Rondrian aus der Kiste

Unter dem Schlagwort „Aus der Kiste“ präsentiere ich eine Reihe von Figuren, Orten oder Ereignissen, die ich hauptsächlich für meine letzte Chronik entworfen habe. Angelegt als große Sandbox, sollten die hier vorgestellten Elemente leicht für eigene Kampagnen anzupassen oder sogar direkt zu verwenden sein.

Rondrian von Perricum

Er ist der strahlende Held. Das Schwert der Rechtschaffenen und der Schild der Schwachen. Sein Name kündet von großen Taten und ewigen Ruhm. Er ist unterwegs in heiliger Mission und kein Weg ist ihm zu weit, keine Jungfrau in Nöten zu unbedeutend und kein Schurke zu unbequem. Sein Arm reicht auch dahin, wo das Licht der Kirchen nicht scheint und sein Zorn ist wie ein greller Blitz im tobenden Sturm. Er ist Rondrian von Perricum. Und er sieht außerdem noch verdammt gut aus.

Inspiration

»Vergesst nicht, wir sind unterwegs im Auftrag der Götter. Ich, Rondrian von Perricum, werde dieses Übel in seine Schranken weisen und gemeinsam werden wir auch heute über die Finsternis triumphieren. Rondra will es!«
─ Ansprache des Rondrian von Perricum, bevor er erneut eine unmöglich scheinende Heldentat vollbringt

Auf den Wunsch meiner Spieler nach einer halbseidenen „Heldengruppe“ konnte es natürlich nur eine Antwort geben. Einen echten Helden! Eine Figur, welche die Ideale des Helden in seiner klarsten Form verkörpert. Eine Blaupause des aventurischen Helden, wie er sein könnte. Ein potentieller Gegenspieler, wann immer die Spieler-Figuren auf der falschen Seite stehen. Und unter Umständen auch die rettende Kavallerie, sobald es mal schiefgeht. Und im Extremfall vielleicht sogar beides gleichzeitig. So wurde Rondrian von Perricum geboren. Rondra-Geweihter, Ritter der Göttin, Sondergesandter des Schwerts der Schwerter, Liebling der Göttin, unterwegs in heiliger Mission. Ein Held wie ihn Klein-Alrik in seinen Tagträumen sieht.

Inszenierung

»Eine Sänfte vom Silberberg, na und wenn schon? Ich bin Rondrian von Perricum, Sondergesandter des Schwerts der Schwerter. Ich trete doch nicht in die Gosse für einen Hanswurst, der nicht auf eigenen Füßen laufen kann.«
─ Begegnung in der Grafenstadt, am Tag des „Zwischenfalls mit dem spinnerten Rondra-Geweihten“

Wo immer Rondrian von Perricum mit seinem Gefolge auftritt, da ist was los. Er scheint den Ärger geradezu magisch anzuziehen und geht keinem Konflikt aus dem Weg. Pardon er lässt keine mögliche Heldentat aus. Zu seinen Marotten gehört es von anderen in der dritten Person zu sprechen. Und keinen Namen hört er so gern wie seinen eigenen. Rondrian ist bis in die letzte Spitze seiner goldenen Locken davon überzeugt, dass er das Richtige tut. Ihm im Weg zu stehen ist praktisch gleichbedeutend mit Widerstand gegen die göttliche Ordnung.

