Der Pfad des Phex

Eine Gastrezension von VSP

Der Pfad des Phex CoverEine kleines Quiz zu Beginn: Ihr habt ein sehr mächtiges, dem Gott Phex geweihtes Artefakt, hinter dem die halbe Welt her zu sein scheint und gegen das Aladins Wunderlampe wie eine alte Funzel ausschaut. Wem gebt ihr dies zur sicheren Verwahrung: – a) der KGIA-Agentin, die die ganze Sache nun ins Reine und das Artefakt sicher hinter Schloss und Riegel bringen könnte oder b) einem jungen Streuner, der sich bei einem Einbruch hat erwischen lassen, zu doof war einen einfachen Sekretär zu überwachen, sich von jedem verfolgen lässt ohne es zu merken und sich immer so dufte Verstecke ausguckt, dass ihn in denen die halbe Welt aufzuspüren vermag?

Willkommen bei Der Pfad des Phex.

Die Rezension macht wiederholt von geweißten Spoilern Gebrauch. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass einem potenziellen Leser das Mindestmaß an Unterhaltung nicht geraubt werden soll, das der Roman bietet. Ein solches ist aber nur zu bewerkstelligen, wenn die Handlung im frei lesbaren Teil recht allgemein zusammengefasst wird und sich Informationen im Spoilerteil z. T. detailliert wiederholen.

Die Handlung: „I believe my plan has a fatal flaw – I’m in intense pain, pinky.”

Zu Beginn des Romans versucht unser Protagonist, der jungen und fesche (er trägt einen Hut mit einer Feder, fescher geht’s nun wirklich nicht) Aljoscha Timeran, in Gareth in die Villa des Barons von Ahlenfeld einzudringen. Dies ist kein Wunder, verdient sich Aljoscha doch als Dieb-Schrägstrich-Einbrecher seinen Lebensunterhalt in der Hauptstadt des Kaiserreichs. Als er dabei einer Agentin der KGIA in die Quere kommt, geht der Einbruch mächtig schief und Aljoscha gerät in ein Intrigenspiel zwischen dem Baron von Ahlenfeld und einem Sonderbeauftragten der KGIA, Gerion von Langen, was das zentrale Thema der Geschichte ausmacht.

SPOILER ANFANG

Vor Jahren brachten der Baron und seine Verbündete, die Gräfin Alliesina von Weinsheim, einen dem Phex geweihten Ring aus den Beständen der KGIA in ihre Gewalt. Dieser Ring ermöglicht es nicht nur, sich selbst durch einen Handel mit Phex quasi jeden Wunsch zu erfüllen, sondern ist auch der Schlüssel zum namensgebenden „Pfad des Phex“, einem Heiligtum des Fuchsgottes. Dort befindet sich ein großer Schatz, den der Baron an sich zu bringen gedenkt. Der KGIA-Mann Gerion von Langen hofft durch die Wiederbeschaffung des Ringes seine Stellung innerhalb der Agentur zu verbessern.

SPOILER ENDE

Dadurch wird die Neugier von Aljoscha umso mehr geweckt und er versucht, den Hintergründen dieses Konfliktes auf die Spur zu kommen. Tatkräftig von der jungen Tochter des Barons Sigune unterstützt und im Zusammenspiel mit der Agentin der KGIA, stellt er nach und nach fest, dass ihn eine gemeinsame Vergangenheit mit so ziemlich allen Beteiligten, angefangen von der Agentin über die Tochter des Barons bis hin zum Baron selbst, verbindet.

SPOILER ANFANG

Es stellt sich heraus, dass die Mutter Aljoschas, die er in Folge eines Räuberüberfalls in jungen Jahren ermordet wähnte, in Wahrheit überlebte und den Baron von Ahlenfeld geehelicht hatte (Sigune ist also Aljoschas Halbschwester). Aljoschas Mutter stahl ihrerseits dem Baron den besagten Ring in der Hoffnung, ihren verlorenen Sohn wiederzufinden, was jedoch misslang. Nach jahrelanger Suche fand der Baron seine Ehefrau, erschlug sie und nahm ihr den Ring wieder ab (eine Szene, welche im Prolog geschildert wird, ohne freilich die Hintergründe preiszugeben). Die ganze Zeit war ihm die KGIA in Gestalt von Gerion von Langen und seiner Agentin auf den Fersen. Diese entpuppt sich als Aljoschas Jugendliebe Rishka, welche vor Jahren Aljoschas erste Streunerbande den Gesetzeshütern ans Messer lieferte, dabei aber Aljoscha (ohne dessen Wissen) aus Zuneigung verschonte.

SPOILER ENDE

Nachdem die Beziehungsverhältnisse geklärt sind, kriegen Aljoscha und seine Verbündeten heraus, warum die KGIA hinter dem Baron her ist. Diesem wird vorgeworfen, aus den Beständen der KGIA ein dem Phex geweihtes Artefakt entwendet zu haben, das den Schlüssel zum „Pfad des Phex“ darstellt, an dessen Ende ein gewaltiger Schatz seiner Entdeckung harrt. Es gelingt ihnen, das Artefakt an sich zu bringen, was sie aber zum Ziel von diversen Mächtegruppen, allen voran der KGIA und dem Baron, werden lässt. In dem Bemühen, die Natur des Artefaktes zu ergründen, findet sich Aljoscha samt Entourage im Tempel des Phex ein, um dort den „Pfad des Phex“ und das Finale zu beschreiten bzw. zu bestreiten.

SPOILER ANFANG

Baron von Ahlenfeld und die mit ihm verbündete Gräfin von Weinsheim bringen Aljoscha, Sigune und Rishka in ihre Gewalt. Die Gräfin von Weinsheim täuscht vor, Rishka vergiftet zu haben (tatsächlich hat sie aber Rishka tödlich verwundet, ohne dass dies einem der Helden auffällt). So wird Aljoscha gegen das Versprechen eines (vermeintlichen) Gegengiftes dazu gezwungen, die gesamte Truppe einschließlich einiger Schergen in den Phextempel zu führen. Dies gelingt recht reibungsfrei, weil Aljoscha in seiner Jugend dort Novize war. Nachdem man einen Mondschatten des Phex K.O. gehauen hat, dringt man in den Keller des Tempels vor, wo der Baron den Zugang zum Pfad des Phex vermutet. Aljoscha, von Phex gesegnet und auserwählt, findet einen geheimen Eingang im Tempel, führt die Gruppe vor die Tore des Heiligtums und schafft es mit dem Ring, dieses zu öffnen. Ehe jedoch der Baron und seine Komplizen den Schatz an sich bringen können, greift eine weitere Gruppe der KGIA ins Geschehen ein. Diese hatte Gerion von Langen, der der Objektivität seiner Agentin Rishka nicht mehr traute, zusätzlich in Marsch gesetzt. Überhaupt wusste die Agentur über das geheime Labyrinth unter dem Phextempel vollumfänglich Bescheid, besaß eine vollständige Karte der Katakomben und wartete nur auf den Moment, die Schurken in flagranti zu ertappen. Der Baron entkommt in den Tiefen des Labyrinths, die Gräfin findet ihr Ende durch einen Dolchwurf Aljoschas und dieser kann seine geliebte Rishka im letzten Moment vor dem Tode bewahren. Am Ende zieht die KGIA Titel und Vermögen des Barons ein, Rishka quittiert ihren Dienst bei der KGIA und sie, Aljoscha und Sigune (nunmehr titellos) bilden eine glückliche, kleine Familie.

