Hesindedisput 2019

Heiliger Strohsack von Verena SchneiderDerya: Nachdem schon der Adventskalender mitsamt Knobelei wiederbelebt wurde, was liegt da näher als auch noch eine andere nanduriatische Tradition wieder durchzuführen? Also halten es die Einhörner mit den Thorwalern und treffen sich dieses Jahr mal wieder zum Hesindedisput. Schließlich gilt es, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, sich über das ein oder andere Thema auszutauschen, aber auch schon ein neugieriges Auge auf das kommende Jahr zu werfen. Dann mal Zunge frei, es ist ja so einiges passiert. Getroffen haben sich unter Hesindes Schirm die Nanduriaten Nottel, Queery und Felixilius.

Nottel: Danke für die Abschnitte, ich lege dann schon mal los.
Vorneweg was zuletzt im Jahre 2019 geschah:

  • 24 Türchen gingen im Dezember 2019 in unserem Adventskalender auf.
  • Neuigkeiten hat vor allem Fenia WinterkaltAus dem Limbus“ gesammelt .
  • Wenn Nanduriaten, wie Felixilius und Sirius, auf Conventions und Messen waren, berichten sie davon.
  • Was wir rezensieren, könnt ihr bei Xeledons Spottgesang durchsehen bzw. als Auflistung.
    Was Gäste bei uns rezensieren, findet ihr hier.
    Was woanders rezensiert wird, davon berichtet Derya Eulenhexe im Rezensionsspiegel.
  • Im Scriptoriums– und Forenspiegel geben wir einen Überblick zu neuem Fanwerk.
  • Hin und wieder luden Queery und Nottel Gäste zu Interviews ein.
  • Unsere Meinungen und Kommentare äußern wir, vor allem Krassling und Cifer, in den Kolumnen.

Das Geheimnis des Drachenritters – Die Einsteigerbox

Nottel: Die DSA5-Einsteigerbox ist das wichtigste Produkt für Das Schwarze Auge 2019 gewesen. Ihre Zielsetzung Neulinge ans Pen-&-Paper-Rollenspiel heranzuführen erfüllt sie mit ihrem didaktischen Konzept der Regelreduktion und schrittweisem Ausbilden der Spielleitung vollauf. Die farbigen Bodenpläne mit dazugehörigen Acrylmarken halte ich zudem für einen Schritt in die richtige Richtung. Um nicht nur theoretisch für ihren Einsatz gerüstet zu sein und mir unmittelbar eine Meinung zu bilden, habe ich mich mit Freunden in die Rolle eines Neulings begeben und bisher nicht bereut.

Queery: Ein kleines Manko ist für mich, dass keine vereinfachten Charakter- Generierungsregeln dabei sind. Dadurch scheint mir die Box doch nur für eine kürzere Einstiegsphase zu taugen, weil zumindest für mich das Spielen selbsterstellter Charaktere bei meinem DSA-Einstieg sehr wichtig war. Deshalb gibt es einen sehr großen Sprung wenn ich dann — weil die 4 Einstiegscharaktere zu langweilig geworden sind — auf das Grundregelwerk zugreifen muss. Klar: Fokus ist gut. Aber ich persönlich hätte mir noch mehr erhofft oder würde hoffen, dass vielleicht noch irgendwann ein kleines Heftchen mit vereinfachten Einstiegs-Generierungsregeln auf den Markt kommt. Vielleicht eine Aufgabe für den nächsten Adventskalender?

Was gefiel / missfiel uns 2019 in Aventurien?

Nottel: Wie vermutlich die meisten DSA-Spieler bewege ich mich auf verschiedenen Zeitlinien und auch noch vor dem aktuellen Jahr 1042 BF. Dennoch ermuntere ich die Redaktion dazu, zumindest ein paar wenige größere Umwälzungen in Gang zu bringen. Sicherlich muss mit Bedacht vorgegangen werden, um nicht zukünftige Publikationen durch immer umfangreichere Quellenlage weiter zu erschweren, dennoch ist die Veränderung von Aventurien und die aktive Beteiligung von Helden hierbei eines der wichtigsten und prägnanten Merkmale im Vergleich zu anderen Systemen und Settings.
Ein kleines Beispiel, das mir in mehreren Gesprächen genannt wurde und dem ich als Kritik zustimme ist der nicht für offizielle Abenteuerszenarien genutzte und bereits wieder beigelegte Grenzkonflikt zwischen Mittelreich und Aranien. In Ergänzung dazu, die aktuellen Geschehnisse im Aventurischen Boten selbst zu lesen, habe ich sie mir seit Ausgabe 194 (März) als Aventurisches Quartett auf dem YouTube-Kanal Frosty Pen and Paper Online angeschaut.

