Kurs Südmeer

Gastrezension von Stephan Fröhlich

Neben Ihrem Mitwirken bei diversen Regelwerken, Spielhilfen, Regionalbänden und Themenbänden ist Marie Mönkemeyer bereits in den Kurzgeschichtenbänden Schattenlichter und Sternenleere schriftstellerisch tätig geworden. Bei Kurs Südmeer handelt es sich nun um den ersten eigenständigen Roman aus der Feder der jungen Autorin. Das Südmeer als Tor zum sagenreichen Kontinent Utharia wurde in bisherigen Publikationen nur selten beschrieben und bietet sich hervorragend an um eine spannende Piratengeschichte mit Karibik Flair zu erzählen. Für die richtige Stimmung noch eine Flasche Rum bereitgestellt, natürlich nur um daran zu riechen, und schon kann es losgehen.

Meine Erwartungen.

Ich lese bei weitem nicht jeden DSA Roman und Kurs Südmeer ist mir eher zufällig in die Hände gefallen. Mir dienen die Lektüren meist zur Vorbereitung auf Abenteuer, zum tieferen Eintauchen in eine Geschichte, zum besseren Verständnis und Darstellung der Welt und der Charaktere. Meine Gruppe steht kurz davor, Segel Richtung Güldenland zu setzen, da kam mir eine Seefahrergeschichte nicht ungelegen. Von einem DSA Roman erwarte ich mir, dass er in der Welt von DSA spielt und in dieser lebt. Schon beim Lesen des Titels freute ich mich auf kleine unentdeckte Inseln, auf Begegnungen mit Waldmenschen, Seeschlangen, und vielem mehr. Handelt es sich beim Südmeer doch um einen so erfrischend unbeschriebenen und herrlich unbekannten Flecken auf der Landkarte. Nach dem Studium des Klappentextes habe ich dann eine Kurskorrektur vorgenommen. Die letzte Seite versprach mir eine trauernde Witwe, auf dem Weg in die Arme ihres neuen Ehemannes. Einen Perainegeweihten, der seinen Garten zurückgelassen hat. Und eine Piratenkapitänin mit Sehnsucht nach Gold, Rum und Freiheit. Ich war gespannt, wie dieses ungewöhnliche Trio zusammenspielt.

Das Einhorn warnt: Ende der spoilerfreien Zone!

Plot (für alle die das Buch nicht gelesen haben)

Der Roman spielt im Jahr 1041BF, nach den dramatischen Ereignissen in Arivor. Die Edeldame Sabella hat sich samt ihrer Zofe Geronita und in Begleitung des Perainegeweihten Pericomo an Bord eines Handelschiffes begeben. Gemeinsam kreuzen sie im Südmeer dem Marineadmiral Dragio entgegen. Dieser ist nicht nur der Cousin des Geweihten, sondern der zukünftige Ehemann der ehrenwerten Sabella. Während sich der von den Göttern erwählte Mann auf seine bevorstehende Arbeit als Missionar vorbereitet, verarbeitet Sabella den Verlust ihrer Familie. Derweil verkürzt sich die Zofe die Zeit an Bord mit dem intensiven Studium von romantischen Piratenromanen.

Auf der Suche nach einer Richtung (Bild von Verena Biskup)

Ebenfalls auf dem Südmeer kreuzt das Piratenschiff Morgentau unter der Leitung der Capitana Elissea. Diese scheint eher zufällig als freiwillig in den Rang der Kapitänin erhoben worden zu sein und genießt nur mäßigen Respekt ihrer Mannschaft.

Auf hoher See stoßen die beiden Schiffe zusammen. Sabella, Geronita und Pericomo geraten in Gefangenschaft. Die Piraten erhoffen sich ein ordentliches Lösegeld für die ergatterte Beute, doch die Gefangennahme des Geweihten führt bei manchen Besatzungsmitgliedern zu Bedenken.

An Bord der Morgentau erlebt man den Alltag an Deck eines Piratenschiffes. Die Mannschaft pöbelt sich gegenseitig an und gerät immer wieder in Streit. Ähnlich ergeht es den Gefangen unter Deck, wo sich die Zofe gegen die Edeldame auflehnt. Der Perainegeweihte findet sich schnell in der Rolle als Streitschlichter wieder und versucht, auch der Mannschaft mit Rat zur Seite zu stehen. Die strauchelnde Kapitänin besitzt hingegen nur wenig Autorität und macht sich öfter Gedanken um ihre Absetzung.

