Aventurisches Pandämonium

Aventurisches PandämoniumEtwas Kreide, ein paar Kerzen, die richtige Sternenkonstellation, dann noch ein Beschwörungskreis – fehlt nur noch die Wahl des richtigen Dämons für den Ruf. Aber welchen nur wählen? Die Qual der Wahl. Nach zwei bunten Bestiarien und einem Handbuch der Tiergefährten ist jetzt mit dem Aventurischen Pandämonium das Buch für Hexen, Magier, Bösewichter und anderweitige Beschwörer erschienen. Aber auch Kirchendiener und Exorzisten wollen vielleicht Kenntnis über ihre Gegenspieler erlangen. Nandusgefällige Neugier ist natürlich ebenfalls als Grund zu nennen. Zumindest im Falle unserer Nanduriaten  Derya Eulenhexe, Krassling und Nottel, die dieses dämonische Machwerk gründlich unter die Lupe genommen haben.

Strukturierte Ordnung

Derya: Das Pandämonium folgt in seiner Strukturierung der schon bekannten aus schon vorher erschienenen Bestiarien von einigen Vorabinfos, dem großen Dämonenteil und am Ende noch einigen Regeln. Wird in den Bestiarien sonst nach Ungeheuern und Tieren getrennt, so läuft hier die Unterteilung nach den Dämonenherrschern sowie dem Namenlosen auf der einen Seite und ihren dämonischen Dienern auf der anderen Seite. Für jeden Herrscher gibt es ein Gefolge von zwei Niederdämonen, zwei Gehörnten und einem wirklich Vielgehörnten sprich 65 Dämonen und ihre 13 Herren. Und da ich schon in den Bestiarien gerade auch von den dämonischen Illustrationen begeistert war, komme ich in der Beziehung natürlich auch hier voll auf meine Kosten.

Krassling: Ich gebe ja zu, ich habe die ersten zwei Dutzend Seiten übersprungen und mir sofort die Dämonen der einzelnen Domänen angesehen. Der alte Tractatus Daemones war ja etwas, dass mir sehr gefallen hat. Dagegen wirkt das aktuelle Pandämonium wie ein gut sortiertes Handbuch für den übelmeinenden Meister. Potentiell also ein Produkt mit sehr hohem Spielwert. Mit den Illustrationen tue ich mich immer erstaunlich schwer. Obwohl die hier durchgängig von hoher Qualität sind, tat ich mich damals schon mit der neuen Interpretation des Shruuf schwer. Angesichts der chaotischen Natur der Dämonen natürlich völliger Unsinn, aber ich mag meinen Shruuf halt so wie er früher mal war.

Erschreckt kleine Kinder gern von hinten, der böse Ulchuchu. Buh! (Bild von Helge C. Balzer)

Nottel: Im Nachhinein fände ich eine Einsortierung nur nach Domänen einfacher und stimmungsvoller, d.h. die Domänen- und Erzdämonenbeschreibung jeweils vor den fünf Dämonen aus dem Gefolge. Wenn man die Struktur mit zwei Seiten durchzöge – wie von Derya unten ausgeführt –, klappte es sogar mit der Doppelseitenstruktur. Im Vergleich zu einem Band wie dem Tractatus contra Daemones, bei dem dieser in den Anhang geschoben wurde, ist hier auch der Regelanteil wichtig, handelt es sich doch um ein Quellenbuch. Die Regelkästen als auch der übrige sich wiederholende Seitenaufbau sorgen für hinreichend Übersichtlichkeit sowohl für Spielleitung als auch für Spielende. Den Shruuf gibt es übrigens auf S. 159 in drei Varianten, damit auch jeder seinen Liebling in DSA5 mit dabei hat.

Domänenherrscher

Derya: Damit wenden wir uns den Erzdämonen (+ dem Namenlosen) und den von ihnen beherrschten Domänen zu. Dort präsentieren sich die Herrscher unter dem Namen ihrer Domäne mit ihrem Symbol, einigen Hintergrundinformationen und einem Kasten mit den wichtigsten Eckpunkten. Was zumindest langjährigen Spielern als Erstes auffallen dürfte, ist der Umstand, dass die Zhayad-Namen für die Erzdämonen ab jetzt nicht mehr für die Herrscher selbst, sondern ihre Domänen stehen. Auf den ersten Blick finde ich dies durchaus praktisch, fand ich diese simultane Verwendung der beiden Benennungen durchaus auch mal verwirrend, andererseits reißt es durchaus die ein oder andere Logiklücke, wie die z. B., weshalb eigentlich Nagrach eher unter dem Namen seiner Domäne Bekanntheit erlangt hat.

Krassling: Ich muss zugeben, das verwirrt mich. Ich fand es für die Spielwelt immer bereichernd, dass hier mit unterschiedlichen Namen hantiert wurde. Das unterstreicht für mich die ungreifbare, geheimnisvolle Natur der Jenseitigen. Aber es ist ja an und für sich auch keine große Sache diese Setzung etwas zurechtzubiegen und auf die frühere Benennung in unterschiedlichen Sprachen zurückzuführen.

Nottel: Mit den Namen für Domäne, Erzdämon und den Ausnahmen von der Regel kann man schon durcheinander kommen. In dieser Entkopplung spiegelt sich auf der niederhöllischen Seite das Konzept der göttlichen Herrschaft auf Zeit(alter) wider: Es gibt ein paar Verweise darauf, dass die Domänen auch von anderen besetzt sein könnten oder waren. Außerdem lässt sich mit der Trennung in Entität und Funktion vielleicht günstiger eine Brücke zu den übrigen DSA-Settings in der Zukunft schlagen.