Felixilius: Mit DSA-Produkten war ich bis auf die ärgerlich knappen Mysteria und Arcana der Regionalspielhilfen ganz zufrieden. Auch die neue Sternenträger-Kampagne macht bisher einen guten Eindruck auf mich und Eiserne Flammen bietet uns wieder ein Abenteuer in der schwarzen Stadt Yol-Ghurmak. Die neuen und alten Dämonen im Pandämonium waren für mich ein echtes Highlight. Alles in allem ein recht gutes Jahr.

Myranor und andere Welten – Dere jenseits von Aventurien

Nottel: Das diesjährige Jubiläum der Memoria Myrana bedeutet auch meinen Einstieg in Myranor als Amaunir im Palast der Goldenen Tiger. Der Kontakt zu Freunden von Myranor und die Beiträge auf Nandurion hatten sicher auch einen Anteil daran, warum ich mich in dieses DSA-Setting gewagt habe.

Queery: Ich habe Hoffnung darin, dass Ulisses insgeheim schon an einer Veröffentlichung zu Myranor oder Tharun sitzt. Wer wäre dazu besser geeignet als eine neue Redakteur_in. 2019 steht für mich für das Jahr, wo die Fancommunity weiterhin mit langem Atem und viel Kreativität für neues Material zu beiden Welten gesorgt hat und sie damit lebendig hält. Und wo weiterhin der Wunsch der Community, dass Ulisses hier liefert, nicht zu überhören war.

Crowdfundings

Nottel: Unter den DSA-Crowdfundings interessiert mich am meisten, was bei der Regionalspielhilfe zu Thorwal und dem Gjalskerland herauskommen wird. Die Reaktionen auf Stretchgoals, wie die Noppenstein-Otta, waren hierbei deutlich mehr gespalten als z.B. zu Die Schwarze Katze, welche bereits ihre Freunde nicht nur bei Katzenliebhabern, sondern auch jüngerem und offenbar mehr weiblichem Publikum gefunden hat. Generell empfinde ich diese nicht-kanonischen Setting-Ausflüge eher als Bereicherung, auch wenn mich Cthulhu Mythos (für DSA) davon bisher am wenigsten anspricht. Das Brettspiel “Schatten der Macht” darf ich hoffentlich bald selbst ausprobieren, das Crowdfunding dazu bzw. dessen Auslieferung lief leider mit viel Verzögerungen und Vertröstungen ab. Persönlich zitterte ich vorübergehend bei “Die Verbotenen Lande”, einer Übersetzung vom Uhrwerk Verlag, glücklicherweise konnte dieses Crowdfunding aber noch über die Bühne gebracht werden. Jedenfalls ist das ein aktuelles Beispiel für das Risiko der Vorfinanzierung, wie sie von Miteinhorn Krassling in seiner Kolumne zu diesem Thema beschrieben wurde.

Queery: Warum man eine Regionalspielhilfe als Crowdfundig machen muss? Marketing halt. Solange ein gutes Produkt rauskommt und die ganze Arbeit, die in Crowdfundings steckt, nicht andere Projekte ausbremst, bin ich damit zufrieden und warte geduldig auf meinen reward.

