Interview mit Rafael Knop

Auf dem Kaiser Raul Konvent 2018 (KRK) habe ich Rafael Knop als routinierten Meister des Abenteuers Die Scherbe von Sheynucha kennenlernen dürfen. War es nur Zufall, dass die Heldengruppe dort wie auch in der Donnerwacht-Kampagne einer verführerisch gutaussehenden Schwarzmagierin nicht dieselbe begegneten, die uns in mindestens moralische Konflikte brachte?

Neben Beiträgen bei Schreibwettbewerben und beim Aventurischen Boten über inzwischen mehrere Jahre hat Rafael die Donnerwacht-Kampagne bestehend aus den Teilen Zeichen der Macht und Bündnis der Wacht verfasst – mehr dazu erläutert er im Gespräch. Die Quelle des Nagrach hat er 2013 auf der RatCon geleitet, eines der Abenteuer, mit dem 2014 die DSA5-Beta Regeln getestet wurden; Rafael hat hierzu bereits auf der Ulisses Webseite berichtet. Zuletzt erschien Fauler Frühling auf dem KRK 2019, das aus einem Workshop des Vorjahrs entstand und im Thorwaler Hinterland spielt. Als Koautor hat Rafael außerdem an den Splitterdämmerungs-Abenteuern Die verlorenen Lande und Der Schattenmarschall mitgewirkt.

Nandurion: Sei gegrüßt, Rafael. Würdest Du Dich bitte kurz vorstellen?

Rafael Knop

Rafael Knop mit seinem Abenteuer Fauler Frühling auf dem KRK 2019. Cover von Konrad Krogull.

Rafael: Aber sehr gerne! Ich bin Jahrgang 1978, komme aus Kamen in Westfalen und lebe mit meiner Frau und unseren drei Kindern in Hürth bei Köln. In meiner Freizeit bin ich begeisterter DSA-Spielleiter – und theoretisch auch Spieler, doch das klappt viel zu selten. Darüber hinaus bin ich für (eher komplexe) Brettspiele, Single Malt Whiskys und Erzählungen über unser liebstes Reiseziel Schottland zu haben.

Nandurion: Mit welchen Rollenspielen und -welten hattest Du bisher den meisten Kontakt?

Rafael: Ganz klar mit DSA und Aventurien. Damit habe ich kurz vorm Abitur angefangen und seither nicht aufgehört. Zwischendurch habe ich aber auch (A)D&D, Earthdawn und RuneQuest ausprobiert, und war sogar für das deutsche Herr der Ringe-RPG – das nach den Filmen herauskam und von Pegasus verlegt wurde – als Promoter unterwegs. Leider wurde es recht schnell wieder eingestellt.


Nandurion:
Wie fing das bei Dir mit dem Abenteuer schreiben an?

Rafael: Für den „Eigenbedarf“ habe ich sehr früh angefangen, aber zum Autor bin ich über Kontakte gekommen. Ich bin (ein wenig) im Briefspiel unterwegs und da hat es mich dank einiger sehr netter Mitspieler nach Weiden verschlagen. So kam der Kontakt zu Katja Reinwald und Daniel Richter zustande und darüber schließlich die Mitarbeit an meinem ersten Werk, Sturmgeboren.

Abenteuer von Rafael Knop, Katja Reinwald und Nina Schellhas. Cover von Marcus Koch.

Abenteuer von Rafael Knop, Katja Reinwald und Nina Schellhas. Cover von Marcus Koch.

Nandurion: Woher stammt Deine Inspiration, gibt es da auch Vorlagen und Vorbilder?

Rafael: Das ist absolut verschieden. Teils aus Film & Fernsehen, teils im Urlaub, wenn wir Burgruinen durchstreifen. Und ganz oft beim Durchblättern von Spielhilfen oder anderen Abenteuern. Viele Ideen kommen einfach beim Lesen oder Sinnieren in der Straßenbahn oder im Gespräch mit Freunden.

Nandurion: Wie viel Aufwand steckt insgesamt in Deinen Geschichten, wenn man noch die Recherche hinzuzählt?

Rafael: Das ist sehr schwer zu beziffern. Ich komme in der Regel nur an ein oder zwei Abenden in der Woche zum Schreiben oder Recherchieren und dann jeweils für drei bis vier Stunden. Mehr Abende werden es, wenn die Abgabefrist naht. 😉
Für den gesamten Prozess – also erst Erstellen eines Pitches für die Redaktion, dann stärkere Detaillierung in Exposé, Treatment und Outline und danach erst das finale Schreiben, brauche ich sicher 25 bis 40 Abende für einen 64-Seiter.
Und ich versuche jedes Abenteuer vorher in einer Testrunde zu leiten. Das ist dann aber weniger Aufwand, sondern mehr Spaß.

Nandurion: Kannst Du ungefähr an einem konkreten Beispiel skizzieren, wie so ein DSA-Abenteuer Gestalt annimmt?