Derya: Die Hintergrundtexte geben dafür einen schönen Überblick über die Erzdämonen, ihre verfolgten Ziele und ihr Reich sowie die Unglücklichen, die in ihre Fänge geraten mögen. Gerade in diesen Aufführungen liegen aus meiner Sicht auch diverse Inspirationen zu NCSs und Abenteuern begraben.

Nottel: Diese Texte sind unterhaltsam und einige können sicher zu eigenen Überlegungen anregen. Du schreibst „begraben“: Ja, da muss man wohl selber buddeln. Zusätzlich hätten ein paar wenige beispielhafte NSC – darunter dürfen auch Paktierer sein – thematisch in diesen Band gepasst. Gerade aus Spielleitersicht ist doch ein Beschwörer-NSC mit Dämon ein klassisches Gespann z.B. für ein Abenteuerfinale.

Derya: Ich muss zugeben, die habe ich in diesem Band im Gegensatz zu dir dagegen überhaupt nicht vermisst. Indirekt ist das für mich Aventurische Magie 3 oder wäre ein thematisch anders gelegener Quellenband gewesen, hätten aber für mich nichts in einem Dämonenbuch zu suchen. Da wären mir im Fall des Falles zuerst mehr Dämonen wichtiger.

Die im vorliegenden Band allerdings ebenfalls vorhandenen Übersichtskästen finde ich persönlich auf diesen Seiten mit am praktischsten und dürften dem ein oder anderen Leser in ähnlicher Form schon von den Göttern bekannt vorkommen, enthalten hier allerdings die Kurzinfos zum Herrscher der Domäne, seinen Beinamen, Aspekten, Frevlergewand, Unmetall, Magnum Opus, Donaria, Feindbilder, mögliche Dämonenmale und eine Auswahl von Dienern. 

Der geheime Star in der Dämonen-Disco: Nebelmacher Braggu. (Bild von Helge C. Balzer)

Krassling: Ja die Übersichtskästen finde ich auch sehr angenehm. Allerdings hätten manche Dinge für mich durchaus etwas ausführlicher ausfallen dürfen. Auch werden hier einige Dinge ja nur angedeutet. Eine Beschreibung des Frevlergewandes und weitere Inspirationen für das Spiel damit hätte ich spannend gefunden. Auch will mir das Magnum Opus doch etwas einfallslos erscheinen. Gut finde ich in jedem Fall, dass hier auch von den Dämonenmalen die Rede ist. Ein mehr hintergrundbetonter Blick auf die verschiedenen Paktierer wäre eine weitere interessante Ergänzung gewesen. Aber das kann ja noch kommen.

Nottel: Mehr Tiefe und Details zu den erwähnten Kurzinfos der diversen Attribute wären sinnvolle Zusätze für eine zweite Seite der Domänenbeschreibung gewesen.

Derya: Was ich dagegen auf diesen Seiten vermisse, sind innerderische Erzählschnipsel ähnlich denen bei ihrer Dienerschaft. Mag es dafür bei Blakharaz und dem Namenlosen auch eng aussehen, wäre bei den anderen dafür durchaus noch Platz gewesen. Und vielleicht hätte man auch bei den beiden anderen noch einen Weg finden können, da was zu drehen. Die Eulenhexe hätte solch eine Donaria jedenfalls begeistert begrüßt.

Irgendwie vermisse ich auf diesen Vorstellungsseiten auch Abbildungen der beteiligten Erzdämonen. Charyptoroths Illustration in Havena hatte mich schließlich schlicht begeistert. Als Illustrationen wurden im Pandämonium dagegen Holzschnittartige Abdrucke der Dämonensymbole gewählt. Nur der Namenlose will da nicht mitmachen und präsentiert sich mit seinem aus Götterwirken 1 bekannten Abbild. Zuerst war ich etwas enttäuscht, aber dann hat mich die schlichte Schönheit der Symbolabdrucke mitsamt der bildhaften Ausgrenzung des Namenlosen gefangen genommen.

Krassling: Hier bin ich eigentlich ganz froh, dass die finsteren Entitäten jenseits unserer Sphären nicht in feste Bilderform gebannt werden. Die Symbole sind wirklich schick und bilden auch viel eher das ab, was dem unerschrockenen Aventurier tatsächlich begegnen mag, bevor er sich den unaussprechlichen Schrecken stellen muss.

Nottel: Für meinen Geschmack sind schon sehr viele gute Dämonenbilder enthalten. Erzdämonen brauche ich nicht auch noch, es darf ruhig die Angst vor dem Unbekannten bestehen bleiben. Diese mit Wachsstift gezogenen Zeichen gefallen mir auch sehr gut.

Derya: Am Ende muss ich aber zugeben, dass auch den Domänenherrschern eine zweiseitige Darstellung durchaus gutgetan hätte. Dann hätten nicht nur sowohl Bilder der Symbole wie der Erzdämonen ihren Platz finden können, sondern man hätte auch ohne Probleme ein oder zwei innerderische Informations- bzw. Gerüchteschnipsel mit einbauen können. Nichts wirklich überlebenswichtiges, aber Sachen die dem schönen Eindruck aus meiner Sicht einfach noch die Sahnehaube aufgesetzt hätten.

