Prost, Mahlzeit!

Liebe Leute,

Aventurische Speisekarte mit : Aus dem Kessel , Spanferkel mit gedäppelte Äppele und Alriks Apfelkuchenwer mag sie nicht, die junge Salzarele im Bierteig oder den nostrischen Steineichenkuchen?

„Was soll der Unsinn?“, fragt ihr verwirrt, und seid schon direkt im Thema.

In der brandneuen Kolumne auf Nandurion geht es um nichts Geringeres als die Streitfrage:

Müssen sich Spielleiter mit aventurischen Speisekarten ausrüsten und vor jeder Abenteuer-Etappe planen, was die Helden wann wo serviert bekommen?

Hierzu haben sich Fenia und Sirius im Rahmen des aktuellen Karnevals der Rollenspielblogs einen verbalen Schlagabtausch geliefert.

Ring frei zum ersten Gang!

Fenia:

Ganz klar: ja. Der Spielleiter sollte sich auf regionale Besonderheiten vorbereiten und dazu gehört eindeutig auch die lokale Küche. Nichts ist schlimmer als beispielsweise von Fasar nach Al’Anfa zu reisen und in jeder Taverne lautet die Antwort auf die Frage was es denn zu essen gäbe: “Eintopf und Bier”. Es ist nichts an Eintopf und Bier auszusetzen, aber es würdigt die aventurische Vielfalt kein Stück und lässt auch keine exotische Stimmung aufkommen. Wenn ich in die Tulamidenlande reise, erwarte ich Bauchtänzer, Kissen, Datteln, Rauchwerk, Hammelfleisch und duftende Gewürze. Wenn ich in Nostria bin, will ich den Nationalstolz beim Bestellen von Knat und 100 Formen Salzarele hören. In Angbar möchte ich menschenunverträgliche Pilze im Essen, wegen denen sich der Gruppenzwerg gierig die Lippen leckt, während die almadanische Schwertgesellin sich zu ihrem Punipan von daheim träumt. Besonders toll ist es, wenn in den Spielgruppen gar passend gekocht wird. Um passende Musik oder sogar Dekoration wird sich ja auch bemüht.

„Versuchung der Harani“ – anders formuliert: Aranisches Dattel-Walnuss-Gebäck, created by Fenia Winterkalt

Zudem schätzen das viele Spieler und ihre Charaktere bestellen gar ein regionales Gericht, darauf sollte der Spielleiter reagieren können. Das Interesse der Spielerschaft ist auf jeden Fall da. Es gibt zum Beispiel das Orkenspalter-Kochbuch, das aus Forumsbeiträgen entstand und regionale Rezepte enthält, mal mehr, mal weniger aventurisch korrekt, aber immer gut für die Stimmung am Spieltisch. Es gibt auch eine Facebookgruppe die sich mit aventurischer Küche befasst und natürlich die (bei Nandurion eher schlecht bewertete) Culinaria Aventurica

Sirius:

Gratenfelser Bratwurst? Kosch-Klöße? Joborner Schweinsbeutel? Oder lieber doch Albuminer Allerlei?

Am realen Spieltisch freue ich mich über (fast) jede Bewirtung, aber innerhalb einer spannenden Abenteuer-Handlung ist das doch meist überflüssiges Geplänkel, das Spielzeit klaut.

Fenia:

Überhaupt nicht. Gerade in Situationen wie dem klassischen Taverneneinstieg bietet das Essen zum Beispiel einen guten Gesprächsanlass.

Außerdem ist es eine sehr einfache Methode, ein bestimmtes Bild, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Die meisten Regionen und Gerichte lehnen sich schließlich an wirkliche Gebiete an. Wenn ich in Almada zum Abend die typischen kleinen Gerichte anbiete (Tapas), Olive, Wein und Weißbrot und das Zirpen der Zikaden erwähne, dann kann sich jeder eine mediterrane Umgebung vorstellen. Er hat gleich ein komplexes Bild vor Augen, verbindet das mit warmen Nächten, Musik, seinem eigenen Urlaub vielleicht. Sicher, das dient rein der Stimmung, aber ich sehe nicht, dass das Spielzeit klaut, es erhöht die Intensität der Immersion beim Spiel, davon haben am Ende alle was.

Sirus:

Regeltechnische Vorteile durch Buff-Food? Verlockung oder Alptraum aller DSA-Spieler?

Ich bin nicht generell gegen eine authentische Atmosphäre am Spieltisch, sehe mich aber zugleich als Verfechter von harten regeltechnischen Anbindungen. Damit man mich versteht, muss ich etwas ausholen: Ich sitze sehr gern einmal im Monat am DSA-Spieltisch, liebe aber ansonsten eher kompetitive Spiele. Früher habe ich jahrelang WOW gespielt, konzentriere mich mittlerweile aber auf Heroes of the Storm. Zusätzlich zocke ich oft Magic, das berühmt-berüchtigte Kartenspiel. Bei den drei Spielen geht es zwar auch um Atmosphäre, um Story, aber es steht viel häufiger um die Frage im Raum: Was bringt mir dies oder jenes in Bezug meinen “Erfolg” in der Spielwelt?