SPOILER ENDE

Bewertung der Handlung

Als Organisation der Geheimdienst Aventuriens schlechthin (Freunde des Direktoriums für besondere Angelegenheiten mögen mir es nachsehen), als göttliche Macht der Gott der Diebe und der Händler, als Handlungsort die größte Stadt Aventuriens: Der Autor Sebastian Schwinn, der hier seinen DSA-Debüt-Roman abliefert, macht mit seiner Themenwahl viel richtig, da sie schon von sich aus einen ausreichend spannenden Hintergrund liefert. Leider bilden diese Themen jedoch – offenbar geplant – lediglich das Vehikel, um die Geschichte Aljoschas zu transportieren. Nur liest sich diese in der Zusammenfassung sehr viel spannender als ausgebreitet in den 28 Kapiteln nebst Prolog und Epilog. Eine der Stärken von DSA-Romanen ist ihre Möglichkeit, auf eine ungeheuer detailliert ausgearbeitete Welt sowohl in materieller als auch immaterieller Hinsicht zurückgreifen zu können. Leider macht der Roman zu keinem Zeitpunkt davon wirklich Gebrauch. Gareth als Handlungsschauplatz wirkt beliebig und austauschbar, die KGIA bleibt nicht mehr als eine ominöse Geheimgesellschaft im Hintergrund, der Gott der Diebe und der Händler hat zwar enorme Bedeutung für die Handlung, doch kann man mit guten Gründen die Frage stellen, ob der Autor dem Fuchsgott wirklich gerecht wird.

Dass Aljoscha von Phex gesegnet, gar „auserwählt“ ist, wird den Lesern in einer Traumsequenz in bester Frontalmanier vor die Nase gesetzt. Aljoschas früherer (toter) Mentor erscheint dem Helden (so dass ich, man möge es mir verzeihen, das Bild von einer leuchtenden Gestalt á la Obi-Wan-Kenobi nicht aus dem Kopf bekam) und offenbart ihm dies. Nur allein warum der Fuchsgott ausgerechnet Aljoscha erwählt haben soll, dieser gar eine Inkarnation eines früheren Geweihten ist (so jedenfalls zart angedeutet), bleibt vollständig das Geheimnis des Autors (und lässt eine Fortsetzung erahnen, oder bösartiger, befürchten). Ist Phex in Aventurien nicht der Gott, der dem Motto „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“ am nächsten kommt? Gemessen an diesem Credo ist der Protagonist, der insgesamt nicht ohne Schwierigkeiten daherkommt (siehe unten, Charaktere), die denkbar seltsamste Wahl. Woher kommt Aljoschas Vermögen, den „Pfad des Phex“ zu erkennen? List und Klugheit, Attribute die man doch wohl erwarten darf, sind es leider nicht. Am Ende erweist sich Aljoscha als netter Kerl, als hingebungsvoll und opferbereit. Doch inwiefern ist dies genuin phexgefällig?

Hintergrund- und regeltechnisch gibt es, so man solche Maßstäbe an DSA-Romane anlegen will, auch einige Fragezeichen. Die KGIA zerbrach nach den Ereignissen der letzten Jahre in zahlreiche Splittergruppen (Auf gemeinsamen Pfaden, S. 97). Natürlich spricht nichts dagegen, dass Gerion von Langen einer solchen vorsteht. Auch das Glossar des Buches beschreibt die KGIA insoweit als eine im „Wiederaufbau“ befindliche Organisation. Im Buch jedoch wird der Anschein einer geschlossenen Agentur erzeugt, die über immense Ressourcen samt intakter Hierarchie verfügt, was zum vorher Gesagten nicht so Recht passen will.

Auch dürften sich die gescheiterten Sinnesschärfe-Proben der Figuren im zweistelligen Bereich befinden. Insbesondere Aljoscha kriegt nie mit, wenn ihm gefühlt die halbe Stadt auf den Fersen ist. Ein weiterer Faktor ist der Deus ex Machina (im wahrsten Sinne des Wortes), welchen uns der Autor rotzfrech am Ende des Romans angedeihen lässt.

SPOILER ANFANG

Da setzt Aljoscha den Ring des Phex ein, der jeden Wunsch gegen einen Handel mit Phex erfüllen kann (und wovor ALLE Figuren einschließlich der Bösen das ganze Buch über gewarnt haben, weil man bei einem Handel mit Phex ja nur verlieren kann), um seiner geliebten Rishka das Leben zu retten, indem er Phex quasi sein eigenes Leben anbietet. Der Fuchsgott hat die Spendierhosen an und schenkt BEIDEN das Leben. Tsa- und Borongläubige dürften an dieser Stelle mit den Ohren schlackern, aber auch Phexanhänger werden sich fragen, was ihr Gott sich dabei denkt, außer dem Leser ein Happy End zu bescheren. Besser wäre es hier in der Tat gewesen, aus der vermeintlichen eine echte Vergiftung zu machen und Aljoscha bei der Gräfin das Gegengift finden zu lassen.

SPOILER ENDE

Dies führt mich zu Problemen bei Struktur und Inhalt der Handlung, die mit dem Schwarzen Auge nichts zu tun haben. Der Deus ex Machina wurde bereits erwähnt. Eine weitere Schwäche ist, dass der Autor sich immer wieder in erzählerische Sackgassen verrennt, an denen die Geschichte eigentlich logisch zu Ende sein müsste. Zufallsbegegnungen (junger Held trifft Baronstochter zufällig auf dem Markt) oder erratisches Verhalten der Beteiligten (KGIA-Agentin lässt zu, dass Held Artefakt an sich nimmt, siehe Eingangsquiz), treiben die Geschichte dann aber weiter voran. Auch werden Handlungsstränge etabliert, die dann aber im Nichts enden oder anscheinend nicht zu Ende gedacht wurden. So trifft sich die mit dem Baron verbündete Gräfin von Weinsheim mit einem Dorfhändler, um ein Gerücht in die Welt zu setzen, was ausführlich im Roman geschildert wird. Zu welchem Zweck sie das tut, kann man erahnen. Wirkliche Bedeutung erlangt dies nie. Auch wie die Schurken den Schatz vom „Pfad des Phex“ bergen wollen, bleibt ein spannendes Rätsel. Wer den Kern des Problems ergründen möchte, rufe sich die Folge von Pinky und Brain ins Gedächtnis, in der diese in Fort Knox einbrechen. (für die Unkundigen: die zwei Mäuse schaffen es, in Fort Knox einzubrechen nur um dann festzustellen, dass sie die Tonnen an Gold nicht fortschaffen können…)