Rafael: Ich glaube, bei jedem meiner Abenteuer war das bisher anders. Donnerwacht ist zum Beispiel entstanden …

Das Einhorn warnt: Ende der spoilerfreien Zone!
Nandus Balken Schmal Spoiler

…, weil ich irgendwann darüber sinnierte, dass die Riesen in Aventurien viel zu wenig thematisiert werden. Man weiß nur, dass es früher mehr waren, aber seit Jahrhunderten gibt es nur eine Handvoll, die ab und an am Rande eines Abenteuers auftauchen. Zudem fehlten mir zwielichtige Personen, die der Meister sowohl als Gegner als auch als Verbündeter einsetzen kann. Zu dem Zeitpunkt hatte ich gerade in der Untoten-Spielhilfe aus DSA4 geblättert und war vom Konzept der Ahnen sehr angetan. Mit dem Leitgedanken „das muss sich doch auch auf andere Kreaturen übertragen lassen“ war der Sprung zur Harpyienkönigin ein kleiner.
Nach der Idee und dem Brainstorming geht es ans Quellenstudium. Dafür ziehe ich die Regionalspielhilfen zu Rate sowie wichtige Abenteuer der Region, so sie mir bekannt oder auf der Wiki entsprechend eingetragen sind. Bei Donnerwacht war es dann die Erkenntnis, dass Neunfinger offenbar einen uralten Kessel mit magischen Kräften bewachte, die mir die restlichen Ideen brachte.

Nandus Balken SchmalDas Einhorn verkündet: Ende des Spoiler-Bereichs

Bündnis der Wacht

Zweiter Teil der Donnerwacht-Kampagne.

Die Ideen habe ich dann mit der DSA-Redaktion diskutiert und zum Glück die Zusage für die beiden Bände erhalten.

Nandurion: Fertigst Du selbst Zeichnungen als Vorlage für die Illustratoren an bzw. wie nimmst Du auf die optische Umsetzung Einfluss?

Rafael: Ehrlich gesagt habe ich eine Unfähigkeit für das Talent Malen & Zeichnen. Illustrationen beschreibe ich, so gut es geht – und bekomme jedes Mal sehr wertvolles Feedback von Nadine Schäkel, was ich noch präzisieren sollte –, lediglich bei Plänen nutze ich den Campaign Cartographer, um diese zu skizzieren.

Nandurion: Welches sind Deine liebsten DSA-Charaktertypen und hast Du bestimmte
Gruppenzusammensetzungen im Sinn beim Schreiben?

Rafael: Ich selbst spiele gerne Magier oder Krieger – ziemlich klassisch. Wobei mit DSA5 auch Geweihte an Reiz gewonnen haben. In meiner Spielrunde mag ich Hexen sehr gerne, weil sie nicht zu dunkel, aber auch nicht zu strahlend weiß sind, und dabei noch eine ganz besondere Art der Magie beherrschen.
In der Regel habe ich keine konkrete Gruppe vor Augen, wenn ich ein Abenteuer schreibe. Manchmal denke ich aber bestimmt an meine eigenen Runden und wie es passen würde. Am ehesten stelle ich mir sicherlich die klassischen Archetypen Krieger, Magier, Streuner, Elfe, Zwerg in einer Runde vor.

Nandurion: In welchem Deiner Werke steckt am meisten eigene Fantasie drin? Wie stehst Du zu Projekten mit mehreren Autoren?

Rafael: Ganz klar bei Donnerwacht, was aber auch das mit Abstand größte Projekt von mir selbst war. Mit anderen Autoren arbeite ich sehr gerne zusammen, schließlich war mein erstes Werk Sturmgeboren ja so ein Projekt, und auch die beiden Bände zum Haffax-Feldzug.

Der Schattenmarschall von Vibarts Voice

Splitterdämmerungs-Abenteuer um Helme Haffax von Dominic Hladek, Niko Hoch, Rafael Knop, Katja Reinwald und Daniel Simon Richter. Cover von Marcus Koch.

Nandurion: Welche Reaktionen hast Du zu Deinen Abenteuern von Lesern erhalten; gab es da schon Anregungen, die Du später berücksichtigt hast?

Rafael: Die Reaktionen sind sehr gemischt. Im Netz herrscht bisweilen ein rauer Umgangston, im persönlichen Gespräch auf Cons ist die Kritik differenzierter. Ich hatte tatsächlich einmal eine Chance, etwas anzupassen: Die Quelle des Nagrach wurde vom Beta-Abenteuer zum vollwertigen Abenteuer noch etwas erweitert. In einer Rezension der Beta las ich, dass einer Spielrunde die Möglichkeit fehlte, den Geist der Hexe Jadminka zu befreien. Darüber habe ich nie nachgedacht, fand es aber ziemlich cool und habe das direkt für die Überarbeitung übernommen.

Nandurion: Wie kommt es, dass Dein aktuelles Abenteuer nicht über den Verlagsweg erscheint? Worum geht es denn dabei?