Eine Wende nimmt die Geschichte, als Pericomo der Mannschaft in Aussicht stellt, sie bei einem Berufswechsel, hin zu einem ehrlichen Leben, zu unterstützen. Dies spaltet die Besatzung und eine Diskussion über Freiheit und dem Führungsstil der Kapitänin bricht aus. Ein aufkommender Sturm setzt dem Streit ein rasches Ende. Gestrandet auf einer unbekannten Insel wird das Schiff wieder auf Vordermann gebracht. Anschließend kommt es zum Höhepunkt. Die Konfrontation mit dem Marineadmiral Dragio endet mit der Gefangennahme der Piraten, welchen kurz darauf die Flucht gelingt. In den letzten Kapiteln wird der weitere Werdegang der vier Protagonisten beschrieben. Ende der Geschichte.

Das Einhorn verkündet: Ende des Spoiler-Bereichs

Das warum man diesen Artikel liest – die Kritik:

Im Roman findet man immer wieder Stellen, welche sich auf die Welt rund um das schwarze Auge beziehen. Die Anspielungen sind eher unauffällig, dafür alles andere als aufdringlich. Für mich persönlich hätten die Referenzen durchaus deutlicher und auffallender sein können, verankert dies aus meiner Sicht eine Geschichte doch erst so richtig in der Welt von DSA. Sehr angetan war ich dafür von der Verwendung vieler typischer Begriffen aus der aventurischen Seefahrt, was auf gründliche Recherchearbeit rückschließen lässt und einen beim Lesen wieder ein wenig zurück in die aventurische Welt zieht. Ansonsten war die Welt eher dürftig beschrieben und so richtiges Südmeer Feeling ist bei mir leider zu keinem Zeitpunkt so richtig aufgekommen.

Wir kreuzen gegen den Sturm (Bild von Tristan Denecke)

Das Buch liest sich angenehm und ist leicht verständlich. Die Autorin führt mit einem gewissen Charme und Humor über die Seiten, überrascht den Leser dabei aber nur selten. Viele der beschriebenen Szenen kamen mir allzu vertraut vor und schnell schlichen sich Bilder aus Film und Fernsehen in meinen Kopf. Die meiste Zeit hatte ich das Gefühl zu wissen, was mich auf den nächsten Seiten, oft sogar im kommenden Kapitel erwartet. Spannende Wendungen fehlen fast vollständig. Vielen Szenen verfügen durchaus über Potenzial, hätten aber mehr Würze und Aufregung benötigt, um einen an den Rand des Sessels rutschen zu lassen. Wenn die Autorin sich einmal etwas traut und den Leser mit einer unerwarteten Situation konfrontiert, wird diese kurz darauf mit einfachsten Mitteln wieder aufgelöst. Ich hätte mir hier mehr Mut zu Konflikt und Drama gewünscht.

Die Charaktere entwickeln sich nur zaghaft. Die edle Sabella bewegt sich erst am Ende etwas vom Fleck und bleibt, mit dem wenigen Hintergrund, den sie mitbekommen hat, das ganze Buch über recht eindimensional. Ihre Entscheidung am Ende der Geschichte ist durch die seltenen Einblicke in die Gedankenwelt der Protagonistin nur schwer nachvollziehbar. Ähnlich ergeht es der Zofe Geronita. Bis auf ein anfängliches Aufbäumen gegen ihre Herrin macht diese ebenso wenig eine Wandlung durch, wie die restliche Besatzung. Am farbenfrohsten stellen sich die Kapitänin und der Perainegeweihte dar. Elissea welche sich in Ihrer Rolle als Anführerin nicht zurechtfindet und sich oft selbst hinterfragt. Pericomo, der, nach den Ereignissen auf dem Festland, sich von seinem geliebten Ziergarten verabschiedet und sich auf die Suche nach einer Aufgabe im Namen Peraines macht. Wo die Kapitänin das Klischee eines Piraten bedient, verkörpert der Geweihte ein ungewöhnliches Bild, abseits vom heilenden Ackerprediger. Man erlebt einen lebendig geschriebenen Götterdiener, der, konfrontiert mit einer ihm gänzlich unbekannten Welt von Armut und Goldgier, den Glauben an seine Göttin standhaft ehrt. Die Darstellung dieses Charakters hat das erste Mal Lust in mir hervorgerufen, einen Geweihten der Peraine zu erstellen.

