späherin und Krieger. Lobend sollte man hier auch seine schöne Einbindung von passenden Karten ins Cover erwähnen, die einen eindeutigen Wiedererkennungswert zeigen.

Kaiser Reto und die Miniaturen: Cover für die Waffenkammer-Neuauflage und Armalion. (1998 – 2005)

Ein Armalion-Interludium

Wenn sie diese Herren erblicken, dann haben sie hoffentlich ihre Golgariten eingepackt (2000).

1998, kurz nach der Lizenzübernahme durch Fanpro, wagte sich DSA mit einer Eigenkreation auf den Tabletop-Markt. Armalion startete mit den Fraktionen Orks und Weidener Ritter. Das Cover der entsprechenden Box wurde dabei von Angus McBride gemalt und zeigt eine Kampfszene zwischen beiden Gruppen. Ein schönes Detail hier: Die Weidener Ritterin mit Bärenschild trägt auf ihrem Helm eine Bärenfigur als Zier.

McBride, Jahrgang 1931, zu der Zeit also schon 67, malte auch das Titelbild der Neuauflage von Kaiser Retos Waffenkammer, die nun offiziell Teil des Kanons wurde. Er starb leider am 15. Mai 2007. Gerade die Darstellung von korrekten Wappen aus der Spielwelt macht seine Bilder zu etwas Besonderem. Inzwischen gab es diese innerweltlichen Symbole, so dass sie verstärkt auch auf den Covern Einzug hielten. Holitzka und Biswanger konnten auf so etwas natürlich noch nicht zurückgreifen.

Armalion selbst wurde leider nicht die Erfolgsgeschichte, die man sich wohl erhofft hatte – aus welchen Gründen auch immer. Viele Produkte kamen leider nicht dazu und damit auch nicht viele Titelbilder. Das Cover von Borbarads Rückkehr ist dabei aber auf jeden Fall noch einen näheren Blick wert. Der Künstler Fangorn, ansonsten eher für Innenillustrationen bei DSA bekannt, steuerte hier ein in unseren Augen wirklich großartiges Cover bei, dass einige gruselige Untote zeigt.

2005 kam mit dem kostenlosen PDF zum Grundregelwerk das letzte Cover hinzu, das auch die finale Regelfassung von 2008, das Kompendium, ziert. Neue Produkte darf man heute für Armalion nicht mehr erwarten, aber auf der Armalion-Kompendiums-Homepage kann man noch auf Anhänger des Spiels treffen und viel Material finden.

Hier haben die Menschen nichts zu lachen – die Cover von Lucio Parrillo (2000 – 2002).

Ein ganzer Kerl dank… Lucio Parrillo (2000 – 2002)

Wie man sieht: Auf Maraskan den Ungeschaffenen zu dienen, macht keinen Spaß. Und das ist auch gut so (2000).

Zum Ende von DSA3 hin stieß ein weiterer Künstler zu den Cover-Artisten: der Italiener Lucio Parrillo. Seine Bilder zeigen Personen in einem Stil, der ebenfalls gut in einer hochwertigen Graphic Novel gefunden werden könnte. Dies kommt in seinem Fall auch nicht von ungefähr. Parrillo hat u.a. schon für Marvel gezeichnet. Auch für D&D hat er Werke erstellt, womit er eine der wenigen Verbindungen zwischen DSA und der amerikanischen Konkurrenz darstellt.

So ist es vielleicht wenig verwunderlich, dass die auf seinen Covern dargestellten Personen dank mächtiger Muskelberge teilweise eher aus einem Superhelden-Comic zu stammen scheinen als aus dem eher bodenständigen Aventurien. Die Mienen sind dabei jeweils ernst, wütend oder panisch. Bei Jenseits des Lichts und Blutige See leuchtet das auch sofort ein. Auf Maraskan haben, trotz des vordergründigen Slapsticks, die Haffajas sicher nichts zu lachen. Und auf der blutigen See ist der Ernst der Lage von vorneherein klar. Aber bei Leicht verdientes Gold? Dieser euphemistische Titel ist natürlich für die KL 8 Oger unter uns als Falle gestellt. Jeder kennt sie doch, die Auftraggeber, die einem für eine ganze leichte Aufgabe verdächtig viel Gold versprechen. Und das Titelbild zeigt offensichtlich zwei Opfer dieser rücksichtslosen Arbeitgeber, die immer wieder die tariflich festgelegten Regeln der Fantastischen Heldengewerkschaft unterlaufen.

In jedem Fall ist mit diesem DSA4-Cover Parrillos Intermezzo bei DSA auch wieder beendet. Ob man seinen Stil mag oder nicht, ist sicher Geschmackssache. Aber sicher nicht jeder wird Catwoman oder die vielen Tribaltattoos auf einem aventurischen Cover vermissen.

Für uns heißt es nun aber endlich den Sprung zu wagen. Es fehlt uns zwar noch ein DSA3-Cover fehlt – aber das holen wir später nach. Jetzt geht es ins vorerst finale Karmakorthäon: Die „Ungarn“ kommen, der ewige Los schließt für einen kurzen Moment sein müdes Auge und wir schlüpfen schnell in das 4. Zeitalter unserer Welt.