Die DSA-Community – von Beteiligung bis Rant

Nottel: Die DSA-Community tauscht sich neben den zahlreichen Treffen auf Conventions vor allem im Netz aus. Dort verteilt sie sich über diverse Plattformen wie Foren, Blogs, Wikis, Scriptorium, Facebook, YouTube, Twitch, Discord, Twitter, Instagram, TeamSpeak, Whatsapp und in Teilen auch Patreon und die Crowdfunding-Plattformen. Die große Mehrheit liest schweigend mit, regelmäßig tritt vor allem Sören Berndson von der Brabaker Bilderpostille immer wieder Diskussionslawinen mit Fragen zu kontroversen Themen los. Umfragen zu diversen Themen finden sich auch auf dem Blog Vier Helden und ein Schelm von Kai Frerich, der diese parallel zu seinen Gewinnspielen stellt und zudem deren Auswertungen grafisch aufbereitet. Sein rätselreiches Soloabenteuer in diesem Advent hat mir übrigens besonders gut gefallen.
Der nachhaltigste Meinungsaustausch zu offiziellen Produkten findet meiner Wahrnehmung nach immer noch am meisten über die Rezensionen auf Blogs und in Foren statt. Besonders möchte ich den Blog Engors Dereblick hervorheben, wo seit Jahren zu jedem DSA-Produkt eine Rezension erscheint. Selbst habe ich außerhalb von Nandurion Rezensionen im DSAforum verfasst anlässlich der Schreibaktion „Spiel der Elemente“. Über die monatlichen Scriptoriumsspiegel von Derya und den quartalsweisen Forenspiegeln lässt sich auf einen Blick nachvollziehen, dass nach wie vor viel Material von Fans geschrieben und hergestellt wird. Und zwar gemischt über die verschiedenen Editionen hinweg, was ich als insgesamt gutes Zeichen deute. Darüber hinaus malen, zeichnen, komponieren und pod- bzw. videocasten sehr viele kreative Köpfe und Hände unablässig für DSA und stellen ihre Werke online aus, euch allen gebührt ein Dankeschön.
Die Kommunikation via fortlaufendem Chat stellt zwar den größten Teil dar und hat ihre eigene Berechtigung, verschwindet aber auch äußerst schnell aus dem Sichtbereich und Bewusstsein. Wer sich nachträglich für ein Thema interessiert ist in den meisten Fällen von der Qualität der jeweiligen Suchfunktionen abhängig. Tagesaktuelle Kurznachrichten zu DSA gibt es seit diesem Jahr beim Blog Nuntiovolo, wo ich ebenfalls mitschreibe.
Es gibt also genug Möglichkeiten sich für die Community zu engagieren und beizutragen, jede und jeder wird vermutlich eine für sich am meisten geeignete Art dazu bereits vorfinden. Ich empfehle allen, die bisher nur konsumieren und mitlesen, selbst aktiv an Fanprojekten mitzuwirken und sei es auch nur um weitere Seiten des Hobbys kennenzulernen.

Felixilius: In diesem Jahr hatte ich viel Gelegenheit in der DSA-Community mitzumischen. Einige schöne Projekte für Nandurion, wie die Orklandspielhilfe, die Liveberichterstattung beider RatCons und meine NSC-Schmiede bereiteten mir sehr große Freude. Ich konnte bei Frosty Pen&Paper an einigen Spielsitzungen teilnehmen und auch sonst viele neue und fantastische Leute kennenlernen. Ärgerlich dagegen fand ich den immer noch andauernden “Editionskrieg”. Ich würde mir fürs kommende Jahr wünschen, dass die Leute es einfach mal akzeptieren, wenn man die ein oder andere Edition selbst besser fand und nicht ständig versuchen würden den anderen mit irgendwelchen halbgaren Argumenten von seiner Meinung zu überzeugen. Das ist nämlich sowohl unnötig, weil es nichts bringt als auch einfach nervig. Und ich weiß, dass ich den Fehler auch schon selbst gemacht habe.

Dopplungen in Büchern

Nottel: Textdopplungen in den DSA-Büchern stören mich sehr viel weniger als unzureichendes Lektorat und Korrektorat. Nicht zuletzt das Debakel um Aventurische Magie III hat mein Kaufverhalten dauerhaft verändert.

Nandurion 2019

Nottel: In diesem Jahr wurde ich freundlicherweise bei Nandurion aufgenommen, dafür bedanke ich mich an dieser Stelle. Da Queery und ich beide Interviews mögen, haben wir deren Reihe fortgesetzt.
Zusammen mit Sirius und Gastautor Hans Werner Grolm durfte ich beim DSA-Kartenspiel das Feld sozusagen von hinten aufrollen. Wir haben uns der Inhalte beginnend bei der Grundbox angenommen und zuletzt mit dem Disput über das Wirtshaus die Brücke zur Gegenwart gebaut.
Wie mir früher das Lesen des Nandurion-Adventskalenders Spaß gemacht hat, gefiel mir in diesem Jahr das Mitwirken daran, die Planung und redaktionelle Betreuung, insbesondere der Gastbeiträge von Memoria Myrana, Engors Dereblick und Gabriel Gohr.

Queery: Ich möchte allen Neueinstiegen an dieser Stelle nochmal für eure Arbeit danken. Ihr habt Nandurion wirklich neues Leben eingehaucht. Und das haben wir auch nötig. Danke besonders an Fenia für die unermüdliche Arbeit uns Neuigkeiten aus dem Limbus zu präsentieren, ich weiß aus Erfahrung wie viel Arbeit das jede Woche ist. Insgesamt ist mein Eindruck, dass es mit unserem Projekt wieder aufwärts geht. Wenn ihr tolle Ideen habt, was ihr von uns lesen möchtet, schreibt sie doch mal in die Kommentare.

