Praios-Vademecum

Praios Vademecum CoverAlveranischer Hüter der Ewigen Ordnung,
Dein Urteil erkennt die Wahrheit.
Dein Wort schaffe Weisheit,
Es scheidet Wohltat und Gefahr des Wissens.
Gib mir die Klugheit, die Kraft und die Einsicht,
Deinen Willen zu erkennen.

– Auszug aus dem Hausgebet des Hüterordens

Was könnte es für eine bessere Kulisse für eine Rezension zum Praios-Vademecum geben als den fast unnatürlich blauen Himmel mit der gnadenlosen Sommersonne? Man fühlt sich ein bisschen so, als würde einem der Herr selbst auf die Finger schauen, aber ohne Stress. Nun denn, dann wollen wir das Werk, das unter der geistigen Führung von Stefan Unteregger entstanden ist, mal einer gewissenhaften Prüfung unterziehen.

Die oberflächliche Inspektion

Fangen wir mit den Äußerlichkeiten an. Wie schon bei den anderen Bände der Reihe, haben wir hier ein kleinformatiges Büchlein im gewohnten Kunstledereinband in der Hand, 160 Seiten stark und mit einem farblich passenden Lesebändchen. Die Farbe für diesen Band ist ein sattes goldgelb, dass sich deutlich von den bisher verwendeten, eher etwas gedeckteren Farben abhebt. Es ist deutlich leuchtender als die anderen.

Vademecums 2Das Cover ziert nicht das Göttersymbol, sondern stattdessen eine Sonne. Auch in diesem Punkt unterscheidet es sich von den anderen Vademecums, die alle das heilige Tier der jeweiligen Kirche zeigen. Ob es hier um der Einheitlichkeit willen auch ein Sonnenluchs oder Greif hätte sein müssen, könnte man diskutieren. Die Sonne passt auf jeden Fall gut zu dem Band. Mein erster Eindruck war jedoch, dass es eine etwas ruhigere Sonne hätte sein dürfen. Mit diesen vielen kleinen Spitzen und den gewellten Strahlen ist da ganz schön viel los. Mir fehlt so irgendwie ein Eindruck von Ruhe und Ordnung.

Beim ersten Durchblättern fallen am Ende der Kapitel, wie bei den anderen Bänden der Reihe, einige freie Seiten auf, die zu eigenen Notizen einladen sollen, aber wenigstens in meinem Exemplar wieder leer bleiben werden. Die Hemmschwelle, in Bücher hinein zu schreiben ist bei mir persönlich einfach zu hoch.

Die Illustrationen

Praios Vademecum DackelgreifDie holzschnittartigen Illustrationen von Tristan Denecke finde ich bei diesem Band sehr gelungen. Der Stil passt einfach super zum Vademecum und unterstreicht das Ingameflair sowie die Stimmung der Texte. Von den Motiven her finden wir neben Porträts von Heiligen und Halbgöttern auch einige Szenen, wie zum Beispiel einen betenden Praiosgeweihten oder die Entzündung einer Flamme im Opferbecken mit einer Bernsteinlinse. Das einzige Bild, das da etwas heraussticht, ist der etwas dackelbeinige Greif auf Seite 51, aber ich denke, das kann man bei den restlichen tollen Bildern gut verkraften.

Praios Vademecum ZierleisteNicht so schön finde ich leider den Zierbalken. Genauer gesagt, die schräg gestellten Greifen rechts und links, die das geflügelte Auge flankieren. Die fügen sich durch ihre schräge Haltung irgendwie nicht ein und wirken dadurch wie nachträglich angeklebt. Da hätten mir entweder eine ganz andere Haltung oder einfach waagerecht stehende Greifen wesentlich mehr zugesagt.

Der Inhalt

Kommen wir zum eigentlichen Kern des Vademecums: dem Inhalt. Dieser ist in den Bänden immer etwas anders sortiert, aber im Wesentlichen sind die behandelten Themen überall dieselben. Man kann den Inhalt grob in drei Bereiche aufteilen:

Der erste Teil, der die ersten vier Kapitel einnimmt, beschäftigt sich mit dem liturgischen Bereich des Praiosglaubens. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Glaubenswelt, Philosophie, Geschichte und Organisation der Praioskirche. Der dritte Teil hingegen ist der Outgame-Teil und besteht aus den Spieltipps, Fußnoten zu Kapitel II und der Praioskirche nach der Quanionsqueste.