Dieses Konzept könnte man auch auf Essen im Rollenspiel übertragen, denn dies hat sich ja bei Computerspielen längst etabliert. Bei World of Warcraft wird einfach alles gegessen, selbst Grubenratteneintopf, wenn es die Ausdauer, Stärke oder Intelligenz erhöht. Dafür hat sich schon seit langem der Begriff „Buff-Food“ etabliert. Warum gibt es das nicht bei DSA?

Fenia:

Klar gibt es auch Pflanzen die solche Effekte haben, aber man schlachtet eben kein Schwein und erhält 20 LeP instant zurück. Und man ernährt sich nicht nur von Einbeeren. Da schieben die Regeln sogar explizit einen Riegel vor, indem sie den dauerhaften Verzehr mit Nachteilen belegen, in dem Fall Sucht. Abgesehen davon, dass die „Helden“ vermutlich innerhalb kürzester Zeit alle Schweine ausgerottet hätten, ist die aventurische Luft nun schon wirklich heilsam genug. Wer braucht noch Gruppenheiler wenn er das Gruppenschnitzel in der Tasche hat? Das komplette Spielgefühl von DSA würde zusammenbrechen. Kriegsherren würden das Schweine-Monopol an sich reißen und mit unbesiegbaren Armeen vorrücken, bis die einseitige Ernährung sie dahinrafft. Peraine würde nur noch für den Ferkelsegen gebraucht, eine Schweinepest bringt Zivilisationen an den Abgrund … außer die Schweine würden sich selber … nein, das Beispiel geht zu weit.

Fakt ist, dass DSA so einfach nicht funktioniert. Es lebt von der Simulation, dem Erleben von Verletzungen, dem Durchleben von Krisen und Herausforderungen und natürlich von einer lebendigen Welt und die besteht nicht nur aus Eintopf und Bier.

Sirius:

20 Lebenspunkte instant? 😉

Das fände selbst ich übertrieben, auch wenn ich – als ich in den 90ern mit DSA anfing – ein ziemlicher Powergamer war. Als kleiner Fun-Fact: Im Abenteuer Kommando Olachtai konnte man im Tal des Riesenaffen tatsächlich Bananen (!!!) essen, die 5 Lebenspunkte zurückgeben. Aber das ist, und da komme ich dir mal zuvor, selbstverständlich Blödsinn …

Interessant wird es eher, wenn Lebensmittel eine zentrale Rolle in einer Abenteuer-Handlung spielen. Erinnerst du dich noch an „Das Jahr des Greifen“? Da war es ja gerade die Nahrungsknappheit, die den Alltag einer belagerten Stadt greifbar machte. So müssen die Helden etwa einen Apfelhain beschützen, damit die Versorgung der hungernden Bevölkerung nicht vollends zum Erliegen kommt.

Druide Gamba „serviert“ leider keine Gambas, sondern ein ziemlich feuriges Menü… Wem da wohl der Appetit vergeht?

Fenia:

Ich weiß nicht, ob da wirklich die Nahrungsmittel im Mittelpunkt standen, oder nicht eher die komplexen Zusammenhänge einer Belagerung. Nicht umsonst haben die meisten Burgen einen kleinen Garten … Und natürlich müssen sich auch Armeen Gedanken um ihre Versorgung machen und sind an der Stelle angreifbar …

Meistens steht Nahrung nicht selbst im Mittelpunkt einer Handlung, sondern die Konflikte zwischen Gruppen, oder Unterschiede, die diese Konflikte hervorrufen. So lassen sich aber zum Beispiel sowohl Dekadenz als auch Armut wunderbar über die Nahrung abbilden. Du bist, was du isst, heißt es ja auch. Und so sagt es schon viel darüber aus, welcher gesellschaftlichen Schicht jemand angehört, wenn man sich seine Bestellung in der Taverne ansieht.

Der gut situierte Adlige oder Magier wird vermutlich auf seinen Braten nicht verzichten und den teuersten Wein oder den besten Schnaps bestellen, während der Tagelöhner den gestreckten Eintopf und verdünntes Bier bevorzugen muss. Das kann auch innerhalb einer Abenteuergruppe nochmal soziale Unterschiede aufzeigen, die unterschwellig mitschwingen. Wobei wir dann wieder bei der Frage sind, ja was isst denn der reiche Tulamide oder Brabaker im Gegensatz zum armen? Zum Glück bieten die allermeisten Regionalspielhilfen auch Informationen zu Speis und Trank aus der Region, insofern ist das doch gar nicht so viel mehr zu lesen für die Spielleitung.