Felixilius: Mit der Orkspielhilfe haben wir dieses Jahr in Zusammenarbeit mit dem DSAForum erstaunlich kurzfristig ein wirklich großes Projekt gestartet. Ich bin selbst immer noch ein wenig überrascht wie schnell aus “Lass uns mal eben die Regeln für die Erstellung von Orks machen” eine 24-seitige Spielhilfe inklusive 11 Kulturpaketen und 3 kompletten Archetypen wurde. Danke nochmal an Sirius und Fenia für eure tolle Arbeit und an Ramona von Brasch und Ianna von Baskerville für die Illustrationen. Vielleicht gibt es ja im kommenden Jahr eine Fortsetzung für eine andere aventurische Spezies…;)

Was bleibt vom Jahr?

Nottel: Bei Gelegenheit könnte ich mir einen Abstecher zu DSK vorstellen, nicht nur wegen des fellinen Settings, sondern auch um Jens Ullrichs Regeldesign im Einsatz kennenzulernen. Einige Publikationen aus diesem Jahr möchten wir noch rezensieren, zunächst fallen mir da noch die kleineren Aventuria-Erweiterungen ein und das ein oder andere Heldenwerk. Die Ankündigung des Collectors Clubs zieht sich nun auch schon eine Weile hinweg ins neue Jahr hinein, hoffentlich führt dieser wie angedacht auch zu hinreichend gut lektorierten Publikationen.

Queery: Ich freue mich vor allem über Zoes festen Einstieg bei der DSA-Redaktion. Ich mochte bislang eigentlich alle Bücher die sie betreut hat und schätze sehr ihren Kommunikativen Stil den Fans mit sichtlicher Begeisterung ihre Ideen und Ansätze zu vermitteln.

Ausblick aufs nächste Jahr: Worauf freuen wir uns, worauf sind wir gespannt?

FensterausblickQueery: Ich erwarte mit Spannung und Freude das Herbarium I & II. Ich mag Pflanzen und die Pflanzenbeschreibungen in Aventurien haben bei mir immer Tiefe und Weltgefühl hergestellt. Naja und die große Ankündigung zu Myranor oder Tharun die ich mir fürs erste Quartal 2020 erhoffe, auf die warte ich natürlich ganz besonders gespannt. Ich wünsche mir, Ulisses schafft es einige derjenigen einzubinden die in der Vergangenheit viel Liebe in diese Kontinente gesteckt haben und so wieder an alter Qualität anzusetzen, aber auch einiges ganz anders zu machen.

Felixilius: Ich freue mich vor allem auf die Herbarien, die Sternenträgerkampagne, das Swafnir-Vademecum, neue Regionalspielhilfen, den 200. Aventurischen Boten, die Weltherrschaft von DSA, Cthulhu Mythos für DSA und die Liste könnte noch einige Zeit weitergehen. Ich glaube, 2020 hat das Potential echt toll für uns zu werden 😀

Nottel: Wie erwähnt bin ich auf die Umsetzung des Crowdfundings zu Thorwal und dem Gjalskerland gespannt. Mit einiger Erwartung sehe ich aber vor allem den neuen Abenteuern und Inhalten für Aventuria entgegen, die bereits angekündigt wurden. Schlicht aus reiner Neugier interessiert mich auch, wie sich DSA im Ausland verbreitet und weiterentwickelt, neben der englischen Produktreihe gibt es eine französische und spanische Adaption, die italienische befindet sich noch bis Mitte Januar in der Crowdfunding-Phase. Uns bei Nandurion wünsche ich ein schönes Jubiläumsjahr, in dem die Einhornherde auch mit etwas Stolz auf ein voll werdendes Jahrzehnt zurückblicken darf.

Nandurion wünscht allen DSAlern ein erfolgreiches Jahr 2020!!!

Über Nottel

Nottel heißt Michael und wohnt am Bodensee. Seit 93 stromert er als Spieler und Spielleiter mit Gleichgesinnten durch fantastische Gedankenwelten. Zunächst in Aventurien und dem Riesland, später in der Dark Future, der Welt der Dunkelheit, im Trinity Universum und dringt in Galaxien vor, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
Dieser Beitrag wurde unter Das Schwarze Auge, Hesindedisput, Nandurion abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Hesindedisput 2019

  1. Pingback: Nandurions Rückblick auf 2019 – Nuntiovolo.de

  2. Pingback: Der Blick zurück | Xeledons Spottgesang

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.