Krassling: Oder ein paar historische Schnipsel über Aktivitäten der dunklen Götter. Oder typische Plots zu ihren Anhängern. Oder berühmte Paktierer. Ach nee, dazu kommt bestimmt noch eine eigene Spielhilfe: Aventurische Dämonenbündler. Jetzt hör ich besser auf, bevor ich noch ironisch werde.

Nottel: Den Gedanken der zweiten Seite hatte ich auch aufgegriffen, wegen der Doppelseitenstruktur, von mir aus auch gern regeltechnischer angereichert. Etwas zu Paktierern an der Stelle oder in einem tieferen Kreis, äh im Anhang, klingt auch verlockend.

Gehörntes Pack

Muss es wirklich diese Seite aus „Am 50. Tor“ sein? Von mir aus, Herr Xamanoth, Sie wissen es eh besser. (Bild von Maja Wrzosek)

Derya: Weiter oben habe ich ja schon erwähnt, dass jeder Herrscher eine Gefolgschaft von 5 Dämonen zur Seite gestellt bekommt. Als Erstes hat mich die Neugier geplagt, wie viele davon eigentlich schon einen Auftritt in den Bestiarien hatten. Andere Kurzauftritte von Dämonen in anderen Publikationen habe ich dabei außer Acht gelassen, da die Kreaturenbände für mich auch mit den umfangreichen Hintergrundausführungen punkten. Aber genug der Vorrede, fangen wir an: Von 6 Dämonen im Bestiarium 1 haben es 4 ins Pandämonium geschafft, nur Difar und Laraan hatten zumindest diesmal keine Lust. Beim etwas dämonischeren Bestiarium 2 sind es dagegen 5 von 8 Dämonen. Diesmal blieben Kah-Thurak-Arfai, Qasaar und Thalon außen vor. Alle anderen Dämonen, sprich 56 von 65, haben in diesem Band entweder überhaupt ihren ersten Auftritt oder zumindest das erste Mal in dieser Breite. Diesen zelebrieren sie wie in den Bestiarien mit einem inneraventurischen Gerüchte- oder Wissensschnipsel, zugehörigen Hintergrundinfos und Kreaturenwerten und einer Illustration. Dazu kommt noch ein kleiner, aber feiner Kasten mit den Kurzinfos zum Beschwörungsnamen, Beinamen, der Domäne, dem Wesenstypus sprich der Hörneranzahl und dem notwendigen Beschwörungsritual.

Krassling: Als ich mich mit der Struktur befasst habe, stellte sich mir als Erstes die Frage, wie sinnvoll es eigentlich ist von jeder Domäne genau fünf Dämonen jeweils gleicher Stufen zu benennen. So ganz sicher bin ich mir da noch nicht. Wichtige Dämonen fehlen hier, wenngleich Derya ja darauf hinweist, wo sie bereits beschrieben wurden. Dieser etwas erratische Ansatz verwirrt mich immer noch, da ich nicht so recht weiß, wie ein Schreiber oder Spielleiter damit sinnvoll umgehen soll. Nicht jeder Nutzer hat alle bekannteren Dämonen im Kopf und dann die passenden Quellen parat. Die Ulisses-Regelwiki scheint dahingehend auch nicht vollständig. In der Wiki-Aventurica dagegen war aber wohl schon ein fleißiger Schreiberling am Werk.

Nottel: Interessante Zahlenauflistung. Das belegt den Eindruck, dass der Innovationsfaktor damit recht hoch in diesem Band ist. Selbstverständlich ziehen sich viele Dämonen schon seit mehreren Editionen durch DSA. Gerade solche, die in prominenten Abenteuern der Vergangenheit eine Rolle spielten wie Zant, Heshtot, Shruuf, Karmoth, uvm. Diese Kontinuität ist natürlich ausdrücklich erwünscht.

Derya: Besonders gefällt mir, dass bei den Hintergrundinfos der Fokus auf regionale und geschichtliche Vorkommen sowie Vorlieben sowohl der Beschwörer und Dämonen eingegangen wird. Dadurch findet nicht nur Aventurien und die bespielte Zeitgeschichte Beachtung sondern auch die Zustände in Myranor und/oder den Dunklen Zeiten werden bei etlichen Dämonen erwähnt. Dafür gibt es einen ganz großen Pluspunkt. Vor allem auch, weil dies für mich größtenteils neue Informationen waren. Aber auch sonst finden sich noch jede Menge Informationen und Inspirationen zur künftigen Verwendung. Da finde ich es ja fast schade, dass aus Uthuria anscheinend nur Kenntnisse über zwei Dämonen herüber geschwappt sind. Auch der bunte Strauß an innerderischen Quellen löst Begeisterung aus, auch wenn ich mir noch den ein oder anderen hexischen Blickwinkel gewünscht hätte. Im Großen und Ganzen wissen die Dämonen also zu gefallen. Auf den Wermutstropfen gehe ich in einem der unteren Abschnitte noch ein.

Nein, es war doch kein Geldbeutel. – Nottel (Bild von Tim Brothage)

Nottel: Im Grunde gehen die Beschreibungen querbeet durch alle Kategorien, so dass sich kaum etwas wiederholt und daher auch nicht eintönig wird, sondern unterhaltsam bleibt. Hier pflichte ich Derya bei, dass die häufige Erwähnung von Myranor und insbesondere den Dunklen Zeiten Sympathie bei mir hervorgerufen haben. Wer in den Dunklen Zeiten spielt mag da etwas für die eigene Runde herausziehen. Noch viel mehr ist es aber auch die Anerkennung, dass die zeitgenössische aventurische Dämonologie auch einen riesigen Teil güldenländisches Erbe in sich trägt.