Die Charaktere: „Wenn Sie ein englischer Lord sind, bin ich Mickey Mouse!“

Mit Aljoscha Timeran serviert uns der Autor einen durchaus liebenswerten Hauptcharakter und müht sich redlich, ihm einen gewissen Wiedererkennungseffekt zu verpassen (Stichwort: fescher Hut mit Feder). Bisweilen erinnert der junge Streuner, der sich stets um Höflichkeit bemüht, an Disneys Aladin (von wegen ungeschliffener Diamant). Die Sympathieführung klappt also, nur leider enden hier auch die Gemeinsamkeiten mit dem geschickten und schlauen Straßenjungen aus Agrabah. Denn als Streuner, Einbrecher und Dieb, insgesamt als Diener Phexens, ist Aljoscha eine echte Niete. Der Kerl kann nix. Egal ob es um den Einbruch in eine Villa geht, die Observation von Verdächtigen, das Abschütteln oder gar Bemerken von Verfolgern oder das sich Verstecken, bei jeder Aufgabe scheitert unser „Held“. Dabei zeichnet er sich auch nicht unbedingt durch übermäßige Gewitztheit aus. Hier kann man nun die Frage aufwerfen, ob ein versagender Protagonist nicht auch seinen Reiz hat. Es stellt sich aber leider kein Guybrush Threepwood – Effekt“ ein, bei dem man solche „Helden“ ja ins Herz schließen kann. Stattdessen rollt man innerlich mit den Augen angesichts der geballten „Kompetenz“ und zählt innerlich die Sekunden, ehe Aljoscha das nächste Mal wieder nichts gebacken bekommt. Auch wird man bei einem Roman, welcher vor dem Hintergrund einer Rollenspielwelt angesiedelt ist, einen entsprechenden „Helden“-Erwartungshorizont sowohl ansetzten als auch erwarten dürfen. Und einige Verhaltensweisen oder Gedanken des jungen Burschen möchte man nur mit einem Kopfschlag auf den Tisch quittieren. Wer hat etwa in einer lebensbedrohlichen Situation mit der Klinge am Hals Gedanken wie: „Ich darf ihr den Ring nicht geben!, durchfuhr es ihn. Nicht, bevor ich nicht die Wahrheit herausgefunden habe. Bei den Göttern, ist sie schön!“? Und wer ballt „die Hand zur Faust und warf ihm [dem Madamal] grimmige Entschlossenheit entgegen“, nachdem er eine beunruhigende Vision seines früheren Mentors erfahren hat?

Insgesamt arbeitet der Autor bei seinen Figuren stark mit Stereotypen. Räuber haben natürlich eine schlechte Mundhygiene, böse oder zumindest unsympathische Charaktere tragen schwarz und sind jähzornig, Frauen sind entweder kaltberechnende Biester oder dienen als Damsel in Distress. Exemplarisch sei hier Sigune, die Tochter des Barons, genannt. Diese wird – zwar durchaus rollengerecht – als standesbedachtes, zartbesaitetes Püppchen beschrieben. Nur wird dabei das Rollenbild derart überzeichnet, das Sigune gefühlt stets zwischen Furcht, Weinen und Zorn schwankt, so dass man sie am liebsten als eine der Töchter des Grafen von Grantham nach Downton Abbey katapultieren will – zu Beginn der ersten Staffel vor jeglicher Charakterentwicklung. Diese ist auch ein Thema für sich. Natürlich kann man hier keine biblische Saulus-Paulus-Geschichte angesichts des seitlich begrenzten Textes erwarten. Wenn sich aber Sigune und die KGIA-Agentin über 10 Kapitel anzicken, nur um dann quasi in einem Satz ihre Differenzen auszuräumen, lässt sich dies auch angesichts der Situation (Lebensgefahr für alle Beteiligten) nur mit einem Seufzen hinnehmen.

Insgesamt präsentieren sich die Figuren als Dutzendgeschöpfe und vermögen es nie – jedenfalls bei mir – rechtes Interesse zu wecken. Allein Gerion von Langen bildet hier die löbliche, aber leider auch einzige Ausnahme, was vermutlich nicht zuletzt daran liegt, dass sein Schachzug entscheidend für das Ende des Romans ist.

Stil: „John Sinclair wachte auf – er hatte nur noch 24 Stunden zu leben.“

Dem Autor merkt man durchaus den literaturwissenschaftlichen Studienhintergrund oder zumindest die Schreibwerkstatt an. Es finden sich gängige Stilmittel wie z. B die Erläuterung der (natürlich traumatischen) Vergangenheit des Helden via Rückblende, die pflichtschuldig dann stattfindet, wenn der Held im Kerker sitzt und daher sowieso nichts zu tun hat. Ein Pluspunkt ist definitiv das Bemühen des Autors, die verschiedenen Handlungsstränge darzustellen und aufeinander zulaufen zu lassen, wodurch sich der ein oder andere „Twist“ ergibt. Erst nach und nach wird klar, wer mit wem wie zusammenhängt und dies hat dann auch Folgen für das Handeln der Beteiligten, etwa wenn Aljoscha seine Verbindung zum Baron herausfindet.

Sprachlich ist das Buch sehr schlicht und damit gut lesbar geschrieben. Allerdings finden sich bisweilen „Satzperlen“, die sich gefährlich schwach formulierter Trivialliteratur annähern. Ein Beispiel: „Sigune hatte den Raum mit ihnen gemeinsam als verängstigtes Mädchen betreten, doch soeben hatte sie ihn alleine mit dem aufrechten Gang einer erwachsenen Frau verlassen.“ Man merke: Nur erwachsene Frauen gehen aufrecht.

Gesamtergebnis: What does the Fox say?

Wem kann man den Roman nun guten Gewissens empfehlen? Nicht jemandem, der sich tiefergehende Details über die KGIA, die Phexkirche oder Gareth erhofft. Auch komplexe Figuren oder raffinierte Entwicklungen wird man nicht vorfinden. Aber auch das Gegenteil, also ein sprachlich, handwerklich oder inhaltlich schlechter Roman, liegt nicht vor. Stattdessen konstatiert man Mittelmäßigkeit und Durchschnitt, Wasser und Brot in literarischer Form. Das kann auch mal ganz nett sein, ist aber kaum ein positives Votum für einen Fantasy-Roman. Am Ende bleibt allein die Geschichte Aljoschas, und auch wenn sich der Autor bemüht, dem Leser hier nicht einen, sondern mehrere Erzählstränge (Aljoschas Vergangenheit, Aljoschas Familienbande, das Artefakt des Phex) zu präsentieren, lässt einen das Schicksal des jungen Streuners meist gleichgültig. Nie stellte sich bei mir das „Ach, ich will jetzt aber wissen wie es weiter geht, also noch ein Kapitel“ – Gefühl ein.

Neun Einhörner haben sich mit auf den Pfad des Phex gemacht. Eines hatte die Kompetenzen des Protagonisten und fiel seinen Häschern zum Opfer, ein weiteres ist mit einem Großteil der Nebenfiguren, insbesondere der Baronstochter, nach Downton Abbey auf und davon. Ein drittes verweigerte angesichts sprachlicher Stilblüten das Weitergehen, ein viertes hätte sich mehr Bezug zu Aventurien gewünscht. Ein fünftes ist in Wahrheit ein Fuchs und fühlt sich um sein Wesen betrogen, ein sechstes schließlich hatte kein Verständnis für die diversen Handlungssackgassen beim Phex-Pfad und nimmt insbesondere den Deux ex Machina am Ende übel. Es verbleiben drei Einhörner, die sich über die verschiedenen Handlungsstränge, die grundsätzliche Themenwahl und Gerion von Langen freuen und ernsthaft hoffen, dass bei Aljoschas nächstem Auftritt – so er denn kommt – der Fuchsgott dem Knaben mehr Witz und Klugheit und so dem Leser mehr Freude schenkt.

Bewertung Einhorn 3

Mit freundlicher Unterstützung in Form eines Rezensionsexemplars von der Ulisses-Spiele GmbH und dem F-Shop.

Nandurion bedankt sich bei VSP für die Gastrezension!

Über Curima

Moin, ich heiße Lena, bin 32, komme aus Hamburg und spiele seit 2003 DSA. Ich spiele lieber als ich leite und schicke meine diversen Charaktere fast jeden Samstag durch Aventurien. Seit Mitte Mai 2012 arbeite ich bei Nandurion mit.
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15 Kommentare zu Der Pfad des Phex

  1. Pingback: Rezension zu „Der Pfad des Phex“ | Nandurion

  2. Schreckse sagt:

    Mittlerweile habe ich schon einiges an DSA Romanen gelesen und ich glaube, dass ist eine eigne Gattung an Literatur 😀

    Ich stimme der Rezension soweit zu, aber finde die drei Einhörner eines zu wenig. Es ist gute Durchschnittskost und es ist auch Luft nach oben. Der Autor hat noch nicht so viele Erfahrungen, aber anstatt sich zu verheben, schreibt er einen soliden Roman. Ich würde dem ganzen 4.5 Einhörner geben.