Äußerlich ist Rondrian der absolute Vorzeige-Rondrianer. Groß, atlethisch, gutaussehend. Seine goldenen Locken perfekt frisiert, die Wangen glatt geschabt und immer ein gewinnendes Lächeln auf den Lippen. Zumindest solange, bis etwas seinen gerechten Zorn erregt. Dann wechselt die Gesichtsfarbe schnell mal ins Dunkelrote und Rondrians Gefolge hat alle Mühe den Liebling der Göttin zu bremsen. Doch auch sein Gefolge hat es in sich. Neben seiner Knappin zählen auch ein Perricumer Antimagier, ein Zwerg, ein Halbelf und womöglich weitere Streiter dazu. Bemerkenswert ist es außerdem, dass der durchaus sehr eingebildete Geweihte immer ein Ohr für seine Mitstreiter hat. Der ältliche Magister, der zur Nachsicht mahnt, wird ebenso ernsthaft angehört, wie der zwergische Schatzmeister, der eine angemessene Aufwandsentschädigung für Rondrians selbstverständlich kostenlosen Dienste ins Gespräch bringt. Natürlich bedeutet das nicht, dass der Liebling der Göttin diesem Rat auch immer folgt.

Setzungen

»Was redest du da Selindian? Wenn dieser rechtschaffene Bürger sagt, dass seine Schwester zuletzt in dieser Höhle im Wald gesehen wurde, dann ist das so. Schließlich würde man einen Rondrian von Perricum nicht belügen, bei Rondras rechtschaffenem Zorn!«
─ Ein überaus rechtschaffener Ritter der Göttin zu seinem Gefolgsmann

Rondrian ist im Grunde ein übergroßes Klischee. Um seiner Rolle gerecht zu werden, muss er jedoch auch überlebensgroß sein. Das betrifft sowohl seine Stärken, wie auch seine Schwächen. Zusammen mit seinem Gefolge, dessen Fähigkeiten er pragmatisch und geschickt einsetzt, bildet Ritter Rondrian eine Truppe von beachtlicher Schlagkraft. Seine Fähigkeiten in kämpferischer, geistlicher und karmaler Hinsicht sind absolut überragend.

Genauso überragend sind allerdings auch seine Schwächen. Sein Anspruch an sich und die Herrschaft der zwölfgöttlichen Kirche ist absolut. Seine romantische Sicht auf die Welt lässt ihn nur allzu willig dem Hilferuf einer holden Maid oder eines hilfesuchenden Jünglings folgen. Duellforderungen auszuschlagen ist ihm völlig unmöglich. Eine Heldentat auszulassen, nur weil der Zeitpunkt gerade ungünstig erscheint, kommt für Rondrian nicht in Frage. Dabei lässt er sich bisweilen leicht täuschen, weil er sich kaum vorstellen kann, dass jemand ihn, Rondrian von Perricum, unterwegs in heiliger Mission, ernsthaft anlügen würde.

Wer Rondrian einen Bären aufbindet, sollte sich jedoch rechtzeitig aus dem Staub machen. Wenn der Getäuschte seinen Irrtum bemerkt, schlägt er mit der ganzen Macht seines rechtschaffenen Zornes zurück. Und das bedeutet in der Regel mächtige Schwierigkeiten. In taktischer Hinsicht ist der Geweihte dabei alles andere als schwerfällig. Er ist sich im Klaren, dass seine Feinde nicht immer fair spielen und eine Niederlage würde die Mission schwerer beschädigen, als ein kurzfristiges Abweichen von der reinen Lehre. So erteilt er seinem Gefolge dann auch schnell einen Dispens für die Nutzung von Fernwaffen oder den Einsatz von Zauberei. Natürlich geht er dabei nicht so weit, den Einsatz von Gift oder die Beschwörung unheiliger Mächte zu unterstützen. Aber schon mancher Gegner hat die Flexibilität des Rondrianers in Sachen Kriegsführung unterschätzt.

