Elfenkönig – Eine Rückschau

Der Ritt durch den Elfenkönig ist vorbei. Bei einer Rezension wäre das hier der Platz für ein Fazit. Ich möchte nicht all das wiederholen, was ich bereits geschrieben habe. Eher scheint mir der Moment gekommen für einen etwas emotionaleren Blick zurück. Was bleibt also vom Elfenkönig?

Ich habe den Elfenkönig größtenteils während des Urlaubs gelesen. Wie geplant habe ich mir die Spielregeln einer Leserunde auferlegt und immer nach dem Lesen eines Kapitels erst meine Eindrücke festgehalten. Natürlich fehlen einer Solo-Leserunde die Eingaben anderer Leser. Rückblickend hätte ich noch viel mehr Schreiben und reflektieren können. Tatsache ist jedoch, dass mich während des Prozesses ein gewisser Fließzustand erfasst, der nicht unbedingt durch langatmige Reflexionen ausgefüllt werden möchte. Die Unterbrechung nach jedem Kapitel erst mal wieder zu schreiben ist schon ein gewisses Hemmnis. Die Länge der Beiträge aus dem Tagebuch erschien mir beim Schreiben schon lang. Oder eher das Warten darauf, dass es weitergeht mit dem Buch erschien mir lang.

Die Erfahrungen aus dem Roman sind natürlich sehr persönliche. Etwas unsicher bin ich mir noch, ob die inhaltliche Zusammenfassung am Beginn eines Tagebucheintrags für andere sinnvoll oder erforderlich ist. Mir hilft dieser Abschnitt jedoch, noch einmal die Gedanken zu sortieren, was in dem jeweiligen Abschnitt vorgefallen ist. Aus dieser Perspektive ist es also sehr hilfreich. Die Fokussierung auf bestimmte Themen und sicher auch eine persönliche und emotionale Wertung ist natürlich aus dem Lesefluss heraus sehr subjektiv. Auch die redaktionelle Bearbeitung der Texte habe ich auf ein absolutes Minimum reduziert. Das verändert natürlich die Qualität des Textes von einem geschliffenen Artikel zu einer sehr unmittelbaren Erfahrung. Das war jedoch das erklärte Ziel dieser Übung. Ob ich diese Reise für den letzten Band noch einmal wiederholen werde weiß ich zu dem Zeitpunkt an dem ich diese Worte schreibe noch nicht. Ungefilterte subjektive Eindrücke einer Öffentlichkeit mitzuteilen ist immer auch ein Risiko und ich werde sehen ob ich dieses Wagnis noch einmal eingehen möchte.

Was bleibt vom Text?

Einige Dinge bleiben aber auch vom Text stehen. Die Episode ab Enqui fand ich damals im Abenteuer eher etwas langweilig. Nach all den Schrecken und Gefahren erschien die Reise durchs Hinterland eher popelig. Als ich im Vorfeld hörte, dass ein Großteil der Handlung in Thorwal spielen sollte und die Fortsetzung der Wettfahrt verhandelt würde, war ich entsetzt. Politische Ränke und Zänkereien mitten in der größten Wettfahrt der aventurischen Geschichte?

So ist es alles nicht gekommen. Die Texte sind äußerst kurzweilig zu lesen, die Handlung schreitet voran und wir nehmen Anlauf für das Finale. Etwas schade finde ich es, dass Beorn wieder vorne liegt, denn Leif der Graue hat recht. Beorn könnte nun einfach umkehren und den Sieg einfahren, da bei Gleichstand der Erste in Thorwal gewinnt. Ich hoffe doch sehr, dass Asleifs Ottajasko diese Scharte auswetzen kann und der Epilog stimmt mit zumindest dahingehend positiv.

Ein anderer emotionaler Anker ist das Ende der Geschichte um Zidaine. Ich war nie ein Fan dieses Handlungsfadens und habe daraus kein Geheimnis gemacht. Der Prolog aus dem ersten Band liegt mir immer noch schwer im Magen und aus meiner Sicht hätte die Handlung eine eigene Erzählung verdient. Eine die ich vermutlich nicht hätte kaufen und lesen wollen. Unbestreitbar ist jedoch, dass die Handlung viele Leser angesprochen hat und als Gesprächsstoff diente. Ich zolle dem Respekt und kritisiere dies zugleich indem ich gelegentlich nur halbernst von der Zidaine-Saga spreche. Meines Erachtens lenkt diese Handlung mit ihrer starken Emotionalität von der restlichen Wettfahrt ab und wertet die restliche Saga ab. Das hätte die Wettfahrt um den Titel König der Meere nicht nötig gehabt. Tatsächlich werden wir vermutlich sehen, dass die Autoren das traurige Ende Zidaines noch als Hebel nutzen werden um das Ende zu gestalten. Die letzte Episode der Wettfahrt und das Schicksal Beorns hat bei mir immer Fragen offen gelassen, die nun vielleicht plausibler beantwortet werden können.

Über den Rand geschaut

Damit fasse ich den Rahmen nun auch schon weiter. Ein Punkt der mich völlig unvorbereitet getroffen hat, war der Mord Beorns an einem Mitglied von Asleifs Ottajasko. Ich hatte dies bereits im Tagebucheintrag kommentiert. Erst im Nachgang hatte ich ein YouTube Video gesehen, in dem Bernhard Hennen sich beschwerte, dass ihm ein anderer DSA-Autor diese Handlung durch Setzungen in einem alten DSA-Roman vorgegeben hatte. So etwas kann in einer gemeinsamen Spiel- und Romanwelt natürlich passieren. Ich persönlich hätte hier einen RetCon sehr gut verkraftet. Auch wenn ich ein großer Freund der kontinuierlichen Spielwelt des Schwarzen Auges bin, passte dieser Moment doch so gar nicht zu den letzten zehn Bänden der Saga.

Erfreulich fand ich dagegen die Nachricht, dass die Vorbestellung des neuen Luxusbandes der Saga möglich ist. Wenn diese Zeilen veröffentlich werden, steht die Erscheinung des Buches wahrscheinlich unmittelbar bevor. Ich hatte schon befürchtet, dass Preissteigerungen und andere Unbillen dazu führen könnten, der Band würde nie erscheinen. Nachdem diese Bände so ziemlich das einzige DSA-Produkt sind, bei dem ich jemals den Aufpreis für ein Luxus-Upgrade bezahlt habe, wäre dies doch eine traurige Nachricht gewesen. Umso schöner finde ich es, dass es auch hier weitergeht.

Damit lasse ich den Elfenkönig hinter mir und freue mich darauf mit dem zwölften Band der Saga endlich wieder mal eine Buchreihe abzuschließen. Nachdem ich in den letzten Jahren immer wieder Buchreihen abgebrochen habe, weil mir die Inhalte einfach nicht mehr zusagten, haben Hennen und Corvus auch in meiner persönlichen Bestenliste einen Spitzenplatz sicher.

Referenzen

 

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1 Antwort zu Elfenkönig – Eine Rückschau

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