    Nur das Ende passt nicht in mein Aventurien, aber Romane passen meist ja auch nur in ein sehr spezielles Aventurien – manchmal 😉

  3. Siebenstreich sagt:

    Hm, wenn ich da an (meine Rezension von) „Nachtrichter“ zurückdenke, scheint Phex offenbar Gefallen an unfähigen Streunern/Novizen zu haben. ^^

  4. Autor sagt:

    Eine sehr engagierte Kritik, in der viel Wahres steckt. Inhaltlich müsste aber in einigen Punkten nachgebessert werden:

    1. Die eingangs erwähnte Quizfrage stellt sich im Roman nicht. Die Helden agieren nicht als Gruppe, und Aljoscha nimmt das Artefakt ausdrücklich gegen den Willen der Agentin an sich.
    2. Aljoscha scheitert bei dem Versuch, das Leben der Agentin mithilfe des Artefakts zu retten. Erst auf sein Gebet reagiert Phex. Der Deus ex machina dient hier der Abgrenzung und der finalen Sichtbarwerdung von Phexens Eingreifen, er ist KEINE Verlegenheitslösung, um ein Happy End zu erzwingen.
    3. Aljoscha und Sigune treffen sich nicht zufällig auf dem Markt, sie sind dort verabredet.
    4. Aljoscha wird nur vom korrupten Hauptmann verfolgt und in seinem Versteck aufgespürt. Der wiederum wird von der KGIA überwacht.
    5. Aljoscha ahnt sehr wohl, dass er verfolgt wird. Darum verbringt er die letzte Nacht in einem anderen Versteck und legt sich vor dem Gasthaus auf die Lauer. Sowohl beim Ausbruch aus dem Kerker als auch nach dem Fund des Artefakts agiert er sehr vorausschauend. Er scheitert zwar als Einbrecher und Spion, aber ein ahnungsloser Versager ist er nicht.
    6. Der Aufbau der KGIA wird im Roman gar nicht beschrieben. Die Aussage, sie sei im Widerspruch zu den bekannten Entwicklungen noch immer nahezu allmächtig und intakt, findet sich an keiner Stelle.
    7. Die Frage, wie die Schurken ihre Beute aus dem Labyrinth bringen wollen, wird im Roman nicht beantwortet und lässt Raum für Spekulationen. Zu behaupten, der Autor hätte sich in eine Sackgasse geschrieben, ist aber eine Interpretation.

    Ein letztes Detail: Der Baron heißt AhlenBERG, nicht AhlenFELD.

  5. VSP sagt:

    Da es doch mehr als zwei Punkte sind, hier eine kleine Replik:

    1. Das Quiz ist natürlich eine Überzeichnung – in der Tat leistet die KGIA-Agentin zumindest verbal Widerstand gegen die Übergabe des Artefakts. Gleichwohl und auch eingedenk ihrer Beziehung zum Hauptcharakter ist es mehr als … günstig für die weitere Handlung, dass sie sich darauf einlässt.
    2. Dass der Deux ex eine Verlegenheitslösung sei, wird an keiner Stelle behauptet und ist auch nicht der Kern der Kritik. Es geht vielmehr um das Stilmittel an sich sowie den Inhalt desselben – insbesondere warum Phex tut, was er tut. Das ist aber, zugegebenermaßen, Geschmackssache.
    3. Zufallstreffen: Die Stelle bezog sich auf Kapitel 9 – das Treffen zwischen Sigune und Aljoscha dort stellt defintiv ein Zufallsereignis dar. Eine Verabredung ist weder ausdrücklich noch konkludent ersichtlich. Erst dieses Treffen treibt dann die Handlung weiter voran.
    4-+5: Aljoscha der „Streuner“: Was aber nichts dagegen erinnert, dass der Held dauernd erwischt wird und nicht eine gelungene Aktion auf diesem Gebiet vorweisen kann.
    6: Allmacht der KGIA: Nein die Aussage findet sich expressis verbis nicht im Roman. Wohl aber die Schilderung der Ressourcen, über die Gerion von Langen gebietet – was sich insbesondere im Finale mehr als bemerkbar macht.
    7. Der Abschnitt mit der Schatzbergung bezog sich auch nicht mehr auf den Sackgassenabschnitt – was man durch einen Absatz hätte kenntlich machen müssen, mein Fehler. Kern ist hier der Weg, auf dem der Schatz geborgen wird – die Schurken kennen nämlich nur den Weg durch den Phextempel. So der Schatz nicht nur aus 5 Teilen bestand, hätten sämtliche Gegenstände durch den Phextempel von Gareth getragen werden müssen. Natürlich machbar wenn es sich um die Crew von Oceans Eleven handelte – allein, auch dieser Eindruck wurde nicht unbedingt vermittelt.^^

    Zuletzt zum Detail: Richtig, der einzig valide Punkt – mea culpa. Zeigt aber auch nur, wie unglaublich einprägsam die Figuren waren.

  6. Autor sagt:

    Danke für die Replik, die Missverständnisse lichten sich. Um weiteren vorzubeugen, noch einmal ganz deutlich: Ich schätze Ihre Rezension. Nicht nur wegen der bemerkenswerten Ausführlichkeit, sondern auch wegen einiger sehr scharfsinniger Beobachtungen. Mein Roman hat zweifellos seine Fehler, aber einige hat er eben nicht.

    1. Auch wenn die Quizfrage zu Beginn dem Unterhaltungswert der Rezension zugutekommt, so erweckt sie bei einem Leser, der den Roman nicht kennt, völlig falsche Vorstellungen. Darüber hinaus ist das Verhalten der KGIA-Agentin nicht einfach nur „günstig“ für die weitere Handlung, sondern einem ihrer grundlegenden Charakterzüge geschuldet. Immerhin kam sie erst aufgrund ihrer hohen Moralität zur KGIA. Sie weiß, dass der Baron ein in höchstem Maße schuldiger Mann ist. Dennoch folgt sie der KGIA-Linie, ihn unbehelligt zu lassen, wenn nur das Artefakt zurückgegeben wird. Das steigert ihren bereits vorhandenen inneren Konflikt. Aljoschas Verlangen nach Rache entspricht ihren innersten Überzeugungen. Daher verweist sie in der Szene auch wiederholt auf die Politik der KGIA, nicht auf ihre eigene Ansicht. In Verbindung mit Aljoschas Versprechen, den Ring zu einem gegebenen Zeitpunkt zurückzugeben, ist das für sie akzeptabel. (Davon abgesehen stellt sich Sigune auf Aljoschas Seite. Rishka hätte, die anwesende Hausdame mit eingerechnet, eine dreifache Übermacht gewaltsam überwältigen müssen, um den Ring zu bekommen.)
    2. Über Geschmacksfragen lässt sich nicht streiten, aber die Szene wird in Ihrer Rezension falsch wiedergegeben. Phex schenkt Rishka das Leben, weil es vom Prolog an seine Absicht war, Aljoschas Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Darum auch die Spiegelbildlichkeit von Prolog und Epilog. Der Deus ex machina ist der finale Knall, mit dem Phex sein Werk abschließt.
    3. Hier haben Sie zwei Szenen verwechselt. Das Treffen in Kapitel 9 findet vor Sigunes Elternhaus statt, nicht auf dem Markt. Da dem vorausgehend eine symbolisch aufgeladene Szene Phexens Eingreifen deutlich gemacht hat, ist der Zufallscharakter des Ganzen allerdings zweifelhaft.
    4. + 5. In Ihrer Rezension verweisen Sie selbst auf die Möglichkeit eines „versagenden Helden“. Das muss man natürlich nicht mögen, aber als Konzept an sich ist das doch nicht falsch. Ich persönlich finde es weitaus interessanter, einem fehlbaren Charakter durch die Geschichte zu folgen als einem unfehlbaren Übermenschen.
    6. Ich finde nicht, dass die Ressourcen der KGIA im Roman übertrieben dargestellt werden. Am Ende hat Gerion von Langen auch nur eine Schar von Bewaffneten dabei. Das sind natürlich Söldner, keine Agenten. Die einzigen Agenten sind Rishka, Erim und von Zabernheim.
    7. Das ist so nicht korrekt. Über die möglichen Zugänge zum Labyrinth bemerkt Gerion von Langen, „dass es keine weiteren Zugänge mehr (!) gibt.“ Auch der Baron erklärt, dass es früher mehrere Zugänge gegeben hat. Womöglich sind die von innen wieder zu öffnen? Da der Baron am Ende trotz eifrigen Suchens nicht gefunden wird, darf man spekulieren.