Kapitel I: Gebete und Gesten

Praios Vademecum Betend DaeneckeKapitel I beschäftigt sich sofort mit etwas, was ich in diesen Bänden sehr wichtig finde, nämlich mit den Gebeten und heiligen Gesten. Hier findet man zunächst eine kurze Einführung in die heiligen Gesten. Wie sieht eine Schwurgeste aus, und was meint der Autor mit der „Bannenden Sonnenscheibe“? Gefolgt wird dieses kurze Kapitel von einigen gängigen Gebeten, mit einer vorangestellten kurzen Einführung, wer sie eigentlich wann betet. Sie sind absolut lesenswert und machen sich sicher richtig gut am Spieltisch, wenn man sie frei rezitiert.

Fazit dieses Kapitels: absolut gelungen und eine große Hilfe für den Spieler und Spielleiter, um ein passendes Flair an den Spieltisch zu zaubern … äh, ja, vielleicht in diesem Fall vielleicht eher nicht zaubern.

Kapitel II: Gebete und Lieder

Wieso hier unterschieden wurde, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Vielleicht sollen so die Lieder herausgestellt werden, was sie auf jeden Fall wert sind. Um diese auch für den Spieltisch kompatibel zu machen, finden wir hier zum Teil leicht umgedichtete Volkslieder (Die Güldene Sonne) oder Texte, die man zu bekannten Melodien singen kann. Die Hinweise auf die „Originale“ finden sich als kleine Indices an den entsprechenden Stellen. Leider muss man mit der Zahl dann zu den „Endnoten“ in Kapitel 10 springen, um da die entsprechenden Informationen zu finden. Das finde ich, ehrlich gesagt, etwas schade, hier wäre eine Fußnote meiner Meinung nach zielführender gewesen. Das hätte den Vorteil gehabt, dass man alles auf einen Blick gehabt hätte ohne viel blättern zu müssen, und sofort im Kopf schon mal mitsummen könnte.

Fazit: Die Lieder sind sehr gelungen, lassen sich meiner laienhaften Meinung nach auch recht einfach nachsingen. Ob der Spieler oder Spielleiter das am Tisch dann machen möchte oder nicht, bleibt ja ihm überlassen. Wenn er es also will, hat er hier sieben schöne Lieder an die Hand bekommen, die er einfach benutzen kann.

Kapitel III: Liturgisches Wirken

Dieses Kapitel finde ich sowohl für den Spielleiter wie auch für den Spieler eines Geweihten sehr wichtig. Hier findet man zu allen praiosspezifischen Liturgien das, was man wirklich braucht, um so eine Liturgie im Spiel auch mit Leben zu füllen. Das Kapitel beginnt mit einer Ermahnung an den Geweihten, die Liturgien nicht gedankenlos oder aus Bequemlichkeit anzuwenden. Andererseits ermutigt es den Geweihten, in passenden Situationen, die auch näher dargelegt sind, Praios‘ Macht zu nutzen.

Diese kleine Einleitung ist ein gutes Beispiel dafür, wie das Vademecum den Spieler immer wieder anspricht und abholt. Es ist wirklich charmant, selbst wenn es den Leser mit dem erhobenen Zeigefinger begegnet. So eingestimmt, wird dieser zunächst an die Stoßgebete herangeführt, direkt gefolgt von den Liturgien. Wie bereits bemerkt, handelt es sich hierbei um alle Liturgien, die Praios im Speziellen betreffen. Nicht behandelt werden dagegen die allgemeinen Liturgien, wie zum Beispiel die Göttliche Verständigung, die Initiation und die Objektweihe.

