Interview mit Alex Spohr

Alex Spohr war Nanduriat im ersten Jahr, sein Pseudonym bei Nandurion lautet disaster. Sein Schaffen für Das Schwarze Auge begann bereits im Jahr 2007 und im April 2011 trat er der DSA-Redaktion bei. An zahlreichen Publikationen war er als Autor und Redakteur beteiligt, worunter auch Beiträge zu Myranor und Tharun zählen. In seinem schwerpunktmässigen Schaffen als Regeldesigner ist das Grundregelwerk der fünften Edition von DSA besonders hervorzuheben. Sein Roman Der Pfad des Wolfes wird derzeit für das Crowdfunding zu Thorwal und das Gjalskerland mit einem neu gestalteten Cover wieder aufgelegt.

Anläßlich des 10-jährigen Jubiläums haben wir Alex zu einem Gespräch geladen.

Nandurion: Wie kamst du zu DSA und auf welchen Zwischenstationen schließlich zu Nandurion?

Alex: Ich habe DSA durch Zufall entdeckt. Eigentlich wollte ich mir eine Art HeroQuest-Spiel zulegen (ich mochte damals als Kind alle Spiele, bei denen kleine Monsterfiguren dabei waren), kaufte mir in einem Spielwarenladen Die Helden des Schwarzen Auges-Box. Zunächst war ich enttäuscht, denn es waren keine Figuren enthalten, aber auf einer Klassenfahrt haben meine Freunde und ich das Spiel dann ausprobiert.
Zu Nandurion bin ich gekommen, weil Ben Maier mich einfach gefragt hat. Ich hatte als Student noch genug Zeit und habe gerne geholfen, ein paar News zu schreiben. Ben und seine Spielrunde hatte ich vorher kennengelernt, weil er mich einfach mal über das alte Alveran-Forum angeschrieben hat und wir in derselben Stadt wohnten.

Nandurion: Wofür stand Nandurion in der Anfangszeit und was verbindest du damit?

Alex: Für mich stand Nandurion früher für eine Gruppe von Menschen, die DSA liebten und die nach Alveran.orgs Ende weiterhin gerne eine Seite mit News lesen wollten.

Nandurion: Welche sind deine Lieblingsbeiträge von Nandurion gewesen, evtl. auch deinen eigenen?

Alex: Am liebsten lese ich immer die Weihnachtseinkaufsempfehlungen. Die sind unterhaltsam und da sind immer wieder Sachen dabei, die ich nicht kenne, aber spannend finde.

Nandurion: Welches ist mit Blick auf Pen&Paper deine Lieblingsprofession bzw. dein favorisierter Heldentypus?

Alex: Ganz oben auf der Liste: oronische Magierinnen, meridianische Streuner, Hackerinnen, zyklopäische Krieger, erzkonservative Bibliothekare.

Nandurion: Was gefällt und/oder missfällt dir an DSA besonders in Bezug auf Settings (Aventurien, Myranor, Uthuria, Tharun oder Rakshazar), Regionen und Abenteuergenre? Was sollte bleiben und was sollte sich ändern?

Alex: Eine sehr umfassende Frage. Okay, fangen wir dabei an, was mir nicht gefällt. In Aventurien hätte ich gerne die Zeit, dass mehr Abenteuer oder Quellenbände mit Metaplot umgesetzt werden, vor allem regelmäßig. Bei Myranor ist mir manchmal die Menge an Tiermenschen zu hoch. Ich mag Amaunir, aber ich weiß nicht, ob jede Großkatzenart auch einen Tiermenschen braucht. Bei Uthuria stört mich am meisten, dass wir noch nicht mehr von dem Kontinent zeigen konnten und bei Tharun stört mich massiv, dass man praktisch kaum eine Frau spielen kann (höchstens eine Sklavin, aber auf Dauer ist das uncool). Falls man Tharun noch mal neu auflegt wäre dieser Zustand der erste, den ich gerne ändern würde.
Und was gefällt mir? Mir muss ziemlich viel an DSA gefallen, immerhin spiele ich es schon ziemlich lange, regelmäßig, motze nicht ständig über das Spiel und freue mich jedes Mal, es zu spielen.