Was mir immer gut gefallen hat, war zum Beispiel das Spiel bei den Nivesen, die sich nun wirklich anders ernähren. Fleischlastig und der Kälte und den kargen Umständen angepasst, mit einer Fettschicht auf dem Tee, auch wenn ich das nicht am Spieltisch essen muss.

Sirius:

Da gebe ich dir durchaus Recht. Insbesondere, wenn du mich mit Nivesen köderst, die zu meinen liebsten Kulturen im DSA-Universum gehören – und das, obwohl ich Vegetarier bin.

Aber jetzt im Ernst: Wenn Nahrung oder Speisekarten die Charakterisierung von Personen oder Orten verdeutlichen, ist das durchaus angemessen.

Ein gutes Beispiel stammt aus Myranor: Hier haben z. B. die Leonir als Fleischfresser eine klare Restriktion mit regeltechnischen Folgen. Bei Verstoß sinken Konstitution und Regeneration. Somit ist dies ein gelungenes Beispiel für das Zusammenspiel von regeltechnischen Fakten und Atmosphäre in der Spielwelt.

Denke ich an Aventurien, so fällt mir sofort das Solo-Abenteuer „Straßenballade“ ein, in dem die Verwöhntheit und der Luxus einer Hofgesellschaft durch ein entsprechendes Menü toll hervorgehoben werden. Zudem wagten sich damalige Autoren wie Karl-Heinz Witzko auch daran, ihren Humor mit solchen Gerichten zum Ausdruck zu bringen. Ich zitiere: „Ziegengehackertes, begleitet von roter Tunke, Rindsgeschlackertes a la Lätzli, Hühnergegackertes im Federnest…“

Fenia:

“Ohne meine vergoldeten Koschammerzungen als Nascherei nach dem Aufstehen, begebe ich mich gar nicht erst in mein morgendliches Milchbad” – *näsel*

Das Abenteuer kenne ich leider gar nicht, aber das klingt sehr lesenswert. Witzkos Humor mochte ich schon immer gern.

Wo wir bei Humor sind: Das sehr humorvolle Abenteuer “Prost Mahlzeit!” aus der Anthologie “Leicht verdientes Gold” dreht sich um einen Kochwettbewerb.

Das Thema ist also durchaus abenteuertauglich!

Foto aus der Küche im Hause Sirius (Merchandising zu Drakensang, einem PC-Spiel der Firma Radon Labs)

Sirus:

Womit wir bei einem zentralen Punkt sind, auf den wir uns einigen können. Solange das Thema “Essen” ein Abenteuer voranbringt oder die Charakterisierung eines NSCs verdeutlicht, sind wir einer Meinung.

Vielleicht werde ich mich in Zukunft dieser Thematik etwas mehr zuwenden.

Auch ein Blick in den Küchenschrank zeigte mir, dass ich wohl doch gar kein so schlimmer “Atmo-Muffel” bin, wie ich dachte. Hier grinste mich nämlich ein Bierkrug an, ein Humpen mit folgender Aufschrift:

Helles Ferdoker Gerstenbräu, Aventurische Brautradition seit 627 BF, BAROSCHEM !

Und mir wurde bewusst, dass es kein Gefäß gibt, aus dem ich lieber mein Bier trinke, auch wenn ich leider weder Ferdoker noch Angbarer Alt tatsächlich einfüllen kann.

Fenia:

Jetzt köderst du mich aber mit Bier! Darauf, dass stimmungsvolle Speis und Trank gut für die Atmosphäre sind, aber das Spiel nicht unnötig behindern sollten, kann ich mich auch wunderbar einigen. Wer Spaß daran hat, kann das auch gerne am Spieltisch servieren, muss aber nicht. Wobei ich jetzt auch Lust bekomme, was Ambientiges zu kochen, vielleicht erfüllt sich mein Alter Ego aus den Dere-Nachrichten ja doch endlich mal den Traum von einem Rezept in einem Nachrichtenblatt.

Sirus:

Bleibt nur die Frage offen, wie es unsere Leser handhaben. Sagt uns doch in den Kommentaren eure Meinung zur Streitfrage. Wir freuen uns schon drauf!

Über sirius

Sirius heißt im wahren Leben Moritz und wuchs mitten im Ruhrgebiet auf. Seit Anfang der 90er bereist er nicht nur Aventurien, sondern auch andere fantastische Welten. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Pen&Paper, PC-Games, Hörbücher oder Kartenspiele handelt. Unterwegs erkennt man ihn daran, dass er fast immer ein gutes Buch dabei hat, das nicht dem Mainstream entspricht. Von Nerd-Themen, die über DSA hinausgehen, berichtet er auf seinem Blog hochleveln.de
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3 Antworten zu Prost, Mahlzeit!

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