Dynamik

»Ich bin Rondrian von Perricum, unterwegs in heiliger Mission. Und ich verlange eine sofortige Erklärung. Wo befindet sich jener feige Giftmischer, der mein Essen verdarb, auf dass ich ihn seiner gerechten Strafe zuführen möge.«
─ Rondrian von Perricum beim Betreten einer berüchtigten Unterwelt-Kaschemme, nur wenige Herzschläge vor dem Beginn einer umfassenden Schlägerei

Zunächst einmal kann Rondrian von Perricum dazu dienen, bestimmte Elemente ins Spiel zu bringen. Die Helden sind auf der Suche nach einer Gruppe finsterer Kultisten? Rondrian von Perricum hat gerade ein Nest von ihnen ausgehoben und dabei mindestens zwei Dutzend von Ihnen im Alleingang erschlagen. Entgangen ist ihm allerdings, dass am selben Tag eine Frau mit schwerem Gepäck eilig den Ort verließ und den Zielort der Helden ansteuerte. Die Helden erreichen ein schwer bewachtes Stadttor und überlegen, welche Formalitäten sie dort erwarten? Ein paar Leute vor ihnen wird es auf einmal laut, als ein gewisser Rondrian von Perricum sich lautstark über die unangemessene Behandlung empört. Selbstverständlich gehören die Waffen zu seinem persönlichen Besitz und im Übrigen bürge er für sein Gefolge, dem man damit ebenfalls das Tragen von Waffen innerhalb der Stadtmauern gestatten müsse. Die Helden wundern sich, warum der Auftritt der berühmte Rahja-gefälligen Tanzgruppe ausfällt und der Gastgeber verzweifelt um Ersatz bemüht ist? Nachdem die rondrianische Lichtgestalt die gesamte Truppe überzeugt hat, ihn bei seiner jüngsten Quest zum Wohle der zwölfgöttlichen Ordnung zu begleiten, ist guter Rat teuer.

Der Liebling der Göttin kann den Spieler-Figuren auch auf vielfältige Weise Schwierigkeiten bereiten. Die Gruppe recherchiert diskret in einer Unterweltkneipe? Rondrian platzt herein und verlangt lauthals die Auslieferung eines Missetäters und schon bricht eine Kneipenschlägerei aus. Die Spieler-Figuren heben gerade ein Räuber-Nest aus, um der Gräfin den verlorenen Schmuck zurückzubringen? Dumm nur, dass Rondrian die Bande ebenfalls aufgespürt hat und man ihn nur schwerlich überzeugen kann, dass man die ganzen Wertsachen „für die Gräfin zurückbringen“ wolle. Die Gruppe benötigt dringend ein Schiff, um einen wertvollen Schatz vor ihrem Konkurrenten zu erreichen? Da passt es schlecht, dass dieser zusammen mit einem gewissen Rondrian von Perricum gestern Abend das schnellste Schiff im Hafen gebucht hat.

Genauso kann es aber auch passieren, dass Rondrian den Spieler-Figuren mit seinen Heldentaten unter die Arme greift. Die Gruppe hat Schwierigkeiten mit einer lokalen Söldnertruppe? Nachdem Rondrian aufgrund einer Meinungsverschiedenheit sämtliche Offiziere nacheinander im Zweikampf besiegt hat, bevor er schwer angeschlagen von seinem Gefolge überzeugt werden konnte weitere Duelle zu unterlassen, haben die Kor-Jünger andere Probleme. Ein mächtiger Pirat ist die einzige Spur zu einer entführten Baronstochter? Der Pirat geriet bei einem Angriff auf ein Schiff mit Rondrian als Passagier in Gefangenschaft und wartet nun in einem kleinen Küstenort auf seine Verurteilung. Die Gruppe unterbricht eine kritische Beschwörung und eine ganze Horde wütender Dämonen droht alle Anwesenden in Stücke zu reißen? Rondrian war den Finsterlingen auf der Spur und trifft als rettende Kavallerie ein, während die Helden versuchen die Pforte in die Niederhöllen wieder zu verschließen.