    Sie führen Ihren Fehler beim Namen des Barons auf die mangelnde Einprägsamkeit meiner Figuren zurück? Nichts für ungut, aber da könnte ich genauso böswillig behaupten, Sie hätten den Roman einfach nicht gründlich genug gelesen. Lassen Sie uns bitte sachlich bleiben.

  7. VSP sagt:

    Es ist mir eine Ehre, gewissermaßen mit dem Autoren (so etwas hatte ich vermutet) die Klinge zu kreuzen – der Rezension ist im Übrigen nicht das übliche Beiwort beigegeben, dass ich zutiefst Respekt für jemanden empfinde, der sich mit seinem „geistigen Kind“ in die Öffentlichkeit begibt. Diese Worte fehlen, weil sie für mich eine Selbstverständlichkeit darstellen.

    1. Weder ist es (nach meinem Verständnis) Aufgabe noch im Bereich der Möglichkeiten einer belletristischen Rezension, den „wahren Geist“ des Romans wiederzugeben, geschweige denn alle Gedankenkonstrukte des Autoren zu erfassen. Er ist immer zutiefst subjektiv. Die Aufschlüsselung eines Unterhaltungsromans(sic!), wie sie es exemplarisch am Charakter der Rishka vornehmen, ist auch nicht der Grund (für mich), solche Romane zu lesen und wird auch nie Anspruch meiner Rezensionen sein. Es geht hier nicht um literaturwissenschaftliche Exegese, sondern darum, aus der Sicht eines „Dritten Lesers“ eine Bewertung vorzunehmen, insbesondere, ob es sich lohnt, Geld und Lebenszeit in diesen Roman zu investieren. Beides ist m.E. nicht der Fall, insbesondere angesichts der Konkurrenz.

    Sie als Demirug von Rishka und den anderen können deren Motivation und Grundkonzepte gewiss besser durchdringen – als unbedarfter Leser macht man sich aber keineswegs so tiefschürfenden Gedanken. Man prüft lediglich oberflächlich die Plausiblität. Der einzige Grund für mich, Rishkas Verhalten bei der Übergabe des Artefakts als nachvollziehbar zu empfinden, war ihre Zuneigung zu Aljoscha. Gemessen an seinem bisherigen Verhalten und insbesondere nachdem von Langen seiner Agentin klipp und klar gemacht, wie die Reise weiter zu gehen habe, hätte man ein anderes Verhalten aber durchaus auch als plausibel akzeptieren können. Sie hätte z.B. zum Schein auf das Angebot eingehen können, nur um anschließend – mit Verstärkung – Aljoscha den Ring wieder abnehmen können. (abgesehen davon dass in meiner Wahrnehmung Rishka als derart „tough“ dargestellt wurde, dass sie auch eine Auseinandersetzung mit einem jungen Mädchen, unserem jungen Helden und einer alten Haushälterin wohl kaum hätte zu scheuen brauchen – aber auch hier sind es „ihre“ Figuren, darob ihnen die Deutungshoheit obliegt).

    2. Zur Durchdringung gehört gewiss auch der deux ex machina – und ich gebe frei heraus, diese Spiegelbildlichkeit nicht bemerkt zu haben. Gewiss sind diese Überlegungen bewunderswert konstruiert, aber wenn es ihre Absicht war, diese Wirkung zu erzeugen, insbesondere eine Läuterungs-Geschichte zu schreiben, ist mir dies vollständig entgangen. Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Gewiss mag das auf meinen mangelnden Scharfsinn zurückzuführen sein. Möglich – und, mit Bitte um Verständnis, aus meiner Sicht wahrscheinlicher – ist aber, dass diese Botschaft mit den dargebotenen Mitteln nicht hinreichend transportiert wurde.
    Es löst auch nicht den Widerspruch zum „source material“ – ergo, dem Wesen des Gottes Phex, jedenfalls nach meinem Verständnis. Es bleibt dabei, dass sich mir nie erschlossen hat, warum Phex tut, was er tut, insbesondere warum er BEIDEN das Leben schenkt. Gewiss sind die Wege der aventurischen Götter unergründlich und Phex muss auch nach der Neuauflage der Historica Aventurica kein mieser Halunke sein. Aber diese Form des Altruismus empfinde ich als wesensfremd und im Rahmen des Romans als nicht nachvollziehbar. Dass ich die Szene falsch wiedergeben hätte, ist gleichfalls nicht der Fall. Der Ring WIRD eingesetzt (wenn auch erfolglos) und am Ende leben alle. Eine Kausalität wird nicht behauptet und ändert insbesondere nichts daran, dass hier ein deux ex machina vorliegt. Diese müssen nicht per se schlecht sein, aber auch mit ihrer angebotenen Erklärung vermag man nicht zu erklären, warum Phex dies tut und ob es zum „Wesen“ des Gottes passt.

    3. Ohne hier die Haarspalterei zu betreiben kann es dahinstehen, ob das Treffen vor dem Haus, im Schlossviertel, in den Gassen von Gareth oder letztendlich im Gasthaus Zum Roten Henker stattfand – es bleibt eine Zufallsbegegnung. Dass der Autor, also sie, dahinter Phexens Wirken, sehen, ändert nichts daran, dass aus Sicht des Lesers sich dieses nicht erschließt und objektiv ein zufälliges Treffen bleibt. So sie die „Aufladung“ anführen, zeigt sich unmittelbar davor lediglich der Trübsinn – blasende Aljoscha und im Kapitel unmittelbar davor die intrigierende Gräfin. So sie auf die Ereignisse in Kapitel 7 Bezug nehmen, zeigt sich hier erneut eine karmale Verbindung, die vor dem selben Problem steht, wie unter 2) beschrieben.

