Der große Beherrscher

Archon Megalon von Nathaniel Park

»Erzähl mir nichts, ich habe den menschlichen Geist in vielen Jahren bis zur Vollendung studiert. Du fürchtest dich – und ich allein vermag dir diese Angst zu nehmen. Das kostet dich allerdings eine Kleinigkeit. Ich brauche dein Blut und eine Strähne deines Haars, dann wirst du befreit sein.«
– Archon Megalon

Miniaturen für das Schwarze Auge gab es schon recht früh. In der gar nicht so guten alten Zeit als unansehnliche Zinnklümpchen, die alle außer den größten Enthusiasten zum Verzweifeln bringen mussten. Nach den frühesten Heldenminis entwickelte FanPro die Reihe weiter, um dann schließlich mit Armalion ein aventurisches Tabletop herauszubringen. Nachdem dieser Ausflug uns immerhin eine ganze Reihe von tischtauglichen Minis beschert hatte, die heute noch bei Ral Partha zu beziehen sind, war die Geschichte der Miniaturen jedoch noch nicht zu Ende. Das „Miniaturenspiel“ Schicksalspfade traf schon auf eine deutlich weiter entwickelte Tabletop-Szene und vor allem auch Medienlandschaft. Die immer wieder geäußerte Kritik an den Miniaturen half der Lebensdauer wenig, zumal das Spiel nicht so recht wusste, was es eigentlich sein wollte.

Unter der Ägide von Ulisses Spiele wurde die Idee der Miniaturen unlängst wieder neu belebt. Mit dem kanadischen Spezialisten Westfalia Miniatures als Partner liefen zwei erfolgreiche Kickstarter mit neuen Miniaturen des Schwarzen Auges, die dann auch in den regulären Verkauf in Deutschland gelangten. Hier erfolgte auch der Abschied von den Zinnfiguren als Werkstoff. Die Kanadier gießen ihre Minis trotz der geringen Auflagen in Kunststoff. Kaum hatte sich dank dieser Vorstöße die Marktfähigkeit von DSA-Miniaturen gezeigt, brachte der Ulisses-Verlag eine neue Idee ins Spiel. Die zunehmenden Möglichkeiten des 3D-Drucks ermöglichten es nun auch die geringeren erwarteten Auflagen wirtschaftlich herzustellen. Ulisses-Allrounder Michael Mingers übernahm mit seinen privat gesammelten Erfahrungen im 3D-Druck die neue Linie.

Im Gegensatz zu den früheren Vorstößen versuchte man diesmal nicht mehr die Miniaturen über ein eigenes (und vermutlich wieder zum Scheitern verurteiltes) Spiel an die Kunden zu bringen. Stattdessen sollten die Miniaturen im Sinne eines reinen Fanservice für die Rollenspieler zur Verfügung gestellt werden. Der 3D-Druck ermöglicht die Produktion auch weitgehend unabhängig von produktfixen Kosten, wenn man mal vom Design des Computermodells selbst absieht. Und natürlich konnte Ulisses hier seinen engen Kontakt zur Fanbasis voll ausspielen. Anstatt auf Verdacht generische Modelle auf den Markt zu werfen, wird die Internetgemeinde befragt. Regelmäßig stehen verschiedene Modelle aus der Kategorie aventurische Persönlichkeiten zur Auswahl. Der Gewinner der Abstimmung schafft es als nächster auf die virtuelle Knetbank.

Hintergrund

Einer dieser Gewinner ist Archon Megalon. Sein Name ist gleich in doppelter Hinsicht ein Hinweis auf seine Herkunft. Namen wie Nick die Nase, Benni Bärenstark, Klaus Kleber oder Oderin(t) du(m) Metuant stammen fast immer aus der infantilen Frühphase des Schwarzen Auges. Alberne Wortspiele gehörten da gewissermaßen zum guten Ton. So ist es auch mit Archon Megalon. Sein Name bedeutet nichts anderes als Großer Beherrscher. Rückblickend könnte man das wohl als Künstlernamen betrachten, wie etwa Der Große Theatralo. Leider war der Name damals wahrscheinlich ernst gemeint. Und beide Interpretationen führen uns auf den richtigen Weg. Der Druide Archon Megalon ist eine der ältesten noch lebenden Figuren des Schwarzen Auges. Seinerzeit als Hofmagus (!) in Havena nach einem Brand geflohen, geistert er nun schon seit Jahrzehnten durch die Welt des Schwarzen Auges. Er ist eine jener Gestalten, auf die Nanduriat Thorus in seinem lesenswerten Artikel zur Wahrnehmung von Meiserpersonen Bezug nimmt. Eine machtvolle Einzelperson mit eigener Agenda, die praktisch jederzeit überall auf dem Kontinent auftauchen kann. Besonders interessant ist dabei seine Vielseitigkeit. Der brillante Beherrscher und Angstforscher verfolgt skrupellos seine Ziele. Ob er in einer Geschichte Antagonist, Questgeber, Vertragspartner oder gar Verbündeter ist, kann sich mit jedem Auftritt wieder ändern.