Derya: Zu den vorher genannten Wermutstropfen gehört auch, dass mir irgendwann beim Durchlesen der namenlosen Knechte auffiel, dass deren Nutzung ohne Götterwirken 1 nicht so wirklich funktioniert. Denn schließlich kommen dessen Geweihte ebenso wie dessen Beschwörungsrufe erst dort vor und mögen so einige Namenlos-Geweihte auch in Abenteuern auftauchen, könnten Spielleiter diese nicht einfach um die nötige Liturgie bzw. Zeremonien erweitern, da diese hier nicht noch einmal aufgeführt sind. Je nach Sichtweise mag dies Sinn ergeben oder auch nicht, schließlich können somit als Folge unter strikter Nutzung von Regelwerk + Pandämonium (+ Abenteuern) nur vom Namenlosen verführte Zauberer seine Diener rufen. Und leider werden die entsprechenden Infos auch nicht im kurzen Übersichtskasten oder bei der Anrufungsschwierigkeit aufgeführt. Ich muss zugeben, dies finde ich hier etwas unglücklich gelöst.

Nottel: Da ist die Trennung nach Büchern tatsächlich nicht scharf genug, Laraanim werden zwar im Pandämonium erwähnt, aber weder dort noch im Kernregelwerk erklärt. Beim Beäugen der Regelkästen fielen mir zudem einige Lücken auf: Was macht die Röchelnde Flamme des Irrhalken? Wie viel Gasschaden verursachen Braggu und Scylaphotai? Kann Xarrmalk sich auch ohne Talent gut verkleiden? Wie genau infiziert das Yaq Hai? Muss ich mich um alle von Libaals Kindern selbst kümmern? Wie viele Lebenspunkte hat ein Qitslinga in seiner wahren Gestalt? Fehlt nicht manchen großen Gegnern wie Glazmadraa und Umdoreel die Möglichkeit Schilde zu spalten? Wie unterstützt Ylmadath beim Prophezeien? Was fängt die madige Assel Duglum mit ihrer Astralenergie an, wenn sie doch keine Zauber hat? Wie groß ist der Grakvaloth? Was passiert mit Männern, die von Kelevathan verwandelt werden? Bei Aatesh’Seruhn, was ist ein schwarzer Fulminictus? Machen 8 ASP den Karmoth-Braten fett? Und weshalb hat Yel’Arizel Mut 43 und nicht douglasadamsgefällige 42? Nagen schon namenlose Zweifel an mir, ich denke es reicht, mein lieber Xamanoth.

Derya: Auch wenn sie nicht deckungsgleich sein mögen oder gerade komplett andere, hat da der Nottel doch schon Fragen angerissen, die auch der Eulenhexe beim Lesen kamen. Sprich, die Regelinformationen müssen nicht unbedingt mit der Hintergrundbeschreibung übereinstimmen bzw. können auf der ein oder anderen Seite Lücken lassen. Zudem kommen DSA-Spieler bekanntermaßen sowieso auf jede Menge Fragen, an die kein Schreiber je gedacht hätte. Bei Löchern bezüglich wichtiger Fähigkeiten wird es allerdings schmerzhaft. Zum Glück war mein Fragenkatalog anscheinend um einiges kleiner als der meines Schreiberkollegen.

Chaotische Gedankengänge

3D-Gewebedrucker waren gestern. Organe nach Maß, vermutlich sogar vegan, weil vom Baum Cthllanogog. (Bild von Helge C. Balzer)

Derya: Ich weiß ja nicht wie es euch ergeht, geehrte Mitgehörnte, aber so kurz überschlagen kommen mir die chaotischen Niederhöllen und ihre Bewohner fast etwas zu ordentlich und strukturiert daher. Natürlich gibt es auch ein paar Dämonen mit einem verdrehten und perversen Sinn für Ordnung und am Ende wurde das Pandämonium von Sterblichen für uns Einhörner und andere Sterbliche verfasst. Am Ende bleibt aber festzuhalten, dass der Pandämonie 1. Akt sozusagen das Gegenstück zum zwölfgöttlichen Aventurischen Götterwirken ist. Unglücklicherweise bleiben dadurch allerdings gerade einige der Paktdämonen aus Magie 3 ohne konkrete Dienerschaft und ich persönlich vermisse ja auch etwas Aphasmayra mit ihrer miauenden Gefolgschaft. Und weshalb scheint es eigentlich keine Eulendämonen zu geben? Schließlich gelten diese doch eher als verrufen? Oder offenbare ich da gerade eine unverzeihliche Wissenslücke? Aber ich schweife ab. Wenden wir uns also wieder dem untersuchten Buche und meinen vorigen Ausführungen zu. Auf gewisse Weise erfolgt für mich daraus schon fast zwanghaft ein zweites Pandämonium. Was die Auswahl des vorliegenden Bandes angeht, gibt es sowohl für Chaos wie Ordnung gute Argumente und welcher Richtung man da zuneigt, bleibt der eigenen Vorliebe überlassen. Die Eulenhexe kann sich zumindest in diesem Punkt einfach nicht entscheiden und bleibt diesmal schlicht neutral. Und damit schnell wieder weg von den D&D-Gesinnungen und zurück zum Schwarzen Auge mit seinen Dämonen.