    4. Niemals war es meine Absicht – und dies ist meiner Rezension auch nicht zu entnehmen – Aljoscha als kompletten „Versager“ darzustellen. Er ist ein netter Kerl, höflich und opferbereit. Aber als jemand, der doch eine gewisse Zeit in der Unterwelt von Gareth, zumindest auf den Straßen, zu Hause war, erfüllt er nun einmal das Rollenbild eines „Streuers“. Ist es wirklich zu viel verlangt, von ihm eine gewitzte Handlung, einen raffinierten Schachzug zu erwarten, gar ein Manöver, welches die Schurken ihrem verdienten Ende zuführt? Oder – in überzeichnetem Regelsprech gefragt – wenigstens eine gelungene Schleichen, Sich Verstecken oder Gassenwissenprobe, wenn es wirklich drauf ankommt? Auch hier ist wieder Phex – oder zumindest mein Verständnis des Gottes – das Problem. Gewitzte, schlaue, schlagfertige Diener erwerben sich die Gunst des Fuchsgottes – so jedenfalls nach meinem Dafürhalten.
    Dass das Konzept des scheiternden Helden „falsch“ sei, werden sie auch bei mir nicht lesen. Guybrush Threepwood wurde nicht umsonst zitiert. Aljoscha… erzeugt diese Wirkung aber eben bei mir aber nicht.

    5. Zur KGIA: Gewiss, auch hier kann man sich trefflich streiten. Es mag vielleicht auch nicht ihnen sondern dem Jahr des Feuers geschuldet sein. Aber unter „Splittergruppe“ und „Wiederaufbau“ habe ich einfach eine andere Vorstellung. Zu ihrer Verteidigung kann man anführen, dass auch „Auf gemeinsamen Pfaden“ den Beziehungswert nach dem Jahr des feuers mit „immens“ angibt. Es wirkt halt einfach so, als hätte das Jahr des Feuers nie statt gefunden – eine Referenz hinsichtlich des „Wiederaufbau“ wäre halt ’schön‘ gewesen und jenen Bezug zur Welt des Schwarzen Auges erzeugt, dessen Fehlen ich gerügt habe und ehrlicherweise schmerzlich vermisse.

    6. So lassen sich Texte anders verstehen. Den Satz „Ich weiß, dass es aus diesem Labyrinth keine weiteren Ausgänge MEHR gibt“ hatte ich so verstanden, dass Gerion von Langen die anderen Zugänge zum Labyrinth nunmehr versiegelt hatte bzw. bewachen ließ, um sicherzugehen, dass niemand der Falle entgeht. Wie selbstverständlich ging ich davon aus, dass von Langen diese anderen Wege nutzte, um die zeitliche Koinzidenz zu wahren und „right in time“ vor der Schatzkammer aufzutauchen. Dass er ebenfalls den Weg durch den Phextempel nahm, konnte ich so dem Text nicht entnehmen (lässt diese Deutung aber – sofort eingestanden – zu).
    Im Übrigen bliebe es dann dabei, dass die Bergung des Schatzes allein durch den Phextempel hätte erfolgen können (vorbei am bewusstlosen Mondschatten) – wobei natürlich offengehalten wurde, um WAS für einen Schatz es sich handelt. Als Leser kann man aber durchaus die Vorstellung der Schurken hier zu eigen machen, die sich eindeutig materielle Reichtümer erhoffen.

    7. Ein flapsiger Kommentar macht diesen noch nicht unsachlich. Es bleibt dabei: Bei mir blieb nicht einer der Charaktere – mit Ausnahme von Gerion von Langen – hängen. Was das „gründliche“ Lesen anbelangt, verweise ich auf das Sujet des Textes und meine einleitenden Worte. Es soll der Unterhaltung dienen. Gemessen an diesem Maßstab erfolgte die Gründlichkeit der Lektüre. Einigen Texten gelingt es dabei durch aus – auch auszugsweise – sich bei mir im Gedächtnis festzusetzen. So dem nicht so ist, mag es erneut meinem mangelnden Verständnis geschuldet sein – oder eben der Qualität des dargebotenen Textes.

  8. Autor sagt:

    Vielen Dank, dass Sie so deutlich werden. Ich habe es zwischenzeitlich selbst als Fehler ausgemacht, dass einige Konzepte, die ich dem Roman zugrunde gelegt habe, in einem Unterhaltungsroman offenbar nicht funktionieren (so auch die Überzeichnung der Stereotypen in den Nebenrollen). Im Grunde ist das der Hauptkonstruktionsfehler des Ganzen. Die Behauptung, ein Unterhaltungsromanleser bzw. ein -rezensent sei nicht verpflichtet, die Aussageabsicht des Romans zu erfassen und in seiner Bewertung zu berücksichtigen, ist aber allzu bequem. Als Autor macht man sich viele Gedanken über die Dinge, die man zu Papier bringt. (Ich habe den Pfad des Phex als rein privates Projekt mit sechzehn begonnen und über elf Jahre mit mir herumgetragen. Da kommen viele Gedanken zusammen.) Wenn man als Leser eine mögliche Intention des Autors aber kategorisch ablehnt und dadurch Verständnisprobleme bekommt, ist das kein konzeptionelles Problem.

    Was mir an Ihrer Rezension besonders gefallen hat, ist die Frage nach Phexens Intention. Das zeigt, dass Sie in die richtige Richtung gedacht haben. Dazu Folgendes: Phex handelt als schuldbeladener Gott. Er hat den Angriff auf Aljoschas Familie nicht verhindert. Er hat Aljoscha zwar unter seine Fittiche genommen und seiner Mutter mittels Ring etwas Beistand zukommen lassen, aber das hat den einmal entstandenen Schaden nicht behoben. Als dann Silvana im Prolog stirbt, weint er (Ring!). Nach dem Mord entschließt er sich zum Handeln. Im nächsten Kapitel ist Aljoscha im Haus des Barons, und Phex ist an seiner Seite (Mondsymbolik, durch den Teppich vorgezeichneter Pfad, Fuchs auf dem Bild). Phexens Gnade gründet nicht auf Aljoschas (durchaus zweifelhaften) Fähigkeiten als Dieb, sondern in der Schuld der bornländischen Händlerfamilie gegenüber, die er im entscheidenden Moment nicht beschützt hat. Die Spiegelbildlichkeit von Prolog und Epilog sowie die gesamten „Merkwürdigkeiten“, die im Verlauf des Romans auftreten, sind darauf zurückzuführen. Nicht zuletzt natürlich auch die Titelwahl. Das von Ihnen als zu offensichtlich bemängelte Traumkapitel sagt das ziemlich deutlich, wenn darauf verwiesen wird, dass der Pfad des Phex nicht nur das Labyrinth bezeichnet. Das „Zufallstreffen“ in Kapitel 9 ist neben dem Deus ex machina der direkteste Eingriff und wird als solcher durch Aljoschas Badeerlebnis hervorgehoben.

    Soviel zu Phex. Wie steht es um Aljoscha? Überspitzt formuliert: Aljoscha ist als Dieb im falschen Film. Sein elterliches Erbe ist der Handel. Nur als Händler hat er eine Zukunft, sogar mit Rishka. Damit das funktioniert, muss Aljoscha es natürlich auch wollen. Daher ist es entscheidend für das Verständnis, dass eben nicht der Ring durch einen simplen Handel den Deus ex machina auslöst, sondern Aljoschas von Selbsterkenntnis geprägtes Gebet. Im letzten Kapitel wird das ausführlich thematisiert, ist aber natürlich nur verständlich, wenn man sich zuvor auch auf diesen Aspekt der Geschichte einlässt. Am Ende steht der Epilog: Die Welt ist wieder in Ordnung, die zerstörte Familie zusammengeführt, und Phex lacht.

    Wollen Sie ernsthaft behaupten, das alles überlesen zu haben? Sie haben doch viele dieser Aspekte selbst angesprochen. Gerade das hat mir an Ihrer Rezension so gut gefallen. Mir scheint, Sie schrecken nur vor dem letzten Schritt zurück, all das zu einem stimmigen Ganzen zusammenzusetzen.

