NordCon 2017 – Bändchen, Becher, Bechdel-Test

Auf nach Norden, die Zweite! Die traditionelle NordCon hat zwar weniger Meerblick und Strand als die HeinzCon in Norden-Norddeich, dafür hat „Deutschlands größte freie Convention für phantastische Spiele und Literatur“ aber ein sehr buntes Programm. Mit Zombies, Star Trek und winzigen Stühlen. Auf gehts!

Freitag

11:15 Uhr

Cifer: Zusammen mit meiner Freundin besteige ich den Fernbus gen Hamburg. Der Bus ist mittlerweile ein guter Bahnersatz, die halbe Stunde Verspätung fühlt sich schon sehr authentisch an. Die Anreise an sich ist aber ziemlich ereignislos; knapp über 3 Stunden später klopfen wir bei den Hamburger Einhörnern an die Wohnungstür.

Queery: Ich bin erst um kurz vor 5 im IRE Richtung Hamburg, dafür mit Leo, dem 12-jährigen Sohn meines Mitbewohners. Erste richtige Con für ihn und für uns die erste Reise in der Art. Spannend.

Und wenn uns die NordCon mal nicht mehr passt, gibt’s noch eine einhorntaugliche Konkurrenzveranstaltung!

Curima: Apropos Anreise – die NordCon war schon meine liebste Con, als ich noch zwei Bahnstationen weg wohnte. Jetzt kann ich hinlaufen. Harr harr.

Nick-Nack: … und dank deines Gästezimmers wir ja auch 😉

Sedef: Ich kriege davon nichts mit und bin stattdessen bei der Arbeit.

18:00 Uhr

Curima: Die NordCon beginnt traditionell gegen 18 Uhr mit einem Essen bei Volkans Grillhaus, welches sich in den letzten Jahren als Location der Wahl etabliert hat, wenn man vor Conbeginn nochmal in Ruhe etwas essen will. Zwar sind die Hälfte der Nanduriaten noch im Anreisen begriffen und meine restliche Spielrunde wurde vom Zombiekalypse-Team als Aufbauhelfer rekrutiert, aber auch in kleinerem Kreis ist das Essen gut.

Cifer: Das kann man wohl nicht anders sagen. Ich futtere zum ersten Mal Beyti, also in Teig gewickeltes Hacksteak mit Joghurt und Tomaten. Ich gebe zu, dass ich es in erster Linie für den WTF-Faktor gewählt habe, aber es schmeckt tatsächlich großartig. Wir debattieren ein wenig über Gott und die Welt, um uns die Zeit zum Startschuss zu vertreiben.

Nick-Nack: Zu dem Zeitpunkt sitze ich noch friedlich im Zug und schreibe an Rollenspielregeln. Zu essen gibt es ein paar Landjäger vom Supermarkt daheim.

Sedef: Feierabend, auf ins Grillhaus. Ich treffe als letzter Nanduriat dort ein und bekomme trotzdem als erster mein Essen. Die Welt ist ungerecht.

20:00 Uhr

Cifer: Die NordCon öffnet ihre Tore. Aber wo ist die traditionelle Schlange, die sich zu diesem Zeitpunkt einmal die Straße runter bildet? Wie sich herausstellt, hat das Ticket-Zelt clevererweise bereits kurz vor Start damit begonnen, die Conbändchen zu verkaufen, so dass zum Startschuss viele einfach an der Ticketschlange vorbei gehen können. Schöne Idee, bitte weiter so. Ich lege den traditionellen Sprint zum Rundenaushang hin und ergattere einen Platz in einer Vampire-Runde, die 21 Uhr losgehen soll.

Curima: Der Bändchen-Vorverkauf ist wirklich eine gute und sinnvolle Neuerung, die die Wartezeit sehr reduziert hat. Ich sprinte ebenfalls zum Rundenaushang, würde mich tendenziell auch in die Vampire-Runde eintragen … und sehe dann, dass man einen SC dabei haben müsste. Hab ich nur leider nicht. Deswegen schwenke ich dann zusammen mit Sedef in einem Anflug von “hey, wir könnten dieses System, das wir in 2 Ausfertigungen seit über nem Jahr zu Hause stehen haben, ja auch mal SPIELEN” auf eine Runde Numenera um, die um 20:30 Uhr beginnen soll. Vorher ist aber noch Zeit für einen Besuch beim Uhrwerk-Zelt. Sedef sucht vergeblich nach Myranor-Produkten, die er noch nicht besitzt.

Sedef: Volle Zustimmung. Für die NordCon ist der Bändchen-Vorverkauf die beste Idee seit Sandwiches auf die Speisekarte gesetzt wurden.

Nick-Nack: Als Spätankömmling kriege ich die Reste der Ticketschlange natürlich noch voll mit und wundere mich über die ganzen unhöflichen Rüpel, die sich alle an uns vorbeidrängen, als hätten sie schon ein Bändchen und könnten einfach so rein. Ok, anscheinend hatten die wohl ein Bändchen und konnten einfach so rein. Kaum auf der Con angekommen, verquatsche ich mich erstmal mit ein paar Leuten, die ich länger nicht gesehen habe.

21:00 Uhr

Curima: Nach allgemeinem Hallosagen, Plätze suchen und Würfel ausleihen (“Hallo, mein Name ist Lena und ich bin ohne einen einzigen Würfel auf eine Rollenspielcon gegangen.”) geht’s los mit Numenera. Die Regeln sind ziemlich schnell erklärt und die Archetypen gefallen mir auch. Am Ende spiele ich eine elegante Nano, die mit Maschinen redet.

Sedef: Nicht als einzige, von der Arbeit konnte ich auch keine Würfel mitbringen. Überhaupt, umgeben von Gewandung, Cosplay und Nerd-T-Shirts kommt man sich im Bürokleidung irgendwie falsch vor.

Cifer: Die Vampire-Runde geht noch nicht los. Ich bin mir nicht sicher, ob ich am rechten Ort warte und gehe nochmal runter zum Aushang (Runde im dritten Stock, Aushang im Erdgeschoss), wo die Startzeit auf 21:30 verändert wurde. Egal, zurück zur Runde, es quatscht sich ja auch ganz nett mit den anderen Mitspielern, die mittlerweile eingetroffen sind.

Queery: Wir sind inzwischen auch in bei der Nordcon eingetroffen, haben unsere Isomatten in die Schlafplatz-Turnhalle gelegt und sind gleich Cifer und Nick-Nack beim Rundenaushang begegnet. Aber die einzige Runde, in der wir angesichts der vollgeschriebenen Anmeldelisten noch einen Platz gefunden haben, ist bereits mit anderen Spielenden gefüllt. Naja, die Zombieapokalypse im 4. Stock wurde uns als actionreicher Bewegungssport empfohlen, also hin da. Dann: Teilnahme ab 16. Blöd.