Krassling: Ja, das mit der Struktur im Chaos ist ja so eine Sache. Ich persönlich halte es da ja mit der Diffusionstheorie. Die uns bekannten Teile der Niederhöllen sind deshalb vergleichsweise unchaotisch (ist das ein Wort?) weil sie so nahe dran an Ordnung und Schöpfung sind. Deshalb ja auch Niederhöllen. Die weiter entfernten Höllen sind dagegen vermutlich derart chaotisch und formlos, dass sie uns Sterblichen völlig unverständlich bleiben. Eulendämon wäre übrigens mal eine sehr schöne Idee. Da geht doch bestimmt was in Pandämonium II oder III. Insgesamt scheint mir dieses Buch nicht so ganz zu wissen, was es eigentlich sein will, aber dazu später noch mehr.

Nottel: Da bin ich ganz irdisch und pragmatisch, ebenfalls geehrte Miteinhörner: ein Rollenspielbuch soll einfach gut lesbar und nachschlagbar sein sowie dem Auge zum Gefallen. Einen weiteren Teil mit den Dämonen zwischen und jenseits der Domänen, mit anderen dämonischen Themen, wie auch mehr zu Paktierern, fände ich schon in Ordnung. Eulendämonen wären in dem Zusammenhang auch meines Wissens nach übrigens neu.

Kleiner Exkurs: Tractatus contra Daemones

Derya: Und jetzt schweife ich kurz ab. Obwohl nicht wirklich, schließlich geht es weiterhin um ein Dämonenbuch: Vielleicht geht es euch ja so wie mir und ihr denkt bei diesem Dämonenwerk auch sofort an seinen Vorgängerband Tractatus contra Daemones in eurem Regal oder überlegt, inwieweit sich das jeweils andere Buch bei Vorhandensein einer Dämonenpublikation denn vielleicht noch lohnt. Der Tractatus ist jedenfalls aus inneraventurischer Perspektive geschrieben und enthält vor allem Informationen zu den Erzdämonen und 44 Dämonen, darunter allerdings auch einige abseits der erzdämonischen Kreise. So grob überschlagen dürften sich ungefähr 50 Prozent der Dämonen des einen Buches auch im anderen herumtreiben, während die jeweilige andere Hälfte entweder den Tractatus oder aber das Pandämonium bevorzugt. Seiten und Bilder sind in Braun gehalten und die entsprechenden Regeln beanspruchen 32 der insgesamt 160 Seiten. Würde ich heute die Wahl haben, würde ich wohl ziemlich eindeutig zum Pandämonium greifen, aber als einander ergänzende Werke, wo der Tractatus nochmal durch inneraventurische Einblicke das Pandämonium vertieft, bin ich momentan durchaus froh, es schon im Regal stehen zu haben. Allerdings gilt das wohl vor allem für Brabaker und wahre Dämonenbündler, sorry -kundler natürlich, und alle die von Dämonen nie genug bekommen können. 

Krassling: Für mich war der Tractatus in erster Linie ein Hintergrundband. Viel Atmosphäre, alles sehr passend gestaltet für das düstere Thema. Das fand ich sehr gut gemacht. Im Pandämonium wollte ich zuerst einen Crunch-Katalog sehen. Also im Endeffekt ein spezialisiertes Bestiarium. So ganz ist es dann aber doch nicht geworden. Für ein Bestiarium ist zu viel Fluffigkeit drin. Für einen echten Katalog ist es irgendwie nicht crunchy genug. Und was ist eigentlich aus der wundervollen Liste der Mysteria Arcana geworden, in der die Zahl der Dämonen schier kein Ende mehr nehmen wollte? Brauche ich wirklich für jede Entität bald eine ganze Seite mit Werten? Bei Kampfdämonen macht das hochgradig Sinn, aber die Dämonen des Schwarzen Auges haben doch weit mehr zu bieten als bloße Wertezylinder zu sein.

Nottel: Für jemanden, der Beschwörer spielt, sind beide Bücher zumindest gute Inspirationsquellen. Als Spielleitung kann man schon Dämonen aus diesem Band direkt übernehmen, abgesehen von ein paar wenigen Lücken wie weiter oben ausgeführt. Die Liste der Dämonen wurde vielleicht noch nicht erwähnt, weil es eben doch noch weitere Bände geben könnte?

Beschwörungsregeln

Derya: Damit aber jetzt wieder zurück zum Pandämonium. Dort folgen nach der Vorstellung von all dem Dämonenpack DSA5-typisch natürlich auch noch ein paar Regeln. Ein paar dämonische Zauber, Beschwörungssonderfertigkeiten, Fokusregeln und Wesenszüge. Leider hatte es nach all der wundervollen Arbeit vorher dann hier jemand zu eilig und hat per Spontanbeschwörung nochmal schnell einen Fehlertaifelel losgelassen. Schließlich wurde gerade bei den Zaubertexten oft vergessen die Texte und teilweise auch die Verbreitung auf die Dämonen anzupassen. Zudem mag folgender Gedankengang wirklich meiner DSA4-Sozialisation entspringen, aber müssten die ursprünglich elementaren Zauber in diesem Fall nicht eigentlich eine dämonische Zuordnung haben? Zumindest für den dämonischen Dunkelheitszauber im Regelwerk S. 355 gilt dies auch unter DSA5, was mich leider auch in diesem Fall eine Schluderei beim Übertragen der Zauber ins Pandämonium und ihrer Dämonisierung annehmen lässt. Verlasse ich die Zauber und schreite weiter, finde ich eine Dämonisierung des hier eigentlich für Hexen und Magier gedachten Invocatio Maxima vor, schließlich sind Dämonen laut ihrer Tradition der Dämonenbeschwörung nicht fähig. Apropos dämonische Tradition – die fehlt in diesem Buch trotz einiger zaubernder Dämonen leider völlig! Wenn nicht hier, wo dann? Somit bleibt die im Rahmen des Wege der Vereinigungen-Crowdfundings erschienene Spielhilfe Lustschlösser & Zauberwesen weiter die einzige Publikation mit enthaltener dämonischer Tradition. Das erscheint mir nicht wirklich logisch. Wirklich schade um diesen Abschnitt. Dass ich gerade bei diesem Buch durchaus auch nochmal eine Dopplung des Textes zum Wesen der Dämonen trotz dessen Vorhandensein im Regelwerk als praktisch empfunden hätte, mag dagegen reine Geschmackssache und noch dazu natürlich eine Platzfrage sein. Dass am Ende  allerdings 65 Dämonen auf dieselbe Regelwerksseite 355 verweisen, empfinde ich auch nicht wirklich als der Weisheit letzter Schluss, sondern eher als amazeroth‘schen Irrsinn. In eine ähnliche Kerbe schlagen die weiter oben schon erwähnten fehlenden Invokationsmöglichkeiten für Priester des Namenlosen. Aber genug von meinem Sezieren, schließlich sollen auch meine Kollegen noch zu Wort kommen.