    Warum habe ich das alles nun in einen Fantasyroman gepackt und einen Aventurien-Hintergrund gewählt?
    Ich habe die DSA-Reihe gewählt, um menschliche Schicksale vor einem Low Fantasy-Hintergrund schildern und allzu Heldisches vermeiden zu können. Die Geschichte braucht einen Gott und ein religiöses System. Sie braucht eine Fantasy-Realität, um zu funktionieren. Als historischer Roman, den Gesetzen unserer Welt verpflichtet, wäre Phexens Pfad undenkbar. Ein High Fantasy-Roman ist ebenfalls ausgeschlossen, da sowohl der epische Hintergrund als auch der „heldische“ Held fehlen. Erst DSA hat mir alles zur Verfügung gestellt, was ich für diese Geschichte brauchte. Dabei habe ich mich redlich bemüht, mein Konzept nahtfrei in diesen Hintergrund einzubauen und unterhaltend zu gestalten. Sie sagen jetzt, das ist nicht gelungen. Ich gestehe: Ich weiß es nicht.

  9. VSP sagt:

    Gleich vorweg und möglicherweise als Exkulpation der folgenden Worte – diesen Diskurs schätze ich sehr, macht er mir doch einiges verständlich. Auch bewundere ich durchaus den Furor, mit dem sie ihr Werk verteidigen und der Respekt wird nicht weniger 8im Gegenteil), wenn man erfährt, dass die Idee des Autoren diesen gar über mehrere Jahre hinweg beschäftigte. All diese Umstände ändern jedoch nichts an der von mir gefassten Meinung.

    Im Einzelnen:
    Viel kann man darüber streiten, was die Aufgabe eines Autoren, was die Aufgabe eines Lesers ist. Eines darf ich ihnen aber versichern: Ich bin bequem! Natürlich befreit einen das nicht von jeglicher Gedankenleistung. Aber ohne ihnen nahetreten zu wollen – als ich das Buch zur Hand nahm, stand darauf nicht Fontane oder Tolstoi. Es ist – wie sie schon sagten – ein Low-Fantasie-Roman in der Welt des schwarzen Auges. Dies ist nicht abwertend und auf keinen(!) Fall despektierlich dem Werk oder seinem Schöpfer gegenüber gemeint. Es soll nur klar machen, mit welchem Erwartungshorizont der Leser an so eine Buch herantritt:

    Ein Roman, welches in der (Rollenspiel-!)Welt des Schwarzen Auges spielt, muss sich an dem dafür zu Grunde liegenden Quellenmaterial messen lassen. So sehr sich ihre Erläuterungen hinsichtlich des „schuldbeladenen Gottes“ fazinierend lesen, so wenig wird dies – jedenfalls in meiner Wahrnehmung – in ihrem Roman transportiert. Da das Konzept des „wiedergutmachenden Gottes“ weder im Allgemeinen für DSA noch im speziellen für Phex etabliert ist, hätte es hier sehr viel mehr Darstellung erfordert, als im Roman geboten ist. Möglicherweise hätte ihr Konzept sehr viel besser bei einem „unbelesenen“ Leser funktioniert – allein, hier müssen sie den Erwartungshorizont ihrer Leser dann doch mit in Betracht ziehen. Solche Romane werden nicht von irgendwelchen Dritten ergriffen, sondern von Leuten, die „vorbelastet“ sind mit dem entsprechenden Hintergrundwissen zum Schwarzen Auge.

    Um direkt auf ihre Frage zu antworten: Nein, das direkte Lenken und Leiten des Gottes Phex – außer in dem evidenten Sequenzen – erschloss sich mir nicht. Ich habe es in diesem Sinne nicht „überlesen“ – nur nicht so gedeutet, wie sie es wohl gewünscht hätten. Dass mag auch damit zu tun haben, dass der von mir präferierte Wertekanon hinsichtlich der Alverane gegen so ein solch direktes Eingreifen spricht. Von daher fehlte bei mir schon eine wichtige Grundvoraussetzung: Die Vorstellung, dass ein Gott im Sinne Aventuriens sich sehr direkt und unmittelbar in die Belange eines Sterblichen einmischt, weil er diesem gegenüber etwas „schuldig“ ist. Dies deckt sich einfach nicht mit dem mir zur Verfügung stehenden Wissen in Bezug auf die Welt des Schwarzen Auges.
    Ungeachtet der Frage, warum es gerade Phexens Pflicht und Schuldigkeit seien sollte, genau diesen Angriff auf genau diesen Sterblichen zu vereiteln und selbst bei Unterstellung einer solchen Verpflichtung, täte ich mich sehr schwer mit einem solchem Konzept, auch und gerade in Aventurien. Um es mit den Worten eines anderen zu sagen: „There is not a day or a night but a doe offers her life for her kittens, or some honest Captain of Owsla his life for his Chief Rabbit’s. Sometimes it is taken, sometimes it is not. But there is no bargain, for here what is is what must be.“

    Was mir in der Tat auffiel, war der Gedanke, dass Aljoscha als Händler möglicherweise besser aufgehoben wäre denn als Dieb – nur leider hat er ja nie Gelegenheit, sich in dieser Hinsicht zu beweisen. Er ist – wie sie es sagen – im „falschen Film“ nur ich als Leser habe leider keine andere Wahl als diesen Film zu sehen und damit jedesmal die „Falschheit“ zu spüren, in der sich Aljoscha befindet. Dafür kann nun der arme Kerl nichts – ändert aber nichts am Unmut, der dadurch bei mir erzeugt wurde.

    Abschließend seien mir noch einige Bemerkungen gestattet: Es liegt mir fern, ihnen Ratschläge zu geben, ob und falls sie erneut als Autor tätig werden wollen. Aber machen sie sich stets gewahr, dass man als Leser nicht in den Kopf des Autoren (der Götter sei Dank für beide Seiten) blicken kann. Dass bedeutet wiederum, dass ich als Leser immer nur auf den Wortlaut des Textes angewiesen bin – und blind herumstochern muss für alles, was darüber hinaus geht. Hinsichtlich des Erwartungshorizontes des Lesers wurde schon entsprechendes gesagt. Umgekehrt gilt es aber auch vielleicht, ihren eigenen Erwartungshorizont an den Leser kritisch zu hinterfragen. Kategorien, in welchem der Autor von „Denken in die richtigen Richtung“ und „Zusammensetzen zu einem Ganzen“ in Hinblick auf den Leser spricht, wirken auf mich eher befremdlich. Unterhaltung ist das Stichwort, gerade in dem von ihnen gewählten Medium. Wohlwollender formuliert, liegt hier die Gefahr der Überforderung. Wenn sie mehr vom Leser erwarten, muss der Roman es auch transportieren, insbesondere der Hintergrund dies hergeben (Stichwort: „nahtloses Einfügen“). Hierbei geht er fehl, „scheitert das Konzept“, um ihre Worte aufzugreifen. Der Grund dafür liegt m.E. insbesondere darin, dass sie dem (vorgeprägten) Leser nicht hinreichend Anhaltspunkte an die Hand geben, um seinen Erwartungshorizont zu verlassen (hier: DSA) und zur tiefergehenden Geschichte vorzustoßen (die sich, wo sie sie erläutert haben, wirklich toll liest – DAS hätte ich mir mal im Roman gewünscht!).