Um zu verdeutlichen, was einen hier erwartet, greife ich einfach mal die „Vertreibung des Dunkelsinns“ heraus:

Auf Seite 326 im Liber Liturgium finden wir unter „Symbole Gesten, Gebete“ folgende kurze Beschreibung: „Der Geweihte führt den zu Heilenden unter freien Himmel und reinigt ihn seinem Kult entsprechend.“

Praios Vademecum OpferbeckenDie Beschreibung im Vademecum beginnt mit dem Satz: „In jenen schweren Fällen, da eine Seele zerrüttet ist durch Zauber, die den Geist knechten, durch finstere Flüche oder andere Pein, kann die Kraft des Herren die Ordnung nach seinem Willen wieder herstellen, doch ist dies eine schwere Prüfung für dich und für jenen, der deiner Hilfe bedarf.“

Nach dieser vagen Andeutung wird die Beschreibung dann konkret. Es werden die einzelnen Stufen der Reinigung ziemlich ausführlich beschrieben. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber neben den rituellen Handlungen bekommt man auch noch eine theologische Deutung der einzelnen Stufen. Es wird nicht bei allen Ritualen mit derselben Detailtiefe gearbeitet, aber man bekommt beim Lesen eine Menge Anregungen, und manche der Aussagen zur Bedeutung kann man mühelos auch auf andere Rituale übertragen. Zudem hat man durchgehend das Gefühl, dass der Geweihte während der Liturgie nur das Werkzeug Praios‘ ist, und das finde ich wirklich cool. Diese Kapitel steckt randvoll mit schönen, stimmigen Ideen.

Was mir auch gut gefällt, ist, dass bei vielen Liturgien eine einführende und teilweise sehr detaillierte Erläuterung dazu steht, wann man sie verwenden sollte und wann nicht. Dadurch, dass es sich an den Leser richtet und man mit „du“ angesprochen wird, ist der Einstieg hier leicht und die Erklärung weit davon entfernt, wie eine technische Beschreibung zu wirken.

Das Fazit für diesen Teil: Gefällt mir wirklich sehr, sehr gut! Es gibt für alle spezielle Liturgien den „Fluff“-Teil, der es nicht in den Regelteil, also in Wege der Götter oder ins Liber Liturgium, geschafft hat. Für mich wäre allein dieses Kapitel Grund genug, eine Kaufempfehlung auszusprechen.

Kapitel IV: Gottesdienste und Rituale

Kommen wir zum letzten liturgischen Teil des Buches. Hier finden wir viele hilfreiche Anregungen zum Ausgestalten eines Geweihten bzw. eines Tempels. Besonders als Meister bekommt man hier viele Vorlagen geliefert, wie der Tagesablauf in einem Tempel aussieht und wie die Gottesdienste organisiert sind. Zugegeben, einerseits erhöht das wieder die Detailfülle, andererseits aber auch die Lebendigkeit Aventuriens. Das heißt für mich unter anderem, dass die Welt auch weiter läuft, selbst wenn man gerade nicht hinsieht und sie nicht so wirkt, als würde alles nur auf die Ankunft der Helden warten.

Neben den täglichen Ritualen bekommen wir auch noch einen Einblick in das Praiostagsgeschehen sowie in alltägliche Rituale wie etwa Brandopfer oder Schuldbekenntniss.

Fazit: Noch ein wirklich gutes Kapitel, das auch gleich Gebrauch von den vorher eingeführten Gebeten macht.

Kapitel V: Das Gefolge des Götterfürsten

Praios Vademecum SchelacharAngefangen mit den Alveraniaren und gefolgt von den Heiligen, finden wir hier absolut brauchbare Kurzporträts. Bei den Alveraniaren wird zudem im Einzelnen gezielt auf das Aussehen eingegangen, was mir sehr gut gefällt. Das sind die Kleinigkeiten, die dabei helfen, Tempelschmuck oder aber regionalen Volksglauben zu improvisieren. Das Gute daran ist, dass man davon ausgehen kann, dass die hier dargestellten Fakten so auch in Aventurien geläufig sind. Bei den Angaben in den entsprechenden anderen Publikationen ist ja nicht immer so klar, was davon nur der Spieler oder auch der Geweihte weiß.

Die entsprechenden Abschnitte sind in jedem Fall geeignet, um sich daraus Gleichnisse für eine Predigt o.ä. zu ziehen. Ein besonderes Schmankerl ist übrigens die etwas verstörende Geschichte des Heiligen Owilmar von Gareth, aber mehr will ich dazu nicht sagen. Lest es lieber selbst.

Mit anderen Worten: Auch dieser Teil gefällt mir.

