Interview mit Thomas Echelmeyer

[Nach langer Zeit wollen wir unserer in letzter Zeit grob vernachlässigten Interviewsparte mal wieder etwas Leben einhauchen. Den Anfang macht ein eher neues und vermutlich auch relativ unbekanntes Gesicht: Thomas Echelmeyer. Dem aufmerksamen Con- bzw. Messebesucher ist vielleicht der bärtige Herr, der unter anderem mit der Organisation der Demorunden betraut ist, schon aufgefallen. Wenn er nicht gerade auf Cons ist, hat unter Umständen auch der eine oder andere schon mit ihm gemailt, sein Posteingang ist nämlich unter anderem die Feedbackadresse von Ulisses. Den Rest darf er aber selbst erzählen, bevor wir hier zu viel vorweg nehmen.

Thomas EchelmeyerNandurion: Hallo Thomas! Vielen Dank, dass Du Dich bereit erklärt hast, uns ein paar Fragen zu beantworten. Zum Anfang gleich der Klassiker: Wer bist Du?

Thomas: Thomas Echelmeyer, ich gehe schweren Herzens auf die 40 zu und bin Rollenspieler.

Nandurion: Wo kommst Du her?

Thomas: Ich komm´ zum Glück aus Osnabrück. Vor fast 10 Jahren hat es mich nach Bonn verschlagen und jetzt arbeite ich im Taunus.

Nandurion: Wie oft musst du deinen Nachnamen buchstabieren, wenn du dich irgendwo vorstellst?

Thomas: Lustige Frage. Das wichtigste bei meinem Namen ist, dass es kein “i” darin gibt. 😉 Normalerweise reicht einmal buchstabieren, wenn ich das nicht mache, kommen wirklich lustige Ergebnisse heraus…

Nandurion: Zum Beispiel?

Thomas: Es gibt da nichts, was nicht schon passiert wäre. Bis hin zum Blechheimer. Am häufigsten sind aber die Varianten von -meier, -maier, -mayr, majar, uvm.

Nandurion: Wie bist Du zu Ulisses gekommen?

Thomas: Ich war ein paar Jahre lang mit den Würfelmeistern auf Cons und Messen unterwegs. Dann gab es letztes Jahr die Ausschreibung meiner jetzigen Stelle auf der Ulisses-Homepage, ich schickte eine Bewerbung, es gab ein Telefoninterview und ein Vorstellungsgespräch und jetzt bin ich hier. Die Stelle war einfach wie maßgeschneidert für mich.

Nandurion: Ich bin stinknormaler DSA-Spieler – was tust du für mich?

Thomas: Ich betreue zum Beispiel bei uns die öffentliche E-Mail-Adresse feedback@ulisses-spiele.de und verteile die Mails, die da rein kommen an die richtigen Ansprechpartner. Romanvorschläge gehen an einen anderen Redakteur als Abenteuerideen oder Regelfragen. Außerdem versuche ich die Kollegen an ausstehende Antworten zu erinnern, damit du auch eine Antwort auf deine Frage bekommst. Ich leite auch die Post zu Veränderungen an Abonnements des Aventurischen Boten weiter. Außerdem organisiere ich das Demoteam, versorge die mit spielbarem Material, verteile, organisiere und koordiniere mit den verschiedenen Con-Orgas.

Nandurion: Und was tust du sonst so bei Ulisses?

Thomas: Mir wurde auch der Versand von Rezensions- und BelegexeUlisses-Logomplaren übertragen. Außerdem bin ich im Verlag so ein bisschen der Springer oder die Universalwaffe. Ich halte den Kollegen den Rücken frei, damit die sich um ihre Hauptaufgaben kümmern können.

Nandurion: Was heißt in dem Fall den Rücken freihalten?

Thomas: Die Kollegen haben wichtige Aufgaben, die mit dem Entstehen neuer Produkte zu tun haben. Sie konzeptionieren, schreiben, überarbeiten, redigieren, korrigieren, diskutieren, illustrieren, organisieren, gestalten, vertreiben uvm. Diese Aufgaben sind vielfältig, anspruchsvoll und erfordern sehr viel Konzentration. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sie sich voll darauf konzentrieren können und möglichst wenig von diesen Aufgaben abgelenkt werden. Daher habe ich sozusagen den Aufgabenbereich “Sonstiges” übernommen.

Nandurion: Wir haben Dich ja letztes Jahr kurz auf der Spiel in Essen getroffen, wie gestaltet sich sonst der Kontakt mit den Fans?

Thomas: Ich beantworte sehr viele E-Mails, sowohl an mich, wie auch an Ulisses im Allgemeinen. Außerdem liebe ich den Meta-Talk, also dieses Quatschen über Rollenspiele, Ideen, Konzepte, Varianten usw. Ich bin im letzten Jahr auf mehr als einem Dutzend Conventions im In- und Ausland gewesen. Da trifft man eine Menge Fans und Mitspieler.