Erscheinungsbild

Eine Gestalt, die schon so lange durch die Welt des Schwarzen Auges geistert, hat natürlich auch schon einige Iterationen in ihrer Darstellung durchlaufen. Wie so oft gibt es ein klassisches Portrait der stilprägenden Künstlerin Caryad, welches lange Zeit Bestand hatte und somit zu „dem“ Portrait von Megalon wurde. Doch der umtriebige Druide taucht immer wieder an den unterschiedlichsten Stellen auf und darf sich daher auch mal ein neues Outfit gönnen. Als Strippenzieher hinter den Spielsteinen erhält er ein Schwarz-Weiß Bild. In der Computerspielreihe Drakensang tritt er mehrfach als lumpige, graubraune Gestalt in Erscheinung. Die aktuelle Darstellung, welche auch für die Miniatur Pate stand, hat Nathaniel Park deutlich ansehnlicher ausgestattet. Ich hatte schon immer ein Problem damit, warum die druidischen Beherrscher, deren erklärtes Ziel die Beeinflussung von Menschen ist, herumlaufen sollten wie zerlumpte Eremiten. Nicht nur in der Fantasy gilt doch Schein ist Sein. Und warum sollte ein Druide auf dieses einfache Mittel verzichten und sich allein auf Zauberei verlassen um Menschen zu manipulieren? So ist also für mich klar, dass ich mich weitgehend an Parks Darstellung orientieren werde und die künstlerische Vorlage auf die Miniatur zu übertragen versuche.

Zu diesem Zeitpunkt ist mir noch nicht ganz klar, wie ich mit dem Base der Figur umgehen werde. Archon Megalon ist die erste der aventurischen Persönlichkeiten in dieser Reihe, die ich auf dem Maltisch habe. Neben der ikonischen Heldin Rowena hat es bislang nur der berittene Lucardus von Kémet vor meinen Pinsel geschafft. Vielleicht werde ich mir an den dortigen Überlegungen ein Beispiel nehmen und einen neuen Standard für meine Persönlichkeiten des Schwarzen Auges als Miniatur schaffen.

Die Bemalung

Die Figur des Druiden in seiner Kutte ist etwas monolithisch. Daher kommt der räumlichen Wirkung des Stoffes durchaus höhere Bedeutung zu. Nach einer Schwarzen Grundierung und weißen Lichtern beginne ich mit dem eigentlichen Farbauftrag. Ich versuche es zunächst mit grüner und blauer Tinte, die über die Hell-Dunkel-Verläufe gesprüht wird. Es zeigt sich jedoch, dass die von mir verwendeten GW-Produkte für dieses Vorhaben deutlich zu dunkel sind. Ich mische also neue Farben an und versuche über diesen dunklen Schleier mit deckenden Farben weiterzuarbeiten. Auch hier bleibe ich zunächst bei der Airbrush und versuche allein damit, die Farbverläufe so herauszuarbeiten, dass ich ausreichend Plastizität generiere. Getreu der Vorlage stelle ich mir Megalon, der auch den Titel eines Verhüllten Meisters trägt eher als eine Figur am Rande des Schattens vor. Vor diesem Hintergrund passen die dezenten aber deutlichen Akzente besser als die häufig stark übertriebenen Lichter und Kanten, die besonders den Präsentationsstil von Games Workshop prägen.