Kapitel VI: Säulen des Glaubens

Ich weiß, es wird allmählich langweilig, aber auch dieses Kapitel gefällt mir außerordentlich gut. Hier werden die Glaubensgrundsätze – Ordnung, Wahrheit und Recht – näher erläutert. Diese Abschnitte sind die eingedampfte Variante der philosophischen Grundgedanken, denen die Geweihten folgen. Das Spannende ist, dass hier die Grundsätze umrissen sind, deren jeweilige Auslegung zu den unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Praioskirche führen. Auch das ist wieder eine wahre Schatzkiste für Inspirationen und In Game-Diskussionen mit anderen Geweihten und/oder Mithelden.

Praios Vademecum Gryphon StaturNach dieser Einführung ins Thema geht es spannend weiter, nämlich mit Betrachtungen zu den Themen „Von Madas Frevel“ und „Von Fehl und Buße“. Ersteres setzt sich mit der Position der Kirche zur Magie auseinander. Hier finden sich neben genereller Betrachtung des Magieeinsatzes (und den Problemen, die das für die sphärische Harmonie mit sich bringt) auch konkretere Themen, wie etwa die rechtliche Situation der Zaubernden und eine detaillierte Betrachtung zum Grad des Frevels, der durch Magieeinsatz entsteht. Von dem ausgehend kann man sich meiner Meinung nach schön mit Argumenten für die nächste Diskussion mit einem Madaverfluchten bewaffnen.

Das zweite Thema ist mit „Von Fehl und Buße“ überschrieben. Dieses ist wirklich cool und überraschend komplex. Auch hier gibt es viele interessante Gedankenanstöße und Ansätze, die einem dabei helfen können zu verstehen, wie der Praiot so tickt. Es ist darüber hinaus ein herrlicher Hintergrund zu Liturgien, wie zum Beispiel „Vertreibung des Dunkelsinns“, von der ich ja schon etwas berichtete. Ebenfalls Gold wert ist die hier zu findende Idee mit den Sündensonnen.

Ja, lieber Leser, Du merkst, ich bin immer noch schwer begeistert.

Kapitel VII: Geschichte der Gemeinschaft der Sonne

Geschichte, da kommen wir dann tatsächlich mal an einen Punkt, der einfach nicht so richtig meins ist. Es ist erfreulich, dass das komplette Kapitel relativ kurz gehalten ist. Es wird prägnant auf den Punkt gebracht, wer, wann und wieso gefehlt hat, oder auch nicht. Mit anderen Worten: wir haben hier einen grober Überblick über die Zeitalter, teilweise mit hier und da eingestreuten Namen der jeweiligen Heliodane. Das gehört sicher für manche dazu, aber ich tue mich immer etwas schwer mit solchen zeitlichen Abrissen, nicht zuletzt, weil ich mir stattdessen völlig andere Informationen zur Praioskirche gewünscht hätte. Als Hintergrund ist es schon irgendwie ganz nett, aber es ist aktuell schon nicht mal mehr möglich, zu Hals Zeiten zu spielen, was will ich da mit, rein vom Umfang her, nur noch als Andeutungen zu bezeichnenden geschichtlichen Ausschnitten?

Ja richtig, dieses Kapitel hat mich nicht so überzeugt. Rein inhaltlich gibt es absolut nichts zu meckern, das, was ich an Fakten finde, wirkt rund, aber es reißt mich halt nicht unbedingt vom Hocker. Ich hätte mir statt dieses Abschnitts doch noch einige praxisnahe Anregungen gewünscht, auf die ich im Fazit näher eingehe.

Kapitel VIII: Haupt und Glieder der Kirche

Praios Vademecum Hüterorden VignetteDas ist eigentlich schon wieder mehr nach meinem Geschmack. Wir bekommen einen Überblick über die Organisation innerhalb der Kirche. Das Kapitel beginnt am Kopf der Kirche und stellt zunächst den Heliodan vor. Was der gute Mann aber den ganzen Tag so treibt, welche Entscheidungen er selbst in der Kirche fällt und welchen Einfluss er überhaupt hat, oder ob seine Aufgaben eher rein spiritueller Natur sind, das wäre schon noch interessant zu wissen gewesen. Überhaupt wären ein paar Worte zur Organisation der Praioskirche allgemein nützlich gewesen. Vielleicht mit Befehlsketten, Kompetenzen und Pflichten.

