Elfenkönig – Prolog

Bevor wir uns auf die Reise begeben, sei mir noch eine Anmerkung gestattet. Wie ich in meinem ersten Eintrag zum Band Elfenkönig geschrieben hatte, handelt es sich bei diesem Format um ein Experiment. Die Inspiration dazu stammt aus den Leserunden, die es für die ersten Romane der Reihe gegeben hatte. In Ermangelung fortführender Angebote gestalte ich hier sozusagen eine öffentliche Ein-Mann-Leserunde.

Ein entscheidendes Merkmal einer Leserunde ist, dass die Beteiligten das Buch bzw. den fraglichen Textabschnitt kennen. Üblicherweise wird der Inhalt also nicht wiederholt oder zusammengefasst, sondern direkt einzelne Punkte diskutiert. So ganz konnte ich mich jedoch noch nicht von der Würdigung des Textes lösen, bevor ich tiefer in das Geschehen einsteige. Das mag Lesern dieses Textes, die den Roman nicht gerade aus der Hand gelegt haben, hilfreich sein. Dennoch gilt grundsätzlich, dass die Kenntnis des Buches bzw. des jeweiligen Kapitels vorausgesetzt wird. Wer sich also die Spannung beim Lesen nicht verderben will, der sollte erst das Kapitel im Buch und danach erst den dazugehörigen Eintrag lesen. Ihr seid gewarnt.

Wieder einmal starten wir in die Phileasson-Saga mit einem Prolog. Diese vorangestellten Kapitel, die eher den Charakter einer Kurzgeschichte haben sind längst so etwas wie ein Markenzeichen der Saga geworden. Bislang dienten die Prologe oftmals dazu die Vorgeschichte einzelner Figuren zu erzählen und ihnen so weitere Tiefe zu verleihen. Im myranischen Daranel treffen wir diesmal allerdings auf Figuren, die zumindest teilweise bereits beschrieben wurden. Neben Asleif Phileasson steht Irulla, über deren Herkunft wir bereits in einem Prolog lesen konnten. Als weitere Figur tritt Asleifs Base Ragnild. Die junge Frau, eigentlich noch ein Teenager, hat ihren Abschluss in Olport gemacht und stammt wie der Foggwulf selbst aus Brattasö. Den Seebären und die Magierin verbindet ein starkes Band. Nach dem Tod ihrer Eltern hat sie es dem Hetmann zu verdanken, dass sie in Olport als Schülerin akzeptiert wurde.

Die myranische Metropole Daranel stellt einen Schauplatz aus den legendären Reisen des Entdeckers Asleif Phileasson dar. Nur wenigen Aventuriern ist es jemals gelungen, das Meer der Sieben Winde zu überqueren und das sagenumwobene Güldenland zu erreichen. Für den Foggwulf ist dies schon die zweite Fahrt in den fernen Westen. Wir begegnen den drei Aventurien auf einem Fest im Palast einer Optimatin, einer Vertreterin jener zaubermächtigen Elite, die das myranische Imperium beherrschen. Nach einem rauschenden Fest stellt die Hausherrin jedoch fest, dass ihr ein äußerst wichtiges Schmuckstück abhanden gekommen ist. Zum Glück kennt sie den Dieb und weiß unter ihren Gästen ein paar fremdländische Abenteurer von tadellosem Ruf. Ein geradezu klassischer Einstieg in ein Abenteuer.

Die ersten Seiten plätschern ein wenig dahin. Wir tauchen ein in die bunte Festgesellschaft und die ausgesprochen diverse Bevölkerung von Myranor. Mit dem Beginn der Suche nach dem Dieb nimmt die Sache dann Fahrt auf und es geht recht zügig von statten. Die besondere Rolle der myranischen Optimaten als zaubermächtige Herrscher und die Bedeutung der Triopta, der dreiäugigen Maske der Optimaten, wird ebenfalls in Szene gesetzt. Wieder einmal musste ich bei der Beschreibung der Triopata schmunzeln. Allzu auffällig ist doch die Ähnlichkeit zu jener Maske, die vor nunmehr fast vier Jahrzehnten einer Box mit dem Titel Das Schwarze Auge beilag.

Unsere Helden folgen nun der Spur des Diebes und zeigen dabei wieder einmal ihre verschiedenen Qualitäten. Auch Ragnild wird als entschlossen und kompetent inszeniert auch wenn mancher Zauber noch nicht beim ersten Versuch gelingt. Mehrfach wiederholt sie ihre Sprüche und kann damit die Lage entscheidend verbessern. Ihr Mut grenzt stellenweise schon an Selbstüberschätzung. Auch Asleif hat einige Szenen in denen er auch moralisch punkten kann. Kein Gegner wird unnötig erschlagen und am Ende einer elendig langen Verfolgung wird der Dieb vom Foggwulf nicht nur geschont. Statt dessen ermuntert er den verkrüppelten Ashariel gar sein Leben in die Hand zu nehmen und von seinen verworrenen Selbstmordgedanken Abstand zu nehmen.

„Du bist der Erste, der mir hilft, ohne dass er einen Vorteil davon hätte.“
„Du irrst dich. Ich habe einen Vorteil. Ich liebe die Freiheit, und je mehr freie Wesen es in der Welt gibt, desto freier ist auch die Welt, in der ich lebe.“

In dem oben zitierten abschließenden Gespräch zwischen dem Hetmann und dem gepeinigten Ashariel zeigt sich wieder einmal die besondere Liebe der Thorwaler zur Freiheit. Damit wird der Bogen gespannt zum Anfang der Geschichte, als Ragnild und Asleif über die Rolle der Sklaven im Haushalt ihrer Gastgeberin sprechen und wie sie damit umgehen wollen. Diese Eigenart verbindet den großen Entdecker mit seinem ewigen Konkurrenten. Doch Asleifs Geschäftssinn unterscheidet ihn wiederum von diesem. Das von ihm am Beginn der Geschichte so begehrte Kunstwerk für seinen Drachen wird nicht etwa durch Gewalt und Plünderung erlangt. Doch als Gegenleistung für seine Hilfe bei dem Diebstahl kann der Foggwulf das unbezahlbare Artefakt verlangen und kommt auch so ans Ziel.

Mit diesen Erkenntnissen endet der Prolog. Und während der Foggwulf aus der Vergangenheit Kurs auf die aventurische Heimat nimmt, kehren wir zurück in die Gegenwart. Das erste Kapitel ist überschrieben mit dem Titel Heimkehr.

Dieser Beitrag wurde unter Aventurien, Das Schwarze Auge, Rezension, Roman abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Elfenkönig – Prolog

  1. Pingback: Nandurions Lesetagebuch: Prolog von Elfenkönig – Nuntiovolo.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.