Rafael: Mein „neues“ Abenteuer ist nicht ganz ernst gemeint. Und leider hat die Redaktion bislang kein Interesse daran gezeigt. 😉
Spaß beiseite: ich schaue immer wieder gerne Trashfilme, in denen Monster ohne Sinn und Verstand alles zerstören und die Gruppe von sehr stereotypen Protagonisten ausdünnen, ehe sie irgendwie aufgehalten werden können.

Charypto Rex

Illustration von Diana Rahfoth für das Abenteuer Charypto Rex.

Genau darum geht es in dem Abenteuer Charypto Rex, für das ich bei Diana Rahfoth einige Zeichnungen beauftragt habe. Auch dafür habe ich natürlich recherchiert und ein Mysterium aus der DSA4-Spielhilfe In den Dschungeln Meridianas verwertet, aber man kann das Abenteuer kaum als „kanonisch“ bezeichnen.

Nandurion: Mit welchen Schreibprojekten beschäftigst Du Dich nun als Nächstes?

Rafael: Im Moment liegt jede Menge auf meinem Schreibtisch, ganz oben die Sternenträger-Kampagne, bei der ich erfreulicherweise zum Autorenteam gehöre. Ich hatte vor ein paar Jahren schon mit Dominic Hladek gewitzelt, dass wir uns mal für das Thema Hochelfen bewerben sollten. Jetzt schreiben wir etwas dazu. 🙂
Weiterhin ist da die für mich erste Regionalspielhilfe. Und natürlich wartet auch noch das Abenteuer aus dem Workshop vom Kaiser Raul Konvent 2019 auf Bearbeitung.
Allesamt Sachen, bei denen ich in Autorenteams unterwegs bin, um noch einmal auf die Frage vorher zurückzukommen.

Nandurion: Wir wünschen weiterhin gutes Gelingen und danken für das Gespräch!

Das Interview führte Nottel.

Über Nottel

Nottel heißt Michael, Jahrgang 79, und wohnt am Bodensee. Seit 93 stromert er als Spieler und Spielleiter mit Gleichgesinnten durch fantastische Gedankenwelten. Zunächst in Aventurien und dem Riesland, später in der Dark Future, der Welt der Dunkelheit, im Trinity Universum und dringt in Galaxien vor, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
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11 Kommentare zu Interview mit Rafael Knop

  1. Engor sagt:

    Schönes Interview, danke dafür!
    Nur zu Charypto Rex hätte ich mir noch mehr Infos gewünscht. Kommt das ins Scriptorium?

    • Rafael sagt:

      Hallo Engor,
      Mir schwebt tatsächlich die Veröffentlichung im Skriptorium vor. Vorrang haben aber die Schreibaufträge für offizielle Abenteuer. 😉
      Viele Grüße, Rafael

  2. Pingback: Nandurion interviewt Rafael Knop – Nuntiovolo.de

  3. Nottel sagt:

    Danke, Engor. In das Wörtchen „bislang“ deute ich die kleine Hoffnung, dass es vielleicht doch noch auf dem Verlagsweg erscheint und deswegen noch nicht allzuviel darüber enthüllt wurde. Ansonsten halte ich es auch für eine Möglichkeit, dass es im Scriptorium erscheinen könnte. Rafael wird auf der RatCon sein und wer weiss, welche Geheimnisse man ihm da noch entlocken kann.

    • Rafael sagt:

      Dann bringe ich am besten zur RatCon am Samstag eine kurze light-Version von Charypto Rex mit, inklusive Überraschung für diejenigen, die mich darauf ansprechen. 🙂
      Vielleicht finden sich ja Interessierte. 🙂

  4. queery sagt:

    Danke für das tolle Interview. Spannend.

  5. Adelheidt sagt:

    Sympathisches Interview!

    Der raue Umgangston könnte aber daher kommen, dass die genannten Abenteuer (Quelle des Nagrach, aber insbesondere die Donnerwacht-Kampagne) qualitativ eher am unteren Ende der offiziellen Abenteuer rangieren. Kann ja noch werden..

    • Nottel sagt:

      Danke. Die Behauptung zu Quelle des Nagrach kann ich anhand von Forenwertungen und Rezensionen nachvollziehen, hingegen nicht für die Donnerwacht-Kampagne.

    • Fenia Winterkalt sagt:

      Ich glaube der schlimme Umgangston im Internet hatte noch nie eine gerechtfertigte Grundlage. Denn auch wenn einem etwas nicht gefällt, kann man ja freundlich und konstruktiv bleiben. So geäußerte ‚Kritik‘ sagt meist mehr über den/die Schreiber*in aus, als über das worüber geschrieben wird.

  6. Pingback: Aus dem Limbus: Berge des Rezensionswahnsinns mit Ratten im Gemäuer | Nandurion

  7. Faras Damion sagt:

    Schönes Interview, Nottel.

    Ich mag die Abenteuer von Rafael sehr. Sie passen perfekt zu meinem Stil. Die Quelle des Nagrach habe ich mehrfach erfolgreich geleitet. Donnerwacht leitet gerade meine bessere Hälfte und kam auch gut an. Und auf den Schattenmarschall bin ich sehr gespannt.

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