Haut und Haare halte ich zunächst simpel. Die Augen als Schatten zu inszenieren passt wiederum schön zum Bild des Druiden. Ohnehin sind meine Augen kaum mehr in der Lage diese Abstände sinnvoll aufzulösen. Als besondere Ausstattung kommt die goldene Borte des Mantels ins Spiel. Aufgrund der geringen Flächen entscheide ich mich schnell auf allzu wagemutige Versuche zu verzichten und schnappe mir die Goldfarbe.
Dummerweise geht meine grandiose Idee nach hinten los. Das Pigment der Metallfarbe verklumpt auf dem Modell und sieht völlig inakzeptabel aus. Ich ändere also meine Meinung und beschließe, die Farbe wieder vom Modell zu entfernen. Da ich die Übergänge der Kutte mit der Airbrush gestaltet habe, ist dies eine heikle Angelegenheit, will ich doch nicht das komplette Modell neu anmalen. Mit Verdünnung und dem Fingernagel ist die Farbe schnell entfernt. Interessanterweise hält die schwarze Grundierung von Vallejo der mechanischen Bearbeitung stand. Erneut mache ich mich ans Werk und versuche diesmal mit Gelbtönen und Lichteffekten die goldene Borte zu gestalten. Die feine gezackte Linie der Borte stellt mich wieder von eine Herausforderung.

Nachdem ich mit der Kutte nun mehr oder weniger zufrieden bin, wende ich mich noch einmal den Details zu. Durch den Mantelüberwurf und die bodenlange Kutte wird die ganze Figur in eine recht uniforme Decke gehüllt. Neben der interessant geflochtenen Kordel hat Nathaniel Park dem fähigen Alchimisten ein Accessoire spendiert, dass ich besonders spannend finde. Der Druide trägt eine große Gürteltasche mit mehreren Phiolen. Ich grundiere das Glas mit weißer Farbe und versuche dann mit farbigen Tuschen den Effekt durscheinender Flüssigkeiten zu imitieren. Gewiss kein akademisch perfekter Ansatz, aber es tut seinen Dienst. Im Nachgang muss ich noch ein paar Fehler ausbessern, doch dann bleibt nur noch eines zu tun.

Das Base

Ja da ist es wieder. Der wahre Bossgegner auf dem Maltisch. Das Base. Wann immer ich diesen Teil vor mir habe, bricht die Nervosität aus. Ist es kreative Überforderung, die Angst vor dem eigenen Versagen? Für gewöhnlich ist jedes meiner Bases individuell, da ich keine Kampfgruppen oder gar ganze Armeen im „batchpainting“ bemale. Natürlich könnte ich auch hier wieder der maximalen Individualität Rechnung tragen und für jede einzelne Persönlichkeit ein besonderes Einzelstück kreieren. Andererseits reizt mich der Gedanke die Riege der aventurischen Persönlichkeiten im Stil einer eigenen Galerie auszustatten. Das Base darf also etwas neutraler ausfallen und sollte für Figuren verschiedener Herkunft geeignet sein. Stellt sich also die Frage, was ist einerseits neutral, aber andererseits angemessen für den besonderen Status, den diese Figuren haben sollen?

So ein Kronkorkenbase hat auch was für sich. Aber ein echter Meister braucht natürlich Marmor.

Nachdem ich verschiedene Ideen hin und her gewälzt habe, entscheide ich mich es mit einem Marmorboden als Untergrund zu versuchen. Dies bringt mein Projekt zunächst einmal zum Stocken, denn bislang habe ich mich immer davor gedrückt und ich muss zunächst noch einmal recherchieren, welche Techniken in der Miniaturen-Community für dieses Design üblich sind. Für die Marmorierung trage ich dann zunächst eine Mischung aus dunklem Blau und Grün auf. Im nächsten Schritt spreize ich das faserige Textil eines Feuchttuches über der Fläche und sprühe mit der Airbrush die hellen Creme- und Weißtöne auf. Tatsächlich verzögerte dieser Schritt das Projekt um unglaubliche Monate, weil wir seit Jahren keine Feuchttücher mehr im Haushalt führen und ich jedes Mal wieder beim Einkaufen nicht daran gedacht hatte.

Mein letztes Persönlichkeiten-Projekt war der berittene Feldherr Lucardus von Kémet. Dort hatte ich dem berühmten Namen Rechnung getragen, indem ich ein Namensschild an seinem Base befestigte. Ähnlich möchte ich nun hier vorgehen. Der besondere Status der Figuren wird durch einen goldenen Rand angezeigt, auf den ich dann den Namen pinseln kann. Ich hoffe, dass durch diese Kniffe der besondere Galerie Effekt der berühmten aventurischen Persönlichkeiten gut zum Ausdruck kommt.