    Es ist mir übrigens noch wichtig zu betonen, dass ich ihren Roman nicht als SCHLECHT erachte, sondern eben als durchschnittlich. Gemessen an ihren Absichten erfasst mich nach ihren Erklärungen sogar ein gewisses Bedauern ihrerseits. Es bleibt aber dabei, dass wir auf keinen grünen Zweig kommen werden: Sie werden verlangen, ihre Idee zu erkennen und darauf insistieren, dass dies an Hand des Romans möglich ist. Ich werde das Gegenteil behaupten. Daher: „Doch jetzt ist’s Zeit forzugehen… wer von uns dem besseren Los entgegengeht, ist uns allen unbekannt – das weiß nur Gott.“

  10. Xeledon sagt:

    Vielleicht bin ich einfach nur ein ignoranter Kunstbanause, vielleicht neige ich auch dazu die Erhabenheit der Hochkultur erbarmungslos in stumpfem Pragmatismus zu ersäufen – jedenfalls befremdet mich die Vorstellung, als Leser ein von irgendwem (und sei er auch noch so erlaucht) als literarisch hochwertig gepriesenes Werk anders zu behandeln als einen beliebigen als Trivialliteratur verschmähten Fantasy-Roman, zutiefst. Und ich will mir noch nicht einmal besondere Mühe geben, meine grundsätzliche Abneigung gegen all die prätentiösen haupt- und nebenberuflichen Literaturkritiker-Schnösel, die genau dieses tun, zu verbergen. Von jedem Buch, das ich lese, verspreche ich mir einen gewissen Unterhaltungswert, der sich zu einem großen Teil daraus schöpft, dass ich mir meine eigenen Gedanken über das Geschriebene – und meist auch die Intention sowie die Handwerkskunst des Autors – mache und meine eigenen Interpretationen einfließen lasse, was ich als äußerst angenehme Erweiterung des eigenen Horizonts begreife. In diesem Sinne gibt es nur „gute“ und „schlechte“ Bücher, was stets eine subjektive Bewertung ist, bei der ich mich weigere, eine vermeintlich allgemeingültige Unterteilung in „literarisch hochwertig“ oder „Schund“ zu akzeptieren, die meist doch nur als billige Ausrede dafür genutzt wird, sich als Konsument des ersteren über die Konsumenten des letzteren zu erheben.
    Was ich damit sagen will: Die hier dargestellte „das ist nur Unterhaltungsliteratur, also behandle ich sie anders als ein Werk von Goethe/Tolstoi/sonstwem“-Herangehensweise an eine Rezension halte ich für grundsätzlich falsch, sorry VSP.

    Aber immerhin habt ihr beide es mit eurem Disput geschafft, mich neugierig auf das vorgestellte Buch zu machen, so dass ich es mir eventuell demnächst mal besorgen werde. Insofern habt ihr also unter werbetechnischen Gesichtspunkten doch alles richtig gemacht. ^o^

    • VSP sagt:

      In einer perfekten, idealen (Lese)welt würde ich einem absolut beipflichten: Es sollte nur die Kategorien „gut“ und „schlecht“ geben – und in gewisser Weise bemühe ich mich auch, in diesem Sinne zu rezensieren.

      Wenn man aber gewisse (literarische) Vorkenntnisse hat, die Werke anderer Autoren kennt, wird man – zumindest ich – stets einen entsprechenden Vergleichs- und Vorurteilsmaßstab anlegen. Faktoren, die dabei eine Rolle spielen, sind mannigfaltig – Vibart wies zurecht auf das jeweilige Sujet oder die Untergattung hin, ich habe die Autoren als Beispiel gemüht. Auch die Motivation, das jeweils ausgewählte Buch zur Hand zu greifen, ist von Bedeutung. DSA-Romane nehme ich nicht deswegen zur Hand, um mich an der Sprache zu erfreuen oder mich aufzumuntern oder den Geist einer tiefen Humanität zu atmen wenn ich mal „düsteren Geistes“ bin (was bei anderen belletristischen Werken durchaus der Fall ist). Diese Romane ergreife ich, weil ich gut unterhalten werden möchte durch Geschichten in einer Welt, die für mich aus persönlichen Gründen (= jahrelanges Rollenspiel) von Bedeutung ist, ohne mich dabei geistig über die Maßen zu bemühen.

      Die Wenigstens können von sich wohl behaupten, vollständig gegen diese Art der Voreingenommenheit immun zu sein – ich bin es gewiss nicht. Dies ist natürlich oftmals im höchsten Maße ungerecht. Aber ich wäre mir und allen anderen gegenüber unehrlich, wenn ich beanspruchen würde, ohne Erwartungshaltung, ohne Intention, ohne Zweck an ein Buch heranzutreten. Der Begriff „Herangehensweise“ impliziert dabei Vorsatz. Wenn es doch nur so wäre! Gerade diesen habe ich jedoch nicht, es ist meine mir eigene Voreingenommenheit, die ich nur bis zu einem gewissen Ansatz ablegen kann.
      Mehr wollte mich mit der von mir genannten Passage nicht sagen. Den Eindruck, den du bekommen hast, hatte ich befürchtet und gehofft durch den Absatz „despektierlich“ zu vermeiden – und bin damit offenbar gescheitert^^.

      Das soll aber nicht verhehlen, dass ich durchaus einen anderen Beurteilungsmaßstab bei den DSA-Romanen zu Grunde lege, als ich es z.B. bei „Winds of Winter“ (so es irgendwann erscheint) täte.
      Deswegen wird für mich ein DSA-Roman auch dann „gut“ sein, so er den o.g. Kriterien gerecht wird und sich der Rest im gesunden „Mittelmaß“ befindet.

  11. Siebenstreich sagt:

    Einen Roman muss man deutlich anders behandeln als beispielsweise ein Sachbuch. Der Eine soll spannend geschrieben, das Andere dagegen informativ sein.

    Insofern ist VSPs Herangehensweise für mich durchaus legitim, sorry Xeledon. 😉

    • Xeledon sagt:

      Das ist vollkommen richtig (wenngleich es vielen Sachbüchern gut tun würde, auch den Unterhaltungswert für den Leser stärker zu berücksichtigen), aber die Art der Differenzierung, die ich explizit kritisiert habe, war halt doch eine andere.

      Insofern hast du zwar vollkommen recht, aber leider auch irgendwie das Thema verfehlt, sorry Siebenstreich. 😉

  12. Vibarts Voice ausgelockt sagt:

    Wie immer gilt im literaturwissenschaftlichen Rezeptionsdreieck: Alles kann, nix muss. Wenn ich als Leser Heines Harzreise, den neuesten Stephen King und ein Julia-Heftchen vom Kiosk unter dem selben Erwartungshorizont lesen will, dann darf ich das, es ist völlig legitim. Und wenn ich hingegen völlig andere Bewertungsmaßstäbe an eine klassische Novelle, einen barocken Schäferinnenroman und an ein poststrukturalistisches Drama legen will, dann darf ich auch das.
    Fazit: Jeder liest anders. Schön wenn trotzdem noch jemand liest.

  13. Ich dachte gerade an Drakensang – AfdZ zurück: Da sind Streuner mit den Vorteilen „gutaussehend“ & „Bonus Betören/Gesellschaft“ gelistet. Sie sind also drastisch weniger phexgefällig, da Rahja-nahe, als horasische Einbrecher und aventurische Diebe, welche ja zu „Phex-Geweihten“ umschulen können.

    Hier hat ein hirntoter Stricher also mal die Hauptrolle. Klar, dass ne Unmenge Versager und Deppen das verlockend finden könnten. Leider gehöre ich nicht dazu und lese hier schon die Zweite negative Kritik über den Roman.

    Erneut gilt: Ich bin für Rollentausch. Da die Prosa und das Können der Autoren mehrheitlich unterliegen, wenn man das Pack mit den Rezensenten & Rezensentinnen vergleicht, würde ich lieber Romane lesen, die von Rezensenten & Rezensentinnen geschrieben wurden.

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