Nick-Nack: Nach dem ganzen Quatschen endlich bei den Rundenaushängen angekommen, stelle ich fest: Von dem, was noch übrig ist, will mich nichts so richtig anlachen. Kurz überlege ich, selbst eine Runde anzubieten, aber dann sehe ich doch schon wieder ein bekanntes Gesicht und stecke in der nächsten Diskussion fest. Als ich dann aber nach meiner morgigen Runde Erzählregeln schaue, stelle ich fest, dass diese in der Liste fehlt. Kurz zur Orga und schnell nachtragen lassen.

21:30

Cifer: Die Vampire-Runde geht noch nicht los. Wir warten auf den Spielleiter. Nichts zu machen.

Queery: Etwas frustriert weichen wir zum Brettspielzelt aus, wo uns wieder Nick-Nack über den Weg läuft, wir aber letztlich bei einer 2er-Runde 7-Wonders-Duell landen. Das ist aber ganz gut.

Nick-Nack: Währenddessen lasse ich mich vom hiesigen Spieleclub zu einer Runde First Class überreden. Zwar nicht zu 100 % mein Spiel, aber dennoch spaßig.

22:00

Cifer: Wir überlegen, zu gehen. Können es aber nicht – schließlich warten wir noch auf den Spielleiter.

23:00 Uhr

Curima: Die Numenera-Spielrunde ist mittlerweile in vollem Gang. Die Gruppe erforscht eine mysteriöse Anlage, um das Nachwuchsproblem eines kleinen Dorfes zu lösen. Mein Charakter wird beschuldigt, ein künstlicher Mensch zu sein. Pfffft. Nur weil man ein paar besondere Körperteile hat und den Maschinengott anbetet – völlig an den Haaren herbeigezogen, das Ganze.

Sedef: Ist schon in Ordnung, Synths sind schon so etwas ähnliches wie Menschen. Kannst du dein Bein auch einfach austauschen? Numenera macht jedenfalls viel Spaß, und ich überlege, ob wir eines der 2 vollständigen Sets, die dank des Kickstarers in diesem Haushalt vorhanden sind, nicht auch mal so benutzen könnten.

00:15 Uhr

Curima: Wir haben es geschafft und das Abenteuer bestanden. Irgendwie. Zumindest, wenn die Erschaffung zweier künstlicher Babies mit dem neuen Feature Fortpflanzungstrieb und ein längeres Gespräch über Bienen und Blumen mit den Dorfbewohnern die Lösung des Ganzen war. Die Spielleiterin, die öfter mal halb lachend, halb facepalmend hinter ihrem Schirm verschwand, lässt mich ein wenig daran zweifeln. Jedenfalls wars ein cooles Abenteuer, das die Welt von Numenera sehr schön vorgestellt hat. Vielen Dank an Oderkind für die Demorunde! Nun ist es Zeit, den ersten Con-Tag zu beenden und nach Hause zu gehen.

Nick-Nack: Etwa zu der Zeit sind wir auch mit First Class fertig. Ohne Regellesen, Auf- und Abbau hat es vielleicht zwei Stunden gedauert. Ich muss mich mit einem verdienten vorletzten Platz zufrieden geben. Schlafenszeit.

01:30 Uhr

Gestatten: Solid Sparky, vermutlicher Verursacher der Zombieapokalypse

Cifer: Wir haben uns die letzten dreieinhalb Stunden mit einer Partie Dead of Winter vertrieben, in dem ein Kaufhausweihnachtsmann, eine Bibliothekarin, ein Feuerwehrmann und Sparky der Wunderhund die Zombieapokalypse beinahe überstanden hätten, wenn nicht im letzten Moment Sparky (zu diesem Zeitpunkt mit einer Pistole, einem Scharfschützengewehr und einem Nachtsichtgerät ausgestattet und umgetauft auf Solid Sparky) die anderen hintergangen hätte. Vielleicht kommt der Spielleiter ja morgen noch. Oder übermorgen – bis dahin mache ich mich aber erstmal auf den Weg zur wunderbar nahegelegenen Wohnung der Miteinhörner, wo ich auf dem Sofa wegpenne.

Curima: Zombies sind wohl eben doch die neuen Vampire.

Queery: In der Turnhalle bin ich nachts mal wieder überrascht, wie laut manche Menschen schnarchen können. Eigentlich bin ich so wirklich gar nicht geräuschempfindlich beim Schlafen, aber bei so einer Menge v.a. männlicher Rollenspieler in einer Halle sind wirklich Extremfälle dabei. Mein Con-typisches Schlafdefizit verträgt sich gut mit dieser Kulisse.

Samstag

08:30

Queery: Um an eine Runde zu kommen sind wir früh aufgestanden und trotzdem ist das Meiste auch um kurz nach 8 schon vergeben. Wir können aber glücklicherweise zumindest in einer spontan dazu gehängten Pathfinder-Runde 2 Plätze ergattern. Weil die so spontan ist, sind keine Archetypen vorhanden, also fängt’s mit Bauen an. Leo wird gut betreut und erstellt einen halb-orkischen Barbaren-Krieger, während ich trotz Tipps immer mal wieder etwas überfordert bin und auch auf Cons eigentlich am liebsten einen Held spiele, den jemand anderes erdacht hat (mal was anderes).

09:30

Cifer: Auf zurück zur Con. Traditionellerweise steht erstmal ein Blick an den Rundenaushang an. Gerade wird direkt neben mir eine Runde Edge of the Empire ausgehangen – ich zücke den Stift und erwische noch den sechsten von sechs Plätzen.

Queery: Weil von Mitspielern vorgeschlagen, ist mein Held dann ein Duergar-Mönch geworden. Ich hab aber Probleme, mit ihm warm zu werden und bin noch immer ziemlich müde. Cool ist hingegen, dass eher eine mittel-fiese Gruppe bei der Erstellung rausgekommen ist. Vor allem der Tyrannos-Priester neben mir ist herrlich wenig fanatisch, selbstmitleidig-faul und auf den eigenen Vorteil bedacht aber trotzdem definitiv gläubig. Schön gespielt.