Fazit

Die Bemalung des berühmtesten aventurischen Druiden ist an und für sich eine simple Geschichte. Durch den Umhang, Mantel und Bart sind bei Megalon viele Flächen vorhanden, an denen man sich schwungvoll betätigen kann ohne sich mit unzähligen Details abzumühen. Etwas mehr Zeit als üblich habe ich aufwenden müssen, weil ich mit der Goldfarbe am Mantel Probleme hatte. Hier muss ich wohl noch die Handhabung etwas üben, bevor ich mich an schwierigere Projekte wage. Mit dem Base wage ich nun ebenfalls einen neuen Schritt. Ob sich dieser auch in Zukunft bewährt, muss sich noch zeigen.

Was heißt hier schon Persönlichkeit?

Archon Megalon war meine erste Miniatur aus der Ulisses-Reihe der aventurischen Persönlichkeiten. Natürlich gibt es da noch eine Menge mehr, die darauf warten den Pinsel zu spüren zu bekommen. Bevor ich mich jedoch in zukünftigen Projekten mit anderen Bemalungen beschäftige, lohnt es sich vielleicht noch einen Blick auf die Auswahl der Figuren an sich zu treffen. Die Figuren werden durch Kundenbefragungen aus jeweils zwei Alternativen ausgewählt. Schauen wir uns mal die derzeitige Auswahl an.

  • Borbarad, ultimativer Erzschurke mit Raumschiff, DSA1-4
  • Rohal, entrückter Mentor und Philosoph, DSA2-4
  • Rakorium Muntagonus, paranoider Erzmagier und Questgeber, DSA1-5
  • Archon Megalon, verhüllter Meister und Angstforscher, DSA1-5
  • Rohaja von Gareth, tragische Herrscherin, DSA4-5
  • Gaius Cordovan Eslam Galotta, Erzschurke und Raumschiffkommandant, DSA2-4
  • Fahende, Dryade, DSA5, noch nie von ihr gehört
  • Der Aikar Brazoragh, Auserwählter Herrscher der Orks, DSA2-5
  • Razzazor, untoter Drache und Paktierer, DSA3-4
  • Arombolosch, Sohn des Agam, König unter dem Berg, DSA2-5
  • Pardona, Verderberin der Elfen, DSA2-5
  • Asleif Phileasson, heldenhafter Entdecker, DSA2-4
  • Leudara, ambivalente Kultführerin, DSA5
  • Nahema ai Tamerlein, verhüllte Meisterin mit Kettenhemd,DSA1-5
  • Waldemar von Weiden, bäriger Herzog der Mittnacht, DSA2-4
  • Alara Paligan, ewigschöne Kaiserwitwe, DSA2-5
  • Dexter Nemrod, Großinquisitor und Reichsgroßgeheimrat, DSA2-4
  • Helme Haffax, strategisches Genie und Reichsverräter, DSA2-4
  • Beorn der Blender, heroischer Plünderfahrer, DSA2-4
  • Azaril Scharlachkraut, Borbaradianerin ,DSA2-5
  • Lassar von Schwarzenberg, unbekannt, DSA5
  • Xenos von den Flammen, Der Geode, DSA3-5
  • Gwynna die Hex, Beraterin am Weidener Hof, DSA3-5
  • Hal, Kaiser des Mittelreichs, DSA1-2
  • Khydaka Eisblüte, coole Nachtalbin, DSA5
  • Thomeg Atherion, Spektabilität und Sexualmagier, DSA3-5
  • Tula von Skerdu, unsterbliche Oberhexe, DSA2-5

Es ist wohl kein Zufall, dass die allermeisten dieser legendären Schurken und Helden schon zu DSA2 Zeiten angelegt wurden und bis auf die uralten oder unsterblichen Tunichtgute in den Kriegen der ausgehenden 4. Edition entsorgt wurden. Die Problematik der schwachen Meisterpersonen der 5. Edition ist jedoch ein Thema für eine andere Kolumne. In jedem Fall dürften ein paar interessante Projekte dabei herumkommen.

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Eine Antwort zu Der große Beherrscher

  1. Timo sagt:

    Erstmal schön, hier einen Bemalartikel zu sehen.

    Ich habe schon viel Bemalsachen gelesen und viele Videos gesehen und habe schon mehrere hundert Figuren bemalt. Diese Abdeckmasse kannte ich noch nicht, nutze aber auch keine Airbrush.

    Mein Tipp: Schau dir mal das Malen per „Slap Chop“ an und mit einfachen Contrast bzw. Speedpaints an. Ich denke dass du da deutlich schneller und leichter zu einem viel besseren Ergebnis kommen könntest.

    Ich finde persönlich deine Figur aber nicht schlecht. Nicht falsch verstehen. Ich finde sie „ok“. Da geht wirklich leicht deutlich mehr.

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