Die „Ungarn“ begründen DSA4 und Myranor – die Cover von Zoltán Boros und Gábor Szikszai (2000 – 2005).

Die Ära der „Ungarn“ – Zoltán Boros und Gábor Szikszai (2000 – 2005)

Der Aventurier staunt: So sieht also High-Fantasy aus (2000).

Die „Ungarn“, wie sie meist genannt werden, heißen Zoltán Boros und Gábor Szikszai. Insgesamt kommen sie auf 14 Cover für Aventurien und Myranor, was weniger ist, als mancher vielleicht denkt. Dennoch reicht das zu Platz 6 in unserer Liste der Künstler mit den meisten Covern.

Doch halt! Bevor wir zu DSA4 kommen müssen wir noch einmal einen halben Schritt zurück machen. Schon vor ihren Werken für das neue DSA4(.0) brachten sie sich nämlich ins DSA-Universum ein. Im Jahre 2000 startete eins der am längsten angekündigten DSA-Projekte. Myranor – Das Güldenland erblickte endlich das Licht der Welt.

Von den Regeln her handelte es sich um eine fortgeschrittene beta-Version des im nächsten Jahr folgenden DSA4, quasi ein DSA3.5. Der grundsätzliche Wechsel zum R/K/P-Kaufsystem bei der Erschaffung, mit Vorteilen und Nachteilen, war aber bereits getan. In der SKT gab es noch eine Spalte weniger, die Profession wurde erst nach den Vor- und Nachteilen gewählt, aber an und für sich war das schon DSA4. Nur noch nicht ganz.

Vierarmige Charaktere und Chamäleon-Echsen – Myranor stellt besondere Anforderungen an die Regeln (2002).

Vom Design her wurde für Myranor kein komplett neues Layout erstellt. Vielmehr wurde das aventurische Grundlayout übernommen, also die Positionen der jeweiligen Elemente beibehalten. So finden wir alte Bekannte, wie das DSA Logo zentral an der unteren Seite, wir haben oben rechts eine Ecke, die die Abenteuernummer anzeigt und einen Balken, auf dem Abenteuertitel und Autor vermerkt werden. Beherrschend sind für dieses Setting im Gegensatz zu DSA als Alleinstellungsmerkmal  die sandig-gelben Farben. Die Bände (und die eine Box) tragen eine hübsche, schwarze Dornen-Borte als Abschluss zwischen Bildmotiven un den anderen Layoutelementen. Rahmen und Hintergründe zeigen die Konturen der schicken, pseudo-historischen Welt=Karte der Avesfreunde aus der Box Die Welt des Schwarzen Auges. Ebenfalls anders wird für die Titelschrift bei Myranor einheitlich der Gismonda-Schriftsatz benutzt.

Neben dem Box-Cover, das auch für die später überarbeitete Hardcover-Version der Regeln benutzt wurde, steuerten die Ungarn auch Cover für die ersten beiden Spielhilfen und die ersten vier Abenteuer bei. Dabei wurden einige der besonderen myranischen Rassen farblich dargestellt: Löwenartige Leonir, dunkelhäutige Ban Bargui, chamäleonartige Shingwa, vierarmige Neristu, katzenartige Amaunir usw. Allerdings haben Neristu eigentlich eine bläuliche Hautfarbe, was beim Cover von Der Ewige Tod nicht so ganz zur Geltung kommt.

Auch wenn dem Güldenland vielleicht nicht der erhoffte Start glückte, so ist es doch heutzutage immer noch äußerst lebendig und stellt eine im Vergleich zu Aventurien exotischere Facette Deres dar. Beide Settings tun sich dabei nicht weh, bereichern sich sogar dank kompatiblen Regelgerüsts. Beide sind DSA, auch wenn wir das Gefühl haben, dass manchmal DSA gerne mit Aventurien gleichgesetzt und Myranor als Fremdkörper betrachtet wird.

DSA4 – Ein neues Design aus einem Guss

Der Zwerg ahnt nichts, Forscher und Elf sind abgelenkt. Da flüstert die Magierin: IGNIFAXIUS… (2001)

Die qualitativ hochwertigen Zeichnungen von Boros und Szikszai wurden auch das Markenzeichen des neuen DSA4-Systems ab 2001 und bildeten so eine künstlerische Klammer für beide Settings. Statt sandgelb wurde rot/beige die neue Aventurien-Farbkombination. Die Boxen, von denen es am Ende vier geben sollte, bekamen einen schicken, mit DSA-typischen Symbolen gespickten Rahmen. Ein Design, das heute – wenn auch mit anderen Farben – immer noch bei den Settingboxen gefunden werden kann.

Die Abenteuer behielten den schwarzen Steinbalken am linken Rand, dieser wurde nur neu gestaltet und trägt seitdem eine andere Textur. Rot eingefärbt und in einer wiederum leicht abgewandelten Form ohne Löcher wurde dieses Design auch für die Einsteiger-Abenteuer und die Hardcover-Regelerweiterungen übernommen. In grün, blau und violett ziert der Balken auch die weiteren Reihen, die später dazu kamen: Regionalbände, Themenbände und Luxusbände. In schwarz wurde der veränderte Balken dann auch für die Hardcover-Abenteuer genommen. Als Titel-Schriftart erhielt das Aventurien-Setting den einprägsamen Mason-Schriftsatz.

Licht gegen Dunkelheit – ein Cover, das Gänsehaut garantiert (2003).

Schaut man sich die dargestellten Personen und Wesen an, so haben die Ungarn ihren ganz eigenen Stil. Gewisse Ähnlichkeiten mit Yüce sind in der Darstellung zu finden, aber auch die Unterschiede sind nicht übersehbar. Grundsätzlich sind keine überzeichneten Charaktere dargestellt, sondern für die Welt normal gebaute Personen. Damit grenzt sich DSA4 für Aventurien in langer Tradition deutlich von exotischeren Darstellungen wie bei World of Warcraft ab.

Auch wenn ihre Zahl an Covern für die Aventurien-Produkte mit 7 nicht gerade hoch ist, sind die Ungarn durch ihre Vielzahl an Innenillustrationen bis heute sehr präsent. Es ist wirklich sehr schade, dass mit den aktuellen Hardcover-Bänden der 4.1-Edition die alten Boxen-Cover gerade mal 5 Jahre aktuell blieben. Eines unser absoluten DSA-Lieblingscover stammt aus dieser Zeit, das Titelbild von Götter & Dämonen. Greif gegen Irrhalk, weiße Ritter gegen finstere Kultisten, helles Licht hinter dunklen Wolken, ein rundherum großartiges Werk und Spiegel aktueller aventurischer Entwicklungen.

Hallo, Herr Kaiser: Alt gegen Jung, eine große Schlacht und im Hintergrund ein mystisch leuchtender Reiter. Wer ist es denn nun? (2005)

Einige der Illustrationen finden sich auch auf der englischsprachigen Homepage der beiden Künstler in durchaus ansprechender Qualität. Hier finden sich auch die sehr schönen Cover von Schlacht in den Wolken und Aus der Asche. Gerade ersteres wäre auch gut geeignet gewesen, um eine Götter & Dämonen-Anthologie zu bebildern.

Viel Schelte ist im Fandom über dem Jahr des Feuers ausgeschüttet worden, aber die Cover der drei Bände stehen dabei außer Frage. Alle drei sind hochwertig, das erste zeigt dabei die epische Szene passend zum Titel der Schlacht in den Wolken. Teil zwei spiegelt vor allem den Start der Geschichte im Band gut wieder und auch bei Teil drei wird das Cover dem Inhalt und Titel gut gerecht. Dabei ist gerade der letzte Teil – Rückkehr des Kaisers – mehrdeutig genug bebildert, dass der Sinn des Titelbilds erst am Ende des Abenteuers völlig klar wird.

Mit dem Ende des Jahr des Feuers gab es dann auch keine neuen Cover von Boros und Szikszai mehr. Nach einem Blinzler, mit dem der allmächtige Los einige Staubkörner aus seinen Augen fegen wollte, erschienen die Hardcover-Regelbände der 4.1er Edition und so ist bei den Regelwerken inzwischen auf den Covern, auch in Myranor, nichts mehr von den „Ungarn“ zu sehen.

Die Meisterin der Porträt-Zeichnung – die Cover von Caryad (2000 & 2002 – 2005).

Die Ära der Sepia-Cover – Caryad (2000 & 2002 – 2005)

Da ist die Zeichnung wohl in den blauen Topf gefallen (2000).

Im Jahre 1993 – also noch zu Schmidt Spiele-Zeiten – wurde im Aventurischen Boten 44 ein Zeichenwettbewerb veranstaltet. Diesen gewann eine Zeichnerin, die in der Folge unter ihrem Pseudonym Caryad in die Riege der DSA-Zeichner vorstieß. Schon Ina Kramer hatte vor ihr einige sehr schöne Portraits angefertigt, die beispielsweise in Das Land des Schwarzen Auges zu finden sind. Caryad führte nun mit exzellenten Portrait-Zeichnungen diese Tradition fort und gab vielen Aventuriern ein Gesicht. Eine Menge von diesen Portraits findet man noch heute in der Geographia Aventurica.

Ihr erstes Abenteuer-Cover erschien dann im Jahr 2000 noch zu DSA3-Zeiten: Zyklopenfeuer. Und hier müssen wir leider sagen: Das gefällt uns nicht wirklich. Der Grund liegt dabei vor allem an der Färbung des Bildes. Da ist zu viel Blau, auch als Schattierung auf dem Zyklopenkörper und irgendwie insgesamt zu viel bunt (bzw. die Farbe viel zu klar) für die Morgen- bzw. Abendstimmung die der Hintergrund andeutet. Die Gruppe im Vordergrund hat allein farblich einfach zu wenig mit dem Rest des Bildes zu tun. Die Figuren an sich sind sicher nach den Kriterien der Hintergrundpolizei absolut in Ordnung, aber manchmal reicht das leider nicht aus.

Stover, der alte Pfeffersack, 3.000.000 Dukaten schwer (2004).

Bei ihren nächsten Covern konnte Caryad dann aber ihre Stärke voll ausspielen. Es begann die Reihe der sogenannten Sepia-Cover, an deren grundsätzlichem Stil sich einmal mehr die Geschmäcker der Spielerschaft teilten.

Die ersten Bände mit entsprechenden Bildern waren die Einsteiger-Abenteuer der Spielstein-Kampagne. Auch andere Softcover bekamen entsprechende Zeichnungen auf den Titel, beispielsweise einige der Anthologien. Gemein haben die Sepia-Bilder, dass sie ohne Colorierung auskommen, jeweils eine Person mit stärkerem Kontrast im Vordergrund dargestellt ist und im Hintergrund verschiedene Szenen aus dem Inhalt in schwächerem Kontrast illustriert sind. Was den Covern aber immer gelungen ist: Sie liefern ein hervorragendes Porträt des zentralen NSC und fangen dessen Charakter ein.

Die Szenen erinnern in der Gestaltung ein wenig an die ganz frühen DSA-Cover, die teilweise eine ähnliche Struktur zeigten. Eine Gefahr beschwor diese Vorgehensweise aber auch herauf: Es bestand bei den Covern teilweise die Gefahr bei bestimmten Abenteuerstellen gespoilert zu werden. Die Balance, eine für den Inhalt treffende Szene zu zeigen und dabei nicht zuviel zu verraten, wurde nicht immer erreicht.

Bärte, Bier und Edelsteine – hier muss es um Zwerge gehen (2005).

Dass Caryad durchaus auch gefällig Farbe einsetzen kann, zeigte sie später mit dem Cover der Zwergenspielhilfe Angroschs Kinder, auch wenn die Farbe hier noch sehr dezent auftritt. Aber spätestens die exzellenten  Inrah-Karten haben uns mit ihren Farbdarstellungen endgültig versöhnt.

Das Zwergencover ist aber noch aus einem anderen Grund interessant, nämlich der Rollenwahrnehmung bei den Spielern. Auf dem Cover sieht man eine Zwergin mit Mieder, Humpen Bier und in die Hüfte gestützten Faust. Was stellt sie wohl dar?

  • Möglichkeit 1: eine zwergische Abenteurerin
  • Möglichkeit 2: eine Schankmagd.

Nicht wenige gingen damals direkt von Möglichkeit 2 aus, wobei Möglichkeit 1 bei genauerer Betrachtung unserer Meinung nach eher zutrifft. Die keck dreinschauende Dame wirkt nicht so als würde sie arbeiten und auch wie sie das Bier hält, lässt Zweifel daran aufkommen, dass es für jemand anderen bestimmt ist. Aber an solchen Stellen zeigt sich, dass man seiner Sozialisation nicht immer entgehen kann. Diese sagt wohl oft noch, dass in Fantasy-Settings Frauen den Männern den Humpen Bier servieren und nicht selbst trinken – auch wenn Aventurien in weiten Teilen eine gleichberechtigte Welt ist.

Eingekaufte Brillanz oder günstiges Bild Recycling – die nicht originären DSA-Cover (2002 – 2006).

Das habe ich doch schon mal woanders gesehen? (2002 – 2006)

Ein Blick in den Hintergrund zeigt: Die Zuschauer wollen Blut (2002).

Für das Jahr des Greifen waren mit den beiden Werken von Larry Elmore erstmals für ein Abenteuer Bilder als Cover genutzt worden, die nicht direkt für die jeweiligen Abenteuer erstellt worden waren. Zwischen 2002 und 2006 kamen noch einmal 15 solcher Bilder dazu. All diese Bilder stellen entsprechend keine originalen DSA-Szenen dar, sondern sie waren ursprünglich in einem anderen Kontext entstanden. Bei den Künstlern handelt es sich um einige international bekannte Stars, andere sind nur eingeweihten Kreisen bekannt. Also, gehen wir die Bilder einmal der Reihe nach durch.

Den Beginn macht Alan M. Clark. Das Abenteuer Wald der Gräber aus dem Jahr 2002 ziert ein Bild von ihm, das im Original den Titel Deadfall trägt und schon aus dem Jahr 1989 stammt. Bei der Covergestaltung wurde dabei ein Ausschnitt gewählt und der Kontrast angepasst, so dass die Schatten deutlich dunkler wirken.

Ebenfalls 2002 wurde Die Herren von Chorhop mit einem Bild vom amerikanischen Künstler Don Maitz aus dem Jahr 1998 versehen. Dieses trägt den Titel Thumbs Up, was beim gewählten Ausschnitt des Covers nicht wirklich Sinn macht. Dieses fokussiert sich nämlich auf den stehenden Gladiator. Ihm zu Füßen liegt dabei im Gesamtbild ein besiegter Gegner über dessen Leben nun entschieden wird. Während alle Zuschauer den Tod fordern (auf dem Cover auch zu sehen) gibt der Imperator sein „Thumbs Up„. Dieses Detail fehlt auf dem Cover.

König schlägt Bischof, oder anders herum? (2003)

Auch Skaldensänge von 2005 erhielt ein Cover von Don Maitz, in diesem Fall aus dem Jahr 1986. Schon vier Jahre vor dem Erscheinen des Abenteuers wurde das Bild für das Buch Herrscher der drei Reiche der Autorin Robin Hobb benutzt.

2003 erschien Im Rücken des Königs. Hier entschied man sich für ein Werk des Künstlers Les Edwards mit dem Titel The Bishop’s Heir von 1984. Entstanden war es für das gleichnamige Buch der Autorin Katherin Kurtz.

Ebenfalls 2003 wurde Stäbe, Ringe, Dschinnenlampen veröffentlicht. Die Künstlerin, deren Werk das Cover ziert, heißt heutzutage Pat Lewis, geboren als Pat Morrissey und betreibt mit ihrem Mann ein Tätowierstudio, hat aber in der Vergangenheit auch einige Bilder im Fantasy-Genre gemalt und auch veröffentlicht. Das gewählte Bild wird als SF Age Ironsmith Woman beschrieben, entstammt also eigentlich einem Science Fiction-Kontext.

Ebenfalls 2003 erschienen die ersten beiden Werke mit Covern vom weit bekannten Fantasy-Künstler Ciruelo aus Argentinien. Das Aventurische Arsenal erhielt dabei ein Bild, das den frühen irischen König und Helden Brian Boru zeigt und für ein entsprechendes Buch von Morgan Llywelyn erstellt wurde.

Heißes Drachenfeuer verbrennt fast alles – zum Glück ist der Mantel magisch (2004).

Das Abenteuer Herz aus Eis erhielt dagegen einen Ausschnitt des Werks Into the Forge, das für das gleichnamige Buch von Dennis L. McKiernan gezeichnet wurde. Auf dem Cover ist ein hobbitartiges Wesen (Warrow) dargestellt, was im Endeffekt weder zum Abenteuer, noch zur Welt passt. Aber es zeigt zumindest Schnee.

2004 erhielt die Anthologie Drachenodem ein Bild, das passenderweise den Namen The Dragon King trägt. Es ziert ursprünglich ein 1997 erschienenes Buch des bekannten Fantasy-Autors R. A. Salvatore mit dem gleichen Titel. Der Mann mit dem roten Umhang heißt eigentlich Luthien Bedwyr, der Drache Greensparrow. Im Hintergrund befindet sich außerdem eigentlich noch ein gefesselter, älterer Mann, der dem gewählten Ausschnitt zum Opfer fiel.

Als letztes Abenteuer bekam 2005 die Zwergen-Anthologie Kar Domadrosch ein Ciruelo-Bild. Dieses entstand ursprünglich ebenfalls für ein Buch von R. A. Salvatore. Es handelt sich dabei um die spanische Ausgabe des Drizzt Do’Urden-Romans Streams of Silver, auf Spanisch Rios de plata. Es zeigt den unter Forgotten Realms-Fans äußerst berühmten Zwerg und alten Freund von Drizzt, Bruenor Battlehammer. Die alte englische Ausgabe zeigt übrigens ein ähnliches, aber anderes Bild der gleichen Szene.

Ein Drachenboot in voller Fahrt. Wenn auch ursprünglich ohne Thorwaler (2003).

Drei weitere Abenteuer wurden mit Werken vom tschechischen Künstler Jan Patrik Krasny versehen. Die Dunkle Halle von 2003 ziert dabei ein wirklich großartiges Bild mit dem Titel Galere 2, das bereits aus dem Jahr 1999 stammt. Es passt aber durchaus problemlos nach Aventurien, aber prinzipiell auch in jedes beliebige andere Wikinger-Setting.

Basargeschichten von  2005 trägt ebenfalls ein passendes und schönes Bild mit dem – übersetzten – Titel Sultan des Mondes und der Sterne. Es stammt von 2003 und war ursprünglich das Cover der tschechischen Ausgabe von Tom Ardens Buch mit dem gleichen Namen.

2006 erschien dann noch die Anthologie Stromschnellen. Die Basis des hier verwendeten Covers ist das Bild Weg durch Mittelerde 2 von 1996. Vergleicht man aber die Details bei beiden, so ist klar, dass Krasny hier noch stark nachgearbeitet hat. Das Cover ist hochwertiger als die Bildversion von 1996.

Regenwald, Rabe und doch eigentlich der Nordwesten der USA (2004).

Die Meridiana-Anthologie Questadores von 2004 erhielt das Cover einer echten Koryphäe. John Howe, wohl der bekannteste Tolkien-Illustrator, der auch bei den Kinofilmen von Peter Jackson beteiligt war, hatte das Bild 2000 unter dem Titel Winter of the Raven erstellt. Es zierte ursprünglich das gleichnamige Buch von Janice Kay Johnson.

2005 folgte die Märchen-Anthologie Verwunschen & Verzaubert, die das Bild The Source von Christophe Vacher als Cover erhielt. Dieser arbeitet momentan als Künstler an der Neuauflage der Transformers, für die er in den letzten beiden Jahren zwei Emmys gewann.

Das letzte Werk in dieser Reihe ist das Abenteuer Karawanenspuren, ebenfalls von 2005. Das Cover ist von Garry Ruddell und wurde bereits 1985 für den Roman Liavek von Will Shetterly verwendet.

15 Cover von 9 Künstlerinnen und Künstlern aus einer Entstehungszeit von fast 20 Jahren und keins davon ist speziell für DSA erschaffen worden. Bei Herz aus Eis führt das zu einem unstimmigen Cover, bei Im Rücken des Königs und Stäbe, Ringe, Dschinnenlampen zu halbwegs passenden Kombinationen, bei Die Dunkle Halle und Drachenodem sogar zu wirklich stimmigen Covern. Aber trotz der zumindest teilweisen technischen Brillanz der einzelnen Künstler: Ein starkes Aventurien-Gefühl, wie bei Borbarads Erben oder Götter & Dämonen, kommt so nicht auf.

Auf dem Weg zur Ablösung: Originale Fanpro-DSA-Cover der DSA4-Zeit (2001 & 2004 – 2007/2011).

Neue Künstler braucht das Land (2001 & 2004 – 2007/2011)

Wenn hier mal nicht die Hälfte der Leser vom eigentlichen Blickfang des Bildes abgelenkt wird. (2001)

Wir nähern uns nun mit riesigen Schritten dem Ende des 2. Teils der Cover Schau. Welche Künstler haben also noch zu Fanpro-Zeiten Titelbilder für DSA beigesteuert?

Im Jahr 2001 findet sich da der einzige Beitrag von Jan Balaz, das Cover zu Zeit der Ritter, dem zweiten DSA4-Abenteuer. Das Cover, das ganz hervorragend zum Abenteuer passt und auch zeichnerisch gut gemacht ist – man schaue sich alleine die Details des Triptychons an – machte vor allem wegen der doch sehr auffälligen Oberweite der blonden Schönheit von sich reden. Zumindest kann man so Fragen zu den Nachteilen der Schlechten Eigenschaft Brünstigkeit im Kampf erklären.

2004 erschien die erste Auflage der Zoo-Botanica Aventurica mit einem Cover von Andreas Adamek. Es blieb sein einziges Titelbild, dafür trug er aber bei einigen Spielhilfen und Abenteuern etwas zu den Innenillustrationen bei. Im Vergleich zur späteren 2. Auflage wurde sein Zoo-Bot-Cover besser aufgenommen. Der offensichtliche Einsatz von Computertechniken bei der Erstellung kam aber nicht überall gut an. Dazu kam, dass die Nonsense-Wörter bei der pseudoanatomischen Studie nicht unbedingt schön sind, wenn man ihren Nicht-Sinn erst einmal erkannt hat (man schaue sich dazu das Cover im oberen Bereich an und überlege, was „Weryf yfd ydfg yd  f“ bedeuten könnte).

So unaufgeregt und normal können nackte Brüste auf einem Cover sein (2011).

2005 stieß Florian Stitz zu den Illustratoren. Er zeichnete vor allem Innenillustrationen, aber auch zwei Cover der Sepia-Reihe, nämlich für Fremde Gefährten und Die Letzte Wacht. Beides sind wirklich schöne und stimmungsvolle Bilder, wobei uns vor allem die Zwergin auf letzterem Abenteuer besonders gut gefällt.

2011, dann natürlich unter der Ägide von Ulisses, fügte er mit dem Titelbild zu Feenstaub und Fabelwesen auch ein Farbcover seinen DSA-Werken hinzu. Die Zeichnung stellt passend zum Titel eine Collage verschiedener Märchenmotive dar. Eine Dryade mit wirklich hübschem Gesicht, eine hässliche, alte Hexe und zentral vor ihnen, ein mysteriöses Buch – insgesamt ein stimmiges und schönes Cover.

Auch eine barbusige Meerjungfrau ist hier dargestellt, wirkt aber völlig natürlich ins Cover integriert und nicht aus einem sex sells-Argument geboren. Wolke ist leider mit diesem Cover nicht gänzlich zu versöhnen, weil sie nach dem Lachkrampf, der durch den verwandelten Prinzen aka Supermuskelfrosch hervorgerufen wurde, seither eine weitere Betrachtung ablehnt.

Da haben sich die Helden blutige Nasen geholt. DSA4 wird überholt, DSA4.1 setzt sich durch (2006).

Ein weiteres Sepia-Cover wurde 2006 von Eva Dünzinger für die Anthologie Bienenschwarm & Diskusflug entworfen. Ähnlich wie Florian Stitz ist auch sie hauptsächlich für ihre Innenillustrationen bei DSA bekannt. Zeichnerisch passt sich das Bild gut in die Reihe der Sepia-Cover ein. Wenn man an dem Bild etwas kritisieren möchte, dann am ehesten die vielleicht etwas kräftigen Nasen.

Die Riechorgane bildeten auch das Problemkind des letzten Künstlers dieses Teils unserer Schau: Vincent Dutrait. Nimmt man sich zum Beispiel die Hardcover-Ausgabe des DSA4.1 Basis-Regelwerks vor, so erkennt man zunächst durchaus ansprechende, wenn auch comichaft gestaltete Personen auf dem Bild. Schaut man genauer hin, so offenbaren Elf und Krieger aber etwas viel Rot auf ihren und um ihre Nasen, so, als ob sie etwas alkoholisiert wären.

Auch auf der Spielhilfe Aus Licht und Traum wirken die Nasen immer noch etwas rot. Doch mit jedem Cover besserte sich sein Stil in dieser Hinsicht. Dafür misslang leider das vordere Pferd auf Schild des Reiches. Es ist einfach zu kurz. Es fehlt dort mehr oder weniger die komplette hinteren Hälfte, also fast zwei Drittel des Tieres. Andererseits ist die auf einem Besen fliegende Hexe ein nettes, kleines Detail des Covers.

Das wird Praios gar nicht gefallen – im Netz gefangen und im Meer versteckt (2007).

Wirklich sehr schön ist das Cover zum Themenband Efferds Wogen. Genauso wie Schild des Reiches wurde auch dieser bereits unter Ulisses-Ägide veröffentlicht. Die dargestellte Unterwasserszene mit Risso, Lichteffekten und Unterwasserruinen ist sehr hübsch geworden und gehört zu Dutraits besten DSA-Covern.

Auch Klar zum Entern zeigt eine schöne Szene, nämlich einen Fechtkampf an der Mastspitze eines Schiffs. Nur dass der Al’Anfaner scheinbar (mal wieder) auf verlorenem Posten steht, stimmt uns hier traurig, auch wenn das sicher nicht die Schuld des Malers ist. So wollen wir uns mit diesem Bild von Dutrait verabschieden.

Noch zwei weitere Künstler malten zu Fanpro-Zeiten DSA-Cover. Karsten Schreurs zeichnete für zwei und Slawomir Maniak sogar für drei Titel. Da beide aber auch nach dem Lizenzwechsel noch sehr aktiv waren bzw. heute noch sind, stellen wird sie im 3. und letzten Teil der Cover-Schau vor: Der DSA-„Moderne“.

Zum Abschluss wollen wir noch unser Fazit zu den Sachen ziehen, die uns beim Blick bis zum Ende der Fanpro-Zeit bisher aufgefallen sind. Wir versuchen das ganze einmal in drei Punkte zu gliedern:

  1. Die Nutzung vieler verschiedener Künstler führt zu einem zunehmend heterogenen Bild des Gesamt-Produkts DSA, aber es wird auf diese Weise für viele Geschmäcker etwas geboten.
  2. Um den Produkten trotz Vielfalt ein verbindendes Element zu geben, bietet sich das Nutzen von speziellen aventurischen Symbolen als Klammer an. Diese geben ein gewisses „Hier bin ich zu Hause“-Gefühl. Was dies für Symbole sind, steht nie völlig fest, da die Welt nicht statisch ist und sich entwickelt. Kritik nach dem Schema: „Das gab es noch nie, das ist kein DSA!“ muss sich deshalb gefallen lassen, auf zweierlei Art hinterfragt zu werden: Gab es das wirklich noch nie in der langen Zeit seit 1984 (da gab es nämlich schon eine ganze Menge – von nackten Frauen auf Covern bis zu Raumschiffen in Abenteuern)? Und: Ist es wirklich schlimm, wenn dieses Neue in die Welt Einzug hält (denn nahezu alles, was heute von vielen geliebt wird, vom Talentsystem bis zu einzelnen Eigenschaften, war irgendwann neu bei DSA)?
  3. Trotz allem wird es bei einem derart umfangreichen und vielschichtigen System wie DSA nicht möglich sein, alle Geschmäcker immer gleich zu bedienen. Irgendwer wird immer ein Haar in der Suppe finden. Aber am Ende werden hoffentlich doch alle irgendwo ihre Nische finden.

Über Salaza

Salaza heisst im wirklichen Leben Thorsten und spielt mit wenigen Unterbrechungen seit 1985 DSA. Er beschäftigt sich mit dem aventurischen Kartenwerk und mit der Erstellung von DSA-Schriftarten und tut gerne seine Meinung kund, wenn ein Produkt in seinen Augen blöde Fehler oder tolle Ideen hat.
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17 Kommentare zu Rur liebt die Vielfalt, Bruderschwester – die Cover des DSA-”Mittelalters”

  1. Xeledon sagt:

    Ich sag’s ja nicht gerne, aber ich glaube, Schmidt Spiele sind schon vor 2007 (vgl. erster Satz) pleite gegangen… 😉

  2. zakkarus sagt:

    Wieder einmal muß ich mich für eure Arbeit bedanken. Da ich ein großer Fan der fantastischen Kunst bin, ist es mal schön, alle Künstlernamen erfahren zu können – oder gar die Original-Bilder bewundern zu dürfen. Auch schön, wie ihr auf die Details geachtet habt, da lohnt sich die Covers mal in Ruhe anzusehen 🙂

  3. Xeledon sagt:

    Sooo, jetzt hab ich auch den kompletten Artikel gelesen. Wieder sehr geil geworden, danke dafür! 🙂

  4. Der Mönch sagt:

    Vielen Dank für eure Mühen und den tollen zweiteiligen Artikel!

  5. Arduinna sagt:

    Wieder ein toller Artikel – und jaaaaa, „Götter und Dämonen“ ist auch eins meiner Lieblingscover – der „Tausch“ gegen WdG schmerzt mich sehr (obwohl wir zum WdG-Cover schon verschiedene lustige Dialogszenen entwickelt haben – aber die sind zu politisch inkorrekt, um sie zu posten).
    Das Wichtigste habt ihr allerdings nicht erwähnt: In den Ruinen bei „Efferds Wogen“ lauert auch noch ein gigantisches Krustentier.
    Ich bin gespannt auf Teil 3!

    Spoilerwarnung: Zum Rückkehr des Kaisers-Cover passt auch prima: „And then, Answin staked Rohaja. The End.“ http://4.bp.blogspot.com/_OiUOPJufqYA/Sw16mjwCYwI/AAAAAAAAAy8/ClXo8kK5bTg/s1600/Twilight_STEAKED%21m%40u.jpg

    • Salaza sagt:

      😀
      Das wäre doch etwas für eine alternative Aventurien-Linie… Ich vermute meine Spieler haben damals zumindest kurz über ähnliches nachgedacht.

      • Arduinna sagt:

        Wir haben nur diesen Teil von JdF gespielt, und zwar mit einer mit der „Heldengruppe“ konkurrierenden Answinistentruppe (Answins Zofe, Answins Falkner, Answins Hauptmann, Answins Golgaritenverwandter). Das war sehr schön, führte jedoch trotzdem leider zum Tode unseres Lehnsherrn. 😉

  6. Raveline sagt:

    Schöne Zusammenfassung, macht Spaß zu lesen.

    Hinweise: „Buch Herrscher der drei Reiche“ <– der Link ist falsch und verweist auf dieses Sultan Buch ..

  7. Varana sagt:

    Ja, sehr schön wieder. 🙂 Und fleißig. 😀
    Das Ciruelo-Cover zu Kar Domadrosch hat im übrigen damals auch für Diskussionen gesorgt, weil Ciruelo hier ein Bild von Elmore (iirc) thiemeyert. Vorwürfe à la „DSA klaut und Elmore sollte es verklagen“ waren vor dem Hintergrund, daß es gar kein eigenes DSA-Cover war, besonders schön. 😉
    Apropos abkupfern: Auch das Chorhop-Bild von Maitz ist das, witzigerweise ebenfalls von Gerôme („Pollice Verso“, wahrscheinlich sein bekanntestes Motiv).
    Das ZBA-Cover hat übrigens ganz gewaltiges Riesenglück gehabt, daß gegen die Zweitauflage JEDES Bild toll aussieht. „Weryf yfd ydfg yd f“ ist da noch nicht mal die Spitze – die zweite Zeile („asafs sdf sd“) usw. zeigt hervorragend, wie der Künstler auf den „Text“ gekommen ist (Tipp: Tastatur angucken). Auch vom Aufbau her ist es mies (Schwanz und Hinterbeine des Drachen decken sich exakt mit dem Felsen, der Säbelzahntiger beißt dem Drachen in den Schwanz, usw.) – wie gesagt, Riesenglück, daß DAS Cover danach kam. 🙂

    • Salaza sagt:

      Hi Varana, Danke für die Infos! 🙂
      Die Bruenor Battlehammer Vorlage die du meinst ist vermutlich nicht eine von Elmore (da kenne ich keine), sondern die von Clyde Caldwell (zumindest ist im entsprechenden Tanelorn-Thread der vermutete Elmore in Wirklichkeit dieses Bild von Caldwell). Das findet sich oben auch unter dem Link zur originalen englischen Ausgabe. Ich vermute mal, dass Ciruelo für die spanische Ausgabe das Motiv der englischen Ausgabe durchaus mit Absicht (und in meinen Augen da auch zulässig) als Vorlage genommen hat. Warum auch immer da nicht das Original von Caldwell benutzt wurde.
      „Pollice Verso“ als Vorlage kannte ich noch nicht. Aber die Referenz ist eindeutig. Ich denke mal, Maitz setzte hier absichtlich sein „Thumbs Up“ gegen das „Thumbs Down“ des Originals.
      Bei der Übernahme von Motiven lässt sich vermutlich eine lange Diskussion führen zwischen den Polen „Inspiration“ und „Diebstahl“. Wobei ich bei nicht einfach per Programm kopierten Bildbestandteilen zumindest Respekt vor der technischen Fähigkeit der Künstler habe.

      • Varana sagt:

        Heya,
        ja, das Bild von Caldwell meinte ich. 🙂 Den Link habe ich oben übersehen, sorry. 🙂
        Motivübernahme: Sicher – und auch das Drumherum muß ja erstmal gemalt werden. Wobei ich mich gerade bei einigen Motiven von Thiemeyer frage, ob es wirklich so eindeutig hätte sein müssen, über die Fähigkeiten, so etwas grundsätzlich zu malen, verfügt er ja offensichtlich.
        Aber egal – Kompliment nochmal. 🙂

  8. Pingback: Yukiijidas 4 mal 4 Fragen zur Einsteigerbox – Asboran

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