Liest man ein wenig zwischen den Zeilen, erkennt man das Thema Freiheit als zentrales Element in diesem Roman. Eine Piratenmannschaft, welche sich von den Fesseln und Peitschen der Marine befreit hat und dennoch verfolgt von Piratenjägern und ständig mit dem Galgen bedroht in Gefangenschaft ist. Die Kapitänin, versteckt in ihrer Kajüte vor der eigenen Mannschaft, von welcher ihr nur wenig Respekt entgegengebracht wird. Eingeschränkt in ihrer Befehlsgewalt durch mangelnde Autorität und der Sorge zu eben jenem Kapitän zu werde, gegen welchen einst gemeutert wurde, findet sie sich in ihrem eigenen Gefängnis wieder. Der Perainegeweihte und die Edeldame, welche als hoch angesehene Personen eine Freiheit genießen, weit größer als die der Piraten an Bord der Morgentau. Beide enscheiden sich am Ende eben diese Freiheit zu nutzen, um ungewöhnliche Wege zu beschreiten.

Fazit

Für knapp 15€ bekommt man 352 Seite Unterhaltung bei sanftem Wellengang. Der Roman Kurs Südmeer hält genau, was er verspricht.

„Ich wollte eine Seefahrergeschichte schreiben, die ein Lächeln auf das Gesicht weht, Perainegeweihte, Piraten und Unterhaltungsromane in einem anderen Licht zeigt und dem Verbleib der Morgentau nachgeht.“ Marie Mönkemeyer – Making of: DSA – Roman Kurs Südmeer, 6. Februar 2018.

Dieses Ziel hat die Autorin voll erfüllt. Am Ende bleibt allerdings das Gefühl, das in diesem Buch Potential verschenkt wurde, angefangen von der dünn beschriebenen Welt, bis hin zu den flach geratenen Figuren. Gerade das Südmeer als Schauplatz ist zu kurz geraten, hier hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht.

Für wen ist dieses Buch geeignet?

Für all jene die sich auf ein Abenteuer auf hoher See mit Piraten vorbereiten und bereit sind tiefer in das Brackwasser des Piratenlebens einzutauchen. Für Spieler die planen selber einen vom rechten Wege abgekommenen Helden zu spielen, oder für jeden die nach einer leicht unterhaltsamen Abendlektüre mit DSA Bezug suchen.

Bewertung

Es ist Zeit, die Ladung zu löschen und nachzusehen, wie viele Einhörner es von der Reise ins Südmeer zurück ans Festland geschafft haben. Von insgesamt neun Einhörnern sind vier, wegen der verpassten Gelegenheit die Welt dichter zu beschreiben, der eher seichten Geschichte und der flach geratenen Charaktere, über Bord gegangen. Die verblieben fünf Einhörner erfreuen sich an einem unterhaltsamen und netten Roman, der einen hier und da zum Schmunzeln bringt. Gelangweilt sehen sie zumindest nicht aus.

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Über Stephan Fröhlich:
Hallo! Mein Name ist Stephan und ich spiele seit gut 8 Jahren, abwechselnd als Meister und als Spieler, DSA. Anfang des Jahres bin ich zusammen mit meiner Freundin und heutigen Ehefrau vom exotischen Österreich nach Deutschland gezogen. Neues Land, neues Leben, doch die alte DSA Gruppe blieb uns erhalten. Dank Internet machen wir auch trotz der großen Entfernung jeden Freitag Aventurien (und zwischendurch Myranor) unsicher.

Nandurion dankt Ulisses-Spiele GmbH für das Rezensionsexemplar und Stephan Fröhlich für die Gastrezension!

Über Derya Eulenhexe

Derya wird auch über den Namen Milena gerufen und durchstreift seit dem Herbst 2010 Aventurien. Dabei war der nanduriatische Bote bisher ihr ständiger Begleiter und seit Anfang 2016 ist sie nun ebenfalls als Schreiberin dabei. Im wirklichen Leben verdient sie ihre Hartwurst als Bibliothekarin.
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Ein Kommentar zu Kurs Südmeer

  1. Honak sagt:

    Die Rezension trifft ziemlich ins Schwarze.
    Phasenweise hatte ich jedoch auch das Gefühl, dass die Autorin versucht hat, eine Satire zu schreiben – wegen der all zu eindimensionalen und teilweise einfältigen Charaktere.

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