Curima: Ich wache auf, alle sind noch in der Wohnung und/oder am Schlafen – nur Cifer ist natürlich schon wieder davongecifert. Aber alles andere hätte mich auch gewundert. Ich mache jedenfalls erstmal Kaffee und Tee und die Runde versammelt sich so langsam um den Tisch, um den Wachwerdungsprozess einzuleiten. Dann geht es langsam auf zur Con. Diesmal mit Würfeln. Man lernt ja doch auch als alte Frau noch dazu.

Sedef: Muss… Kaffee… trinken… muss… Würfel… einpacken….

11:00

Nur imperiale Sturmtruppen arbeiten so präzise!

Cifer: Diesmal hat die Runde sogar einen anwesenden SL. Ich fühle mich gleich viel weniger tiefschürfend. A propos tief: Eine mitspielende Helferin kennt den Geheimtipp zur perfekten Rundenlocation und wir siedeln in den Schulkeller um. Angenehme Kühle, keine anderen Runden und sogar Stühle, bei denen man nicht mit dem Kopf zwischen den Knien spielt. Und als wir den Tisch dann direkt unter den Bewegungsmelder geschoben hatten, mussten wir auch nicht mehr minütlich wild mit den Armen rudern, damit das Licht wieder angeht. Sehr gut. Der SL adaptiert ein altes D6-Abenteuer, bei dem wir an sich ein Kopfgeld auf einen imperialen Deserteur eintreiben wollen. Zumindest manche von uns wollen das. Andere sind anderer Meinung oder haben ihre eigenen Regeln und nachdem wir zwei Sturmtruppler betäubt und einen ISB-Agenten gefangen haben, kommt sowieso alles anders. Mein rodianischer Raumschiffkapitän und Großwildjäger vertritt zum Beispiel eine eiserne “keine ISB-Agenten auf meinem Raumschiff”-Regel, die während der Runde auch nur zweimal gebrochen wird.

Nick-Nack: Zeit für die journalistischen Pflichten: Die Kamera ausgepackt, Mikrofone angestöpselt und ein paar Aufnahmen gemacht. Ich spreche mit dem Team hinter der Brückensimulation und schwöre mir, dieses Jahr auf jeden Fall mal selbst als Captain oder Wissenschaftsoffizier auf einem der Holodecks mitzuhelfen. Außerdem spreche ich mit einem der Macher von Arakne, einem Fantasy-Rollenspiel, das bald ein Crowdfunding avisiert. Außerdem drehe ich ein kurzes Interview zur Anmeldung von Spielrunden mit einem aus der Con-Orga.

Curima: Währenddessen im Trollturm: Hadmar von Wieser hält einen Workshop namens “How to play – die One-Man-Show”. Während ich bei dem Titel irgendwie einfach 90 Minuten unterhaltsame Anekdoten aus 30 Jahren Rollenspiel erwartet hatte, stellt sich die Veranstaltung dann als sehr gute und durchdachte Abhandlung zum Thema Rollenspieltheorie und “Was will ich eigentlich vom RPG?” heraus. Unterhaltsame Anekdoten gibt es trotzdem, außerdem hat Hadmar trotz jahrelangem deutschen Exil noch einen leichten österreichischen Akzent und damit den Unteregger-Bonus – ich könnte ihm auch 3 Stunden zuhören, wie er Aventurische Namen vorliest. Die Beteiligungen aus dem Publikum sind auch unterhaltsam, ich darf außerdem mein schlimmstes Mitspielererlebnis erzählen. Es wurde auch gefilmt und der Workshop hat inzwischen bereits seinen Weg zu YouTube gefunden. Reinschauen lohnt sich – er war nämlich wirklich sehr gut. Danach quatschen wir noch kurz mit Hannah Möllmann, Mike dem Unaussprechlichen und Carragen, die aber gleich sitzenbleiben und sich noch den nächsten Workshop anhören. Aber Sedef und mich treibt der Hunger erstmal ins Essenszelt. Auf dem Weg komme ich allerdings nicht am Einsteigerset von Star Wars – Macht und Schicksal vorbei, von dem ich erfreut feststelle, dass es inzwischen auf deutsch erschienen ist.

12:30 Uhr

Nick-Nack: Mit jede Menge Aufnahmen im Speicher mache ich mich auf den Weg zu dem Raum, in dem ich die Erzählregelrunde leiten soll. Noch ein kurzer Blick auf den Anmeldezettel: Huch, nur zwei Namen? Auf den anderen Cons waren meine Zettel doch immer schon nach Minuten voll? Aber zum Glück kenne ich ja noch Leute, die sowieso mal die Erzählregeln ausprobieren wollten.

Oppa Nick-Nack erzählt vom Schwarzen Auge. Mit im Bild: Curimas diesmal vorhandene Würfel.

Curima: Nick-Nack schreibt, dass noch Plätze in seiner DSA-Erzählregel-Runde frei sind. Da ich die eh gerne ausprobieren wollte, gehen wir los, treffen unterwegs noch einen Mitspieler aus meiner Runde, den wir auch gleich mitschleifen und erweitern die Runde damit dann auf 5 Spieler. Okay, mit 30 Minuten Verspätung taucht noch eine weitere Mitspielerin auf, die sich nachträglich noch eingetragen hatte, aber auch mit 6 Spielern geht es ja noch. Die noch vom Spieler zu individualisierenden Archetypen gefallen mir jedenfalls schon mal.

Sedef: Charakterbau ist rekordverdächtig schnell – auf jeden Fall klarer DSA-Rekord, und auf mit meinem tobrischen Krieger nach Fasar. Was könnte da bloß schiefgehen …

Curima: Mein Fazit zu den Erzählregeln fällt jedenfalls ziemlich positiv aus. Gerade die Verbindungen zwischen den einzelnen Charakteren und die verschiedenen Merkmale, die man den Archetypen noch mitgeben kann, haben mir gefallen. Auch der Schwerpunkt auf gemeinsames Erzählen war super.

Sedef: Zustimmung, auch wenn wir vielleicht nicht unbefangen sind. Ich spiele zwar auch weiterhin DSA am liebsten mit 4.1 mit allen Expertenregeln, aber für Cons, kleine Runden und Oneshots sind die Regeln super. Und wer nach wie vor auf Regeln mit geringer Komplexität und Erzählschwerpunkt wartet, sollte hier so oder so zuschlagen.

Nick-Nack: Insgesamt zehrt es dann doch an der Energie, 6 fremde Spielerinnen und Spieler gleichzeitig zu betreuen. Aber da alle sich stark mit ihren Charakteren identifizieren und das Prinzip, dass auch die Spieler mal was erzählen können, aufnehmen, fließt die Geschichte trotzdem und jeder kommt mal dran.

