Im Gespräch mit einem besonderen Verein

Cover - Katakomben und KavernenAlrike Sensendengler ist seit 20 Jahren Mitarbeiter beim Grabmal- und Ruinenpflege Aventuriens V.e. (kurz GRAVe). Jetzt stand sie uns Rede und Antwort zu seinen Tätigkeiten und Aufgaben.

Nandurion: Die Zwölfe zum Grusse, Frau Sensendengler! Schön und interessant, dass Sie als langjährige Mitarbeiterin des GRAVe uns und den Lesern endlich aus erster Hand Einblicke geben dürfen in einen Bereich, der viele Jahre unbemerkt von der Öffentlichkeit geblieben ist.

AS: Ja, die Zwölfe zum Grusse, liebe Nanduriaten. Ihr habt erwähnt, dass ich bereits zwei Jahrzehnte im Verein Mitglied bin und ihr habt natürlich recht, dass man sich in dieser Zeit eher zurückgehalten hat. Ich höre die unausgesprochene Frage mitklingen, woran das gelegen hat. Ehrlicherweise kann ich nur vermuten, dass wir nach den letzten Jahrzehnten mit Tumulten und Umwälzungen, voller Entdecker und Abenteurergruppen mit mangelndem Nachhaltigkeitsbewusstsein nun endlich eine Phase verspüren, wo zwar das Karmakorthäon droht und Sterne vom Himmel fallen, aber im Großen und Ganzen sich wenig bewegt und wir nicht Gefahr laufen irgendwelchen alten Gottheiten, vergrätzten Magiern oder machthungrigen Potentaten zu sehr auf den Schlips zu treten, wenn wir ein wenig von unseren Bestrebungen sprechen.

Nandurion: Was sind denn die Ziele des GRAVe und wie setzt er diese um?

AS: Wie der erste Teil des Vereinsnamens schon andeutet richten sich unsere Aktivitäten darauf aus historische und archäologische Stätten zu pflegen. Der hintere Teil steht dafür, dass wir ein im Mittelreich eingetragener Verein sind, zugleich aber extraterritorial – dafür steht das „e“–, genau genommen aventurienweit, ausgerichtet sind.
Wir haben je nach Region unterschiedlich viele Mitglieder, die allermeisten davon ehrenhalber. Wichtig ist uns dabei stets der lokale Bezug, um auch die vor Ort bzw. in der Nähe ansässige Bevölkerung in die Aktivitäten und Interessen des Vereins einzubinden.

Nandurion: Von welche konkreten Aktivitäten sprechen wir denn hierbei?

AS: Nun, der Zweck historische Stätten zu pflegen besteht in erster Linie darin sie in ihrem jetzigen Zustand möglichst originalgetreu für die Nachwelt zu erhalten. Damit geht auch oft einher, dass potentielle Gefahren, die an solchen Stätten vorherrschen auch nicht plötzlich durch Verwitterung und die Hörner Satinavs oder sonstige Einwirkungen unkontrolliert die Umgebung bedrohen. Falls dies dennoch eintritt versucht der Verein Stätten nach einem (zer)störenden Ereignis wieder für die Allgemeinheit begehbar und erfahrbar zu machen.

Charypto Rex - Tempelhalle von Kai Frerich

Eine an den wichtigen Ecken gut ausgeleuchtete Tempelhalle, tief verborgen im Südmeerdschungel. Mit schelmischer Genehmigung von Kai Frerich.

Ganz konkret versorgen wir Räume ohne natürliche Lichtquellen mit Leuchtmitteln, sprich Lampenöle, Fackeln etc. Je nach regionaler Besonderheit oder kultureller Einbettung, auch schon mal ein gespendetes Flim-Flam-Artefakt im hochelfischen Stil oder ein urtulamidisches magisches Lampenöl. Schwieriger wird es mit Gwen-Petryl-Steinen, aber auch da drückt die Efferdkirche netterweise mal das eine oder andere Auge zu. Diverse Leuchtpilze beziehen wir aus den renommiertesten zwergischen Pilzfarmen des Kosch. Unsere Aktivitäten sollen jedenfalls möglichst wenig am ursprünglichen atmosphärischen und kulturellen Eindruck verändern.

Nandurion: Wenn solche Stätten aber doch oft verschlossen sind, wie verschafft sich der Verein Zugang, wenn schon gestandene Archäologen und Abenteurer arge Schwierigkeiten damit haben?

AS: Nun, der GRAVe blickt auf eine sehr lange Vergangenheit zurück, wir sind also wortwörtlich von vorgestern und bringen daher einiges Spezialwissen und -ressourcen mit: Der geheime Zweitschlüsselbund, ein von Fördermitgliedern gespendetes Transversalis- oder Verwandlungsartefakt, detaillierte Kartierungen von Gebäuden und Kavitäten, diverse Rätsellösungen zum Nachschlagen und so weiter und so fort. Risiken sollen unsere Mitglieder nicht unnötig auf sich nehmen, wir überlassen also nichts dem Zufall bzw. der Gunst der Stunde.

Nandurion: Es wird doch aber auch leichtere und schwerere Einsätze geben. Was war denn Ihr bisher schwerster Fall?