Dem folgt dann auch sofort „Der Rat des Lichts“, an den ich mich gar nicht erinnern konnte, der aber bereits zu DSA3 Zeiten im Kirchen, Kulte, Ordenskrieger Erwähnung fand. Dort steht aber auch nicht mehr, als hier zu finden ist. Der zweite Quellenhinweis, den die Wiki hierzu bereit hält, ist eine Stelle im Boten 135, die aber auch nicht ergiebiger ist, da es sich nur um eine Randbemerkung handelt. Was ich wirklich gern über den Rat gewusst hätte, sind eher solche Kleinigkeiten wie zum Beispiel, in welchen Intervallen sich dieser Rat trifft, was die Mitglieder zu sagen haben, ob sie sich da nur beraten oder ob diese Treffen, die ich jetzt einfach mal voraus setze, für den Heliodan die Hauptgelegenheiten sind, Befehle zu geben? Ich finde diesen Rat so an sich ziemlich interessant (und ja, ich gebe zu, dass das angesichts meiner Ablehnung zum Geschichtsteil etwas seltsam wirkt) und hätte da gerne noch zwei oder drei kleinere Fakten gehabt, die sich nicht mit der Zusammensetzung des Rates auseinander setzen, sondern, wie gesagt, eher Aufgaben und Einfluss beleuchten.

Praios Vademecum Ordnungen KarteDer Rest des Kapitels erhellt uns dann im Bezug auf die Ordnungen, in die die Praioskirche den Kontinent aufgeteilt hat. Danach folgen noch einige Worte zu Inquisition und Sonnenlegion, bevor wir uns gänzlich den Orden zuwenden. Hier gibt es auch keine großen Überraschungen. Wir haben neben den Bannstrahlern und Hütern noch einige weitere zu entdecken. Auch hier sind die Beschreibungen recht knapp ausgefallen, und auch hier bemängle ich dasselbe, wie schon beim Heliodan: Wie sind die Ordnungen genau aufgebaut? Wie sehr mischen sich die Luminifacti in die Lichteien ein usw.

Knapp zusammengefasst, denke ich, dass man hier, bis auf oben Bemängeltes, viele Informationen an einer Stelle zusammen getragen hat, die vom Umfang her schon ein gutes Bild liefern. Ob man wirklich mehr braucht, darüber lässt sich diskutieren, nichts desto Trotz wäre es mir an dieser Stelle ganz lieb gewesen.

Kapitel IX: Anregungen zur Ausgestaltung des Praiosgeweihten

In diesem Kapitel geht es konkret an die Tipps. Es werden allgemeine Schwierigkeiten am Spieltisch aufgezeigt. Das sind zum Beispiel altbekannte Probleme wie die Wahrheitsliebe der Praioten, die eine phexische Vorgehensweise schwer macht. Auf der anderen Seiten werden auch die Probleme angerissen, die durch bestehende Vorurteile von Seiten der Mitspieler und Spielleiter bestehen. Es geht dabei noch etwas über die „Lasse ich mich von einem Balsam heilen?“-Problematik hinaus und zeigt dem Spieler einen Weg auf, wie er seinen Praiosgeweihten auf die Straße hinaus und in eine Gruppe hineinbringen kann, Praios Vademecum Braniborohne die Mitspieler permanent zu nerven, oder an jedem zweiten Abend darüber nachdenken zu müssen, weshalb er überhaupt noch in der Gruppe ist (und diese nicht schon längst bei der Garde abgeliefert hat).

Neben dem Kapitel für Spieler gibt es auch extra ein Kapitel für den Spielleiter, welches große und kleinere Probleme noch einmal etwas anders beleuchtet. Das finde ich insgesamt sehr gelungen, weil wirklich viel angesprochen und wenigstens teilweise ausgeräumt wird. Ein gemäßigter Praiosgeweihter in einer etwas gemäßigten Gruppe ist, so wie hier dargestellt, auf jeden Fall denkbar und mit einem passenden Konzept bestimmt auch gut spielbar. Zu guter Letzt finden sich neben den Fluffproblem-Hilfen auch Vorschläge, wie man einen Geweihten an einen der jeweiligen Orden von der Regelseite her anpassen kann.

