Dreieich-Con 2012: Erste Impressionen

Sonntagabend, 20.15 Uhr. Eigentlich Zeit für den Tatort, würden viele Deutsche meinen. Normalerweise gehöre auch ich dazu, aber heute sind meine Eindrücke vom Wochenende der DreieichCon in – oh Wunder – Dreieich noch zu frisch, als dass meine Finger still stehen könnten. Ich will allen lieben Lesern des Blogs also noch heute Abend einen Überblick über die Geschehnisse der vergangenen zwei Tage geben. Für mich war dieser Con ein bisschen stressig, weil ich als einzig anwesende berichterstattende Nanduriatin mit ständig gezückter Feder von Workshop zu Workshop gewetzt bin. Naja, wenn ich ehrlich bin, habe ich den Raum kaum verlassen. Schließlich war das Programm vollgepackt mit interessanten Themen zu Entwicklungen rund um Aventurien, Myranor und Uthuria. Sogar einen Workshop von Florian Don-Schauen über verschiedene Spielstile und Spielertypen beim Rollenspiel habe ich noch mitnehmen können. Höchst interessant, kann ich da nur sagen. Aber nun denn, zur Sache.

Um 9.25 Uhr am Morgen parkt mein Auto endlich auf einem der letzten verfügbaren Parkplätze. Es scheint voll zu sein. Dieser Eindruck bestätigt sich schon am Eingang, den zu dieser frühen Stunde (es ist gefühlte 4.00 Uhr nachts!) bereits gute 100 Leute bevölkern. Einlass ist erst ab 10 Uhr, es wird also brav gewartet. Ich komme schon früher rein und habe so Zeit, mir erst einmal einen Überblick zu verschaffen, bevor die Massen die Halle stürmen werden. Sieht wie immer sehr ansprechend aus. Es gibt Stände von Ulisses, dem Uhrwerk Verlag, Pegasus, von Alles für den Helden und noch ein paar weiteren Verlagen und Shops. Ich will hier niemanden vergessen, aber die genannten waren für mich am präsentesten. Und immerhin ist das ja ein subjektiver Con-Bericht. So weit, so gut. Die zahlreichen Tabletop-Tische stehen natürlich bereits in Reih und Glied und werden auf die bevorstehenden Spiele, Meisterschaften und Proberunden vorbereitet. Was mir auffällt: Die Organisation ist perfekt. In den Workshopräumen gibt es für die Vortragenden kühles Wasser zur Erfrischung, Einweiser zeigen den interessierten Besuchern den Weg zum richtigen Raum und auch schon vor der offiziellen Eröffnung gibt es den heiß begehrten Kaffee in der Con-Tasse.

10 Minuten nach 10.00 Uhr ist die Halle übrigens tatsächlich voll. Ich verkrümele mich zum ersten Workshop, um Marc Jenneßen und Alex Spohr bzw. ihren Ausführungen zum Tempelband zu lauschen. Ob der frühen Stunde haben sich auch nur einige wenige Con-Besucher eingefunden. Um genau zu sein: zwei (einschließlich meiner Wenigkeit). Nichtsdestoweniger sind die Ausführungen der Vortragenden interessant. Der Tempelband ist demnach ein Werk, das das aventurische Götterpantheon in seiner derischen Verehrung näher erläutern soll. Geplant (und wohl bereits realisiert) sind je zwei Tempelbeschreibungen pro Gottheit. Dabei handelt es sich um einen großen Tempel und einen kleinen Schrein, einen fahrenden Wanderprediger oder Ähnliches. So soll ein ausgewogenes Mischungsverhältnis zwischen bedeutenden Kirchenstätten und liebevoll geführten kleinen Gotteshäusern gewahrt werden. Klingt für mich überzeugend. Des Weiteren sind für alle beschriebenen Tempel Karten entworfen worden, die das Spiel zusätzlich beleben sollen. Im allgemeinen Teil des Bandes soll es demnach auch spezielle Liturgien und eventuelle neue klerikale Professionen geben, die Aventurien für den Spieler noch vielfältiger machen. Übrigens: Wo die Zwölfe sind, ist auch der Dreizehnte nicht weit. Dem namenlosen Gott wird im Tempelband selbstverständlich auch der verdiente Platz eingeräumt, und zwar in der Beschreibung einiger Kulte, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber alle dem Güldenen huldigen.