Sieht nur klein und unschuldig aus, die miese Kröte Bhurkhesch. (Bild von Helge C. Balzer)

Krassling: Bitte Erbarmen! Augen zu und durch. Ganz ehrlich, bei mir am Spieltisch sind Dämonen in der Regel ohnehin auf der Seite der Antagonisten angesiedelt. Und wenn es doch zu einer Beschwörung durch Spieler kommt, dann stehen solch profane Fragen wie der korrekte Ausweis der Tradition eher im Hintergrund. Was besondere Merkmale etc. angeht hätte ich mir ohnehin einen Mechanismus gewünscht, der der chaotischen Natur der Dämonen eher Rechnung trägt. Wenn es mal eine Zufallstabelle braucht, dann hier. Und ja. Die Tipp- oder Kopierfehler sind natürlich lästig. Aber ich betrachte diese Dinge ohnehin allesamt eher als unverbindliche Anregungen und als Regelreferenz nutze ich in erster Linie die Regelwiki und durchsuche nicht drölfzig verschiedene Publikationen.

Nottel: Ganz recht, zum Schluss verließen sie ihn. Ich habe schon den Anspruch, dass in diesem Band die Regeln durchgezogen werden. Stimmt natürlich, dass sie an manchen Stellen zwischendurch etwas redundant und teilweise auch weniger relevant waren, aber gerade im Anhang kommen nochmal wichtige Regelteile. Hoffentlich wird die dämonische Tradition noch nachgereicht. Im Übrigen ist die Regelwiki auch nicht automatisch besser, wenn die Originalvorlagen falsch oder sogar uneinheitlich sind.

Höhen

Derya: So viele teuflisch interessante und wundervolle Dämonen! Da kann sich zumindest diese Hexe fast nicht entscheiden, welche sie in ihren Beschwörungskreis einladen will. Am Ende sind es die folgenden 3 niederen Dämonen geworden:

  • Wirklich für sich einnehmen, konnte mich der rastlose Reisende Frazzaroth. Wer hätte nicht gerne ein praktisches Schnellreisesystem, wenn auch mit kleinen Nebenwirkungen? Wobei ich mir durchaus vorstellen könnte, dass Zappeligkeit und Unruhe einen durchschnittlichen Magier mehr stören könnte als die durchschnittliche Tochter Satuarias.
  • Außer Kontrolle geratene Diskussionen unter DSA-Fans? Manchmal könnte man dann meinen, da wäre der Sämann der Zwietracht Yel’Arizel unterwegs. Schlechte Einflüsterungen für Heldengruppen oder doch eher Heldengegner? Oder dem künftigen Auftraggeber, der jetzt versucht, seinen Schaden wieder zu beheben? Da fällt mir doch so einiges ein und die Hexe reibt sich erfreut die Hände.
  • Trotz kleiner Mängel rufe ich als letztes auch noch den Ylmadath, denn wer ermöglicht seinen Unterlingen Kameraden nicht gerne die Möglichkeiten der Zauberei und wandelt dabei auf Borbarads Spuren. Dummerweise habe ich derzeit noch keine Ahnung, wie ich seine anderen im Text angepriesenen Anwendungen auslöse, möglicherweise einfach durch seine Anwesenheit, vielleicht fehlen da aber auch die ein oder andere Information über Sonderregeln.

Krassling: Tja, preise die Vielfalt Bruderschwester! Was die Auswahl einzelner Dämonen betrifft, bin ich viel zu vorbelastet. Aber ein paar positive Punkte kann ich trotzdem hervorheben.

  • Vielfalt: Auch wenn die Auswahl mich nicht so ganz vom Hocker haut, bildet doch auch dieser Katalog wieder einmal die breite Vielfalt aventurischer Elemente aus. Die Besonderheiten aventurischer Dämonen, die niederhöllischen Domänen und die vielfältigen Erscheinungsbilder werden auch hier wieder schön inszeniert. Ein wichtiger Bestandteil des aventurischen Kosmos wird hier also durchaus angemessen in Szene gesetzt.
  • Angenehme Fluffigkeit: Auch wenn mich die ingame-Texte zu Beginn der Beschreibungen nicht immer so überzeugen sind die Texte zu den einzelnen Dämonen insgesamt unterhaltsam, informativ und inspirierend. 
  • Bildtoken: Wie auch schon in den Bestiarien findet sich bei jedem Eintrag direkt am Regelkasten ein rund eingerahmter Token. Also ein runder Bildausschnitt, meist das Gesicht des Dämons. Auch wenn ich selbst nicht online spiele, bieten diese Elemente doch die ideale Vorlage um sie auf einer Karte in einem entsprechenden Tool zu platzieren. Eine schöne Idee.