15:00 Uhr

Queery: Eigentlich sollte unsere Runde bis 12:30 gehen. Doch auf dem Weg durch die Ruinen Mystranors, um die Tiara der Schatten zu bergen, haben wir wie immer etwas länger gebraucht. Dafür haben wir, obwohl eigentlich im Auftrag der Tyrannos-Kirche unterwegs, nicht ganz bewusst doch letztlich den Harfnern gedient und sind nach einem epischen Endkampf mit einem übermächtigen Dämon nicht traurig darüber.

Cifer: Wir sind derweil noch voll am Spielen. Mittlerweile haben wir bemerkt, dass alle, die in der weit entfernten Galaxis nicht gefunden werden wollen, ihre Flucht automatisch nach Tatooine antreten. Mein Rodianer klärt darüber auf, dass Menschen keine Pod-Rennen fahren können und diese eine seltsame Geschichte von vor 30 Jahren oder so bestimmt Betrug von einem Hutten war, der alle anderen Rennteilnehmer bestochen hat, um mit den legendären Wettquoten ein Vermögen zu machen. Weil wir offenbar einer heißen Sache auf der Spur sind (entweder dem Deserteur oder dem legendären Skywalker-Wettbetrug), versucht man uns umzubringen, in der wohl teuersten Todesfalle von Tatooine: einem an sich stillgelegten Wasserturm, der über unseren Köpfen geflutet wird.

18:30 Uhr

Curima: Wir versuchen, das geplante Essen mit allen Nanduriaten umzusetzen, was aber etwas davon erschwert wird, dass Cifer noch im Endkampf steckt und Queery um 20 Uhr die nächste Spielrunde hat. Am Ende sind wir glaub ich tatsächlich mal alle an einem Tisch gewesen … so für ungefähr 5 Minuten. Nach dem eher fleischlastigen Essen beim Türken vom Vortag gehen wir … zum Jugoslawen, um noch mehr Fleisch zu essen! Aber allzu groß ist die Auswahl an Restaurants in Laufweite eh nicht.

Nick-Nack: Dafür wird am Tisch aber fleißig über Alchimieregeln im Wandel der Editionen diskutiert.

Curima: Was wären wir auch für Rollenspieler, wenn nicht??

Sedef: Dass wir Rollenspieler sind, merkt man auch daran, dass drei von uns trotz des Wetters an einem nicht überdachten Teil des Tisches gesessen haben und sich dann wunderten, dass plötzlich Wasser vom Himmel fällt. Oder ging das nur mir so?

Cifer: Gut Endkampf will halt Weile haben. Am Ende liefern wir den Deserteur dann doch brav (wenn auch grummelnd) bei der Rebellion ab und ich mache mich von Google Maps geleitet auf nach Dubrovnik. Also, dem Restaurant, nicht der Stadt – die ist auch schön, wäre aber vermutlich nicht vor Ende der Con zu erreichen gewesen. Die Grillplatte ist lecker und die Alchimieregeln sind verkork(s)t.

Sedef: Fazit beim Ende des Essen: Seitenlange Ausführungen zu Heiltränken ohne eine Regeln, wie lange es dauert sie im Kampf zu trinken, sind nicht optimal. Und was Cifer gesagt hat.

20:00 Uhr

Queery: Nachdem Leo sich zwischendurch mit Magic gut amüsiert hat treffen wir zur Aborea-Supporterrunde im Pegasus-Zelt wieder zusammen. Stetiger Koffeinnachschub hält mich relativ wach. Gute Archetypen und ein wirklich einfaches Regelsystem machen den Einstieg leicht und fast kann ich die anderen mit meiner etwas naiv-fröhlich-vorlauten Bardin davon überzeugen, den hungrig anstürmenden Troll zu respektieren statt ihn abzuschlachten. Wer weiß schon, ob nicht irgendwo ein hungriges Trollbaby auf ihn wartet?

20:30 Uhr

Nick-Nack: Nach einem sättigenden Mahl geht es zu meiner einzigen Rollenspielrunde als Spieler. Mit einem breiten, fast suizidalen Grinsen auf dem Gesicht zücke ich mein Laserschwert und muss enttäuscht feststellen, dass meine herausragenden Fähigkeiten wohl doch nicht einfach nur daran liegen, dass ich halt ein cooler Hecht bin, sondern dass da auch irgendeine ominöse Macht im Spiel sein muss.

Curima: Nicht zu vergessen natürlich der quasi nur auf dem Sixpack beruhende Rüstungsschutz! Ich hingegen spiele einen mit niedlichen Hörnchen versehenen Kampfmönch, der als einziger übrigens keinen Blaster und kein Lichtschwert, sondern einen Gehstock hat. Immerhin durfte ich den im Endkampf dem bösen Obermotz auch mal über die Hörner ziehen, der Effekt hielt sich allerdings in Grenzen.

Cifer: Hey, dafür wurde dein Zabrak nicht am Ende des Endkampfs nur noch von Spucke und Stimpaks zusammengehalten. Merke: Mit Absorptions- und Verteidigungswerten nahe null sollte man sich die Vorteile des Konzepts “Deckung” nochmal genauer überlegen. Im Übrigen danke an Wacken – der dicke Plastekrug hatte genau die perfekte Akustik für einen blechern klingenden Kel Dor Respirator.

Möge das Würfelglück mit euch sein!

Curima: Die Idee, in den Becher zu reden, stammt übrigens von einem SL aus meiner Oldschool-DSA-Runde. Ehre, wem Ehre gebührt.

Sedef: Schuuuuubrackkkkkkk! Das finstere Monster mit dem Klang eines hohlen Plastikbechers!

Nick-Nack: Für die, die es noch nicht erraten haben: Wir haben die Einsteigerbox zu Star Wars: Macht und Schicksal durchgespielt.

Curima: Genau. Nachmittags gekauft, abends gespielt, so muss das sein. Nachdem ich schon das Einsteigerset von Am Rande des Imperiums sehr gut finde, gefällt mir auch das von Macht und Schicksal. Okay, man hätte, wenn es schon 6 Archetypen gibt, auch alle in die Box packen können und nicht nur 4. Aber dafür finde ich die Auswahl an spielfertigen SC wieder ziemlich gut gelungen. Wie toll das Abenteuer so war und wie gut es sich in 30 Minuten vorbereiten ließ, muss Sedef beurteilen.

Sedef: Das Abenteuer ist gut aufgemacht, richtet sich aber natürlich hauptsächlich an Neulinge, die sich das erste Mal als Spielleiter versuchen. Das trifft auf mich dann doch nicht ganz zu. Insgesamt ist es aber eine schöne Geschichte, die die Helden zusammenbringt und gleichzeitig die Regeln des Systems nach und nach erklärt. Die Stimmung ist dabei weniger tollkühn und mehr mystisch als bei Am Rande des Imperiums, was aber dem Setting entspricht. Mit ein paar kleinen Anpassungen und etwas Musik dazu hatten wir dann aber ein paar stimmungsvolle Stunden Star Wars.

22:00 Uhr

Queery: Wir sind ob verfluchter Münzen in einer Täglich grüßt das Murmeltier-Zeitschleife gefangen und die Runde macht wirklich sehr viel Spaß. Leo blüht sichtlich mit seinem Zwergen-Schamanen auf und hat alle Scheu abgelegt. Der Abend wird noch lang. Wenn ich nur nicht so müde wäre …

03:00 Uhr

Sedef: Am Ende mussten eine Zufallsbegegnung und weitere Erkundungen der Helden ausfallen, damit wir das Abenteuer dann gegen kurz nach 3 Uhr langsam beenden können. Ich habe viel weniger gespielleitet als sonst Samstags, habe einen kürzeren Weg nach Hause und muss nicht mal spezielle Erfahrungen vergeben. Sehr entspannend.

Cifer: Fazit der Runde für mich: Schönes System, es nervt einzig der Flaschenhals im Abenteuer, wo nach großartigem Stimmungsaufbau idealerweise alle Charaktere grad mal eine Machtfähigkeit anwenden müssten, die aber nur in 5/12 Fällen pro Charakter gelingt. Das hätte hübscher gelöst werden können. Die Gruppe voller Machtnutzer spielt sich auch interessant und obwohl ich jetzt nicht rein von der Starterbox aufs volle Spiel schließen möchte, denke ich, dass FFG hier eine sinnvolle Gruppenzusammenstellung ermöglicht.

Curima: Der fiese Möpp der dunklen Seite ist tot, der alte Jedi-Tempel gerettet und fünf aufstrebende Machtbegabte freuen sich über ihre neuen Fähigkeiten. Auch unser fünfter Mitspieler, den wir kurzerhand zu seiner ersten RPG-Runde ever geschleift haben, scheint Spaß gehabt zu haben. Ich bin derweil erstaunt, dass ich überhaupt noch wach bin. Da kann man ja auch noch einen Moment quatschen …

04:00 Uhr

Curima: Da singen Vögel draußen. Und am Horizont zeigt sich ein heller Streifen. Whoops. Nun aber wirklich ins Bett.

Sonntag

9:00 Uhr

Queery: Wir sind diese Nacht in den Schulklassenraum der Drachengruppe übergesiedelt, was die Qualität des Schlafs trotz steigender Temperaturen erheblich verbessert hat. Zeitlich ist er aber einfach viel zu kurz. Da wir uns schon um kurz nach 12 auf den Rückweg nach Berlin machen wollen, habe ich mich doch dazu durchgerungen noch eine Numenera-Einsteiger-Runde selbst zu leiten (Archetypen aus dem Uhrwerk-Magazin hatte ich vorsichtshalber dabei) und versuche das Abenteuer “The Nightmare Switch” mit 3 Spielenden in 3 Stunden über die Bühne zu bringen. Ich fühle mich – nicht als einziger in der Runde, wo ein Spieler überhaupt nicht geschlafen hat – überhaupt nicht fit und darunter leidet auch meine Fähigkeit die Helden das Abenteuer möglichst kreativ selbst gestalten zu lassen. Zu allem Überfluss rede ich auch am Anfang der Runde mal wieder viel zu lange. Aber Numenera ist so einfach, dass ich mir beim Leiten zumindest keinen Kopf über Regelscheiß zerbrechen muss, was mir jetzt erheblich zu gute kommt.

Cifer: 5 Studen Schlaf sind eindeutig genug, also ab zurück auf die Con! Heute stehen hinreichend viele interessante Workshops an, dass ich mir den Sprint zum Aushang komplett spare und stattdessen mit einem belegten Brötchen in der einen und einer Fritz-Cola in der anderen Hand ein wenig zwischen Larpwiese, Uhrwerkzelt, Atelier und sonstigen Räumlichkeiten hin- und hergependelt bin.

Sedef: zzzz….ZZZZZZZ…..zzzzz…..

11:00 Uhr

Cifer: Der Uhrwerkworkshop steht an. So richtig überraschend wird es nicht – Splittermond, Space, Splittermond, Myranor, Achtung Cthulhu, Splittermond – aber das, was so an Projekten in der Planung ist, klingt zumindest gut. Wer noch ein paar Details über den orangefarbenen Teil des Workshops hören möchte, der sei auf das Ende des Conberichts verwiesen.

Curimas Sonntagsfrühstück. Don’t try this at home, kids.

Curima: Irgendwie bin ich dann auch mal wieder wach geworden, auch wenn ich mich doch recht zombie-esk fühle. Heute kein Kaffee im heimischen Wohnzimmer, sondern lieber ein zügiger Aufbruch, damit doch noch etwas Con-Content (Con-tent?) abgefasst werden kann, ehe die Veranstaltung schon wieder vorbei ist. Da es verdammt warm ist und die Sonne scheint, gehe ich erstmal auf die Wiese und schnacke mit einer Freundin, während ich meine einsetzenden Kopfschmerzen mit Wasser, Brötchen und Tabletten vertreibe.

Nick-Nack: Heute wird es Zeit für das schon auf der RPC versprochene Interview mit Erdenstern, wo ich leider nicht die nötige Technik mit hatte. Wir unterhalten uns über Musik im Rollenspiel, alte Projekte und ihre anstehende Konzerttour. Aber auch die Interviews zum Zombiecalypse-Spiel, dem Deutschen Rollenspielpreis und dem Rollenspiel No Return verlaufen sehr interessant. Leider vergesse ich dabei etwas die Zeit und komme 5 Minuten zu spät zur Brückensimulation, so dass mein Platz leider schon von jemand anderem besetzt ist. Schnell noch für den letzten Slot des Tages eintragen! Da ich jetzt überraschend etwas Zeit habe, schlendere ich bei gutem Wetter über die LARP-Wiese und bleibe natürlich wieder in jede Menge Gesprächen hängen.

12:00 Uhr

Cifer: Nächster Workshop: “Der Spaß ist nicht genug”. Lars Schilling führt aus, wie man im Rollenspiel mehr als nur Spaß haben kann und warum man das wollen könnte. Tragödien, Drama, Beziehungen, Dilemmata, Rückschläge und der Tod können allesamt in Runden ihren Platz haben, wenn man sie denn haben will und das dafür notwendige Vertrauen da ist. Das war mir schon halbwegs bekannt, aber bei seinen Ideen zur Ausführung waren noch einige schöne Konzepte dabei. Also, schön für SL und Spieler, weniger schön für Charaktere.

12:30 Uhr

Queery: Zurück im IRE lass ich mir den Fahrtwind um die Nase blasen und mit Musik auf den Ohren fallen mir fast augenblicklich die Augen zu.

Sedef: Aufgewacht, Con-Becher gefunden und gemütlich auf dem Weg zur Con. Noch schnell das letzte belegte Brötchen geschnappt und rüber zur Wiese.

Cifer: Da finde ich mich nach einer Weile auch ein, quatsche ein wenig und beschaffe mir schließlich noch zwei Myranorabenteuer für die wachsende Sammlung.

14:00 Uhr

Curima: Am Himmel ziehen dunkle Wolken auf – Zeit, die Wiese zu verlassen und sich der Heldenreise zuzuwenden. Über diese und das sie thematisierende Buch Die Heldformel referiert nämlich Mike Krzywik-Groß. Tatsächlich hatte ich die Heldenreise eher so als Schlagwort gehört und mich noch nicht ausführlich damit befasst. Umso schöner, das jetzt mal ausführlich und unterhaltsam aufbereitet zu bekommen. Am Ende entspann sich dann noch eine recht interessante Diskussion darüber, inwiefern man die Heldenreise auch bei Serien und im Rollenspiel finden bzw. darstellen kann. Das Buch habe ich dann auch gleich gekauft und mir noch signieren lassen.

16:00 Uhr

Vier alte Hasen, aber nur ein zertifiziertes Urgestein.

Curima: Cifer nebst Freundin, Sedef und ich finden uns im Trollturm ein, wo jetzt die Gesprächsrunde zum Thema Politik in der Fantastik stattfindet. Mit Lena Falkenhagen, Thomas Römer, Hadmar von Wieser und Lars Schmeink sind vier sehr spannende und wortgewaltige Gäste auf dem Podium, deren Diskussionslust von Moderator Marco Ansing trotzdem in geordnete Bahnen gelenkt werden kann. Es stellt sich raus, dass die Diskussion auf einem Artikel bei Tor Online basiert, den ich sogar gelesen habe. An dem Panel habe ich eigentlich auch nur eins zu meckern: Eine Stunde war viel zu kurz!

Sedef: Mehr Beschwerden habe ich auch nicht. Sehr gute Redebeiträge, interessante Diskussion zu wichtigen und immer (noch) aktuellen Themen. Dazu dürfte sich eigentlich auch jeder DSA-Fan freuen, Lena Falkenhagen, Thomas Römer und Hadmar von Wieser in einer Diskussionsrunde zu sehen. Einige DSA- und Splittermond-Beispiele kamen auch durchaus auf.

Cifer: Und Workshop Nummer 3 des Tages – durchaus ein krönender Abschluss, nach dem die Panelisten leider viel zu schnell (also schon 30 Minuten nach offiziellem Ende des Workshops) den Raum verlassen haben, statt noch eine weitere Stunde mit uns zu diskutieren. Sauerei! Vor dieser unrühmlichen Flucht wurde aber munter über Zensur, Repräsentation, Political Correctness und reaktionäre Fantasy debattiert.

Curima: Das Thema Diversität liegt mir ja ohnehin am Herzen, und die Frage, was die Fantastik auf dem Weg zur Weltverbesserung so leisten kann, ist durchaus spannend. Das fängt bei Sprache an (so wurde z. B. die Frage diskutiert, ob man aus Astrid Lindgrens „Negerkönig“ in Pippi Langstrumpf nun einen „Südseekönig“ machen sollte oder nicht), geht bei der Diskussion um die dunkelhäutige Hermine aus dem neuen Harry-Potter-Theaterstück The Cursed Child weiter und hört beim Whitewashing in Hollywoodfilmen noch lange nicht auf. Mir fällt dabei mal wieder auf, dass ich DSA schon sehr dafür mag, dass es seit Anbeginn Gleichberechtigung in Aventurien eingeführt hat. Auch die erwähnten dunkelhäutigen Zwerge in Splittermond klingen nach einer längst überfälligen Spezies. Jedenfalls geht es im Panel durchaus auch kontrovers zu und es ist sehr spannend, der Diskussion zuzuhören, auch wenn ich innerlich auf dem Sitz auf- und niederspringe, weil es noch SO VIEL ANDERES mehr zu erwähnen gäbe. Ich erwähnte, dass das Panel viel zu kurz war, ja? Auch hier wurde übrigens gefilmt – ich hoffe sehr, dass es das Panel irgendwie ins Internet schafft.

Nick-Nack: Währenddessen habe ich es jetzt endlich zur Brückensimulation geschafft und nehme den Posten als Kommunikationsoffizier ein. Die ersten paar Minuten sind noch langweilig – eigentlich nur einmal auf Anweisung des Captains per Mausklick eine Dockinganfrage an die nächste Raumstation stellen – aber als mir klar wird, dass das Headset, dass ich da auf dem Kopf habe, nicht Meldungen des Spiels vorliest, sondern mich mit den Kommunikationsoffizieren der anderen drei Schiffe hier auf der Con verbindet, wird es richtig cool. Unser Captain ernennt sich kurzerhand zum Admiral der Flotte, und auf einmal habe ich alle Hände voll zu tun: “HMS Courageous an Flotte, sofort in Sektor D2 versammeln und Feind H24 anvisieren!” Nächstes Jahr werde ich hier sicher mehr Zeit verbringen, und vielleicht auch das eine oder andere Einhorn für die Crew shanghaien.

18:00 Uhr

Nick-Nack: Das letzte Feindschiff ist besiegt, die Brücke wird langsam abgebaut und auch für mich wird es Zeit, meine Karriere bei der Sternenflotte nochmal zu überdenken und mich auf den Heimweg zu begeben. Noch schnell von ein paar Leuten verabschiedet, Gepäck abgeholt und ab geht’s in den Zug. Aber kaum steige ich ins Abteil, stelle ich fest: Huch, die kennst du doch! Und so wird die Zugfahrt noch für ein paar spannende Gespräche mit Lena Falkenhagen und einen kurzen Rollenspielbekehrversuch bei dem älteren Ehepaar, das auch im Abteil sitzt, genutzt.

Curima: Und, wie verlief der?

Nick-Nack: Ich fürchte, sie bleiben erst einmal bei Oper und klassischer Literatur. Aber vielleicht mit einem Tolstoi-Rollenspiel…?

Curima: Hört ihr das, Rollenspiel-Verlage? Die Marktlücke “Rollenspiele für Rentner” hat sich aufgetan! Ran ans Werk! Okay, alternativ kann man noch 10-15 Jahre warten, dann hat man auch mit den regulären Rollenspielern vermutlich geng Kunden im Rentenalter.

19:00 Uhr

Kann es eine echte Con ohne einen echten Conbecher geben? Diskutieren Sie!

Curima: Die Wohnung ist seltsam leer, im Kühlschrank liegt ungewöhnlich viel Fritz-Kola, neue Rollenspielprodukte stehen im Schrank und eine zunehmende Müdigkeit setzt ein: Es muss wohl eine Rollenspielcon vorübergegangen sein. Da eine Heimreise zum Glück entfällt, gibt es Sushi und einen ruhigen Abend vorm Fernseher.

Cifer: 19:15 fuhr dann auch unser Bus gen Berlin. Also, hätte gefahren sein sollen. Wegen eines Unfalls kurz vor Hamburg verspätete er sich dann aber eine Weile. An Bord hörten wir noch eine Folge Spätfilm-Podcast, in der am Beispiel von Hunger Games, Mad Max, The Force Awakens und Rogue One über Actionheldinnen des modernen Kinos geredet wurde, unter anderem auch von einer gewissen Curima. Sehr zu empfehlen. Dass ich ein-, zweimal weggenickt bin, hatte eher mit den drei Tagen zuvor zu tun.

21:30 Uhr

Nick-Nack: Zurück in Berlin werden noch schnell die Aufnahmen auf dem PC gesichert und die Nachrichten in den einschlägigen Foren aufgeholt, dann geht’s ab ins Bett. Bis spätestens nächstes Jahr, Hamburg! 🙂

22:30 Uhr

Cifer: Berlin hat uns wieder und empfängt uns gleich noch mit einem Regenschauer. Nach dem schwülen Sonntag nicht unwillkommen, aber der Heimweg ist zum Glück kurz und dann fallen wir doch fix ins Bett.

DSA im Nord(Con)-Licht

Queery: Naja und DSA auf der NordCon? Müssten wir da als DSA-Projekt nicht auch was zu schreiben? Mein Eindruck war ja, dass es weiter wenig DSA-Runden gab. Myranor hab ich einmal gesehen, Tharun gar nicht und den Rest haben sich Aventurien 4.1 und 5 ungefähr ⅓ zu ⅔ geteilt. Vielleicht halten es viele DSA-Spielende wie ich, dass sie, wenn sie schon sonst die ganze Zeit DSA spielen, auf Conventions gern Anderes ausprobieren. Aber bei Leo beispielsweise merke ich schon, dass diese Abwesenheit von DSA für Neueinsteigende den Effekt hat, dass erstmal andere Systeme im Vordergrund stehen und DSA gar nicht mehr diese Platzhirsch-Stellung innehat, an der man irgendwie nicht vorbei kommt. Vielleicht braucht es langfristig da wieder mehr Präsenz um bei neuen Generationen nicht an Bedeutung zu verlieren.

Sedef: Das entspricht ungefähr meinem Eindruck: Einzelne 4.1- und Myranor-Runden habe ich gesehen, ein Mitglied des Ulisses-Demo-Teams hat wacker auch in Abwesenheit des waldemser Verlags ein paar Runden DSA5 präsentiert. Dazu gab es zumindest eine DSA3-Runde und Nick-Nacks Erzählregeln. Vielleicht schafft Tharun es ja im nächsten Jahr. Und vielleicht meldet sich ein Freiwilliger, der drei Tage und zwei Nächte lang am Brett steht und die DSA-Runden für unsere statistische Auswertung zählt? Insgesamt sind auf der NordCon aber derart viele verschiedene Systeme zu sehen, dass DSA da dieses Jahr nicht groß herausstach. Im Vorjahr war DSA noch das häufigste der insgesamt 55 gespielten Rollenspielsysteme (die Statistik gibt’s hier), mal abwarten ob es auch dieses Jahr wieder so eine Auswertung gibt. Bei den Verkaufsständen ist DSA so oder so auch ohne den F-Shop an vielen Ständen zu kriegen, dazu gibt es Myranor-Produkte natürlich im Uhrwerk-Zelt.

Curima: Bei mir trifft Queerys Vermutung auf jeden Fall zu – ich will auf Cons gar nicht DSA spielen, das mache ich ja sonst schon fast jedes Wochenende. Von daher habe ich also auch gar nicht nach DSA-Runden gesucht, auch wenn ich dann ja doch noch zur Erzählregelrunde dazugestoßen bin. Aber das war ja auch was ganz anderes als das Spiel in meiner normalen Spielrunde. Dass die Anzahl der angebotenen Runden eher niedrig war, ist mir aber auch aufgefallen.

Nick-Nack: Soweit ich weiß, waren es zwei offizielle Supporter, einer, der als Privatperson da war und dann noch ein paar Privatpersonen, die DSA angeboten haben. Wenn ich da an letztes Jahr zurückdenke, wo sogar noch ein di-paralleles Abenteuer angeboten wurde, ist das fast nichts. Und sonst waren leider auch keine Gesichter von Ulisses zu sehen. Der Uhrwerk-Verlag war mit Myranor aber wie immer gut vertreten und stets für ein Schwätzchen bereit.

Netter Versuch, aber auch hinterm Laptop verstecken hilft nicht gegen info-dürstige Fans!

Cifer: Wo Nick-Nack hier schon das Stichwort gibt: Mit Myranor 5 geht’s voran. Aktuell laufen gerade noch ein paar Abstimmungen zwischen den Verlagen. Das Grundregelwerk soll auf jeden Fall noch dieses Jahr erscheinen, danach plant man sich in Grundzügen an das aventurische Muster zu halten, also (in möglicherweise anderer Reihenfolge) Almanach, Bestiarium, Rüstkammer, Magie und Götterwirken. Ein paar Unterschiede: Es wird nur je einen Band zu Magie und Götterwirken geben, die dafür vermutlich dicker ausfallen als ihre aventurischen Pendants, eine einheitliche Seitenzahl wird nicht angestrebt. Die Bücher werden weniger ins Detail gehen, sondern myranortypisch allgemein bleiben und nur an passenden Stellen einzelne Beispiele herausgreifen; ansonsten gilt “Mut zur Lücke”. Dabei wird stärker als im aventurischen DSA zwischen Regel- und Nichtregelbänden getrennt. Abenteuer werden aufgrund der Auflage wohl weiter schwarzweiß bleiben, bei den Regelwerken hält hingegen Tschas Farbenpracht Einzug.