AS: Oh, da gibt es sich auch einige unschöne Ausreisser, das stimmt. Richtig viel Arbeit waren die Aufräumarbeiten in Warunk nachdem das Omegatherion vernichtet wurde. Abgesehen davon, dass halb Warunks Häuser und Dächer von schleimigen Rückständen des zerplatzten äh „Wesens“ gereinigt werden mussten – nicht zu erwähnen die seltsamen Perlen – , gab es da oben im Molchenberg erstmal ein riesiges Loch, das über Wochen und Monate zugeschüttet wurde. Bei solchen Grosseinsätzen hätte man auch ruhig mal einen fähigen Elementaristen bezahlen können, aber es wird eben überall gespart. Abgesehen davon war dieser Fall besonders frustrierend, da die heutige Stätte nur einen Teil der Geschichte abbildet, nämlich das Eingreifen des heiligen Leomar mit Rondras Streitwagen. Ein schönes Monument, aber die Goldene Pyramide und das Loch des Omegatherions sind nun nicht mal mehr ansatzweise in der Gegenwart verankert, höchstens auf Bildern.

Warunk – nur äußerlich hübsch und beschaulich

Ich weiss, es ist ein kontroverses Thema, aber solange keine Gefahr davon ausgeht, bin ich auch eher eine die sagt, dass wir es unter Denkmalschutz stellen und erhalten sollten. Auch ein Beispiel dafür, dass die Vereinsinteressen durchaus nicht immer auf Zustimmung stossen und durch politische Entscheidungen übergangen werden. Dieses Risiko gehört aber erfahrungsgemäß nun mal dazu.

Nandurion: Wir dachten da eigentlich eher an etwas bei Gareth…

AS: Ja, spuckt es nur aus, Galottas fliegende Festung Kholak-Kai oder was beim Absturz 1027 BF davon übrig blieb. Ein Beispiel dafür, dass man nicht alles einfach so wegräumt. Aber klar, für den GRAVe eine der grössten neuzeitlichen Herausforderungen, die uns bis heute beschäftigt. Besonders problematisch ist, dass mit grossen Gefahren offenbar auch immer eine grosse Neugier verbunden ist und daher leider dort auch schon einige Besucher zu Tode kamen.

Nandurion: Wieso stellt der Verein keine Verbotsschilder auf?

Trollschild

Achtung, Trolle! In Aventurien eine ebenso „nützliche“ Warnung wie im Netz.

AS: Hinweisschilder, wie wir sie etwas neutraler nennen, haben bereits in der Vergangenheit schon zu wenig Wirkung gezeigt bzw. für Häme und Spott gesorgt. Ist es doch eben gerade der Reiz des Verbotenen sich in Gefahr zu begeben und sich danach über die Warnenden lustig zu machen. Schilder aufzustellen hat sich als unbrauchbare Symbolhandlung herausgestellt. Wir wollen aber Nützliches bewirken und nicht nur Zeichen setzen.

Nandurion: Seid ihr während eurer Arbeit schonmal direkt mit sogenannten Helden bzw. anderen Besuchern zusammen getroffen?

AS: Auch wenn die Mitarbeiter des GRAVe darauf geschult werden möglichst wenig aufzufallen, lässt sich ein gewisses Restrisiko nie ganz ausschliessen. Falls es doch dazu kommt, ist schneller und unauffälliger Rückzug angesagt.

Nandurion: Wie habt ihr da reagiert bzw. kam es dabei zu Mißverständnissen bezüglich eurer Rolle?

AS: Je nach Ort bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten an. Die Kolleginnen und Kollegen sind allesamt recht einfallsreich und darauf vorbereitet. Sich selbst ein paar blaue Flecken verpassen und notdürftig gefesselt in eine Ecke liegen gehört da schon eher zu den extremen Massnahmen. Passend zur Tages- und Jahreszeit helfen aber meist schon lange vorher einstudierte Geschichten um sich rasch aus der Lage herauszureden. Wichtig ist in dem Zusammenhang natürlich auch, dass wir alle über die neusten Geschehnisse auf dem Laufenden bleiben. Daher bezieht der GRAVe viele Zeitungsausgaben, allen voran den Aventurischen Boten, die über den Verein weitergeleitet werden.

Nandurion: Nun, dann hoffen wir, dass auch weiterhin Stätten des Schreckens vom GRAVe fachgerecht gepflegt werden und durch unser Gespräch ein paar Fördermitglieder beitreten. Die Kontaktdetails eurer Garether Verwaltung steht weiter unten. Vielen Dank für das wortwörtlich erhellende Gespräch, Frau Sensendengler!

AS: Der GRAVe hat zu danken!

Grabmal- und Ruinenpflege Aventuriens V.e.
z. Hd. Frau Alrike Sensendengler
Betreff Fördermitgliedschaft
Postfach 1337
Gareth 1

Über Nottel

Nottel heißt Michael und wohnt am Bodensee. Seit 93 stromert er als Spieler und Spielleiter mit Gleichgesinnten durch fantastische Gedankenwelten. Zunächst in Aventurien und dem Riesland, später in der Dark Future, der Welt der Dunkelheit, im Trinity Universum und dringt in Galaxien vor, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
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5 Antworten zu Im Gespräch mit einem besonderen Verein

  1. FRAZ sagt:

    🤣🤣🤣

  2. Engor sagt:

    Tatsächlich ist die bislang fehlende Spielhilfe zu den aventurischen Warnschildern und ihren Bedeutungen etwas, was ich schon seit längerer Zeit kritisiere.

  3. Zak sagt:

    haha super!

  4. Jens sagt:

    Geht davon aus, dass meine Helden im nächsten Dungeon auf Grab- und Ruinenpfleger treffen werden.

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