Nottel: Weil es noch niemand erwähnt hat: 

  • Man merkt, dass die allermeisten Passagen in diesem Band nochmal durchgelesen wurden und dementsprechend auch nur wenige Rechtschreibfehler enthalten sind, also sehr lobenswert.
  • Meine Lieblingsdämonen sind das Eispferd Yash’Natam, weil ich kalte Blitze mag und es das dämonische Pendant zum Einhorn ist.
  • Die kleine Augenkröte Bhurkesch (könnte das ein Kinderbuchtitel aus Yol-Ghurmak sein?), welcher ich noch Hypnoaugen als Extra wünsche und
  • Botenvogel (Günther) Gotongi, u.a. auch Maskottchen eines anderen DSA-Fanprojekts. 
  • Die Abbildungen der Dämonen fand ich schön stimmig, ebenso die inneraventurischen Texte und die abwechslungsreichen Beschreibungen.

Tiefen

Derya:

  • Fehlende Regeln – Sei es die Duglumspest des gleichnamigen Dämons, das Rauschgift des Bhurkhesch oder die Liturgie Seelenschatten des Atesh’Seruhn, die Beschreibung so einiger Fähigkeiten von Dämonen fehlt komplett. Dumm vor allem, wenn es sich dabei dann um ihr Kerngeschäft handelt. Ärgerlich aber in jedem Fall. Braggu und Nephazz mögen für die Folgen ihrer ebenfalls möglichen Alpträume zumindest bei einigen der anderen Dämonen fündig werden. In denselben Bereich gehören für mich auch die nicht aufgeführte Tradition der Dämonen und die fehlenden Liturgie/Zeremonien Beschwörung der gemeinen/hohen/machtvollen Diener des Rattenkindes der Priester des Namenlosen. Auch die Ausführungen zum Dämonenwesen hätte ich wirklich gerne nochmal in diesem Buch aufgeführt gesehen.
  • Und als zweite Seite der Medaille dann leider auch fehlerhafte Regeln – unsauberes Copy&Paste mit falschen Zuordnungen und fehlenden oder fehlerhaften Anpassungen. Es sind zwar nur ein paar Seiten, aber inneraventurisch würden bei solcher Arbeitsweise oder Quellenmaterial angestrebte Beschwörungen schonmal scheitern und der Brabaker Jungmagier oder die Hexenschülerin in den Niederhöllen verschwinden oder von den gerufenen Dämonen zerrissen. Meeh…
  • Die Illustration des dämonischen Schlundes, das sich nur durch das innenliegende Symbol voneinander unterscheidet. Eigentlich ein schönes Bild, dass aber nach der neunten Wiederholung dann doch etwas langweilig und auch etwas nervig wird. Dafür ist das Symbol jetzt doch nicht prominent genug. Da hätte ich doch lieber je nach vorherrschender Domäne abgewandelte Schlundvarianten gesehen und wäre dann auch auf alle Zwölfe neugierig gewesen. Vielleicht hätte man stattdessen oder zusätzlich auch Illustrationen der verschiedenen Erzdämonen abdrucken können, denn ich muss zugeben, die fehlen mir in diesem Band am Ende doch. Wobei ich auch zugeben muss, dass ich selber am Rätseln bin, wie und wo man Bilder der Erzdämonen ohne zusätzliche Seiten noch gut hätte unterbringen können. Schließlich gefällt mir bei den Erzdämonen die gefundene Lösung mit den Holzschnittartigen Dämonensymbolen.

Krassling:

  • Nicht hart, noch weich: Das Pandämonium ist kein umfangreicher Katalog, der mir viel Material mit schneller Zugänglichkeit liefert. Selbst der sehr fluffige Tractatus hatte die Spielwerte in einem Anhang gebündelt und somit schnell verfügbar. Gleichzeitig bietet es doch nicht genug strukturierten Hintergrund um daraus sofort umfangreiche ingame-Quellen oder konkrete Verwendungen zu basteln. All diese Dinge sind zwar irgendwo vorhanden, aber durch die Zweigleisigkeit ist der Band in keine Richtung optimal gestaltet.
  • Bröselige Kekse: Die starren Muster in den sehr umfangreichen Wertekästen sind lästig, wenngleich wohl kaum zu überwinden. So wird leider Platz verschenkt. Die von Derya kritisierten Fehler, Leerstellen und andere Nachlässigkeiten machen es nicht besser. Tatsächlich fehlen mir aber ein paar Dinge, die für die Nutzung als Katalog und sei es nur zur Abenteuervorbereitung sinnvoll wären. Wenn ich schon einen Kasten mit Angaben zur Beschwörung habe, warum ist es dann nicht möglich die üblichen Dienste anzugeben. Auch andere Übersichten, die ein Auffinden von Kreaturen nach bestimmten Kriterien erleichtern wären eine praktische Hilfestellung.
  • Bestiarium: Aus meiner Sicht greifen auch hier die gleichen Schwachpunkte wie sie auch bei anderen Bestiarien schon genannt wurden. Es ist schwierig den Überblick zu behalten. Es gibt auch hier wieder Redundanzen. Das Auffächern der Inhalte macht es schwierig ein einzelnes Thema zu fokussieren. Hier sieht man das beispielsweise wieder bei den Inhalten zu namenlosen Kräften und Entitäten. Manches davon mag für komplette Neulinge nicht auffallen, anderes sich konsequent aus dem einmal gewählten Gesamtkonzept ergeben. Glücklich macht es mich dennoch nicht.