An dieser Stelle hat mich Boron für ein Weilchen in sein (temporäres) Reich geholt, weswegen ich Eevie Demirtels Workshop zum Thema Regeln vs. Epik leider verpasst habe.

Weiter geht es nach einer kleinen Stärkung (mjamm … die Verköstigung ist gut und günstig) mit dem bereits erwähnten Workshop von Florian Don-Schauen. Der Raum ist voll, die Stühle sind belegt. Hier gilt es zunächst, einen individuellen Fragebogen zum eigenen Spielverhalten auszufüllen. Anhand der Auswertung kann ich nun sagen: Ich bin eine Theater-Spielerin mit Hang zum Simulationismus. Taktik liegt mir nicht. Nun denn, der Vortrag ergießt sich derweil in ausschweifenden Ausführungen zu den einzelnen Spielertypen. Als Wichtigste genannt seien hier die stillen Genießer, die Problemspieler, die Monstermetzger, die Regellückensucher und viele mehr. Einen interessanten Buchtipp konnte ich auch noch abstauben: Robin D. Laws Gutes Spielleiten. Das Buch ist gerade auf Deutsch erschienen und sicher einen Blick wert.

Und weiter geht es … zur Ulisses-Fragestunde! Auch hier ist es gut gefüllt. Ich bekomme keinen Sitzplatz, weil ich mich verquatscht habe. Egal. Die Fragen der Teilnehmer kreisen zu Beginn hauptsächlich um die bald erscheinende Gareth-Box und einen eventuellen Kurzgeschichtenband, zu dem aber noch nichts Näheres bekannt gegeben worden ist. Eine erfreuliche Aussage: Es gibt einen Index in der Box, der das Suchen leicht machen wird. Darüber hinaus steht das ganze Werk im Kontext von Licht und Schatten in der größten Metropole Aventuriens. Dies bedeutet nicht nur die ausführliche Beschreibung von Recht und Ordnung, sondern auch die der Unterweltbanden und anderer Machenschaften, die hier nicht weiter erwähnt werden sollen. Zum Kriegerband gibt es ein kleines Schmankerl seitens des Verlages: Der im ersten Halbjahr 2013 erscheinende Band, der alle Kriegerakademien Aventuriens beschreibt, soll von einem PDF begleitet werden, das einen Download der Kriegerbriefe der einzelnen Institute möglich macht. So kommt noch mehr aventurisches Flair an den Spieltisch. Außerdem ist eine Errata zu Elementare Gewalten vorgesehen.

Unglaublich, aber wahr, der Samstag neigt sich damit auch schon dem Ende zu. Ich konnte leider keine der spannenden Lesungen besuchen, was ich unbedingt nächstes Jahr nachholen will. Der Sonntag beginnt entspannt und ausgeruht mit dem Workshop zu Schleierfall.

Schleierfall ist ein Element des Splitterdämmerungs-Zyklus, der den Verbleib der restlichen Splitter der Dämonenkrone klären soll. Marc Jenneßen, Alex Spohr und Eevie Demirtel liefern hier quasi die Faktenlage in ihren Workshops, denn der Vortrag zur Splitterdämmerung an sich schließt sich an. Ich werde demnach die inhaltliche Ausbeute der beiden Workshops ein wenig vermischen. Geplant ist die Verarbeitung der verbliebenen Splitter aus Borbarads Dämonenkrone. Bahamuths Ruf und Schleiertanz haben hierbei den Anfang gemacht. Schleierfall als Folgeabenteuer der ersten Entschleierung deckt indes auf, was mit dem Belkelel-Splitter geschieht. Beim ganzen Zyklus ist es wichtig zu betonen, dass es sich bei den Abenteuern nicht um eine geschlossene Kampagne handelt, sondern um einzelne Plots, die nicht zwingend von einer Gruppe gespielt werden müssen. Ebenfalls möglich ist eine Verarbeitung der ein oder anderen Thematik in einem Roman oder im Aventurischen Boten. Der Aufbau der Splitterbeseitigung ist dementsprechend modular gestaltet. Bis sämtliche Abenteuer, Romane etc. am Mann bzw. Spieler sein werden, vergeht laut Verlag eine Zeit von etwa 5 irdischen Jahren. Dieses Kapitel Aventuriens wird uns also noch ein wenig begleiten. Weil ich kein Fan von Spoilern bin, gehe ich hier auch nicht weiter ins Detail, sondern mache gleich mit dem Workshop zu Uthuria weiter, der Licht ins Dunkel des sagenumwobenen Südkontinents von Dere bringt.

Seltsamerweise ist dieser Vortrag von und mit André Wiesler nur etwa zur Hälfte besetzt. Gerade beim Thema Uthuria hatte ich mehr interessierte Zuhörer erwartet. Nun denn, weiter im Text. Leider wurde ich auch diesmal von Borons Händen entrissen (herrje, was ist bloß mit mir los?) und kann daher nicht ausführlich über die Thematik berichten. Sicher ist aber, dass Ulisses einige der angebrachten Kritikpunkte bezüglich Lage und Größe des Kontinents, die das Fandom zu Recht angebracht hat, übernehmen wird. Uthuria steht immer noch am Anfang einer glorreichen Entdeckung und wird daher nur langsam enthüllt werden. Geplant ist die Erschließung dieses mystischen Kontinents in Regionalkampagnen, die immer zu etwa zwei Dritteln aus Abenteuer und einem Drittel aus Hintergrundbeschreibung bestehen sollen. Sechs dieser Abenteuer sind bereits in Planung, viele weitere sollen folgen. Ein besonderer Aufruf galt hier auch den Spielern: Wünsche werden gerne berücksichtigt und können an die gewohnte Adresse feedback@ulisses-spiele.de gesendet werden.

Den Abschluss meiner Workshop-Odyssee bildet der Vortrag zum Hexenband, der ebenfalls bereits weit vorangeschritten ist. Hier sollen die sieben Schwesternschaften besondere Aufmerksamkeit bekommen, ebenso wie relevante Darstellungshinweise für Spieler und Spielleiter. Es wird einige Regelmodifikationen und Ergänzungen geben, so zum Beispiel im Bereich Vertrautenmagie. Der Band der blauen Reihe wird ein wenig Licht ins undurchsichtige Dunkel der Töchter Satuarias bringen und sicherlich dazu beitragen, dass Hexen und Hexer in ihren Motiven und Zielen verstanden und wertgeschätzt werden.

So, puh. Ich glaube, hiermit verabschiede ich mich mit meinem ersten Con-Bericht. Ich habe Tonnen an schönen Fotos geschossen, die natürliche eine weitere News-Meldung verdient haben. Darauf kann man also schon mal gespannt sein, denn dann gibt es die DreieichCon nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern.

Abschließend kann ich sagen, dass ich immer wieder gerne nach Dreieich ins Bürgerhaus komme und ich jedes Mal begeistert bin, wie reibungslos alles abläuft. Ich habe viele interessante Gespräche geführt, einiges dazugelernt und zwei Tage feinste Rollenspielluft inhaliert. Ein feines Wochenende, kann man also sagen. Und natürlich werde ich gleich stilecht wie ein Stein ins Bett plumpsen und die Impressionen der Con ein wenig Revue passieren lassen. Ich wünsche allen Lesern, die bis hierhin bei mir geblieben sind, eine gute Nacht.

Mögen die Zwölfgötter mit euch sein!

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2 Kommentare zu Dreieich-Con 2012: Erste Impressionen

  1. Zwart sagt:

    Thema Buchempfehlung:
    Spielleiten! von Dominic Wäsch ist mMn eher einen Blick wert. Es spinnt einige Ideen von Laws ein wenig weiter. 🙂

    und bei Uthuria denke ich muss man einfach der Tatsache ins Auge sehen, das sich dafür noch nicht soviele Spieler interessieren. Der Auftakt wurde mehr als nur holprig empfunden und jetzt wusste nicht wirklich zu begeistern..jetzt heißt es erstmal aufräumen und neuordnen. 🙂

  2. Horst der Ork sagt:

    Vielen Dank für den Bericht, liest sich gut. Interessant, dass jetzt auch im Tempelband neue Regeln eingeführt werden sollen – Ulisses hat wohl bemerkt, dass Regelbände sich immer gut verkaufen und „würzt“ daher inzwischen auch absolute Nebensächlichkeiten wie diesen Tempelband mit entsprechenden Ergänzungen …

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