Fazit: Ziemlich gutes Kapitel! Ich habe mir bereits beim ersten Durchlesen drei Konzepte zu recht gelegt, die ich wenigstens als NSC irgendwann mal spielen möchte.

Kapitel XI: Die Praioskirche nach der Quanionsqueste

Ich hoffe Ihr verzeiht es mir, dass ich mich hier nicht spoilern möchte. Aber ich bin mir sicher, dass es auch hier Großartiges zu entdecken gibt. (Josch hat mir auch versichert, das sei tatsächlich der Fall.)

Fazit:

Ein tolles Vademecum. Es hat genau das geliefert, was ich davon erwartet habe. Es gibt viele kleine Handreichungen für Spieler und Spielleiter zum Darstellen eines Praioten. Die Texte sind durchweg angenehm zu lesen und schaffen es wirklich direkt, beim Lesen eine tolle Stimmung zu transportieren. Ganz grobe Schnitzer, wie fehlende Prädikate zum Beispiel, habe ich nicht einen gesehen. Dazu kommen noch die schönen Bilder von Tristan Denecke, die dem ganzen den letzten Schliff geben.

Praios Vademecum WaageFür die ersten vier wirklich herausragenden Kapitel bekommt das Praiosvademecum von mir also volle 9 Punkte. Da gibt es außer ein paar Nickeligkeiten wirklich nichts zu kritisieren.

Der zweite Teil war immer noch wirklich lesenswert, aber für mich nicht mehr so stark wie der Anfang. Es gab auch hier noch viel zu entdecken und viele, viele Anregungen, die ihre Daseinsberechtigung haben. Gerade die Säulen des Glaubens und die Anregungen zur Ausgestaltung möchte ich hier noch mal betonen.

Was mir dann aber doch ein bisschen gefehlt hat, ist der Einblick ins Geweihtenleben über seine Berufung hinaus. Gerade aus Sicht eines Spielleiters, der eventuell mal einen eigenen Plot schreibt oder auf die spontanen Ideen seiner Spieler reagieren muss, wäre es interessant, Antworten auf Fragen wie die folgenden zu erhalten: Wie leben die Geweihten? Leben alle im Tempel? Sind sie verheiratet? Wie gestaltet sich ihr Privatleben (bzw. inwieweit haben sie das überhaupt)? Wie finanziert sich der Geweihte?

Diese Fragen hätte ich gerne noch beantwortet gesehen, und dafür hätte ich auch gerne auf die Notizseiten oder den Geschichtsteil verzichtet.

Dieses Buch ist randvoll mit verwertbarem Fluff für ein lebendiges Aventurien, inklusive hunderter Plotbunnies für den ambitionierten Abenteuerschreiber. Ich möchte es jedem Spieler eines Praiosgeweihten und jedem Spielleiter ans Herz legen. Für Spieler, die nicht so viel Wert auf den ganzen Fluff legen, ist es vielleicht nichts, aber das dürften nicht so viele sein.

Der gute Bruder Praiotin beginnt seine Führung durch die Stadt des Lichts mit 9 Einhörnern, und verliert auf seiner Führung nur ein einziges dieser scheuen Wesen, das bei seinen Ausführungen über die Zeit der klugen Kaiser sanft entschlummert ist und sich im Traum gefragt hat, was der gute Praiotin wohl unter der Kutte trägt…

Das macht also 8 von 9 Einhörnern für das Praios-Vademecum. Lux Triumphat!

Bewertung Einhorn 8

Über Wölkchen

Das Wölkchen ist seit 1993 leidenschaftliche Aventurierin mit einer kleinen Vorliebe für Al’Anfa, das Mittelreich und die Elfen. Die größte Stärke von DSA liegt ihrer Meinung nach in der lebendigen Welt und dem dichten Hintergrund.
Dieser Beitrag wurde unter 8 Einhörner, Aventurien, Das Schwarze Auge, DSA4, Rezension, Spielhilfe abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Praios-Vademecum

  1. Pallien sagt:

    Vielen Dank für die Rezension! Da hat Stefan Unteregger ja zusammen mit der Quanionsqueste gleich zwei tolle Bücher hingelegt. Ich bin gespannt auf mehr!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert