Rückkehr zur Schlacht der Dinosaurier Teil 1

Ein Dumpfes Donnergrollen, begleitet von einer Vibration des Erdbodens, zog über die Ebene von Rastargo. Nein, es war nicht der Vulkan Astana, gelegen im Lande hinter dem Ehernen Schwert, der seinen bevorstehenden Ausbruch ankündigte. Ein riesiger Plateosaurus, einer der größten aller Saurier, tauchte am Rande der Ebene auf. Die Erde stöhnte unter seinem Gewicht. Nun war auch Kampfgeschrei zu hören, und weitere Dinosaurier der unterschiedlichsten Art waren am Horizont auszumachen. Jedes Tier trug einen oder mehrere Reiter, die gerüstet waren mit Schwertern, Lanzen und Wurfgeschossen.

Während sich die Dinosaurier-Armee noch formierte, zog von Osten aus der gefürchtete General Tschadrak von Harangas ins Feld. Er zögerte nicht lange und gab sofort das Signal zum Angriff. Die schweren Leiber setzten sich in Bewegung und stampften aufeinander zu. Schon bald stützten die ersten Kolosse leblos zu Boden und nahmen ihre Reiter mit sich. Magier schleuderten Lavabrocken in den Vulkan, um dadurch neue Kräfte für ihr Heer zu sammeln.
Als die Abendsonne ihre letzten Strahlen über die Ebene von Rastargo schickte, war die Dinosaurier-Armee von General Tschadrak von Harangas nicht mehr gesehen, und seine Schreckensherrschaft für immer beendet.

Damals in den 90ern

Damals im goldenen Zeitalter des Rollenspiels hatten auch die Macher bei Schmidt-Spiele schon die Idee ein beliebtes Markenlogo auf alle möglichen Produkte zu drucken und so ordentlich Reibach zu machen. So muss es niemanden wundern, dass es auch seinerzeit schon Brettspiele mit dem Logo eines Schwarzen Auges gab, deren Inhalt mit dem Rollenspiel Das Schwarze Auge nicht wirklich viel zu tun hatte. Wegen dieser Spiele hätte ich beinahe nicht mit dem Rollenspiel Das Schwarze Auge angefangen. Doch das ist eine andere Geschichte. Vor einigen Jahren hatte ich mir ein solches Relikt aus früheren Tagen zugelegt und erst kürzlich mit der Wiederbelebung aventurischer Miniaturen durch die Heroes of Aventuria neu für mich entdeckt.

Der einleitende Text aus der Spielanleitung enthält eigentlich nur zwei Stichworte, die dem DSA-Fanboy/Fangirl bekannt vorkommen können. Wir erfahren, dass diese Spiel in den Ebenen jenseits des Ehernen Schwertes liegt. Das Geschehen muss sich also in den Steppen von Rakshazar abspielen, welches hier als Rastargo bezeichnet wird. Die Herkunft des tyrannischen Generals wird mit Harangas bezeichnet. Ob damit angedeutet werden soll, dass er ein Echsenanbeter ist, immerhin ein nahe liegender Kontext in diesem Spiel, oder ob dem Schreiberling der Klang des Wortes einfach so gut gefiel, lässt sich vermutlich nicht mehr herausfinden. Fast schon apokryph mutet da der Hinweis an, dass bereits 1988 Affenmenschen in Thunata von einem Land jenseits des Ehernen Schwertes berichten, in dem Drachen leben, die kein Feuer spucken.

Welches Kind könnte schon solch einem Angebot widerstehen? Lauter Dinos und dann auch noch kleine bunte Männchen dazu

Kein Zufall dürfte es allerdings sein, dass Die Schlacht der Dinosaurier als drittes Brettspiel dieses Formats im Jahr 1993 auf den Markt kam. Im Jahr zuvor hatte man mit der Burg des Schreckens einen „klassischen“ Dungeoncrawler herausgebracht und mit dem Dorf des Grauens noch eine Variante mit interessanten Gebäuden nachgeschoben. Als Steven Spielbergs Jurassic Park die Kinos eroberte und ein bis heute laufendes Franchise startete, musste natürlich auch der Verkaufsschlager DSA mit Dinosauriern ausgestattet werden. Tatsächlich sind Miniaturenspiele mit den riesigen Echsen recht selten und auch heute noch ist das Angebot eher klein. So kam es also zu diesem als „strategisches Kampfspiel“ angepriesenen Machwerk, das auf der Welle um Spielbergs Film mitschwimmen sollte.

Was bleibt vom Hype

Jetzt wird gezaubert, Lavabrocken spielen dir Rolle des Jokers in der Schlacht der Dinosaurier.

Damit ist zum Spiel selbst auch schon das Wichtigste gesagt. Weiteren Hintergrund gibt es praktisch nicht. Die Bezüge zu unserer heutigen Sicht auf DSA sind mit dem Verweis auf das Land östlich des Ehernen Schwertes erschöpft. Bemerkenswert finde ich wiederum die Erwähnung des Vulkans als Fokus der Kriegszauberei, denn dieses Element findet sich so auch in dem Spiel selbst wieder. Die eigentlichen Spielmechanismen sind jedoch langweilig, das Ziel besteht in der plumpen Ausrottung aller Gegner. Unter diesen Bedingungen lagerte die bunte Box einige Zeit unbeachtet irgendwo in meinem Keller. Dann jedoch fanden meine Kinder die Schachtel und waren sofort fasziniert von den vielen kleinen Dinosauriern darin. Und so kamen also die Streiter Rakshazars zu einem neuen Frühling.

Eine Zeitlang wanderten also immer wieder Dinosaurier durch mein Wohnzimmer oder trafen sich am Spieltisch zum Picknick. Nachdem ich in jüngerer Zeit endlich in der Lage war mir einen Maltisch einzurichten und meinem früheren Enthusiasmus fürs Miniaturen-Hobby nachzuspüren brauchte ich natürlich auch ein paar Ausreden für neue Projekte. Dinos waren ja genug da und Kinder sollen ja auch ihre Fingerfertigkeit üben, also war es schon fast nicht zu entschuldigen hier untätig zu bleiben. Als dann auch noch die Heroes of Aventuria an den Start gingen war für mich klar, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war neue Pinsel und Farben zu kaufen und den Minis erneut zu Leibe zu rücken.

Auf Konfrontationskurs – oder so ähnlich. Plastikpüppchen erobern das Wohnzimmer.

Dinosaurier

Die Dinosaurer beherrschten die erde über 150 Millionen Jahre lang […] In diesem Spiel könnt ihr die charakteristischen Dinosaurier dieser Zeit – gefährliche Fleischfresser sowie harmlose Pflanzenfresser – wieder aufleben lassen.

So steht es in der Spielanleitung und damit wird auch der letzte Rest von Zweifel weggewischt, es ginge hier um ein deutsches Rollenspiel und nicht um einen amerikanischen Kinofilm. Aber sei´s drum. Wenn wir schon Schreckensechsen über die Weiten des Rieslands laufen lassen sollen, dann schauen wir uns das Personal doch mal an. Jeder Dino wir schon auf der Schachtel mit einem Stimmungstext angepriesen, der auch einem Pokemon gut zu Gesicht stünde.

Stegosaurus: Der korpulente Pflanzenfresser verteidigte sich mit kräftigen Schlägen seines gestachelten Schwanzes.
Die Miniatur finde ich durchaus gelungen. Interessant ist hier auch die gepanzerte Schutzdecke, welche die Flanken des Tieres bedeckt. Außerdem erhält der Reiter vermutlich den Preis für die unbequemste Sitzposition im ganzen Spiel. Die charakteristischen Rückenplatten geben dieser Miniatur ein sehr spezielles Aussehen.

Triceratops: Seine gewaltige Größe und Stärke machten ihn zu einem ernst zu nehmenden Gegner.
Auch wenn die Beschreibung eher von Einfallslosigkeit kündet gibt es an dem Modell einiges zu entdecken. Neben den ovalen Schilden, die wir an verschiedenen Figuren finden, finden wir eine Flagge aus dem gleichen flexiblen Kunststoff, aus dem auch die menschlichen Reiter gefertigt sind. Zwei Reiter direkt hintereinander lassen das Modell zudem nochmals bepackter aussehen. Angesichts des Köchers mit Wurfspeeren, den zusätzlichen Stacheln am Schwanz und dem ohnehin massigen Schädel wäre das allerdings kaum nötig gewesen. Der dreigehörnte Pflanzenfresser trägt zudem als einziger einen Reiter mit Trommeln.

Plateosaurus: Selbst den tapfersten Angreifer entmutigte der größte Pflanzenfresser durch seine langsame, überlegene Annäherung.
Erneut ein Bravo an den Schreiber dieser Formulierung. Ich habe keine Ahnung, wie eine überlegene Annäherung aussieht, aber es klingt furchteinflößend. Tatsächlich erinnert mich diese Echse mit ihrer Kriegsplattform doch an einige Elemente, aus den jüngeren Rakshazar-Publikationen. Zusätzliche Panzerungen, drei Mann Besatzung und natürlich die schiere Größe machen dieses Modell wirklich beeindruckend. Interessant ist, dass man mit dem Plateosaurus ein Tier gewählt hat, welches nicht ganz so bekannt ist, wie die übrigen Vertreter der Dinos.

Tyrannosaurus Rex: Riesig, stark und gefährlich war der T-rex, der zu Recht König der Dinosaurier genannt wird.
Natürlich darf in keinem Spiel der bekannteste Dinosaurier jener Zeit fehlen. Jedes Kind wusste damals Bescheid, dass die Tyrannenechse echt fiese Zähne hat. Dieser Dino darf dann auch das Maul entsprechend weit aufreißen. Und dann hat man auch noch so ein schönes Rot als Farbe gewählt. Das alles täuscht sogar ein wenig über das eigentlich eher plumpe Design hinweg.

Pteranodon: Mit angelegten Flügeln stürzte er mit einem markerschütternden Schrei, der seine Opfer lahmlegte, zum Angriff.
Fliege sind ja immer so eine Sache. Der Flugsaurier ist das einzige Modell mit einem abnehmbaren Base. Die Miniatur selbst ist eher langweilig, aber vielleicht kann man sich ja dann bei der Bemalung austoben. Immerhin erinnert mich der fliegende Schrecken an ein ähnliches Modell der alten Ral Partha Miniaturen. Das schwere Zinn-Modell trägt aber natürlich passend für Aventurien einen Achaz auf seinem Rücken.

Velociraptor: Raptoren waren gemeine Räuber – schnell, listig und intelligent.
Dem jungen Kinogänger musste nach dem Besuch von Jurassic Park eigentlich nichts mehr über diese Gestalt gesagt werden. Wie auch schon im Film wird hier der Name der deutlich kleineren Räuber verwendet. Der griechische Name des, zu dieser Größe passenden, Tieres war fürs große Publikum dann doch nicht griffig genug. Unser dynamischer Läufer kommt mit eigenem Base daher. Die wehende Flagge ist ausnahmsweise ebenfalls aus Hartplastik. Tatsächlich haben es die Designer verstanden alles an dieser Figur nach Aggression und Tempo aussehen zu lassen.

General im Streitwagen: Reiter mit Mut und Geschicklichkeit waren gefragt, um eine so große Dinosaurierhorde anzuführen und eine treue und gehorsame Armee aufzustellen.
Der General fällt in vielerlei Hinsicht ein bisschen aus der Rolle. Er ist der einzige mit einem eigenen Fahrzeug. Seine Waffe ist kein Speer und alle drei menschlichen Figuren tragen furchteinflößende Helme und sogar Rüstungen. Das morbide Design des Streitwagens erinnert an Gigers unheimliche Bilder organischer Technologie. Da ich mich vor allem für die Dinosaurier interessierte, stellte ich dieses Modell erst einmal zurück.

Ausblick

Das Feld ist also bereitet. Die Protagonisten erwarten ihren Einsatz. Im nächsten Teil dieser kleinen Reihe wird es um die Bemalung der ersten Miniaturen gehen. Dabei werde ich kaum auf bestimmte Bemaltechniken eingehen. Youtube und seine Showpainter können das besser. Statt dessen werden die konzeptionellen Gedanken im Vordergrund stehen und die Besonderheiten, die es an den Miniaturen so zu entdecken gibt.

Ob mit oder ohne Spielbrett, die vielfältigen Miniaturen regen zum Spielen an. Der zentrale Vulkan bietet auch gleich ein interessantes Geländestück. Was will man mehr?
Ok, wer hat den Gartenzwerg ins Bild gestellt?

Dieser Beitrag wurde unter Das Schwarze Auge, Kolumnen, Miniaturen, Riesland, Sonstiges abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Rückkehr zur Schlacht der Dinosaurier Teil 1

  1. Pingback: Die Schlacht der Dinosaurier – Nandurion-Rezension Teil 1 – Nuntiovolo.de

  2. FRAZ sagt:

    😅 Dunkel, ganz dunkel kann ich mich daran erinnern, dass ich Mal die ‚Burg des Schreckens‘ gespielt habe. Gab es da nicht einen Stab, der die Reihenfolge anzeigt, anstelle zu würfeln? 🤔
    Danke, Krassling, an diese Erinnerung.

    Aber sag, hast du die Box im Keller der Eltern ausgegraben oder beim jüngst Umzug wiederentdeckt oder hast du dich in Unkosten gestürzt, beim Rollenspiel-Dealer deines Vertrauens?

    • Krassling sagt:

      Diese Box habe ich tatsächlich vor ein paar Jahren gebraucht gekauft. Die anderen Boxen habe ich 1993 erworben und nun stehen sie bei meinen Eltern im Keller. Einige der Figuren der Burg waren bereits als Besatzung der Dämonenarche zu sehen.
      Und tatsächlich gab es in der Burg einen Stab, der wie eine größere Version des „Zauberstabs“ des Kobrainers Nemesis aussah. Die Dinosaurier bestimmen die Reihenfolge durch gezogene Karten, die in den nächsten Artikeln zu sehen sein werden.

  3. Timo sagt:

    Ich habe das Spiel nach langem mal wieder raus gekramt und beim überprüfen des Inhalts bemerkt, dass mir anscheinend Karten fehlen – Zumindest laut Anleitung. Ich habe aber den Verdacht, dass die Auflistung in der Anleitung teilweise fehlerhaft ist. Kann bitte jemand mal in sein Spiel hineinschauen und mir sagen wie viele der folgenden Karten er TATSÄCHLICH hat?:

    – Pteranodon auslöschen (Laut Anleitung 1x, bei mir aber nicht dabei)
    – 3er Joker (Laut Anleitung 8, ich habe nur 4)
    – Referenzkarten (Laut Anleitung 4, ich habe nur 2)

    Außerdem habe ich eine „Plateosaurus 2er“ Karte zu viel.

    Es wäre toll, wenn sich jemand finden würde, der mir bestätigen kann, dass die Auflistung im Heft richtig oder falsch ist.

    • mil sagt:

      Hi,
      ich hab mein Spiel mal aus dem Keller geholt.
      Bei mir ist alles in der Anzahl vorhanden, wie es im Regelheft aufgeführt ist.
      Also:
      – jede Auslöschungskarte einmal pro Saurier-Art (auch Pteranodon)
      – 8 mal die 3er Joker
      – 4 mal Referenzkarte

      Hoffe, das hilft dir weiter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.