Fazit

Nick-Nack: Die NordCon ist und bleibt jedes Jahr eines der Rollenspiel-Highlights, nicht nur, weil sich hier eine bunte Mischung an Spielerinnen und Spielern zusammenfindet, mit denen man auch einmal neue Systeme ausprobieren kann, sondern auch, weil das Rahmenprogramm eben deutlich mehr bietet als nur Rollenspielrunden. Wenn man gerade keine gute Runde findet, spielt man halt ein wenig bei der Zombiecalpyse mit, unterhält sich an einem der vielen Stände oder leiht sich ein Brettspiel aus. Und dank des Deutschen Rollenspielpreises gibt es auch jede Menge Stars und Sternchen der Branche, mit denen man sich hier austauschen kann.

Queery: Als ehemaliger Hamburger ist die Nordcon schon lange im Programm, auch wenn ich als punkiger Schüler zu meinen DSA-Anfängen doch eher draußen vorm Hamburg-Haus rumgehangen bin, weil ich mir die Paar Mark Eintrittspreis nicht leisten konnte. Heute ist die Nordcon meine Lieblings-Con. Mein Geldbeutel bleibt geschont, aber vor allem gefallen mir die angenehmen Besucher/innen. Viele Gewandete und vor allem viel Heterogenität, bei der ich für eine Rollenspielveranstaltung überraschend wenig negative Ausfälle in meinen Runden erlebt hab. Dieses Jahr war mit Nachwuchsbegleitung mal ein neues Erlebnis und ich – genauso wie Leo – können der Con das Siegel kinderfreundlich verpassen. Wie schon auf anderen Conventions in diesem Jahr hatte ich den Eindruck, dass sich das Verhältnis von Spielrunden-Suchenden zu Spielleitungen verschlechtert. Da wär mein con-unabhängiger Aufruf: Leute, leitet mehr! Aber auch wenns grad keine passende Runde gibt, finde ich auf der Nordcon immer was zu tun.Toll.

Curima: Abgesehen von der Tatsache, dass ich bei der NordCon in meinem eigenen Bett schlafen kann und blöde Anfahrtswege entfallen – was die Veranstaltung natürlich weit oben auf meiner Con-Hitliste landen lässt – bin ich jedes Jahr wieder angetan davon, welch bunte Mischung sich auf der NordCon herumtreibt. LARPer, Juggerspieler, Autoren, Händler, Rollenspieler, Tabletopper, Brettspieler und Leute, die das ganze Wochenende mit Nerfguns auf Zombies schießen: Diese große Vielfalt ist einfach einzigartig und macht die NordCon auch insgesamt zu meiner liebsten Convention. Diese spezielle NordCon 2017 hat mir noch ganz besonders gut gefallen, denn ich hatte drei wirklich coole Spielrunden (danke auch nochmal an Nick-Nack und Sedef fürs Leiten!) und habe drei tolle und interessante Workshops besucht. Gerade das Panel zur Politik in der Fantastik war ausgesprochen gut und ich würde mir solche Diskussionsrunden über grundsätzliche Themen auch für die nächsten Jahre wieder wünschen. Auch sonst habe ich nichts zu meckern – Essen und Getränke gab es ausreichend und zu fairen Preisen, die Tische standen immer da, wo man sie gesucht hat und die Orga schien alles im Griff zu haben. Also danke an ebenjene, weiter so und bis nächstes Jahr!

Sedef: Viel Spaß hat’s gemacht, nächstes Jahr schaffe ich es hoffentlich auch wieder zum Zombie-Schießen. Den Deutschen Rollenspielpreis, der hier verliehen wurde, sollten wir aber auch nicht vergessen: Glückwunsch an Metal Heroes und Shadowrun Datapuls ADL. 7.000 Besucher sind für so eine Con eine ziemliche Hausnummer: Spieler aus Pen&Paper, Larp, Tabletop, Brettspiel, Jugger, Musik und vielem mehr haben es mit neugierigen Besuchern wieder zu einer sehr bunten Con gemacht. Trotzdem haben Organisation und Verpflegung super funktioniert: Von diesem Konzept könnten sich einige andere Cons durchaus noch etwas abschauen.

Cifer: Was soll man da hinzufügen? Schade war höchstens, dass die Zahl der Ambientelager auf der Larpwiese deutlich abgenommen hat, was aber auch daran liegen mag, dass wohl in unmittelbarer zeitlicher Nachbarschaft einige “echte” Larpcons angesiedelt waren. Speziell im Orgabereich merkt man, dass die NordCon zu den altehrwürdigen in Deutschland gehört, wo man die ganzen Kinderkrankheiten mittlerweile einfach durch hat und die meisten Herausforderungen routiniert gemeistert werden. Und auch bei den Gästen ist mir eigentlich niemand sonderlich nervig oder störend aufgefallen. Insofern auch meinen Dank an alle Organisatoren, Helfer, Panelisten, Spielleiter, Spieler und alle anderen! Wir sehen uns nächstes Jahr!

Mehr zur NordCon im Limbus

  • Einen kurzen Videobericht gibt es beim Hamburg Journal
  • Verschiedene Videomitschnitte aus den Workshops gibt es im YouTube Kanal von Faktor13
  • Mike Krzywik-Groß hat seine Eindrücke von der Con in einem Blogeintrag verarbeitet
  • Einen weiteren Blogeintrag über die NordCon findet ihr bei Thorsten spielt Rollenspiel
  • Zum Schluss sei hier auch noch die offizielle Homepage der NordCon verwiesen, auf der ihr auch Berichte, Fotos und hoffentlich auch zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Spielrundenauswertung findet.
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3 Antworten zu NordCon 2017 – Bändchen, Becher, Bechdel-Test

  1. Grabstein sagt:

    Obwohl überhaupt kein Con-Gänger, lese ich Eure Berichte immer gerne und nehme etwas mit. Hier vor allem : Hadmar-Video gucken, Beyti nachkochen und auf einen Bericht zur Politik in der Fantastik freuen. Danke Einhörner!

  2. Danke für den ausführlichen und abwechslungsreichen Bericht. In der Form hatte ich so etwas noch nicht gelesen, cool.

    Ihr habt ja richtig viel gespielt. Ich war von der Menge an angebotenen Runden prinzipiell auch sehr gefläscht.

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