Notizen

»Angrax, ein Dispens für die Armbrust und echtes Ferdoker, wenn du den linken Oger mit einem Schuß ausschaltest.«
─ Der begnadete Anführer Rondrian von Perricum an seinen zwergischen Gefolgsmann

Die augenzwinkernde Darstellung des Rondrian von Perricum gelingt natürlich nur, wenn dieser auch als Gegenentwurf zu den Spieler-Figuren funktioniert. Wenn die Spieler selbst einen Rondra-Geweihten, einen Kampfmagier und einen zwergischen Schmied ins Feld führen, dann könnte der Sondergesandte aus Perricum den Helden leicht die Schau stehlen. Entscheidend ist auch, dass der Geweihte durch seine ausgeprägten Schwächen immer wieder gebremst bzw. in die Irre geleitet wird. Seine unbedingte Konsequenz bringt ihn dabei immer wieder in Situationen, welche auch die Helden hätte treffen können, wären sie weniger umsichtig und überlegt gewesen. In solchen Fällen kann Rondrian von Perricum sogar zu einem echten Sympathieträger werden.

Varianten: Neben dem aventurisch immer möglichen Wechsel des Geschlechts lässt sich je nach Kampagne auch die Profession Rondrians abändern. Die Hier-komm-ich Attitüde lässt sich sicher auch mit einem Inquisitor Zoltan Imfelde spielen. Ein Magier mit entsprechendem Gefolge kann womöglich ebenfalls in die besondere Rolle des rechtschaffenen Antagonisten schlüpfen. Andere Besetzungen sind in bestimmten Kampagnen sicher ebenfalls denkbar, je nachdem in welchem Erzählraum sich die Gruppe dafür bewegt.

Anhang

Rondrians Gefolge orientiert sich bewusst an einer typischen Heldengruppe und sollte in der Lage sein, durch seine Kompetenzen die meisten Problemstellungen unterhalb eines ausgewachsenen Krieges selbständig zu meistern. In meinem Fall bestand Rondrians Gefolge aus fünf Personen. Mit Ausnahme von Gunhild, sind Rondrians feste Mitstreiter sehr erfahrene Kämpen, die es jederzeit auch mit einem Helden aufnehmen können. Selbstverständlich lässt sich das Gefolge beliebig variieren, zumal Rondrian auch immer wieder temporäre Streiter für seine heilige Mission rekrutiert.

Gunhild, Rondrians treue Knappin. Eine Vorzeige-Rondrianerin, die längst zur Ritterin der Göttin geweiht worden sein könnte. Da sie ihren geliebten Mentor jedoch über alle Maßen verehrt, zieht sie es vor als seine Knappin weiter mit ihm zu ziehen.

Magister Melchior, Antimagier aus Perricum. Ein kompetenter Gegenzauberer und erfahrener Aves-Jünger. Neben dem Schutz vor finsterer Zauberei, ist er auch in den weltlichen und magischen Heilkünsten sehr bewandert. Das Blitze schmeißen überlässt er jedoch lieber seinem Schützling mit den goldenen Locken.

Thorwald, Ritter aus Leidenschaft. Der Löwenritter hat eine Vergangenheit als Söldner und wurde von Rondrian zum wahren Glauben bekehrt. Den Glauben an dessen heilige Mission hat er fest verinnerlicht.

Selindian, halbelfischer Streuner aus Llanka. Nachdem das Schwert der Göttin, den jungen Mann aus einer misslichen Lage befreite, schloss er sich dem großen Strahlemann zunächst auf Zeit an. Inzwischen liebt er jedoch den Kick der irrsinnigen Abenteuer, die er mit Rondrian erlebt und hat in der Gruppe die Familie gefunden, die er nie hatte. Gelegentlich muss er Rondrian daran erinnern, dass nicht alle Kinder der Götter es mit der Wahrheit so genau nehmen.

Angrax, Sohn des Athax, Schmied und Mechanicus. Der vielseitige Zwerg ist weit herumgekommen und begleitet Rondrian schon fast so lange wie Magister Melchior. Er kümmert sich um die Reisekasse, Logistik, Verpflegung und Ausrüstung. Und wenn es hart auf hart kommt, dann steht er mit der Axt direkt hinter Rondrian, um seinem langjährigen Freund den Rücken zu decken.

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Ein Kommentar zu Rondrian aus der Kiste

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