Nandurion: Spielst du heutzutage noch Pen&Paper und wie relevant war früher das Thema online zu spielen?

Alex: Ich spiele im Schnitt jedes Wochenende eine Runde, meistens als Spielleiter (aktuell kommt manchmal noch ein Abend unter der Woche online hinzu, ich bin also ziemlich gut ausgelastet).
Vor der Corona-Pandemie war ich eher skeptisch, was Online-Runden angeht. Ich habe den großen Luxus, dass sehr viel meiner Freunde, mit denen ich in verschiedenen Runden spiele, alle in meiner nähe wohnen, sodass Online-Runden nicht nötig waren. Im Zuge der Kontaktbeschränkungen hatten wir aber über Skype, Zoom und andere Plattformen ausprobiert, wie es so funktioniert. Ist auf jeden Fall eine gute Alternative.

Nandurion: Wie hat sich die Stimmung in der DSA-Community und der Austausch mit der Leserschaft im Laufe der Zeit entwickelt?

Alex: Was den Austauch angeht: Ich glaube, durch Social Medias kann man heute deutlich mehr in Kontakt mit treten. Damit meine ich nicht nur den Kontakt zwischen den Spielern, sondern auch zwischen Spielern, Autoren, Illustratoren und dem Verlag.

Nandurion: Welche anderen Rollenspielprodukte hast du neben DSA kennengelernt und was gefällt dir darunter besonders, evtl. auch einzelne Publikationen?

Alex: DSA war, ist und bleibt meine große Liebe. Allerdings bin ich auch ein großer Fan von Shadowrun, Cthulhu und Star Wars. Auch die Welt der Dunkelheit mag ich, ebenso HeXXen, Hollow Earth Expedition und D&D.

Nandurion: Welchen Roman – den nicht jeder kennt – sollte man als Pen&Paper-Spieler*in gelesen haben?

Alex: Da kann ich keinen speziellen empfehlen. Es gibt viele gute Romane im Fantasy-Bereich oder anderen Genres, die super sind und als Inspirationsquelle für Geschichten dienen können.

Nandurion: Kennst du einen Film zum Thema Pen&Paper, den du empfehlen würdest?

Alex: Hmmm, ich muss gestehen, dass die Filme, die ich zum Thema kenne, nicht sonderlich gelungen finde. Deswegen empfehle ich lieber einen Film, der etwas mit Cyberpunk zu tun hat, und den ich als sehr unterhaltsam empfinde: Strange Days.

Nandurion: An welchen Projekten arbeitest du aktuell?

Alex: Ich arbeite, wie alle Redakteure, immer an mehreren Projekten. Aktuell wären dies u. a. die Produkte des Werkzeuge des Meisters-Crowdfunding, einige Regelteile von Thorwal-Büchern, das Einsteigerbox-Erweiterungsset Die Hexe vom Schattenwasser und an noch einer Handvoll weiterer, geheimer Produkte.

Nandurion: Vielen Dank für das Gespräch, Alex. Hoffentlich bleibst du uns und dem Hobby DSA noch lange erhalten.

Über Nottel

Nottel heißt Michael und wohnt am Bodensee. Seit 93 stromert er als Spieler und Spielleiter mit Gleichgesinnten durch fantastische Gedankenwelten. Zunächst in Aventurien und dem Riesland, später in der Dark Future, der Welt der Dunkelheit, im Trinity Universum und dringt in Galaxien vor, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
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9 Antworten zu Interview mit Alex Spohr

  1. Marcus Jürgens sagt:

    Hallo Alex, die Darstellung zu Tharun ist nicht richtig. Das Thema ist komplex und an vielen Stellen (nicht zuletzt im Disclaimer im Settingband) diskutiert worden. Sklaverei gibt es in Tharun gar nicht. Die Herrschaftsverhältnisse sind subtiler und zugleich totaler.
    Wenn ich mich recht entsinne, hattest Du Dich vor allem mit Crunch, wie den Ausarbeitungen der tharunischen Liturgien beschäftigt und dadurch hat sich ein alter Diskussionsstand bei Dir eingeprägt? Die Kulturen der Reiche wurden im Vergleich zur Urversion zum Teil erheblich überarbeitet. Meines Erachtens lohnt diesbezüglich vor allem auch ein Blick in den Abenteuerband ‚Schwerter und Giganten‘.

