Tyrann des Grauens

Den regelmäßigen Leser dieser Kolumne wird es nicht überraschen zu erfahren, dass mir irgendwann beim Kramen in meinen alten Sachen, ein paar Figuren aus dem Brettspiel Das Dorf des Grauens in die Hände fielen. Auf der Suche nach interessanten Miniaturen aus der Welt des Schwarzen Auges, lässt sich in diesen alten Dungeon-Crawlern immer eine Figur finden, die besonders herausragt. In der Liga der Endbosse ist Turak der Tyrann eine meiner Lieblingsfiguren. Auch wenn ich die Kämpfe gegen den Meister über das Dorf des Grauens nicht unbedingt in bester Erinnerung behalten habe, so ist die Miniatur doch eine eindrucksvolle Gestalt. Getreu dem statuesken Stil jener Zeit, der durch die Firma Games Workshop geprägt wurde, fehlt es Turak an jedweder Dynamik. Dies macht er jedoch durch seine schiere Präsenz mehr als wett.

Idee

Das Cover der Brettspielbox zeigt bereits einen, weit im Hintergrund gelegenen, Tyrannen in seiner Festung. Die Farbgebung sagte mir zwar schon einigermaßen zu, dennoch wollte ich hier einige Änderungen vornehmen und die Farben etwas verschieben. Insbesondere die Rüstung sollte einen Rotton erhalten, welcher der blutigen Brutalität des Tyrannen angemessen wäre.

Doch kein Erzschurke oder Endboss kommt ohne seine Schergen aus. Im Spiel selbst übernimmt der Unhold, ein in Ketten gelegter Untoter, die Rolle des Champions. Doch diese Miniatur gefiel mir nicht besonders. Die auf dem Cover prominent platzierten Kobraner waren bereits für ein anderes Projekt verplant und so entschied ich mich, dem Tyrannen die Hobgoblins an die Seite zu stellen. Ja, in der Tat Hobgoblins. Auf der Box kaum zu erkennen, verfügt das Spiel über vier schwer bewaffnete Figuren, deren gebeugte Gestalt an Goblins erinnert. Auch wenn es in der Welt des Schwarzen Auges keine Hobgoblins gibt, für meine Zwecke waren die Miniaturen ideal. Da sie ebenfalls schwer gepanzert waren, könnte ich in ihren Rüstungen das Farbschema des Anführers spiegeln und so die Verbindung zwischen Schurken und Schergen schaffen.

Bemalung

Die ersten Schritte bestanden wie immer aus der Grundierung mit schwarzem Primer und dem Anleuchten mit weißer Farbe um die Farbwirkung etwas zu differenzieren und Details zu erkennen. Dann begann ich die Grundfarben festzulegen. Die Schergen erhielten neben der Bewaffnung einen hellen Grünton, der meines Erachtens gut zu den klischeebeladenen Figuren jener Zeit passt. Turaks Rüstung wurde mit einer roten Tinte besprüht und die Kleidung über violette Unterkleidung weiter bis zu einer auffälligen hellblauen Hose entwickelt. Die gepanzerten Handschuhe sollten einen tonalen Kontrast bieten und da sie mich ohnehin an etwas Echsisches erinnerten, erhielten sie eine Grundfarbe mit Schuppengrün. Diese Farbe wurde dann auch auf der Rückseite in dem langen Mantel aufgegriffen, dessen Lamellenstruktur gut dazu passte.

An diesem Punkt musste ich nun das Konzept für die Goblins ausgestalten. Von Anfang an war mein Plan, hier das Farbschema des Tyrannen zu spiegeln. Anstatt einer direkten Kopie wollte ich jedoch zum Ausdruck bringen, dass Turak über eine höherwertige Ausrüstung verfügte. Daher gestaltete ich die Rüstungen der Schergen zwar mit ähnlichen Farben, veränderte jedoch beispielsweise das Rot in eine mehr desaturierte Variante. Die Highlights wurden sparsamer und ebenfalls dezenter im Ton gesetzt. Zudem wurde das Gesamtbild über den Einsatz von Washes noch etwas gedämpft. Nachdem Turaks Gesicht vollständig hinter der Maske seines Helms verborgen ist, wollte ich auch den Schergen nicht zu viel individuellen Charakter verleihen. Zu deren Kontext gehört ja gewissermaßen die Eigenschaft „gesichtslos“. Daher verzichtete ich auf den Versuch die Augen oder Gesichtszüge weiter auszugestalten.

Während die Soldaten ihre Bases bereits in den Sand tauchten und mit Moostupfen beklebten, wollte ich an Turak noch weitere Verfeinerungen vornehmen. Die NMM Variante des Schwertes gefiel mir nicht ganz so schlecht, aber dennoch sah die Waffe mehr nach einem steinernen Schwert aus. Nachdem ich die Farbverläufe des grünen Mantels noch einmal überarbeitet hatte, verwendete ich schließlich für das Schwert auch wieder Metallfarben als Grundlage. Die letzten Anpassungen wurden an den Lichtern der roten Rüstungsteile vorgenommen und der metallische Schlangenschwanz auf dem Kettengeflecht noch einmal mit grüner Tinte nuanciert.

A hole in the ground

Die Arbeit an den Bases war hier etwas anders als sonst. Während ich die Hobgoblins mit etwas Sand, Geröll und Moos beglückte, war Turaks Base zum größten Teil von seiner massigen Gestalt verdeckt. Das für die Brettspiele typische Loch im vorderen Bereich der Rundbases war jedoch auch bei ihm gut erkennbar. In meinem wiederkehrenden Größenwahn beschloss ich, auch hier ein besonderes Element für das Base zu gestalten. Das Loch im Boden inspirierte mich dazu einen Schlangenkopf aus Greenstuff zu modellieren, um diesen als besonderes Erkennungszeichen auf dem Base zu platzieren.

Mit einem ersten Versuch war ich noch recht unzufrieden, aber die zweite Variante war nah genug dran, um den Weg aufs Base zu finden. Um den fehlenden Schlangenkörper zu tarnen gönnte ich dem Base des Tyrannen etwas mehr Islamoos als seinen Schergen. Dann war der furchteinflößende Krieger aber auch schon spielbereit und konnte sich mit seinem Gefolge aus fiesen Hobgoblins ins nächste Gefecht stürzen.

Fazit

Turak der Tyrann ist eine besonders ikonische Gestalt und muss sich wahrlich nicht hinter anderen Miniaturen seiner Zeit verstecken. Tatsächlich stellen die Hobgoblins in meinen Augen eine ideale Ergänzung dar und das Konzept der gemeinsamen Farbschemata ist wirklich gut gelungen. Ausnahmsweise bin ich sogar mit den Bases einigermaßen zufrieden. Ein Großteil der 15 Stunden, die ich in die Bemalung der Miniaturen gesteckt habe, ist allerdings auf den fiesen Chaoskrieger verwendet worden. Auch wenn das für meine Verhältnisse schon ein recht aufwendiges Projekt war, so kann sich das Ergebnis meines Erachtens wirklich sehen lassen. In jedem Fall hatte ich eine Menge Spaß bei der Bemalung und der Fiesling und seine grünen Schergen werden sicher schon bald wieder zum Einsatz am Spieltisch kommen.

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