Nandurion: Du bist ja auch selbst Rollenspieler und Videoblogger mit eigenem Youtubechannel, wie Du uns schon verraten hast. Und wenn man sich mal ein paar Videos von “dem Reh” anguckt, dann bist Du ja in erster Linie Systemsammler, richtig? Wieviele Systeme hast Du zu Hause im Schrank stehen und was davon spielst du regelmäßig?

Thomas: Das ist nicht mein Channel. Der Channel gehört Dani und ich habe da nur eine kleine Video-Kolumne. In dieser Kolumne stelle ich Rollenspiele vor, die der eine oder andere vielleicht nicht kennt. Entstanden ist die Kolumne aus einem Vortrag, den ich ein paar Mal auf Cons gehalten habe. Da habe ich auch diese Systeme vorgestellt und das war immer sehr lustig. Als Sammler möchte ich auch etwas mit meiner Sammlung anfangen und so zeige ich den Rollenspielern da draußen, wie vielfältig unser Hobby sein kann. Statt einen Roman zu lesen, lese ich halt manchmal einfach ein Rollenspiel. Da ich Sachen zu Hause habe, die viele Rollenspieler vielleicht schon mal gesehen haben, die wenigsten aber besitzen, gelesen oder gespielt haben, stelle ich diese Sachen eben vor. Ich habe über 500 Rollenspiel-Grundregelwerke im Schrank stehen, aber komme leider, wie jeder berufstätige Mensch, nicht dazu, so viel zu spielen, wie ich gern würde.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre es eine knüppelhart taktische Runde in einem kontemporären Setting als One-Shot oder wieder eine langlaufende Kampagne auf die man sich jede Woche freut.

Nandurion: Als jemand, der viele Systeme zumindest mal angespielt hat: Was braucht ein Rollenspiel, um dich anzusprechen? Geht es da eher um die Welt oder die Regeln?

Thomas Echelmeyer Spiel 2015Thomas: Die passende Gruppe. Das ist eigentlich die einzige Anforderung, die ich habe: wenn die Gruppe Lust auf das System und das Setting hat, dann wird auch das Spiel spaßig. Es gibt Rollenspiele, die mit einem Minimum an Regeln und einer zweizeiligen Weltbeschreibung Spaß machen. Wenn die Spielgruppe Bock hat und in Stimmung ist, dann ist die Systemauswahl sekundär. Manchmal kann man einer Gruppe, in der der Spielspaß nicht mehr so gegeben ist, ganz einfach anraten, einfach mal etwas völlig anderes zu spielen, auch wenn es nur vorübergehend oder nur für einen Abend ist.

Es gibt kaum eine vorstellbare Welt, die nicht mittels eines Rollenspiels bespielbar wäre und es gibt Regelsysteme, die so ausgefuchst sind, dass die Ergebnisse großartig sind. Man muss es einfach mal ausprobieren. Das ist wie beim Autokauf: erst nach der Probefahrt weiß man, wie es sich so spielt.

Daher ist es vielleicht eine gute Idee, sich erst eine Gruppe zu suchen und dann, mit der gesamten Gruppe, zu entscheiden, welches System man spielen will. Test- und Demospiele gibt es auf zahlreichen Conventions und Messen… 😉

Nandurion: Was ist Deine Systeme-Rollenspiel-Top3? Und was ist das Verrückteste, was Dir  bisher untergekommen ist?

Thomas: Meine Top3 kann ich nicht benennen. Dafür gibt es einfach viel zu viele wirklich coole Rollenspiele. Wonach sollte ich das auch beurteilen? Welche Kriterien sollte ich anlegen? Ich kann dir sagen, dass ich in unterschiedlichen Runden schon mit ganz vielen Systemen Spaß hatte und der Spielspaß ist das einzige Kriterium, das wirklich zählt.

Das Verückeste, was mir bisher untergekommen ist, dürfte Psychosis von Charles Ryan sein. Jeder Spieler spielt einen psychotischen Charakter, der die Umgebung und die Welt anders wahrnimmt. Ziel der Spieler ist es, die Charaktere zur wahren Welt zurück zu führen, ohne zu wissen, wie die aussieht. Wir konnten das nur mit einem Spielleiter pro Spieler spielen. Dicht gefolgt wird das von Das Land Og.

Nandurion: Und welches System spielst Du in letzter Zeit am häufigsten?

Thomas: In letzter Zeit (also so die letzten Jahre) habe ich viel Pathfinder gespielt. Derzeit spiele ich in einer wöchentlichen Runde immer noch Pathfinder, aber das haben wir auf Science-Fiction umgebaut. Wir haben also Pathfinder-Regeln angewandt auf Raumkämpfe, Laserwaffen, Hacking uvm. Da sind knapp 600 Seiten zusätzliches Material entstanden. Unser Spielleiter leistet da sehr viel. Veröffentlichen kann man das nicht, weil das aus einem Dutzend Systeme zusammengeklaut ist. Für den privaten Gebrauch ist das aber großartig!

Interview-Verfolgung-Einhörner-Nandurion: Wir sind Nandurion, natürlich müssen wir fragen: Spielst Du auch DSA?

Thomas: Ich habe sehr lange DSA gespielt, das war aber zu Zeiten des Übergangs von der zweiten zur dritten Edition. Da habe ich eine mehrjährige Kampagne in einer festen Runde gespielt. Das war großartig und ich erinnere mich immer noch gern daran. Die vierte Edition habe ich nur ein paarmal gespielt. Auf die 5. Edition habe ich große Lust, habe die aber erst ein paar Mal ausprobieren können.

Nandurion: Was war das für eine Kampagne? Was selbst geschriebenes?

Thomas: Die war vom Meister komplett selbst geschrieben. Er hat den offiziellen Hintergrund bis zu einem bestimmten Aventurischen Boten verwendet und von da an, seine Kampagne entwickelt. Teilweise wurden noch Elemente aus dem offiziellen Metaplot eingeflochten, aber das meiste war damit nicht vereinbar.

Nandurion: Was gefällt Dir an DSA? Und was nicht so?

Thomas: Mir gefällt der riesige Umfang des Hintergrundmaterials. Ich habe große Hochachtung vor den DSA-Fans, die sich in der Historie, Geografie, Magie, Religion, etc. auskennen. Das ist ein Wissensumfang, den manch ein Studienabsolvent nicht intus hat. Die Welt Aventurien ist eine tolle Spielwelt und ich kenne keine andere, die so intensiv gepflegt wird.

Was gefällt mir nicht so gut? Eigentlich ist das auch der riesige Umfang des Hintergrundmaterials. Wenn ich mir überlege, was ich für einen Recherche-Aufwand betreiben müsste, um ein DSA-Abenteuer zu schreiben ohne dabei irgendwelche Angaben aus einer der Publikationen zu verletzen, dann ist das schon einschüchternd. Zum Glück habe ich jetzt eine Redaktion im Kollegenkreis und zum Glück gibt es die DSA-Fans, die sich auskennen und sich nicht so einschüchtern lassen.

Nandurion: Bist Du eher der Spielleiter oder eher Spieler?

Thomas: Ich bin viel viel lieber Spieler.

Nandurion: Was ist Dein persönlich peinlichster Rollenspielmoment?

Thomas: Als in einer Vampire-Runde mein Nosferatu erschossen wurde, beim Versuch einen Sack Zement zu klauen… Das war selten dämlich…

Nandurion: Das Dunkle munkelte uns, dass Dein Chef zu Dir gesagt haben soll, Du würdest Dir ein neues Hobby suchen müssen. Magst Du uns noch mal erklären wie es zu der Aussage kam? Und? Musstest Du? Und was wäre für Dich ein Alternativhobby?

Thomas: Naja, wenn man sich professionell den ganzen Tag mit einem Thema beschäftigt, dann kann es passieren, dass man dessen überdrüssig wird (was für ein schöner, altmodischer Ausdruck…). Davor hat Markus mich, als verantwortungsvoller Chef, gewarnt. Bislang kann ich aber nicht feststellen, dass ich weniger Lust auf Rollenspiele hätte, als zuvor. Sollte das jemals passieren, wende ich mich dem Tabletop zu. 😉

Nandurion: Dann sind wir auch schon beim Endspurt. Vier kurze Fragen:

Nandurion: Ich wollte schon immer nach Waldems ziehen weil…

Thomas: …die Zombie-Apokalypse hier erst mit ein paar Wochen Verspätung ankommt und dann unverrichteter Dinge weiterzieht.

Nandurion: Sitzungspraxis: Sandbox oder Railroading/Storytelling?

Thomas: Das spielt keine Rolle, beides kann Spaß machen. Wie gesagt: ich bin nicht auf ein Spielkonzept festgelegt und habe auch keine Präferenz. Das Ziel sollte der Spielspaß sein.

Nandurion: Kettenbikini oder Vollplatte?

Thomas: Egal, Werte habe ich für beides… 😉

Nandurion: Süß oder Salzig?

Thomas: Bitte erst salzig, danach dann süß

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für uns genommen hast.

Über Wölkchen

Das Wölkchen ist seit 1993 leidenschaftliche Aventurierin mit einer kleinen Vorliebe für Al’Anfa, das Mittelreich und die Elfen. Die größte Stärke von DSA liegt ihrer Meinung nach in der lebendigen Welt und dem dichten Hintergrund.
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2 Kommentare zu Interview mit Thomas Echelmeyer

  1. Josch sagt:

    Ein zweifaches „Dankeschön“ – einmal für das Wiederbeleben der Interviewsparte, und einmal für das informative Interview.

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