Nottel:

  • Welche Regellücken mir aufgefallen sind, habe ich oben schon aufgelistet. Teilweise sind diese schon ärgerlich, vor allem wenn sie – wie Derya schon schreibt – „Kerngeschäft“ des Dämons sind.
  • Der Anhang ist ein kurzes, aber leider auch mit Abstand das schwächste Kapitel, u.a. wegen der erwähnten Fehler.
  • Mehr konkrete Dinge wie NSC oder auch besondere Orte (Stichwort: Dämonenbrache) für die Verwendung durch die Spielleitung ohne eigenes Aufbereiten aus den Texten wären hilfreich gewesen. Die hier unterrepräsentierte Rolle der Beschwörer unterscheidet das Pandämonium inhaltlich von einem Bestiarium, schließlich wird kein Basilisk oder Riesenlindwurm von einem Dompteur durch die Lande geschickt.

Fazit

Derya: Wer sich für Dämonen und ihre Hintergründe interessiert ist bei diesem Buch auf jeden Fall an der richtigen Adresse. Wen nur die Werte interessieren, kann auch gut zum dazugehörigen Spielkartenset greifen und wer meist eher den bunten Kreaturenmix braucht, ist vielleicht eher bei den Bestiarien an der richtigen Adresse, schließlich gibt es auch dort den ein oder anderen Dämonen. Hier jedenfalls gibt es die Dämonen im Dutzend billiger. 

Leider wurde eine arme, kleine Eule völlig unnötig aufgrund unvollständiger oder falsch überlieferter Regeln von seinen Kollegen auf dem Beschwörungsaltar geopfert. Eine weitere wurde anscheinend von einer Schar neidischer Taifelel gejagt und langsam zerrupft und so ist ihr auf den letzten Metern vollkommen zerfleddert die Luft ausgegangen. Darum findet sich am Ende unglücklicherweise nur noch ein Beschwörerkreis von 7 von 9 Eulen ein, um eifrig Dämonen aus den Niederhöllen zu rufen. Schließlich hakt es abseits des vorhandenen Regelfehltritts zusätzlich noch an der ein oder anderen Kleinigkeit oder ich hätte mir für die absolute Begeisterung an der ein oder anderen Stelle einfach noch ein wenig Donaria-Topping obendrauf gewünscht. Für dessen Umsetzung hätte das Buch je nach gegönnter Ergänzung und Zusatzausstattung aber wahrscheinlich ungefähr 4 – 16 Seiten mehr gebraucht. Übrig bleibt am Ende ein schönes Sammelwerk über Dämonen. Immer noch gutes Dämonenwerk, aber leider nicht mehr zum Pakt verführend.

Krassling: Als ich das Pandämonium das erste Mal durchflippte, dachte ich noch, dass dies mal ein wirklich guter Katalog mit hartem Spielwert sei. Bei genauerer Betrachtung stelle ich fest, dass hier wieder von allem ein bisschen versucht wurde. Ein guter Kompromiss ist es bekanntlich dann, wenn keiner so recht zufrieden ist. Insofern muss ich den Band loben, denn er macht vieles richtig und weniges wirklich schlecht. Aufgrund seines Themas gehört er zumindest für mich zu den bedeutsameren Werken der Reihe. Auch wenn ich eigentlich zugeben müsste, dass Dämonen eher seltene Auftritte an meinem Spieltisch haben. Auch wenn ich mich über sperrige Konzepte, nachlässige Regeln und fehlende Übersichten ärgern mag. Die gut geschriebenen Texte rechtfertigen es möglicherweise dennoch diesen Band als etwas über dem Durchschnitt zu klassifizieren (6/9).

Nottel: Bis auf das letzte Kapitel konnte ein Einhorn über bunte Textwiesen an allen Fehlerschlaglöchern vorbeigaloppieren, rutschte aber leider auf einem abschüssigen Anhang aus und brach sich doch noch einen Lauf. Ein weiteres ist auf der Suche nach den Auftraggebern dieser vielen Dämonen verschollen. Ein drittes Einhorn wollte wegen ein paar fehlender Regeln durchgehen, wurde vom Korrektorat jedoch gerade noch rechtzeitig besänftigt und daher bleiben 7 von 9 Einhörnern.

Weitere Dämonenbeschwörungen im Limbus

Nandurion dankt der Ulisses-Spiele GmbH für das Rezensionsexemplar!

Über Derya Eulenhexe

Derya wird auch über den Namen Milena gerufen und durchstreift seit dem Herbst 2010 Aventurien. Dabei war der nanduriatische Bote bisher ihr ständiger Begleiter und seit Anfang 2016 ist sie nun ebenfalls als Schreiberin dabei. Im wirklichen Leben verdient sie ihre Hartwurst als Bibliothekarin.
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4 Antworten zu Aventurisches Pandämonium

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  3. Sirius sagt:

    Tausend Dank für euer Engagement in Sachen DSA und für die präzise Rezension.
    Hat Spaß gemacht die Rezi zu lesen.
    Inhaltlich gefällt mir besonders der Ulchuchu.
    🙂
    LG

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