  2. Alex Spohr sagt:

    Hallo Marcus!

    Ich hatte mich nicht nur mit mit den Liturgien beschäftigt, sondern jeder Tharun-(Myranor)Band musste auch abgenommen werden. Insofern bin ich bei den Publikationen recht genau im Bilde, da dies immer über meinen Schreibtisch ging.
    Die Frauenrolle, die Tharun bot, sind aus meiner Sicht … nennen wir es schwerfällig. Es ist meine persönliche Sicht. Ich würde es anders machen, mir wäre eine deutliche stärkere Gleichberechtigung lieber gewesen. Man mag in Tharun das nicht Sklaverei nennen, korrekt. Ich hatte keine größere Lust, dass in dem Nandurion-Interview stärker zu erörtern. Ich wurde gefragt, was mich stört – und das stört mich eben. Man kann gerne eine andere Sichtweise darauf haben – ich für meinen Teil würde lieber eine Schwertmeisterin in Tharun spielen, die nicht von allen anderen seltsam angesehen wird, nur weil sie eine Frau ist.

    • Marcus Jürgens sagt:

      Alles klar. Es klang oben halt sehr einfach, obwohl wir uns große Mühe gegeben haben, viele verschiedene Schattierungen für das patriarchale System mit all seinen Widersprüchen zu zeichnen. Es ging uns darum, die Grundannahme des ursprünglichen Settings, dass es um eine Welt geht, in der es alles andere als gerecht zugeht – für Männer wie für Frauen — zu erhalten, ohne daraus nur ein einfach sexistisches Fantasy-Setting zu machen.
      Schwertmeisterinnen zu spielen ist in Ilshi Vailen (einem Teil der Welt, siehe „Schwerter und Giganten“/“Im Fliederwald“) zum Beispiel ohne Einschränkung möglich.

  3. Pingback: Nandurion interviewt Alex Spohr – Nuntiovolo.de

  4. queery sagt:

    Danke für das Interview Alex. Wenn ihr dafür endlich etwas zu Myranor und Tharun rausbringt, kann ich mit weniger Katzenartigen in Myranor und noch mehr durchbrochenem Patriarchat in Tharun ganz gut leben. Und ich finde es immer gut, wenn in Interviews auch kontroversen auftauchen.

  5. Tharex sagt:

    Hmmm….
    „Falls man Tharun noch mal neu auflegt..“ Klarer Konjunktiv?
    Kein „Sobald“ oder wenigsten ein allgemeines „Wenn“

    • Alex Spohr sagt:

      Momentan konzentrieren wir uns auf Aventurien. Myranor muss auch angegangen werden bzw. steht in der Planung auch deutlich vor Tharun. Das „Falls“ bedeutet vor allem, dass ich dazu wenig sagen kann und es nicht in nächster Zeit erscheint.

      • Tharex sagt:

        Danke Dir für die Klarstellung 😉

      • Chalik sagt:

        *Ironie an*
        Dann war es ja gut, dass Ulisses sich die Lizenzen für Myranor und Tharun vom Uhrwerk-Verlag zurückgeholt hat, wenn man sich jetzt auf Aventurien konzentriert.
        *Ironie aus*

        Ich finde es einfach extrem schade. Der Uhrwerk-Verlag hat so viel Arbeit, Kreativität und Energie in diese Kontinente gesteckt und einen sehr sehr guten Job gemacht. Ohne einen Patric Götz würde es Myranor schon lange gar nicht mehr geben. Er hat damals, so weit ich es weiß, die Myranor-Lizenz zu Ulisses geholt. Schade, wenn dieser wunderbare Kontinent jetzt einfach einschläft und eventuell nie wieder erwacht.

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